The Michael J. Fox Show – Review

    TV-Kritik zum Comeback des Sitcom-Stars – von Ralf Döbele

    Rezension von Ralf Döbele – 17.10.2013, 08:58 Uhr

    Mike Henry (Michael J. Fox) mit Ehefrau Annie (Betsy Brandt, m.), ihren gemeinsamen drei Kindern und seiner Schwester Leigh (Katie Finneran) (r.).

    Die Geschichte erscheint vertraut. Mike Henry war der beliebteste Anchorman New Yorks, bevor bei ihm Parkinson diagnostiziert wurde. Danach entschloss er sich, seiner Fernsehkarriere den Rücken zu kehren, um fortan voll und ganz für seine Familie da zu sein. Nach fünf Jahren am heimischen Herd haben die Liebsten aber langsam die Nase ein wenig voll von der Daueraufmerksamkeit des Familienoberhaupts, so dass die Freude groß ist, als Mike sich entschließt, wieder ins Nachrichtengeschäft zurückzukehren.

    Die Parallelen zu jener Entscheidung, die Michael J. Fox vor mittlerweile 13 Jahren traf, sind natürlich gewollt. Damals verließ Fox die NBC-Sitcom „Chaos City“, nachdem sich seine Parkinson-Symptome verschlimmert hatten. Charlie Sheen wurde sein Nachfolger, ein Abrutschen der Einschaltquoten verhinderte dies allerdings nicht. Was aus Charlie Sheen nach „Chaos City“ wurde, wissen wir in aller Ausführlichkeit. Doch für Michael J. Fox ist die Hauptrolle in der neuen „Michael J. Fox Show „ auf NBC nun tatsächlich eine Art Comedy-Comeback, obwohl er nie ganz vom Bildschirm verschwunden war. Aus sporadischen Gastauftritten wie in „Scrubs“ wurden schließlich bedeutende wiederkehrende Rollen in „Boston Legal“ oder „Rescue Me“. Bereits da begann Fox mit den Klischees, die seiner Erkrankung anhaften, zu spielen und nutze diese als gewiefter Anwalt Louis Channing in „Good Wife“ schamlos zum eigenen Vorteil.

    So ist auch eine der größten Stärken der neuen NBC-Comedy ihr lockerer Umgang mit Mike Henrys Parkinson-Symptomen. Bereits in der ersten Szene meckert Henrys Tochter Eve (Juliette Goglia) beim Filmen ihres Vaters, weil er zu sehr herumzappelt. Auch Henrys Abschied vom Bildschirm kam zustande, als er am Nachrichten-Tisch aus Versehen aus dem Bild rollte. Solche Szenen sind erfrischend und urkomisch, auch als Mike aus Versehen 911 wählt und sich dafür prompt entschuldigt: „Sorry, my drugs haven’t kicked in, yet!“ Dass daraufhin seine Küche von Cops gestürmt wird, konnte er nicht ahnen. Auch witzige Sequenzen wie diese können aber kaum drüber hinweg täuschen, dass es sich bei der neuen „Michael J. Fox Show“ in praktisch allen anderen Bereichen um eine höchst konventionelle und recht unspektakuläre Familien-Comedy handelt. Der im Piloten noch angedeutete, größere Handlungsanteil für Mikes Karriere-Neustart, frauenverstehender Boss Harris (Wendell Pierce) und nervöse Assistentin Kay (Ana Nogueira) inklusive, wird in den weiteren Folgen kaum aufgegriffen.

    Der siebenjährige Graham (Jack Gore, r.) ist das Nesthäkchen der Familie Henry.
    Bislang liegt der Fokus voll uns ganz auf dem Mittelklasse-Apartment der Henrys. Dort lebt Mike mit Ehefrau Annie (Betsy Brandt) und seinen drei Kindern. Brandt, gerade erst aus Walter Whites Intrigennetz entkommen, harmoniert hervorragend mit Fox. Doch ihre Rolle als Lehrerin und Ehefrau ist geradezu erschreckend konventionell und kommt fast eigenschaftslos daher – falls man von kleinen Eifersuchtsanfällen und Lügen hinter Mikes Rücken absieht, die sie zu einem lieblosen Comedy-Klischee machen. Ulkig ist dagegen, dass Betsy Brandt hier aber im Vergleich zu „Breaking Bad“ die Vernünftigste in der Familie verkörpert, im krassen Gegensatz zu Mikes Schwester Leigh (Katie Finneran). Die lebt dank finanzieller Unterstützung durch Mike im Keller des gleichen Apartmenthauses und ist bei sämtlichen Familienanlässen mit von der Partie. Noch im vergangenen Jahr waren Finneran und ihre Spielfreude der Grund, warum man gewillt war, einer eigentlich recht unterirdischen Sitcom wie „I Hate My Teenage Daughter“ eine Chance zu geben. Doch hier besteht ihre Figur, ähnlich wie die von Brandt, aus keinerlei herausstechenden Charaktereigenschaften, sieht man von ihrer nicht gerade originellen Sorge um ihre Wirkung auf Männer und die Qualität ihrer blonden Haarpracht einmal ab.

