2025 (Folge 274–296)
Ilko-Sascha Kowalczuk (Historiker)
Folge 274In der Sendung „phoenix persönlich“ spricht Inga Kühn mit dem Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk u.a. über eine Politik ohne Zukunftsvisionen, den Wunsch der Menschen nach Sicherheit, die Stunde der Populisten und über die Frage, warum der Osten seiner Meinung nach Trendsetter bei politischen Entwicklungen ist. „Wir leben in einer Zeit dauernder Erregungsspiralen“, sagt der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk. „Alle reden schlecht über unser Land. Was ist denn das für ein Land? Wir leben in einem der freiesten, stabilsten, sichersten, ökonomisch stärksten Länder der Welt.Und ich kann immer nur sagen: Macht doch mal die Fenster auf, lasst mal die stickige Luft aus euren verrauchten Höhlen und schaut mal raus, wie die Welt wirklich aussieht.“ Man solle sich auch mal zu den positiven Seiten des Landes bekennen und sagen „Liebe Leute, wir leben hier wirklich nicht in einer Quasi-Diktatur, gewissermaßen am Abgrund.“ Als „dramatisch“ bezeichnet es Kowalczuk, dass wir keine „Zukunftsvisionen“ mehr hätten. „Wir haben auch gar keinen Zukunftsbegriff mehr. Früher waren Politik und Parteien dafür da, Zukunft zu gestalten. Heute sind die Parteien so damit befasst, die unübersichtliche Gegenwart irgendwie zu verwalten, dass da gar kein Platz und kein Raum mehr bleibt für größere Visionen.“ Große Teile der gesamten westlichen Welt seien stark verunsichert, so Kowalczuk weiter. Und in Zeiten von Verunsicherung, würden sich die meisten Menschen nach einem sicheren Ort sehnen: „Was ist der sicherste Ort, den die Menschen haben? Das ist die Vergangenheit. Das ist nämlich der einzige Ort, an dem wir uns wirklich auskennen.“ Das sei die Stunde „der Populisten, der Extremisten, der Faschisten, der Kommunisten“. Denn: „Viele Menschen lieben nun mal einfache Antworten auf hochkomplexe Fragen.“ Insgesamt sieht Kowalczuk die westliche Welt an der Schwelle zu einer autoritären Wende und den Osten Deutschlands lediglich als eine Art „Trendsetter“ derartiger Entwicklungen: „Das sieht man ja auch, egal, wo man hinschaut. Es gibt keinen Grund, egal, wo man in Deutschland lebt, irgendwie mit dem Finger auf den Osten zu zeigen. Der Osten ist in aller Regel nur etwas schneller, etwas radikaler und etwas früher mit den Entwicklungen dran, als das, was dann im Westen passiert.“ Zu seinem Selbstverständnis erklärt Kowalczuk: „Ich war nie ein Historiker, der im Elfenbeinturm sitzt und sagt, was kümmert mich das, was meine historischen Analysen gewissermaßen anrichten, sondern ich versuche eben auch, gesellschaftspolitische Debatten anzustoßen, mitzuführen. Das mache ich seit 35 Jahren an ganz unterschiedlichen Punkten.“ Er stelle nur seine Thesen zur Diskussion, so Kowalczuk: „Ich sage auch nicht, dass ich die Wahrheit habe“, doch könne er eben anders sprechen als Politikerinnen und Politiker, die gewählt werden wollten. (Text: Phoenix) Deutsche TV-Premiere Fr. 19.09.2025 Phoenix Bärbel Bas (SPD-Bundesarbeitsministerin)
Folge 275In der Sendung „phoenix persönlich“ spricht Eva Lindenau mit Bärbel Bas, Bundesarbeitsministerin und Co-Vorsitzende der SPD u.a. über ihre Reformvorhaben, den Missbrauch des Sozialsystems und ihre Aufstiegsgeschichte.„Wir gehen das Thema jetzt an. Ich habe das auch von mir aus gesetzt“, sagt Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas mit Blick auf den Missbrauch des Sozialsystems durch kriminelle Banden: „Ich komme aus Duisburg, ich sehe das live vor Ort, wie die Menschen ausgenutzt werden“, so Bas weiter und wie Banden dadurch von Steuergeldern profitieren würden. Das müsse unterbunden werden, da sei sie mit der Union „nicht auseinander“. „Aber es ist nicht ganz einfach zu lösen, das kann ich nicht allein bei mir im Ministerium.“ Dazu brauche sie auch den Innenminister und den Finanzminister, weil bei diesem beispielsweise der Zoll angesiedelt sei. „Dann geht es um Aufenthaltsgenehmigung und so weiter.“ Dass Bundeskanzler Merz die Reform des Bürgergeldes nicht allein dem Arbeitsministerium überlassen wolle, sondern einen Top-down-Ansatz bevorzuge, sei für sie „keine Überraschung“, erklärt Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas: „Wir sind jetzt seit Wochen schon im Gespräch, wir beide. Und wir sind auch mit den beiden zuständigen stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden im Gespräch, weil wir sagen, wir wollen eine gemeinsame Lösung in dieser Koalition. Das ist für beide Seiten ja kein einfaches Thema.“ Es sei jetzt für sie „keine Überraschung“ gewesen, so Bas weiter, „dass er sagt, ich kümmere mich jetzt selbst darum, sondern er tut es ja auch, also mit mir zusammen, deshalb, das geht gar nicht gegen mich.“ Doch hätten sie zunächst eine „politische Lösung“ herbeiführen wollen, bevor ein Gesetzentwurf auf den Tisch gelegt werde, sagt Bas. Der Gesetzentwurf sei bereits fertig: „Ich habe ihn jetzt zurückgehalten, weil wir eine politische Lösung brauchen.“ Es sei das Ziel, den Sozialstaat effektiver, passgenauer und damit auch schlanker zu machen, sagt Bas. „Und wenn wir am Ende dabei durch verschlankte, digitalisierte Verwaltungsprozesse auch Geld sparen, umso besser.“ Doch warnt sie davor, bei all den Diskussionen über den Sozialstaat, den Menschen Angst zu machen. „Weil viele Menschen sind auf diesen Sozialstaat angewiesen.“ All das, was sie gesetzlich mache, würde Millionen von Menschen betreffen, so Bas. „Wir sollten den Menschen jetzt nicht Angst machen mit Diskussionen, dass ihre Rente gekürzt wird.“ (Text: Phoenix) Deutsche TV-Premiere Fr. 26.09.2025 Phoenix Emily Haber (Ehemalige deutsche Botschafterin in den USA)
