„Kung Fu Panda – Der Drachenritter“: Wie schlägt sich neue Serie des Erfolgs-Franchise im Vergleich? – Review

    Jack Black kehrt im Original als Sprecher des fülligen Pandabären zurück

    Gian-Philip Andreas
    Rezension von Gian-Philip Andreas – 25.07.2022, 17:30 Uhr

    Zusammen retten sie die Welt: Panda Po und die britische Ritterbärin Wandering Blade – Bild: Netflix
    Zusammen retten sie die Welt: Panda Po und die britische Ritterbärin Wandering Blade

    Neben drei Kinofilmen über Po, den Kung Fu Panda, liegt jetzt auch schon die dritte Serie über den Pummel-Kämpfer aus dem Hause DreamWorks vor. Seit letzter Woche sind die elf Folgen von „Kung Fu Panda: Der Drachenritter“ abrufbar – erstmals auf Netflix. Während Animationsqualität und Handlungskomplexität dieser klassischen Abenteuergeschichte, in der sich Po mit einer britischen Ritterbärin auf die Suche nach magischen Artefakten begibt, nahtlos an die beiden vorherigen Serien anknüpfen, können sich alle Zuschauer der Originalfassung über die Rückkehr von Jack Black ans Mikrofon freuen: Erstmals spricht der „School of Rock“-Star seine Parade-Synchronrolle auch im Serienformat.

    Mit „Kung Fu Panda“, dem ersten Kinofilm, begann 2008 die Erfolgsgeschichte eines Animationsfilm-Franchises, das neben „Shrek“, „Madagascar“ und „Drachenzähmen leicht gemacht“ zu den absoluten Top-Hits im CGI-animierten Portfolio von DreamWorks Animation zählt: 1,8 Milliarden US-Dollar spielten die drei bisherigen Filme ein. Neben der liebenswert kuriosen Handlung um einen fülligen Pandabären, der sich in einer mythischen Version des alten China, bevölkert mit vermenschlichten Tieren, als begnadeter Kung-Fu-Kämpfer entpuppt (wenn man ihn denn mit leckerem Essen motiviert), sorgten eine Vielzahl schrulliger Nebenfiguren, doppelbödige Dialoge und jede Menge Slapstick dafür, dass im Kino nicht nur Kinder Spaß an den Filmen hatten, sondern auch die sie begleitenden Eltern – sowie nicht wenige Erwachsene, die gar keine Kinder als Ausrede für ihren Kinobesuch benötigten.

    In-Fight mit einem Wiesel: Po tritt gegen die diebische Veruca DuMont an. Netflix

    Mitverantwortlich für den Erfolg der Filme waren die Sprecher. Vor allem Jack Black hatte für die Hauptfigur Po, wie er selbst kein dünnes Hemd, eine kongeniale Mischung aus anarchischem Chaoswitz, herrlich optimistischem Überschwang, trocken gedroppten Pointen und echter emotionaler Identifikation entwickelt, die äußerst schwer zu imitieren war. Folglich hatte beispielsweise Hape Kerkeling in den deutschen Fassungen der Kinofilme eine zwar ebenfalls sehr hörenswerte, aber eben auch komplett andere, sanftere Version der Titelfigur etablieren müssen – die aus deutschsprachigen Kinderzimmern freilich ebenso wenig wegzudenken ist. Die ersten beiden, jeweils für den Animationsfilm-Oscar nominierten Filme von 2008 und 2011 (der dritte, von 2016, war auch in Ordnung) zählen fraglos zu den Klassikern des populären computergenerierten Trickfilms.

    Mit den Serien war das dann so eine Sache: Die erste, „Kung Fu Panda“ (mit Unterbrechungen von 2011 bis 2016 für Nickelodeon produziert), schickte den gerade erst zum Kung-Fu-Helden avancierten Po zusammen mit den „Furiosen Fünf“ im Gegner-der-Woche-Schema gegen immer neue Widersacher, und in der kurzlebigen zweiten Serie, „Die Tatzen des Schicksals“ (2018 bei Prime Video), war Po schon selbst Mentor vier junger Pandas. Beide Serien blieben qualitativ weit hinter den Filmen zurück, auch wenn sie als Zeitvertreib für Kinder allemal durchgingen. Gemeinsam war ihnen die im Vergleich zu den Filmen deutlich einfacher gestrickte und ganz gezielt auf (Grundschul-)Kinder zugeschnittene Machart, sowohl was den im 20-Minuten-Takt eingerichteten Plot betrifft als auch die Animationsgüte, wo man besonders bei den Hintergründen oder der Animation kleinerer Nebenfiguren teils starke Abstriche machen musste. Gleiches galt für den Ton: Jack Black gab sich für die Serien-Spin-Offs ebenso wenig her wie Kerkeling für die deutschen Synchronfassungen. Und auch wenn man Blacks Ersatz Mick Wingert – ein erfahrener Sprecher in Animationsserien und Videospielen – für seine Arbeit am Mikro durchaus Respekt zollen muss: Jack Blacks Variante war um ein Vielfaches amüsanter und markanter.

