Quoten: Fast zehn Millionen sehen Frankfurts Europa-League-Märchen

    „Marie Brand“ und „Kampf der Realitystars“ von König Fußball unbeeindruckt

    Dennis Braun
    Dennis Braun – 19.05.2022, 09:50 Uhr

    Quoten: Fast zehn Millionen sehen Frankfurts Europa-League-Märchen – "Marie Brand" und "Kampf der Realitystars" von König Fußball unbeeindruckt – Bild: RTL

    Eintracht Frankfurt hat es geschafft und die Europa League gewonnen – der zweite Titel in der Vereinsgeschichte, der erste seit 42 Jahren. Das dramatische Endspiel gegen die Glasgow Rangers, das erst im Elfmeterschießen entschieden wurde, bescherte RTL am gestrigen Mittwochabend wie erwartet herausragende Quoten: In der ersten Halbzeit saßen bereits 8,38 Millionen Fußballfans vorm Bildschirm, die zweite steigerte sich gar auf fulminante 9,55 Millionen. Die Marktanteile betrugen satte 30,7 und 41,6 Prozent, fielen in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen aber noch deutlich höher aus: 43,7 und 52,9 Prozent standen zu Buche, somit hatte ab 22:09 Uhr jeder Zweite das Finale eingeschaltet.

    Bei der Verlängerung sank die Gesamtreichweite zwar leicht auf 8,93 Millionen, für das dramatische Elfmeterschießen kehrten ab 23:40 Uhr aber noch einmal 420.000 zurück, dies kam also auf 9,35 Millionen. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch insgesamt die 50-Prozent-Marke angesichts 56,2 Prozent mühelos übersprungen. Bei den Jüngeren kletterten die Marktanteile gar auf unfassbare 57,7 und 63,7 Prozent. Unmittelbar nach dem letzten verwandelten Elfer der Frankfurter blieben 7,21 Millionen ab drei Jahren (50,8 Prozent) dran, die Siegerehrung hielt um kurz nach Mitternacht immerhin noch 4,25 Millionen (40,1 Prozent) wach.

    Das ZDF bot der haushohen Konkurrenz mit der Deutschen liebster Programmfarbe erfolgreich die Stirn: Ein neuer „Marie Brand“-Krimi lockte dort 6,04 Millionen Menschen an, die tollen 23,3 Prozent entsprachen – dies waren zwar knapp drei Millionen weniger als Anfang Februar, damals war aber auch ein neuer Rekord aufgestellt worden. In Anbetracht des alles dominierenden Fußballspiels sind diese Werte absolut hoch einzuschätzen. In der Zielgruppe musste man RTL hingegen Tribut zollen, hielt sich aber bei immerhin 6,0 Prozent. Das „heute journal“ informierte nachfolgend 4,16 Millionen (16,1 Prozent), ehe das „auslandsjournal“ auf 2,06 Millionen und 8,8 Prozent absackte.

    Völlig chancenlos war dagegen Das Erste: Die Wiederholung der Gesellschaftskomödie „Keiner schiebt uns weg“ unterhielt nur 1,78 Millionen Gesamtzuschauer, mehr als 6,9 Prozent waren damit nicht drin. Schwach lief es ebenfalls bei den 14- bis 49-Jährigen, wo nur 4,8 Prozent zustande kamen. Noch schwerer tat sich „Plusminus“, das im Anschluss bei 1,31 Millionen und miesen 5,1 Prozent landete. Doch auch die „Tagesthemen“ sorgten gegen die zweite Halbzeit nicht für einen Einschaltimpuls und mussten sich mit 1,33 Millionen sowie 5,8 Prozent begnügen.

    „TV total“, das sich auf ProSieben nur knapp 20 Minuten mit der ersten Halbzeit überschnitt, verpasste zwar diesmal einen zweistelligen Marktanteil bei den Werberelevanten, mit 9,2 Prozent muss man in Unterföhring aber nicht unzufrieden sein. Insgesamt brachte Sebastian Pufpaff diesmal 810.000 Menschen zum Lachen. „Zervakis & Opdenhövel. Live.“ geriet danach aber massiv unter die Räder und donnerte auf indiskutable 2,2 Prozent. Schwestersender Sat.1 meldete schon zu Beginn der Primetime mit dem Aufguss der Rankingshow „111 absolute Alleskönner!“ Land unter, der bei 4,2 Prozent hängen blieb. Interessanterweise waren das aber sogar 0,2 Prozent mehr, als der Auftakt vom „Club der guten Laune“ vergangene Woche verzeichnet hatte, der diesmal Fußball-bedingt pausierte. „111 peinliche Pannen!“ steigerten sich später nur minimal auf 4,8 Prozent.