Folge 276In der Sendung „phoenix persönlich“ spricht Theo Koll mit der Diplomatin Emily Haber über ihre persönlichen Begegnungen mit US-Präsident Donald Trump, den Abschied Amerikas von der globalen Ordnung und die künftige Rolle Deutschlands in der Welt. Während der ersten Amtszeit Donald Trumps ist die ehemalige Botschafterin in den USA, Emily Haber, dem US-Präsidenten mehrmals persönlich begegnet. Erstaunt habe sie dabei registriert, wie sehr dessen öffentliche Persönlichkeit mit der nicht-öffentlichen Persönlichkeit übereinstimme. Auf seine zweite Amtszeit schaut sie jetzt von Deutschland aus und stellt fest, dass diese Administration anders sei als die erste.„Sie ist viel besser vorbereitet und der Präsident ist von einem Personal umgeben, das fest entschlossen ist, seine Vorgaben loyal umzusetzen.“ Mit Blick auf Trumps jüngste Äußerungen zu einem möglichen Einsatz des Militärs im Inneren sagt Haber: „Es ist der Versuch, eine Institution, die hoch angesehen ist und immer unpolitisch war, zu politisieren.“ Der Präsident folge hier dem Muster des Umgangs mit der Justiz. „Wir haben es mit einer Verschiebung der Normen zu tun“, so Haber. Die Demokraten hätten bisher keine gemeinsame Antwort auf die Politik Trumps gefunden: „Innerhalb der Demokratischen Partei gibt es im Moment eine heftige Debatte, in welche Richtung sie sich in Zukunft aufstellen soll.“ Die Entscheidung, sich nicht auf eine Verlängerung für den Haushalt zu einigen und es somit zu einem sogenannten Shutdown kommen zu lassen, zeige aber, dass die demokratische Basis einen inszenierten Widerstand wollte. In der gegenwärtigen Situation des Umbruchs sei es schwer, belastbare Voraussagen zu machen, aber man könne einen Trend erkennen, der einem Sorge machen sollte, sagt Emily Haber: „Der Trend geht in der Tat in Richtung Abbau der Checks and Balances und Ausdehnung exekutiver Macht des Präsidenten.“ Die ehemalige Botschafterin macht deutlich, dass sich die internationale Lage insgesamt verändert habe: „Es ist eine schwere Krise globaler Ordnung, weil Amerika, bisher Hüterin der globalen Ordnung, sich von Strukturen, Regeln und Verträgen abwendet.“ Sie glaube, dass die internationale Ordnung anarchischer werde. Folglich müssten Deutschland und Europa eigenständiger werden: „Wenn wir europäische Resilienz, Handlungs- und Abschreckungsfähigkeit entwickeln wollen, dann brauchen wir Taktgeber.“ Diese Rolle müsste nicht Deutschland allein übernehmen, aber ganz sicher auch mit dabei sein. Die zentrale Botschaft der Diplomatin: Deutschland und Europa sollten sich nicht darauf verlassen, dass die USA automatisch die Stabilität der internationalen Ordnung sichern würden. Vielmehr gelte es, in einer zunehmend „anarchischen“ Weltordnung eigene Stärke und strategische Handlungsfähigkeit auszubauen. (Text: Phoenix) Deutsche TV-Premiere Fr. 03.10.2025 Phoenix Prof. Peter R. Neumann (Politikwissenschaftler)
Folge 277In der Sendung „phoenix persönlich“ spricht Eva Lindenau mit dem Extremismus-Forscher Peter R. Neumann über das Erstarken der extremen Rechten in ganz Europa, die Defizite der Ampel-Regierung und der Union sowie den Umgang mit der AfD.„Ich empfehle, dass man diese Brandmauer konsequent aufrechterhalten sollte“, sagt Peter R. Neumann, Professor für Sicherheitsstudien am King’s College in London und warnt u.a. mit Blick auf den Erfolg der FPÖ in Österreich vor jedweder Zusammenarbeit mit der AfD. „Das ist das Problem, wenn man diese Rechtspopulisten einbindet, dass man erstens im Falle der AfD eine Tolerierung oder Partnerschaft mit einer antidemokratischen Partei anstreben würde. Das ist erstmal schon problematisch. Und zweitens ist es so, dass diese Populisten oder Extremisten meistens von solchen Zusammenarbeiten oder Partnerschaften mehr profitieren als die demokratischen Partner, die verantwortungsvoll sein möchten.“ Nicht nur in Deutschland, sondern überall in Europa konstatiert Neumann ein Erstarken der Rechtsextremen. „Wir haben in den letzten Jahren eine Krise nach der anderen gehabt, Migrationskrise, Coronakrise, Ukraine-Krieg, Klimakrise, Inflation.“ Hinzu käme die Veränderung der Arbeitswelt zunächst durch die Globalisierung, jetzt durch Künstliche Intelligenz. „Leute sind sehr verunsichert, sind sehr ängstlich. Und ich glaube, es ist genau diese Verlustangst, die nicht nur ökonomisch ist, da geht es nicht nur um Geld, sondern es geht auch um Status, um Würde, um Identität, diese Verlustangst ist momentan größer als in den letzten zehn, zwanzig, dreißig Jahren. Und diese Verlustangst ist der Nährboden, auf dem Rechtsextreme ihre Unterstützer finden.“ Rechtspopulisten oder Rechtsradikale würden Gesellschaften polarisieren, menschenverachtende Narrative normalisieren und könnten- so Neumann mit Verweis auf Amerika- das ganze System destabilisieren. Neumann betont, wie wichtig es sei, auch über strittige Themen wie etwa die Migration zu debattieren, dieses Thema habe man zu lange der AfD überlassen. „Viele Leute wollen eine Politik, die handlungsfähig, konstruktiv, demokratisch zeigt, wie man mit dem Migrationsproblem fertig wird. Was ist das für ein Problem? Nur um das mal klarzumachen: Das Problem, glaube ich, was viele Leute mit Migration haben, ist nicht die Tatsache, dass es Migration gibt, sondern dass sie das Gefühl haben, dass es nicht genug gesteuert wird. Und dass es möglicherweise auch zu viel auf einmal ist. Und das ist eine Diskussion, die kann eine demokratische Gesellschaft auch haben, ohne dass es gleich extremistisch werden muss.“ (Text: Phoenix) Deutsche TV-Premiere Fr. 10.10.2025 Phoenix Konstantin Richter (Journalist)