    Die Erwartungshaltung war also ziemlich groß, als im März annonciert wurde, dass die dritte Kung-Fu-Panda-Serie diesmal nicht nur bei Netflix laufen, sondern auch die Rückkehr Jack Blacks in die Po-Rolle markieren würde. Dies wiederum ist für das deutsche Publikum (oder dessen weiten Teile, die auf die deutsche Synchronfassung zurückgreifen werden) natürlich nur von überschaubarem Nachrichtenwert, denn Blacks Rückkehr bedeutet nicht, dass sich auch Hape Kerkeling wieder die Ehre geben würde. Dem ist nämlich nicht so: Wie schon in der letzten Serie verrichtet Kabarettist Robert Louis Griesbach einen sehr soliden Job als Po.

    Auf Wiedersehen, Papa: Po verlässt Mr. Ping und begibt sich auf Reisen. Netflix

    Für Zuschauer der deutschsprachigen Version bleibt also vor allem der Blick auf die visuelle und erzählerische Seite der Serie, die von Robert Hastings (der schon die erste Serie schrieb) zusammen mit Mitch Watson („King Julien“, „Mission Scooby-Doo“) konzipiert wurde. Und da gibt es keine großen Sprünge vor oder hinter die Qualität der letzten Serien zu verzeichnen. Die Animation der Hauptfiguren ist gelungen und entspricht zweifellos dem Standard von DreamWorks Animation Television, bei Hintergründen und Nebenfiguren muss man aber erneut Abstriche machen.

    Erzählt wird eine typische „Queste“ im Stil klassischer Abenteuerromane und -filme: Po begibt sich eingangs auf eine Reise bzw. Tournee durchs alte China, um nicht nur seine Fans vor Ort zu besuchen, sondern auch neue gastronomische Erlebnisse zu machen. Doch schon in Wankun, dem ersten Dörfchen, in dem er eigentlich nur die sagenumwobenen „Fettklumpen“ der Schweinedame Pei Pei kosten möchte, kommt es zum Fiasko: Die beiden verschlagenen Wiesel Klaus und Veruca DuMont (im Original mit köstlich britischer Finsterling-Noblesse gesprochen von Chris Geere aus „You’re the Worst“ und Della Saba aus „Physical“) wollen das Wahrzeichen des Ortes stehlen, einen magischen Handschuh. Als Po das verhindern will, geht das halbe Dorf zu Bruch. Die punkig frisierten Wiesel können mit (fast) dem ganzen Handschuh entwischen, Po kann nur den Daumen retten. Sein Ruf als „Drachenkrieger“ ist dahin und wird, wie ihm sein Gänse-Adoptivvater Mr. Ping (im Original wie eh und je: James Hong) traurig erzählt, hochoffiziell aberkannt. Weil aber der honorige britische Ritter Wandering Blade, eine gestrenge Bärin namens Luthera (im Original: Sängerin und „Fifty Shades of Grey“-Darstellerin Rita Ora), ebenfalls nach den flüchtigen Wieseln sucht, schließt sich Po ihr am Ende der von Animationsserienroutinier Shaunt Nigoghossian („Transformers Prime“) inszenierten Pilotepisode kurzerhand an.

    Damit ist das zentrale Duo der Serie etabliert, gemeinsam zieht es fortan durch die Lande, um nicht nur den Handschuh, sondern auch vier weitere magische Gegenstände zu finden, die, wenn sie in die falschen Hände geraten, das antike China ins Unglück stürzen könnten. Inhaltlich bringt das eine kuriose Kreuzung aus „Don Quixote“ (Po schließt sich Wandering Blade als optimistisch-gemütlicher Knappe und damit als eine Art Sancho Pansa an) und den Marvel-Mythen rund um die Infinity-Steinen der Avengers-Geschichten. In der Praxis läuft das in kurzen Abenteuern ab, die die beiden Folge um Folge bestehen müssen. In der zweiten Episode etwa gilt es einen von fiesen Krokodilschwanzechsen bewachten Lavastrom zu überqueren, die dritte Folge spielt in einem heiligen Dorf, in dem sich lustige Igelmönche an langen Stangen von Fels zu Fels schwingen. Pro Folge darf Po einmal seine unwahrscheinlichen Kung-Fu-Fähigkeiten demonstrieren, die bald schon auch die stolze Ritterin Wandering Blade beeindrucken. Die allmähliche Annäherung der beiden gegensätzlichen Weggefährten vollzieht sich im Takt der Abenteuer – wer weiß, vielleicht bringt es der als „Drachenkrieger“ in Ungnade gefallene Po am Ende sogar zum titelgebenden „Drachenritter“?

