Die fiktionale Comedy-Miniserie „Boah, Bahn!“, die die Deutsche Bahn mit Anke Engelke produzieren ließ, sorgt weiter für Schlagzeilen – und zwar keine positiven. Denn nun entwickelt sich womöglich ein Urheberrechtsstreit. Ein Produzent hat sich zu Wort gemeldet, der schwere Vorwürfe gegen die Produktion erhebt. Die Serie weise große Parallelen zu einer geplanten Serie auf, die er selbst entwickeln ließ. Wurden also das Konzept oder zumindest Teile von „Boah, Bahn!“ von dessen Projekt „übernommen“?
Sascha Gröhl von der Produktionsfirma Vitamedia spricht gegenüber DWDL direkt von einem Projektklon: Die Serie „Boah, Bahn!“ weise demnach frappierende Ähnlichkeiten mit einem Projekt namens „Sänk ju for travelling with Deutsche Bahn“ auf, das er selbst ein paar Jahre zuvor entwickelte. Dass dies womöglich kein Zufall ist, ergibt sich durch eine pikante Verbindung zwischen den beiden Projekten: Denn der Mann, der als Headautor bei „Boah, Bahn!“ genannt wird, war auch als Autor bei dem vorherigen Projekt beteiligt, das von Vitamedia entwickelt wurde.
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Auch diese Serie sollte im Zugmilieu spielen und auf humorvolle Weise die Geschichten des Bordpersonals erzählen. Damals wurde die Serie dem Sender RTL angeboten, der sich jedoch letztlich dagegen entschied. Bis Frühjahr 2024 seien Drehbuchfassungen entstanden, an denen auch der betreffende Autor über Monate hinweg beteiligt gewesen sein soll, bevor die Entwicklung im Oktober 2024 senderseits gestoppt wurde. Später habe es laut Angaben der Produktionsfirma noch weitere Gespräche mit einem anderen Sender gegeben – jedoch genau zu dem Zeitpunkt, als plötzlich „Boah, Bahn!“ von der WTF erschien, einer Tochter der Produktionsfirma bildundtonfabrik. Damit war Gröhls Projekt vom Tisch.
Die Serie „Boah, Bahn!“ weise nun jedoch laut Gröhl zu viele Übereinstimmungen mit seinem eigenen Konzept auf. Zwar sei es durchaus vorstellbar, dass in der Film- und Serienbranche mehrere Unternehmen unabhängig auf ähnliche Ideen kommen, allerdings sei die Vielzahl konkreter Übereinstimmungen erklärungsbedürftig. Hinzu kommt, dass der betreffende Autor, der an beiden Projekten beteiligt war, eine Geheimhaltungs- und Verschwiegenheitsklausel unterschrieben hatte. Vitamedia zog schließlich gegen ihn wegen Verletzung von Geschäftsgeheimnissen durch Geheimnisverrat vor Gericht. Daraufhin habe der Autor im November 2025 nicht nur eine Unterlassungserklärung unterschrieben, sondern schließlich auch noch die Prozesskosten freiwillig anerkannt und bezahlt. Ein Urteil gab es nicht, doch das Verhalten des Autors spreche laut Gröhl für sich: Macht man das, wenn man von der eigenen Unschuld überzeugt ist?
Gröhl gegenüber DWDL weiter: Natürlich kann man unabhängig voneinander auf die Idee kommen, eine Serie über die Deutsche Bahn zu machen. Sich aus allen denkbaren Genres ausgerechnet für eine Mockumentary zu entscheiden, aus allen möglichen Settings das Kammerspiel fast ausschließlich im Zug zu wählen, aus allen Perspektiven genau das Zugpersonal ins Zentrum zu setzen, die Serie als Ensemble-Comedy anzulegen, teils identische angelegte Figuren, Schauspielerbesetzung, Mechaniken und sogar Gags zu verwenden – diese Präzision ist für mich erklärbar, wenn man unsere Unterlagen kannte. Und diese Unterlagen kannte unser ehemaliger Headautor. Der einen umfangreichen Geheimhaltungsvertrag unterschrieben hatte. Der beschuldigte Autor habe sich auf Anfrage des Branchendienstes bislang nicht dazu geäußert. Auch seitens der Produktionsfirma WTF liegt kein offizielles Statement vor.
Bereits in der vergangenen Woche geriet die Serie „Boah, Bahn!“ in die Schlagzeilen – jedoch aufgrund der bekannt gewordenen Produktionskosten. Obwohl die einzelnen Folgen nur wenige Minuten lang sind, sollen sich die Kosten inklusive der umfangreichen PR-Imagekampagne dafür laut übereinstimmenden Medienberichten auf rund sieben Millionen Euro belaufen haben. Kurz darauf bestätigte die Deutsche Bahn, dass es von der Webserie keine Fortsetzung geben wird. Eine Fortsetzung der Kampagne passt nicht in die Zeit, hieß es – auch angesichts der Debatte über Sicherheitsmängel bei der Deutschen Bahn. Die Serie wurde auf YouTube und den Social-Media-Kanälen der Bahn veröffentlicht und sollte als „humorvolle Liebeserklärung an die Mitarbeitenden“ verstanden werden.
Ich weise nochmal auf den Shitstorm hin, den es verdientermaßen für die Deutsche Bahn gabs, als es hieß, 7 Mio für so eine Serie übrige zu haben, aber nix übrig, um die Bahn in Schuß zu halten...