Folge 278In der Sendung „phoenix persönlich“ spricht Jörg Thadeusz mit dem Journalisten und Buchautor Konstantin Richter über den Aufstieg und Wandel deutscher Unternehmen sowie über die Entwicklung des deutschen Wirtschaftssystems.Der Journalist Konstantin Richter zeichnet in seinem Buch „300 Männer – Aufstieg und Fall der Deutschland AG“ ein Porträt deutscher Unternehmensgeschichte – von den Gründerjahren im Kaiserreich bis in die Gegenwart. Und damit auch ein Porträt der deutschen Wirtschaftsgeschichte. In „phoenix persönlich“ erzählt der Autor warum ihn gerade diese Epoche so fasziniert: „Diese Unternehmen, also Bayer, Siemens, Deutsche Bank, sind extrem spannend und so eng mit Politik und Kultur verwoben, dass man die deutsche Geschichte eigentlich noch einmal erzählen kann, indem man sie durch diese Unternehmen erzählt.“ Die damaligen Gründerpersönlichkeiten seien regelrecht besessen von der Idee gewesen, etwas Großes zu schaffen: „Es war fast eine Art Aufholkapitalismus, ein nationaler Gedanke: Deutschland sollte in der Wirtschaft denselben Ruf haben wie in der Kultur – mit Leuten wie Brahms oder Beethoven.“ Die sogenannte „Deutschland AG“, jenes dichte Netzwerk aus Industrie, Banken und Politik, habe über Jahrzehnte den wirtschaftlichen Kurs Deutschlands bestimmt. Im Gespräch mit Thadeusz schlägt Richter den Bogen zur Gegenwart. Er sieht Parallelen zwischen der Gründerzeit und heutigen Start-up-Strukturen – allerdings mit entscheidenden Unterschieden: „Die 300 Männer hatten mit dem Geist heutiger Start-ups nichts zu tun. Das war die effiziente Weiterentwicklung von Dingen, die in der Gründerzeit geschaffen wurden.“ Trotz aller Krisen und Umbrüche bleibt Richter optimistisch: „Deutschland ist immer wieder auferstanden. Was ich beschreibe, ist eher der Untergang einer Kultur, nicht der Wirtschaft an sich. Aber man sollte wissen, wofür diese Unternehmen stehen – und was sie für unsere Gesellschaft bedeuten.“ (Text: Phoenix) Deutsche TV-Premiere Fr. 17.10.2025 Phoenix Ricarda Lang (B’90/Grüne)
Folge 279LogoBild: phoenixIn der Sendung „phoenix persönlich“ spricht Theo Koll mit der ehemaligen Co-Vorsitzenden der Grünen Ricarda Lang über die Versäumnisse der Ampel-Regierung, die Zukunft der Grünen und ihren eigenen politischen Lebensweg.Die Ampel habe es vermasselt, in dem Moment eine Antwort zu geben, die so groß war, wie die Probleme selbst, sagt Ricarda Lang, die von 2022 bis 2024 Co-Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen war. Zuerst mit Putins Angriffskrieg, aber spätestens mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zum Haushalt hätte das Bündnis neu verhandeln müssen: „Man hätte sagen müssen’ wenn die ganze Realität sich verändert, muss sich auch unsere politische Antwort verändern’. Dazu waren wir nicht in der Lage. Die Ampel hat das enge Korsett des Koalitionsvertrages beibehalten.“ Selbstkritisch fügt sie hinzu: „Am Ende ist die Ampel auch an der Resignation vor den eigenen Bürgerinnen und Bürgern gescheitert.“ Viele politische Entscheidungen seien von der Angst, „anzuecken“, sowie der Sorge vor schlechten Umfrageergebnissen geprägt gewesen. Die Bundestagsabgeordnete fordert konkrete Reformen statt einer „Hyperpolitisierung“. Große strukturelle Grundfragen – von der Zukunft der Rente bis zu einem neuen Wirtschaftsmodell – würden immer wieder zur Seite geschoben. Die demokratischen Parteien seien sehr defensiv geworden. Dabei bräuchte es jetzt positive Visionen. Politik müsse wieder Ideen nach vorne bringen, Überzeugungsarbeit leisten und Vertrauen schaffen. Und bereit sein, das Gespräch mit den Menschen zu suchen. „Man braucht den Mut, was zu tun, was auch manchen Leuten nicht gefällt. Wenn ich aber aus der Angst nicht wiedergewählt zu werden, gar nichts mehr mache, dann ist das das größtmögliche Scheitern.“ Für ihre eigene Partei wünscht sich Ricarda Lang mehr Selbstbewusstsein: „Wir müssen aus dieser doch sehr defensiven Position, wo wir auch anderen die Deutungshoheit über den Klimaschutz gegeben haben, wieder raus.“ Außerdem müssten die Grünen konfliktfähiger werden, ohne dabei aber zu einem „Sprengmeister“ zu werden: „Davon gibt es in diesem Land schon genug. Wir müssen klug abwägen, wo Allianzen möglich und wo Konflikte notwendig sind.“ (Text: Phoenix) Deutsche TV-Premiere Fr. 24.10.2025 Phoenix Peer Steinbrück (SPD, ehem. Bundesfinanzminister)
Folge 280In der Sendung „phoenix persönlich“ spricht Inga Kühn mit dem ehemaligen Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD), der das Amt von 2005 bis 2009 innehatte. Themen des Gesprächs sind unter anderem die umstrittene Stadtbild-Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz sowie die geplanten Reformen von Sozialstaat und Rente. (Text: Phoenix)Deutsche TV-Premiere Fr. 31.10.2025 Phoenix Sven Schulze (CDU-Spitzenkandidat Sachsen-Anhalt)
Folge 281In der Sendung „phoenix persönlich“ spricht Marc Steinhäuser mit dem CDU-Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt Sven Schulze über den anstehenden Wahlkampf in seinem Bundesland.Am vergangenen Wochenende hat die CDU Sachsen-Anhalt Sven Schulze offiziell zu ihrem Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2026 gewählt – mit 91 Prozent der Stimmen. In Umfragen liegt die AfD deutlich vor der CDU. Dabei muss er ohne den Bonus eines amtierenden Ministerpräsidenten überzeugen. Rainer Haseloff hatte im August überraschend erklärt, dass er nicht mehr als CDU-Spitzenkandidat antreten wird und seinen Wirtschaftsminister und CDU-Landeschef Sven Schulze als Nachfolger vorgeschlagen. „Als Ministerpräsident möchte ich keine Ministerin der Linkspartei und keinen Minister der AfD in meinem Kabinett neben mir haben“, sagt Sven Schulze in der Sendung. Wie er das erreichen will, erklärt er Marc Steinhäuser in „phoenix persönlich“. (Text: Phoenix) Deutsche TV-Premiere Fr. 07.11.2025 Phoenix Janka Oertel (China-Expertin)
