Rück- und Ausblick von ARD-Programmdirektor Struve

    Eine Sendung wie ‚Bauer sucht Frau‘ hat die ARD schon lange

    Mario Müller – 27.12.2007

    Zwei große Personalien stehen für 2008 an. Während George W. Bushs Nachfolger jedoch erst noch gewählt werden muss, steht NDR-Fernsehprogrammdirektor Volker Herres schon als Nachfolger von Günter Struve fest , der seit 1992 für das Programm der ARD verantwortlich ist. Der 67-Jährige scheidet am 1. November aus dem Amt und kann auf einige erfolgreiche Deals, aber auch ein paar Baustellen zurückblicken, auf denen es noch immer nicht so recht vorangeht.

    Struve setzte sich entscheidend für die Rückkehr von Harald Schmidt zur ARD ein, was durch  geschickte Vertragsverhandlungen über die ARD-Filmhandelstochter Degeto an den ARD-Gremien vorbei gelang. Da Schmidts Sendung durch das erweiterte Konzept mit Oliver Pocher durchschnittlich 600.000 Zuschauer dazu bekommen hat (fernsehserien.de berichtete), wolle er alles daran setzen, den Vertrag mit Schmidt im kommenden Jahr zu verlängern, so Struve im Gespräch mit der Nachrichtenagentur „ddp“.

    Dass die ARD in diesem Jahr den schlechtesten Marktanteil in ihrer Geschichte erreicht hat, ist für Struve keine Überraschung. Er habe sogar noch weniger erwartet und führt das in erster Linie auf die immer stärkere Zersplitterung des Marktes zurück. Es gebe eben immer mehr Sender auf dem Markt. „Selbst wenn diese nur 0,3 oder 0,4 Prozent Marktanteil erreichen, geht das vom Gesamtkuchen ab“, erklärt Struve (fernsehserien.de berichtete).

    Die schwierigste Baustelle sei für Struve der Sendeplatz um 18:50 Uhr, der auch für Werbekunden relevant ist und daher auch möglichst junges Publikum anziehen sollte. Hier wolle er bis zum Ende seiner Amtszeit eine zweistelligen Marktanteil erreichen, u.a. mit der neuen Coaching-Show von Bruce Darnell (fernsehserien.de berichtete). „Mein Bestreben in den letzten Monaten ist zudem, dass Das Erste, was das Image anbelangt, weiter auf Platz eins bleibt“, so Struve.

    Während Struve mit den in diesem Herbst neu gestarteten politischen Talkshows „Hart aber fair“ und „Anne Will“ mehr als zufrieden ist, haben sich die neuen Serien am Montagabend nicht durchsetzen können. Zwar habe man nach „Ein Fall für Nadja“ und „Elvis und der Kommissar“ mit „Mord mit Aussicht“ noch eine weitere Serie, die mit hervorragenden Darstellern und exzellenten Büchern aufwarten könne und von der man sich einiges verpricht, doch gehe es dann nach der zweiten Staffel des „Winzerkönigs“ zunächst wieder mit Naturdokumentationen weiter. Und dann müsse man sehen, „ob es vielleicht eine strukturelle Veränderung am Montag gibt“.

    Auf die Frage, warum man nicht so einen Quotenkracher wie „Bauer sucht Frau“ im Programm habe, entgegnete Struve, dass man im NDR schon vor RTL eine ähnliche Sendung mit dem Titel „Land & Liebe“ gestartet habe, bei der alle Fälle echt seien. Man habe auch schon überlegt, die Sendung ins Erste zu holen, „aber akut ist das im Moment nicht“, meint Struve.

    Nachdem er sein Amt Ende 2008 an Volker Herres übergeben hat, will sich Günter Struve erst mal mit ganz anderen Sachen beschäftigen: „Eigentlich müsste ich mal etwas ganz Kreatives tun, vielleicht ein Restaurant eröffnen und mich als Koch verdingen…“

    Gar nicht so abwegig, schließlich gibt’s ja auch in der ARD zahlreiche Köche, die zahlreiche Süppchen kochen.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • am via tvforen.de

      wunschliste.de schrieb:
      >
      > "Mein Bestreben in den letzten Monaten ist zudem, dass Das Erste, was das Image >anbelangt, weiter auf Platz eins bleibt", so Struve.

      Mir war noch gar nicht bekannt, dass "Das Erste" die besten Image-Werte von allen TV-Sendern haben soll. Das sieht mir nach eine Praemisse aus, mit der Struve da Stimmung machen moechte. Ich bin aber gerne bereit, mich eines besseren belehren zu lassen, wenn mir jemand eine glaubwuerdige Quelle fuer diese Ausgangsthese nennt.
      • am via tvforen.de

        xy schrieb:
        > ... belehren zu lassen, wenn mir jemand eine glaubwuerdige Quelle
        > fuer diese Ausgangsthese nennt.

        Die Quelle ist Struve. Ich bezweifele allerdings, dass er glaubwürdig ist. ;-)

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