    Sehr gut im Rennen lag der „Kampf der Realitystars“ bei RTL Zwei, der sich deutlich länger mit dem Europa-League-Finale überschnitt. Zwar wurde ein neuer Staffeltiefstwert aufgestellt, mit überdurchschnittlichen 7,0 Prozent in der Zielgruppe kann man sich in Grünwald jedoch nicht beschweren. Eine Wiederholung von „Naked Attraction“ hatte nachfolgend gegen die heiße Phase der Frankfurt-Partie angesichts 3,1 Prozent nichts mehr zu melden. Bei VOX ging indes die erste Staffel von „Friedmanns Vier“ mit neuen Tiefs zu Ende, 4,0 und 3,4 Prozent betrugen die Marktanteile. Somit lag man auf gleicher Flughöhe wie Kabel Eins, wo der Klassiker „Bodyguard“ durchwachsene 4,1 Prozent generierte.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • am via tvforen.de

      Mein Beileid an Eintracht Frankfurt: Ich hatte gedacht, sie hätten in der Wirklichkeit gewonnen und nicht nur im Märchen.
      • am via tvforen.de

        In der zweiten Hälfte des Frankfurt-Spiels 9,55 Millionen Zuschauer, beim 11-Meter-Schießen dann nur noch 9.35 Millionen. Ja welcher Irre schaltet denn beim Europapokalfinale vorm Showdown ab?
        • am via tvforen.de

          Sveta schrieb:
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          > In der zweiten Hälfte des Frankfurt-Spiels 9,55
          > Millionen Zuschauer, beim 11-Meter-Schießen dann
          > nur noch 9.35 Millionen. Ja welcher Irre schaltet
          > denn beim Europapokalfinale vorm Showdown ab?

          Es gibt immer Leute, die während einer Sendung abschalten und andere Leute, die im Laufe der Sendung reinzappen. In diesem Fall war die erstgenannte Gruppe größer, und das liegt mit Sicherheit an der späten Anstoßzeit. 21 Uhr ist optimal für den britischen, spanischen und italienischen Markt, aber für deutsche Sehgewohnheiten ist es (zumindest werktags) zu spät - vor allem dann, wenn es auch noch Verlängerung und Elfmeterschießen gibt.
        • am via tvforen.de

          Spoonman schrieb:
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          > Sveta schrieb:
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          > > In der zweiten Hälfte des Frankfurt-Spiels
          > 9,55
          > > Millionen Zuschauer, beim 11-Meter-Schießen
          > dann
          > > nur noch 9.35 Millionen. Ja welcher Irre
          > schaltet
          > > denn beim Europapokalfinale vorm Showdown ab?
          >
          > Es gibt immer Leute, die während einer Sendung
          > abschalten und andere Leute, die im Laufe der
          > Sendung reinzappen. In diesem Fall war die
          > erstgenannte Gruppe größer, und das liegt mit
          > Sicherheit an der späten Anstoßzeit. 21 Uhr ist
          > optimal für den britischen, spanischen und
          > italienischen Markt, aber für deutsche
          > Sehgewohnheiten ist es (zumindest werktags) zu
          > spät - vor allem dann, wenn es auch noch
          > Verlängerung und Elfmeterschießen gibt.

          Siehe dazu auch hier: https://www.dwdl.de/zahlenzentrale/88006/pokalabend_das_elfmeterschiessen_war_diesmal_der_renner/

          Gut, dass das Finale des DFB Pokal erstens samstags ausgetragen wird und zweitens der Anstoß familienfreundlich auf 20 Uhr festgelegt ist. So war am Samstag selbst das Elfmeterschießen also vor 23 Uhr zu Ende, ganz anders als wenige Tage zuvor das Endspiel der Europa League. Dieses startete erst um 21 Uhr, sodass der entscheidende Elfer erst wenige Minuten vor Mitternacht geschossen wurde. Daher war am Donnerstagmorgen gut zu sehen, dass einige Zuschauerinnen und Zuschauer beim Europa League-Finale nach der regulären Spielzeit abschalteten. Das war nun beim Finale des DFB-Pokals nicht der Fall. Zwar ging die Kurve ab kurz vor 22 Uhr ein bisschen runter, steigerte sich dann aber schnell in der Verlängerung und vor allem während des Elfmeterschießens auf neue Bestwerte.
        • am via tvforen.de