Folge 282In der Sendung „phoenix persönlich“ spricht Theo Koll mit der Politikwissenschaftlerin und Sinologin Janka Oertel über die Abhängigkeit Deutschlands von China, den weltweiten Machtanspruch Pekings und die Notwendigkeit einer strategischen Neuausrichtung deutscher China-Politik.„Die Lage ist weiterhin dramatisch“, so die China-Expertin Janka Oertel zur Abhängigkeit der deutschen Autoindustrie von chinesischen Rohstoffen. Chinas Regierung habe bewusst ihre wirtschaftliche Vormachtstellung genutzt, um strategischen Druck auszuüben. „Unsere Lieferketten sind so eng getaktet, dass, wenn chinesische Produkte fehlen, relativ schnell auch die Bänder bei uns stehen bleiben.“ Die Direktorin des Asienprogramms beim European Council on Foreign Relations forscht und publiziert zu chinesischer Außen- und Wirtschaftspolitik und gilt als ausgewiesene Kennerin der Volksrepublik. Besonders kritisch sieht sie, dass Deutschland offensichtliche Risiken zu lange ignoriert habe. „Unser Handel mit China war wunderbar. Nur der Punkt, an dem man hätte verstehen müssen, dass das alles in eine Richtung geht, die der deutschen Industrie gefährlich werden könnte, den hat man verpasst.“ Gleichzeitig warnt Oertel vor dem weltweiten Machtanspruch der Volksrepublik. Deutschland habe China lange lediglich als regionale Macht wahrgenommen, die chinesische Führung habe allerdings auch globale Interessen. Dieser Anspruch zeige sich sowohl in der aggressiven Industriepolitik als auch in der militärischen Aufrüstung und der wachsenden Einflussnahme in Afrika und anderen Regionen. Mit Blick auf Deutschlands Umgang mit der Volksrepublik fordert Oertel ein entschiedenes Umdenken: Weg von nationalen Alleingängen, hin zu einer europäischen Strategie, die wirtschaftliche Interessen und sicherheitspolitische Realitäten miteinander verbindet. „Eine deutsche Reaktion allein hat nicht den Effekt, den wir brauchen“, betont sie. Jetzt gelte es, europäisch zu denken und zu handeln und die gemeinsame Marktmacht zu nutzen. (Text: Phoenix) Deutsche TV-Premiere Fr. 14.11.2025 Phoenix Irina Scherbakowa (Friedensnobelpreisträgerin)
Folge 283In der Sendung „phoenix persönlich“ spricht Jörg Thadeusz mit der Historikerin Irina Scherbakowa über ihre Arbeit als Menschenrechtsaktivistin, die Entwicklung der sowjetischen Gesellschaft sowie über die Wandlung Russlands unter Putin. Die Germanistin und Historikerin Irina Scherbakowa gehört zu den Gründungsmitgliedern der russischen Menschenrechtsorganisation „Memorial“, die 2022 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Kurz nach Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine musste Scherbakowa ihr Heimatland verlassen.Inzwischen lebt sie in Berlin. Im Gespräch mit Jörg Thadeusz schildert sie eindrucksvoll, wie sich die sowjetische Gesellschaft nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion entwickelt hat. In den 90er Jahren hätte es einen regelrechten Durchbruch gegeben: „Es beginnt der Einstieg in die marktwirtschaftlichen Reformen, es war die Zeit der unglaublich großen Hoffnungen.“ Viele dieser Hoffnungen hätten sich aber schnell zerschlagen. Nicht zuletzt, weil sich in den 90er Jahren viele Menschen sehr schnell bereichert hätten und es sehr viel Kriminalität gegeben habe. Auf der einen Seite seien die Demokratievorstellungen vieler Menschen sehr „träumerisch“ gewesen und auf der anderen Seite hätten sich viele nach einer „starken Hand, die endlich für Ordnung sorgen sollte“ gesehnt. Wladimir Putin, so die Historikerin, sei für viele Menschen so eine Figur gewesen. Irina Scherbakowa geht davon aus, dass sich Russland in der Zukunft noch weiter isolieren wird. Und auch wenn sie ihre Heimat vermisse, in dieses Land wolle sie nicht zurück. (Text: Phoenix) Deutsche TV-Premiere Fr. 21.11.2025 Phoenix Angela Merkel (Bundeskanzlerin a. D.)
Folge 284In der Sendung „phoenix persönlich“ spricht Eva Lindenau mit der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel über ihre Entscheidungen als Regierungschefin, Herausforderungen für die Demokratie sowie über ihre neu gewonnene Freiheit.Altkanzlerin Angela Merkel hat sich in der Sendung „phoenix persönlich“ zum aktuellen Rentenstreit, dem Umgang mit der AfD sowie zu Russland geäußert. Zur Rente sagte sie, dass eine Festlegung der Haltelinie von 48 Prozent bis 2031 folgerichtig sei: „Wir haben damals mit Geltung ab 2018 diese Haltelinie von 48 Prozent eingeführt bis zum Jahr 2025. Deshalb musste jetzt ja auch darüber entschieden werden.“ Insofern sei es logisch, „wie es jetzt gemacht wurde“, so Merkel zur aktuellen Haltung der Koalition. Mit Blick auf die Digitalisierung räumte die ehemalige Bundeskanzlerin Versäumnisse ein. Sie habe unterschätzt, wie schwierig die Durchsetzung im föderalen System sei. Die damals geplante Digitalisierung von rund 500 Verwaltungsleistungen bis zum Ende ihrer Amtszeit sei bis heute nicht gelungen. „Das bedaure ich“, sagte sie. Im Umgang mit der AfD dürften demokratische Parteien „nicht wie das Kaninchen vor der Schlange sitzen“ und sich nicht „von der AfD fast in der Manege herumführen lassen“. Stattdessen müssten die eigenen politischen Positionen deutlicher vermittelt werden. Grundüberzeugungen, etwa in der Migrationspolitik und beim Schutz der Menschenwürde, dürften nicht aufgegeben werden, um „Populisten dann quasi Recht zu geben“. Bezüglich einer möglichen Zusammenarbeit sagte Merkel: „Mehrheiten zu suchen mit der AfD, das verbietet sich allein aus der eigenen Definition“. Die Bundeskanzlerin a.D. wies daraufhin, dass sie natürlich auch zu ihrer Zeit gesehen habe, „dass nach den Entscheidungen in der Flüchtlingspolitik die AfD erst immer stärker geworden ist“. In Bezug auf den Vorwurf, die ehemalige Bundeskanzlerin hätte die baltischen Staaten und Polen für den Ausbruch des Ukraine-Krieges mitverantwortlich gemacht, da diese 2021 ein von ihr vorgeschlagenes Dialogformat mit Russland blockiert hätten, sagte Merkel, sie habe nie Schuldzuweisungen gegenüber diesen Ländern erhoben. Dies sei eine „falsche Auslegung“ dessen, was sie gesagt habe. „Wir alle haben nicht vermocht, alle, ich, alle anderen haben nicht vermocht, diesen Krieg zu verhindern.“ In Bezug auf Putin erklärte sie, „dass da eine ernsthafte Gefahr ist, das war mir seit vielen, vielen Jahren klar.“ Geopolitisch habe man es derzeit mit veränderten Gegebenheiten zu tun, aus denen man nur einen Schluss ziehen könne, „dass wir in Europa enger zusammenhalten müssen“. Und, so Merkel, „Gott sei Dank tut Europa das auch heute“. Ausgehend von den Erfahrungen der deutschen Wiedervereinigung und des friedlichen Endes des Kalten Krieges habe man Demokratie vielleicht als zu selbstverständlich hingenommen. Es zeige, „dass jede Generation für all das wieder kämpfen muss“. (Text: Phoenix) Deutsche TV-Premiere Fr. 28.11.2025 Phoenix Jana Puglierin (Sicherheitsexpertin)