    Ratlos in der Wüste? Sicher nicht. Po und Wandering Blade wird schon gleich ein Ausweg einfallen. Netflix

    Nichts daran ist allzu spannend oder auf der Humorebene zu mehrdeutig, um kleine Netflix-Zuschauer abzuschrecken, die klare Fixierung auf ein kindliches Publikum bleibt aus den vorangegangenen Serienablegern erhalten. Dennoch bringt die Besetzung mit Jack Black (der die Serie mitproduzierte) einen klaren Vorteil für die Originalfassung: Der anarchische Humor, den der Komiker direkt aus den Filmen hinüberholt, sorgt sofort für deutlich mehr Lebendigkeit und Lockerheit im Vergleich zu den bisherigen Serien. Diesen klaren Bruch hin zum Besseren wird es in der deutschen Fassung nicht geben – das ist schade, denn Blacks kataraktartiges Plappern, seine Kiekser und Brüller, spielen nicht nur virtuos über die nicht sonderlich überraschungssatte Handlung hinweg, sie machen auch fast vergessen, dass die Titelfigur Po hier vom avancierten Stand der Kinofilme, wo sie sich inzwischen längst selbst in eine weise(re) Mentorenrolle fortentwickelt hat, wieder zum neugierig-aufgeschlossenen, fröhlich in die weite Welt hineinziehenden Staune-Bär zurückgestuft wurde.

    Kung-Fu-Panda-Fans jeden Alters werden fraglos diverse Favoriten vermissen: Sowohl die „Furiosen Fünf“ (Tigress, Viper, Monkey, Crane und Mantis) als auch Meister Shifu kommen nicht vor, auch Nudel-Daddy Mr. Ping scheint allenfalls eine kleine Nebenrolle zugewiesen bekommen zu haben. Das ist eben die Kehrseite eines solchen Globetrotter-Abenteuerreiseplots. Die langsam immer mehr und mehr auftauende Ritterbärin Wandering Blade ist allerdings ein willkommener Neuzugang in der Kung-Fu-Panda-Welt, ihr hochmögender, ernster Zugang zur ihr gestellten Aufgabe kollidiert lustig mit der Hans-guck-in-die-Luft-Methode von Po (Ora und Black harmonieren da bestens). Zudem haben die Autoren einen erfreulichen Hang zum Verspielten, der auch vor der eigenen Erzählweise nicht Halt macht. Als Po und Wandering Blade einmal auf die Wendung „to be continued“ (= wird fortgesetzt) stoßen, mit der Kinofilme üblicherweise auf einen  nächsten Teil vorverweisen, endet die Episode abrupt mit einer ebensolchen Einblendung. Auf Netflix kann man ja zum Glück gleich weitergucken.

    Kurzum: An die Qualität der Filme reicht auch diese dritte Serie (lange) nicht heran, der jungen Zielgruppe dürften die kurzen Abenteuerhäppchen aber so gut munden wie Po die Fettklumpen von Wankun. Das Beste aus der Serie holen aber ohne Zweifel nur jene heraus, die sie sich im Original mit Jack Black ansehen.

    Dieser Text basiert auf der Sichtung der ersten drei Episoden von „Kung Fu Panda: Der Drachenritter“.

    Meine Wertung: 3/​5

    Die Serie „Kung Fu Panda – Der Drachenritter“ ist weltweit bei Netflix im Programm.

    Über den Autor

    Gian-Philip Andreas hat Kommunikationswissenschaft studiert und viel Zeit auf diversen Theaterbühnen verbracht. Seit 1997 schreibt er für Print und online vor allem über Film, Theater und Musik. Daneben arbeitet er als Sprecher (fürs Fernsehen) und freier Lektor (für Verlage). Für fernsehserien.de rezensiert er seit 2012 Serien. Die seiner Meinung nach beste jemals gedrehte Episode ist Twin Peaks S02E07 („Lonely Souls“) ­- gefolgt von The Sopranos S03E11 („Pine Barrens“), The Simpsons S08E23 („Homer’s Enemy“), Mad Men S04E07 („The Suitcase“), My So-Called Life S01E11 („Life of Brian“) und selbstredend Lindenstraße 507 („Laufpass“).

    Lieblingsserien: Twin Peaks, Six Feet Under, Parks and Recreation

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