Überraschung: CBS lässt „Der Mandant“-Serienadpation von David E. Kelley („Big Little Lies“) fallen

    Abgeblasenes Prestigeprojekt könnte kostspielige Folgen haben

    Bernd Krannich – 03.05.2020, 16:30 Uhr

    Matthew McConaughey vor dem Lincoln im 2011 erschienenen Film „Der Mandant“

    Die Upfronts 2020 haben ihre erste fette Überraschung: CBS sieht von einer Bestellung einer Serie um den „Lincoln Lawyer“ ab. Der Sender hatte sich das interessante Projekt vor knapp einem Jahr mit einer sogenannten series production commitment gesichert (fernsehserien.de berichtete). Nun muss man schauen, was ihn die Nichtproduktion kosten wird.

    Angebot und Nachfrage bestimmen auch in der TV-Industrie den „Preis“: Als Erfolgsproduzent und -autor David E. Kelley („Ally McBeal“, „Goliath“, „Big Little Lies“) in Zusammenarbeit mit A+E Studios die Adaption einer bekannten Romanreihe von Bestseller-Autor Michael Conolly (auch „Bosch“) als Serienadaption anbot, ging der Preis schnell in die Höhe. In den Romanen geht es um den dickköpfigen Anwalt Mickey Haller (im Roman Harry Boschs Halbbruder), der seinen Beruf von seinem Fahrzeug ausübt – einem Ford, Modell „Lincoln Town Car“. Zu seiner Zeit war das eine Luxuslimousine, aber die letzten Modelle liefen bereits 2011 vom Band. Ebenfalls 2011 kam eine Filmadaption als „Der Mandant“ mit Matthew McConaughey auf die Kinoleinwand.

    CBS sicherte sich den Zuschlag bei dem Projekt mit einer Script with series production commitment-Order: Man bestellte die Ausarbeitung der Serienidee als Drehbuch („Script“) – mitsamt einer festgeschriebenen Vertragsstrafe (in nicht bekannt gewordener Höhe), falls das Projekt keine Serienbestellung (mit einer nicht bekannt gewordenen Anzahl an mindestens produzierten Folgen) erhielte. Zwischendrin wollte CBS sich noch den Serienpiloten anschauen, bevor man endgültig grünes Licht geben wollte.

    Da der Sender sich zu einer Vertragsstrafe verpflichten musste, wenn die Serie nicht produziert würde, galt eine Serienbestellung am Ende als sehr wahrscheinlich. In den letzten Monaten kamen aber diverse Änderungen: CBS’ Mutterfirma wurde von ihrer Halbschwester Viacom geschluckt (fernsehserien.de berichtete), viele Entscheider für Serienproduktionen und Senderbetrieb auf allen Ebenen erhielten neue Bosse oder die Posten wurden direkt neu besetzt. Dann gab es die Corona-Krise: Obwohl das Casting komplett war und Logan Marshall-Green die Hauptrolle erhalten sollte, konnte kein Serienpilot gedreht werden.

    Hier ist wohl auch laut einem Bericht bei Deadline der Punkt, an dem CBS hofft, aus dem Vertrag zu kommen: Man wird sich darauf berufen, dass aufgrund höherer Gewalt – die Corona-Krise – die Produktion nicht wie geplant stattfinden konnte, CBS also keine (rechtliche) Schuld daran trägt, dass die „Serienproduktion“ scheiterte. Dabei kann dem Sender zugutekommen, dass A+E Studios vermutlich eine neue Heimat für das Projekt suchen wollen wird, so dass der Sender auch ein Faustpfand hat – nach Branchengepflogenheiten hat CBS die Hälfte der bisherigen Serienentwicklung bezahlt.

    Für David E. Kelley ist es in seiner Karriere schon der zweite aufsehenerregende Rückschlag, nachdem seine „Wonder Woman“-Adaption seinerzeit bei NBC durchfiel. Parallel zu der jetzigen Adaption hat er bei ABC „The Big Sky“ unterbringen können, wobei der Sender sich zu einer Direct-to-series-Bestellung verpflichten musste.

    Aktuell ist unklar, wann die US-Sender ihre traditionellen Upfronts abhalten, die eigentlich in einer Woche (ab 10. Mai) hätten starten sollen. CBS will wohl an seinem „eigentlichen“ Termin eine Online-Präsentation abhalten – der Sender hatte vor der Corona-Krise am 13. Mai Werbekunden und Presse zu einer großen Veranstaltung geladen gehabt.

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