Folge 285In der Sendung „phoenix persönlich“ spricht Jörg Thadeusz mit der Politikwissenschaftlerin und Sicherheitsexpertin Jana Puglierin über die sicherheitspolitischen Herausforderungen Europas, die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands sowie über den aktuellen Stand der Verhandlungen mit Russland„Europa muss stärker werden“, sagt die Politikwissenschaftlerin und Leiterin des Berliner Büros der Denkfabrik „European Council on Foreign Relations“, Dr. Jana Puglierin. Die Europäische Union könne sich nicht mehr auf den jahrzehntelang gewährten Schutz der USA verlassen. Eindringlich beschreibt Puglierin eine veränderte Weltlage, in der Russland nicht nur die Ukraine, sondern die gesamte europäische Sicherheitsordnung herausfordere. Der Kreml versuche gezielt, Europa zu spalten und die NATO zu zerstören. Obwohl die europäischen Staaten zusammengenommen mehr Geld für Verteidigung ausgeben als Russland, relativiert Puglierin diesen Befund deutlich: „Wir geben viel für Verteidigung aus, aber kaufkraftbereinigt sind die Verteidigungshaushalte nahezu gleich.“ Problem sei, dass in der EU jeder sein, so Puglierin „eigenes Süppchen“ koche. Europa bleibe ein militärischer Zwerg, solange es keine gemeinsame sicherheitspolitische Linie gebe: „Im Bereich Wirtschaft haben wir eine gemeinsame Stimme, im Bereich Sicherheit und Verteidigung sind wir ein Haufen Bonsai-Armeen.“ Mit Blick auf die Debatte in Deutschland – insbesondere den Zustand der Bundeswehr – mahnt Puglierin, die jahrzehntelange Unterfinanzierung nicht zu vergessen: „Wir haben viele Jahre nicht genug investiert, in denen die Bundeswehr auch abgewirtschaftet wurde.“ Gleichzeitig sieht sie einen gesellschaftlichen Wandel in der Haltung beim Thema Verteidigung: „Es gibt eine gesellschaftliche Mehrheit für die Wehrpflicht.“ Deutschland stehe an einem historischen Wendepunkt: „Wir waren seit ’49 aus guten Gründen nie mehr eine militärische Großmacht. Wir werden das aber jetzt.“ Neben der geopolitischen Analyse spricht Jana Puglierin mit Jörg Thadeusz auch über biografische Prägungen, ihre Familiengeschichte sowie über das Aufwachsen ihrer eigenen Kinder: „Meine Kinder wachsen sehr politisch auf“, erzählt die Wissenschaftlerin und: „Wir streiten auch viel am Essenstisch.“ (Text: Phoenix) Deutsche TV-Premiere Fr. 05.12.2025 Phoenix Paul Ronzheimer (Journalist)
Folge 286„Ronzheimer gewinnt Bambi“ – das ist die persönliche Schlagzeile des Jahres von Paul Ronzheimer, stellv. Chefredakteur der BILD, Kriegsreporter und Podcaster.Über seine Erfahrungen und Arbeit in Kriegsgebieten, vor allem in der Ukraine, und über die politischen Schlagzeilen des Jahres erzählt Paul Ronzheimer im Gespräch mit Inga Kühn. (Text: Phoenix) Deutsche TV-Premiere Fr. 12.12.2025 Phoenix Jessica Berlin (Sicherheitsexpertin)
Folge 287In der Sendung „phoenix persönlich“ spricht Inga Kühn mit der Sicherheitsexpertin und Politikanalystin Jessica Berlin über das erste Jahr der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump.Im Gespräch mit Inga Kühn warnt die deutsch-amerikanische Sicherheitsexpertin vor einer weiteren Erosion internationaler Regeln, vor geopolitischer Unberechenbarkeit – und vor einem gefährlichen Vakuum europäischer Führung. „Wir haben nicht ein Jahr Trump, sondern zehn Jahre Trump“, so Jessica Berlin, die unter anderem für „The Center for European Policy Analysis“ (CEPA) arbeitet. Trump habe systematisch „die Grenzen des Sagbaren und des Machbaren verschoben“, innen- wie außenpolitisch. Nach einem Jahr im Amt fühle er sich nun „quasi grenzenlos und nur noch von seiner eigenen Moral begrenzt“. So kritisiert Jessica Berlin Trumps Anspruch auf Grönland und bezeichnet die offiziell angeführten sicherheitspolitischen Gründe als vorgeschoben: „Es geht nicht um Sicherheitsinteressen der USA – das ist faktisch falsch. Es ist eine klassische Trump-Verhandlungstaktik: Erst etwas Absurdes fordern und dann schauen, was man herausholen kann.“ Europa müsse hier klare Grenzen ziehen, um eine Eskalation zu verhindern. Auch im Umgang mit dem Iran warnt Berlin vor Kurzschlussreaktionen. Zwar könne man Sympathie für die Protestbewegung empfinden, doch entscheidend sei das „Wie“. „Donald Trump handelt nicht geostrategisch. Selbst wenn das Regime fällt – er hat keinen Plan für den Tag danach.“ Ein militärisches Eingreifen ohne internationale Abstimmung könne Chaos erzeugen und einen fatalen Präzedenzfall schaffen. Kritisch sieht die Sicherheitsexpertin auch den US-Militäreinsatz in Venezuela. Das sei ein Bruch mit internationalem Recht mit globalen Folgen: Trump habe genau das getan, was er anderen vorwerfe. Er habe eine Tür geöffnet, die eigentlich hätte geschlossen bleiben müssen. Damit liefere er autoritären Mächten wie Russland und China eine Blaupause für ihr eigenes Vorgehen. Mit Blick auf die anstehenden Midterms in den USA sieht Berlin Chancen für eine demokratische Gegenbewegung, weist gleichzeitig aber auch auf Risiken hin: „Selbst ein Wahlsieg der Demokraten könnte zu einer Verfassungskrise führen, wenn Trump sich über Institutionen hinwegsetzt.“ Europa dürfe deshalb nicht länger auf innenpolitische Korrekturen in den USA hoffen, sondern müsse eigenständig handeln. Es sei an der Zeit, aufzuhören, überrascht zu sein, so Jessica Berlin. Europa müsse bereit sein, sicherheitspolitisch Verantwortung zu übernehmen – auch wenn dies wirtschaftliche und gesellschaftliche Opfer bedeute. (Text: Phoenix) Deutsche TV-Premiere Fr. 16.01.2026 Phoenix Georg Mascolo (Investigativ-Journalist)