    Besser sieht es dagegen bei Mike Henrys Kindern aus. Ian (Conor Romero) hat das College geschmissen um seine eigene Suchmaschine zu entwickeln. Die findet man bislang aber leider nur, wenn man nach ihr googelt. Wie sollen auch große Gedankenblitze im ehemaligen Zimmer seines kleinen Bruders Graham (Jack Gore) entstehen, wo Ian auf einem knallroten Autobett schlafen und sich von falsch zusammengesetzten Legofiguren inspirieren lassen muss. Der kleine Graham hat dagegen dank Papa Mike die scheinbar magische Formel dafür entdeckt, wie er bei den Frauen der Familie mit praktisch allem durchkommt, was er sich in den Kopf gesetzt hat – dank jenem Satz, den jede Frau hören will: „You’re right, I’m wrong, I’m sorry.“

    Ganz so leicht kommt seine Schwester Eve nicht davon, als sie sich plötzlich in den Kopf setzt, Nacktportraits zu fotografieren und ausgerechnet Mama Annie dafür herhalten muss. Selbst den noch so aufgeschlossenen Eltern bleibt letztendlich nur das „Solange du unter unserem Dach lebst“-Verbot. Juliette Goglia verhilft der potentiell nervtötenden Rolle mit ihrer Darstellung zu zahlreichen Sympathiepunkten und kann aus der ganzen Reihe von Emo-Girls der letzten Comedy-Jahre herausstechen – eine ziemliche Leistung. Die wenigen Szenen zwischen Goglia und Conor Romero gehören zu den Highlights der ersten Folgen, was darauf hoffen lässt, dass sich die Autoren noch ein wenig stärker um die Bruder-Schwester-Beziehung zwischen Ian und Eve kümmern werden.

    Eves Filmaufnahmen im Piloten bilden dann auch den Anlass die Storys der „Michael J. Fox Show“ mit Mockumentary-Interviews einzurahmen – „Modern Family“ lässt grüßen. Tatsächlich wirkt die ganze Serie bis jetzt wie ein steiferes und risikofreies Pendant zum ABC-Hit. Tatsache ist, dass man als erfahrener Zuschauer fast sämtliche Komponenten dieser ‚Unmodern Family‘ schon einmal gesehen hat – und davor noch mal anderswo. Sei es das genervte Elternpaar, das den herbeigesehnten Liebesakt dank störender Kinder nicht in die Tat umsetzen kann; sei es die gutaussehende Nachbarin mit einem Auge auf Mike, die Annie verunsichert; oder sei es der realitätsgetreue Einblick in den NBC-Alltag mit Augenzwinkern. Da vermisst man „30 Rock“ nur umso mehr.

    Immerhin gibt die dritte Episode Grund zur Hoffnung nach einem unausgeglichenen Piloten und einer zweiten Folge, die man beinahe als Totalausfall werten muss. Letztendlich wird aber auch ein großer Sympathiebonus, wie ihn Michael J. Fox hier von Comedy-Liebhabern durchaus erhält, nicht ausreichen um die Serie zu tragen, sollte sie nicht schnellstens mehr Fleisch auf die Knochen bekommen. Das eigentlich hervorragende Ensemble, das zu sehr viel mehr im Stande sein dürfte, hätte es verdient. Die Zuschauer erst recht.

    Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten drei Folgen von „The Michael J. Fox Show“.

    Meine Wertung: 2,5/5


    Ralf Döbele
    © Alle Bilder: NBC

    Über den Autor

    Ralf Döbele ist Jahrgang 1981 und geriet schon in frühester Kindheit in den Bann von „Der Denver-Clan“, „Star Trek“ und „Aktenzeichen XY … ungelöst“. Davon hat er sich als klassisches Fernsehkind auch bis heute nicht wieder erholt. Vor allem US-Serien aus allen sieben Jahrzehnten TV-Geschichte haben es ihm angetan. Zu Ralfs Lieblingen gehören Dramaserien wie „Friday Night Lights“ oder „The West Wing“ genauso wie die Prime Time Soaps „Melrose Place“ und „Falcon Crest“, die Comedys „I Love Lucy“ und „M*A*S*H“ oder das „Law & Order“-Franchise. Aber auch deutsche Kultserien wie „Derrick“ oder „Bella Block“ finden sich in seinem DVD-Regal, das ständig aus allen Nähten platzt. Ralf ist als freier Redakteur für fernsehserien.de tätig und kümmert sich dabei hauptsächlich um tagesaktuelle News und um Specials über die Geschichte von deutschen und amerikanischen Kultformaten.

    Lieblingsserien: Six Feet Under, Star Trek – Enterprise, Aktenzeichen XY … ungelöst

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