Folge 288In der Sendung „phoenix persönlich“ spricht Jörg Thadeusz mit dem Investigativ-Journalisten Georg Mascolo über den Abend des Mauerfalls sowie über tiefgreifende Fehler der deutschen Russlandpolitik und deren historische Konsequenzen.„Unsere Reaktion fällt beständig schwach aus“, bilanziert der frühere Spiegel-Chefredakteur Georg Mascolo die deutsche Russlandpolitik. Natürlich müsse man mit Russland und Wladimir Putin sprechen, gleichzeitig müsse aber auch die „erhebliche politische und ökonomische Macht“ dieses Landes eingesetzt werden, wenn die Gespräche erfolglos blieben. „Krieg in der Ukraine, Annexion der Krim, Vergiftung und Ermordung von Oppositionellen. Wir finden keinen Weg, tatsächlich Konsequenzen aufzuzeigen,“ so Mascolo. Zwar habe es frühzeitig Warnungen von Sicherheitsbehörden und Geheimdiensten gegeben, diese seien jedoch politisch ignoriert oder relativiert worden. Informationen hätten vorgelegen, jedoch ohne spürbare Folgen für die deutsche Politik. Kritisch äußert sich Mascolo auch zur Russlandpolitik der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie habe Putin früh durchschaut, dennoch seien zentrale Entscheidungen, etwa der Bau von Nord Stream 2, weiterverfolgt worden. Das eigentliche Rätsel sei, so Mascolo, warum trotz klarer Erkenntnisse so wenig Handeln folgte: „Wenn man so viel so früh erkannt hat und sich nicht getäuscht hat – wieso ist so vieles ausgeblieben?“ Selbstkritisch räumt Mascolo, der 2014 als „Journalist des Jahres“ ausgezeichnet wurde, ein, dass auch die Medien Fehler gemacht hätten. So hätte man sich unter anderem zu wenig für die Ukraine interessiert. Das Land sei jahrelang nicht ausreichend „journalistisch gewürdigt“ worden. Damit, so Mascolo, gehe auch er nach Hause. In einem weiteren Teil des Gesprächs schildert Mascolo seine persönlichen Erlebnisse am Abend des Mauerfalls 1989. Als junger Reporter sei er damals am Grenzübergang Bornholmer Straße gewesen. Unter dem Druck tausender Menschen hätten die Grenzbeamten den Schlagbaum geöffnet. Das sei, so Mascolo, der schönste und erhabenste Moment seines Berufslebens gewesen, der ihn bis heute präge: „Nur einmal im Leben sehen zu können, wie es aussieht, wenn in einer Diktatur die Angst die Seiten wechselt. Wenn diejenigen, die unterdrückt worden sind, keine Angst mehr haben und diejenigen, die unterdrückt haben, letztlich auch nicht mehr wissen, wie sie die Diktatur verteidigen und erhalten sollen.“ Die Erfahrung der Wendezeit sei für ihn bis heute Mahnung und Hoffnung zugleich – dafür, wie schnell sich politische Wirklichkeiten verändern können. (Text: Phoenix) Deutsche TV-Premiere Fr. 23.01.2026 Phoenix Prof. Rüdiger Bachmann (Wirtschaftswissenschaftler)
Folge 289In der Sendung „phoenix persönlich“ spricht Eva Lindenau mit dem deutsch-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Prof. Rüdiger Bachmann über die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in den USA unter Präsident Donald Trump und was diese für Europa bedeuten.„Es ist eine sehr, sehr, sehr gefährliche Entwicklung,“ sagt Rüdiger Bachmann von der University of Michigan mit Blick auf die Erschießung zweier Menschen in Minneapolis durch Beamte der Einwanderungsbehörde ICE. Der Rechtsstaat lege sich gerade in den Dämmerschlaf. Wenn es tatsächlich so komme, dass die Beamten absolute Immunität bekämen, dann „haben wir eine rechtlose Staatsgewalt, die nicht mehr verantwortlich ist.“ Der Protest-Aufruf der früheren US-Präsidenten Clinton und Obama kommt für Bachmann zu spät. Vor allem Obama, der nach wie vor sehr beliebt in den USA sei, habe sich bisher viel zu sehr zurückgehalten. Ein starkes republikanisches Gegensignal könnte laut Bachmann auch der frühere Präsident George W. Bush senden. Verständnis zeigt Bachmann für die Reaktion Europas auf die aktuelle US-Politik. Die zögerliche Haltung vieler Staatschefs gegenüber Trump sei auch Teil wohlüberlegter Diplomatie: „Es gibt eine offensichtliche digitale Abhängigkeit. Und es gibt sicher eine militärische und nachrichtendienstliche Abhängigkeit“, so Bachmann. Insofern verstehe er, dass die Europäer eine „zweigleisige“ Strategie fahren müssten. Auf der einen Seite müssten sie Trump „schmeicheln“, um einen größeren Schaden abzuwenden, auf der anderen Seite hoffe er aber, dass „zumindest in internen Gesprächen ganz andere Instrumente auf den Tisch gelegt werden.“ Von der Einführung einer Digitalabgabe rät der Ökonom in diesem Zusammenhang ab und warnt vor einem Handelskrieg: „Es ist gut, wenn man das in der Hinterhand hat. Das Problem mit jeder Waffe ist nur, wenn man sie gezündet hat, dann kann man sie nicht mehr als Drohkulisse nehmen. Insofern wäre ich da ein bisschen vorsichtiger.“ Grundsätzliche spiele weltpolitisch Größe wieder eine Rolle und eine solche könnten die sogenannten Mittelmächte nur durch Allianzen erreichen. Liberale Demokratien sollten sich verbinden, so Bachmann. Aus dieser Stärke heraus könnten die Verbündeten diplomatische Initiativen mit Ländern, die „auch nicht gefressen werden wollen von China, Russland und den USA“ ins Leben rufen. Er denke dabei beispielsweise an Afrika. Bachmann, der seit mehr als 25 Jahren in den USA lebt und inzwischen auch die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, zeigt sich im Gespräch nachdenklich über den Zustand von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in seiner Wahlheimat: „Selbst als Staatsbürger fühlt man sich nicht mehr sicher. Wenn man sich überlegt, wie es dann am Ende des Tages weitergeht, da kriegt man schon langsam Angst.“ (Text: Phoenix) Deutsche TV-Premiere Fr. 30.01.2026 Phoenix Franz Müntefering (ehem. SPD-Vorsitzender)
Folge 290In der Sendung „phoenix persönlich“ spricht Theo Koll mit dem früheren Vizekanzler, SPD-Chef und Bundesminister Franz Müntefering über Reformen, gesellschaftlichen Zusammenhalt, den Zustand der SPD sowie über die Zukunft Europas.„Das Wort Ruhestand ist die größte Provokation für mich überhaupt,“ sagt der 86-Jährige mit Blick auf die aktuelle Rentendebatte und spricht sich für eine flexible Gestaltung des Renteneintrittsalters aus. Die Menschen müssten selbst entscheiden, wie lange sie arbeiten könnten, so Müntefering, der während seiner Zeit als Arbeitsminister 2007 durchgesetzt hatte, das Rentenalter schrittweise auf 67 anzuheben. „Manche Menschen können mit 45 nicht mehr, manche können mit 80 nicht mehr. Deshalb ist das eigentliche Problem dieser Fixpunkt, wo dann der rote Knopf angeht und da steht dann: Rentner.“ Müntefering wirbt in diesem Zusammenhang für mehr Eigenverantwortung und aktives Mitwirken in der Gesellschaft – auch nach dem Ende des Arbeitslebens. Es gebe genug Möglichkeiten, sich zu engagieren. Das gelte auch für die junge Generation. Demokratie müsse aktiv mitgestaltet werden. Seiner Partei empfiehlt der frühere Vorsitzende der SPD, sich zu modernisieren. Zu lange hätten die Sozialdemokraten an früheren Zeiten festgehalten. Man müsse aber auch bereit sein, die neuen Möglichkeiten des Lebens aufzunehmen, sich zu bewegen und zu verändern. Das sei allerdings nicht nur eine Sache der Sozialdemokratie, sondern des ganzen Landes. Müntefering war 1966 in die SPD eingetreten und 1975 erstmals als Nachrücker in den Bundestag eingezogen. Von 2004 bis 2005 sowie von 2008 bis 2009 war er Bundesvorsitzender der SPD; von 2005 bis 2007 Vizekanzler und Bundesminister für Arbeit und Soziales im ersten Kabinett von Angela Merkel. Angesichts der zahlreichen internationalen Krisen plädiert der Sozialdemokrat für ein selbstbewusstes, geeintes Europa, das seine demokratischen und sozialen Werte entschlossen verteidigt – auch mit Hilfe eines eigenen Atomschirms. Nationale Egoismen, so seine Warnung, schwächten den Kontinent in einer zunehmend unsicheren Weltordnung. Es sei wichtig, dass dieses Europa sich selbst erkenne und seine Rolle in der Welt wahrnehme. Er selbst, so Müntefering, sei stolz darauf Europäer zu sein. (Text: Phoenix) Deutsche TV-Premiere Fr. 06.02.2026 Phoenix Herfried Münkler (Politikwissenschaftler)
Folge 291In der Sendung „phoenix persönlich“ spricht Eva Lindenau mit dem Politikwissenschaftler Herfried Münkler über die aktuelle geopolitische Umbruchsphase, die Rolle Europas und die sicherheitspolitischen Herausforderungen für Deutschland.Münkler, der bis 2018 Politische Theorie an der Berliner Humboldt-Universität lehrte, beschreibt einen grundlegenden Wandel der internationalen Ordnung. Der globale Machtkonflikt verlaufe künftig zwischen demokratischen Verfassungsstaaten und autoritären Regimen – mit offenem Ausgang. Amerika ziehe sich schrittweise aus seiner Rolle als globaler Hegemon zurück und konzentriere sich stärker auf eigene geopolitische Interessen. Trump sei dabei nicht Ursache, sondern Ausdruck einer tieferliegenden Entwicklung: „Trump ist gewissermaßen der Kobold, der diese Politik umsetzt.“ Die transatlantische Partnerschaft sieht Münkler nachhaltig erschüttert. Europa müsse sich darauf einstellen, sicherheitspolitisch eigenständiger zu handeln. Die NATO sei heute „kein Bündnis des Vertrauens mehr, sondern des wechselseitigen Misstrauens.“ Besonders Deutschland komme dabei eine zentrale Rolle zu. Aufgrund seiner Größe, Wirtschaftskraft und geopolitischen Lage könne es sich nicht länger zurückhalten. Münkler plädiert für mehr strategische Autonomie Europas – militärisch wie technologisch, etwa im Bereich IT und Künstliche Intelligenz. Es brauche jetzt eine realistische, begründete Zuversicht, die aus entschlossenem politischen Handeln erwachse. Die Zeit der „Friedensdividende“ und sicherheitspolitischen Sorglosigkeit sei endgültig vorbei. (Text: Phoenix) Deutsche TV-Premiere Fr. 13.02.2026 Phoenix Simon Usifo (Werbemanager und Autor)
Folge 292In der Sendung „phoenix persönlich“ spricht Jörg Thadeusz mit dem Marketingexperten und Kreativmanager Simon Usifo über die Wirkung von Werbung, die Verantwortung von Marken im gesellschaftlichen Wandel, strukturellen Rassismus sowie über die Suche nach der eigenen IdentitätSimon Usifo, zuletzt CEO bei der internationalen Werbeagentur BBDO, war 17 Jahre lang für renommierte Agenturen in London, Shanghai und Amsterdam tätig. Diese Zeit beschreibt der 44-Jährige, der in Bonn als Sohn eines nigerianischen Vaters und einer französischen Mutter geboren wurde, als besonders prägend. Im Ausland habe er seine Identität und ein neues Selbstverständnis gefunden: „Ich habe mein Anderssein früher als Rucksack gesehen. Heute weiß ich: Es ist eine Superpower.“ Neben seiner Tätigkeit in der Kreativbranche engagiert sich Usifo für Demokratieprojekte. Zusammen mit der Autorin Martina Rink hat er das Buch „People of Deutschland“ herausgegeben. Darin erzählen 45 Menschen mit Migrationshintergrund ihre persönlichen Lebensgeschichten. Ziel des Projektes ist es, auf das Thema Rassismus aufmerksam zu machen und dafür zu sensibilisieren. (Text: Phoenix) Deutsche TV-Premiere Fr. 20.02.2026 Phoenix Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP-Europapolitikerin)
Folge 293Sie ist bekannt für ihre klaren Worte: Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Nach Jahren im Bundestag ist die FDP-Politikerin heute die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Europäischen Parlament. Im Gespräch mit Inga Kühn berichtet sie von ihren Besuchen in der Ukraine, macht Europas Stärke gegenüber Trump deutlich und erklärt, was sie von einer Anklage gegen den Ex-Prinzen Andrew erwartet. (Text: Phoenix)Deutsche TV-Premiere Fr. 27.02.2026 Phoenix Karl Schlögel (Historiker und Osteuropa-Experte)
Folge 294In der aktuellen Ausgabe von „phoenix persönlich“ spricht Theo Koll mit dem Historiker und Osteuropa-Experten Prof. Karl Schlögel über die strategischen Ziele Wladimir Putins, die Widerstandskraft der Ukraine sowie über die Verantwortung Europas. „Es geht Putin nicht um ein paar Quadratkilometer des Donbass, sondern um eine Auseinandersetzung zwischen der russischen Zivilisation und dem Westen und Europa, das er für dekadent hält“, sagt der Historiker und Publizist Prof. Karl Schlögel im Gespräch mit Theo Koll und beschreibt einen umfassenden medialen Feldzug des Kreml: In Russland tobe „ein Propagandakrieg – mit Bildern, mit Hetzreden, mit der Verhöhnung des Westens“.Der Angriff auf die Ukraine sei weit mehr als ein territorialer Konflikt. Die Ursache sieht Schlögel in einer historischen Weigerung, das Ende des sowjetischen Imperiums anzuerkennen. Die russische Führung habe nach 1991 „kapituliert vor der Aufgabe, ein postimperiales, modernes Russland zu schaffen“. Stattdessen setze der Kreml auf Aggression nach außen. Eindrucksvoll schildert Schlögel, der zuletzt im Herbst 2025 in der Ukraine war, die Resilienz der ukrainischen Gesellschaft: „Es ist eigentlich unbegreiflich, was Menschen unter diesen Bedingungen ertragen und aushalten können.“ Trotz massiver Angriffe funktioniere vielerorts der Alltag weiter. Die Ukraine werde sich nicht unterwerfen. „Sie weiß, was in den besetzten Gebieten geschieht“, so Schlögel. Sein Fazit: „Meiner Auffassung nach wird sie standhalten.“ Auch die Verteidigung Europas werde von den ukrainischen Streitkräften und der Gesellschaft getragen. Sollte die Ukraine fallen, wäre Europa darauf bisher überhaupt nicht gerüstet, glaubt der Historiker. Dafür gebe es genügend Indizien. Formularbeginn Formularende Der Krieg sei eine Zäsur. Man befinde sich im „Dunkel des gelebten Augenblicks“, zitiert Schlögel, der im vergangenen Jahr mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde, den Philosophen Ernst Bloch. In einer historischen Situation, in der alte Gewissheiten nicht mehr tragen würden und politische Orientierung neu erarbeitet werden müsse. Putins Formulierung, die „russische Welt“ kenne keine Grenzen, sei als klare Kampfansage zu verstehen. Europa müsse erkennen, dass es sich um eine fundamentale Auseinandersetzung unterschiedlicher politischer Ordnungen handle. (Text: Phoenix) Deutsche TV-Premiere Fr. 06.03.2026 Phoenix Heike Rauer (Astrophysikerin)
Folge 295In der aktuellen Ausgabe von „phoenix persönlich“ spricht Jörg Thadeusz mit der Planetenforscherin Prof. Heike Rauer von der FU Berlin über die Faszination des Sternenhimmels und die Suche nach erdähnlichen Planeten.„Der Blick in den Himmel, die Faszination der Sterne – das hat mich schon früh begeistert,“ beschreibt die ehemalige Direktorin für Planetenforschung beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ihre frühe Begeisterung für Astronomie. Seit 2017 leitet Rauer die PLATO-Mission der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Der Satellit soll im kommenden Jahr starten und mit einer speziellen Beobachtungsmethode Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdecken. Ziel ist es, eine der großen Fragen der Astronomie besser beantworten zu können: Wie häufig sind erdähnliche Planeten im Universum – und unter welchen Bedingungen könnte dort Leben entstehen? Im Gespräch geht es aber auch um aktuelle Herausforderungen der Raumfahrt. So warnt Rauer vor den Folgen zunehmender Satellitenstarts. Der dadurch entstehende Weltraumschrott könnte langfristig sogar den Blick auf den Sternenhimmel beeinträchtigen. Das sei eine echte Gefahr, der man begegnen müsse. (Text: Phoenix) Deutsche TV-Premiere Fr. 13.03.2026 Phoenix Michael Bröcker (Journalist)
Folge 296In der aktuellen Ausgabe von „phoenix persönlich“ spricht Inga Kühn mit dem Journalisten Michael Bröcker über die anstehenden Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und mögliche Folgen für die Bundespolitik. Zentrale Themen der Sendung sind der wachsende Vertrauensverlust in politische Parteien, die Kommunikation politischer Führungspersönlichkeiten sowie der Bedarf an strukturellen Reformen. „Die Menschen haben das Vertrauen in Parteien verloren, aber nicht in politische Persönlichkeiten“, analysiert der Chefredakteur von Table.Briefings im Gespräch mit Inga Kühn.Das erkläre auch den Erfolg von Cem Özdemir in Baden-Württemberg. Nach der kommenden Landtagswahl in Rheinland-Pfalz müsse es dringend zu Reformen kommen, fordert der Diplom-Volkswirt. Das sei für ihn der „zentrale Nukleus dieser Koalition“. Deutschland brauche einen großen Plan, der sowohl Be- als auch Entlastungen enthalte. Ansonsten werde es auch Widerstand aus den eigenen Reihen geben, prognostiziert Bröcker. Der Unmut sei groß. In einem weiteren Teil des Gesprächs geht es um die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA. Er habe, so Bröcker, den Bundeskanzler bei dessen ersten Reise nach Washington begleitet und festgestellt, dass Friedrich Merz einen eigenen Zugang zu Donald Trump gefunden habe. Hinter verschlossenen Türen mache er ihm „schon Dinge klar, auf eine ruhige, klare Art und Weise und Donald Trump hört ihm zu.“ Es sei im Interesse Europas, dass der Bundeskanzler einen guten Draht zu US-Präsident Trump habe, so Bröcker. (Text: Phoenix) Deutsche TV-Premiere Fr. 20.03.2026 Phoenix
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