          Vielen Dank für die Mühe Spoon :-)
          Verstehen kann ich es rotzdem nicht. Ich denke mal das sich wahrscheinlich eh nur Fußballfans die Spiele anschauen und als Fan dann 90 Minuten dran zu bleiben und dann kurz vor dem Showdown abzuschalten... also früh raus hin oder her, die halbe Stunde mehr macht es dann auch nicht. Mal abgesehen davon das ich gar nicht würde schlafen können, die Neugier wer gewinnt würde mich über Stunden wachhalten.
        • am via tvforen.de

          Spoonman schrieb:
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          > Sendung reinzappen. In diesem Fall war die
          > erstgenannte Gruppe größer, und das liegt mit
          > Sicherheit an der späten Anstoßzeit. 21 Uhr ist
          > optimal für den britischen, spanischen und
          > italienischen Markt, aber für deutsche
          > Sehgewohnheiten ist es (zumindest werktags) zu
          > spät

          Wann sind den europäsische Spiele früher, sagen wir in den 70er Jahren gestartet? Ich habe da so gut wie nichts von mitbekommen, so dass es doch so ganz früh auch nicht gewesen sein kann, oder?
        • am via tvforen.de

          kleinbibo schrieb:
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          > Wann sind den europäsische Spiele früher, sagen
          > wir in den 70er Jahren gestartet? Ich habe da so
          > gut wie nichts von mitbekommen, so dass es doch so
          > ganz früh auch nicht gewesen sein kann, oder?


          Europapokal der Landesmeister

          1967/68 Finale:
          Mittwoch, 29.05.1968, 19:45 Uhr
          Manchester United - Benfica Lissabon 4:1 n.V.

          1968/69 Finale:
          Mittwoch, 28.05.1969, 19:30 Uhr
          AC Mailand - Ajax Amsterdam 4:1

          1969/70 Finale:
          Mittwoch, 06.05.1970, 21:00 Uhr
          Feyenoord Rotterdam - Celtic Glasgow 2:1 n.V.

          1970/71 Finale:
          Mittwoch, 02.06.1971, 19:45 Uhr
          Ajax Amsterdam - Panathinaikos Athen 2:0

          1971/72 Finale:
          Mittwoch, 31.05.1972, 20:30 Uhr
          Ajax Amsterdam - Inter Mailand 2:0

          1972/73 Finale:
          Mittwoch, 30.05.1973, 20:30 Uhr
          Ajax Amsterdam - Juventus Turin 1:0

          1973/74 Finale:
          Mittwoch, 15.05.1974, 20:15 Uhr
          Bayern München - Atlético Madrid 1:1 n.V.
          Wiederholungsspiel: Freitag, 17.05.1974, 20:15 Uhr
          Bayern München - Atlético Madrid 4:0

          1974/75 Finale:
          Mittwoch, 28.05.1975, 20:15 Uhr
          Bayern München - Leeds United 2:0

          1975/76 Finale:
          Mittwoch, 12.05.1976, 20:15 Uhr
          Bayern München - AS Saint-Étienne 1:0

          1976/77 Finale:
          Mittwoch, 25.05.1977, 20:30 Uhr
          FC Liverpool - Borussia Mönchengladbach 3:1

          1977/78 Finale:
          Mittwoch, 10.05.1978, 19:15 Uhr
          FC Liverpool - FC Brügge 1:0

          1978/79 Finale:
          Mittwoch, 30.05.1979, 20:15 Uhr
          Nottingham Forest - Malmö FF 1:0

          1979/80 Finale:
          Mittwoch, 28.05.1980, 20:30 Uhr
          Nottingham Forest - Hamburger SV 1:0

          1980/81 Finale:
          Mittwoch, 27.05.1981, 20:15 Uhr
          FC Liverpool - Real Madrid 1:0

          1981/82 Finale:
          Mittwoch, 26.05.1982, 20:15 Uhr
          Aston Villa - Bayern München 1:0

          1982/83 Finale:
          Mittwoch, 25.05.1983, 21:15 Uhr
          Hamburger SV - Juventus Turin 1:0

          1983/84 Finale:
          Mittwoch, 30.05.1984, 20:15 Uhr
          FC Liverpool - AS Rom 4:2 i.E.

          Quelle: DFB, Datencenter, Champions League
          Link: https://www.dfb.de/datencenter/champions-league/1967-1968/current
          [weitere Spielzeiten im Menü auswählbar]
        • am via tvforen.de

          thomreu schrieb:
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          > 1982/83 Finale:
          > Mittwoch, 25.05.1983, 21:15 Uhr
          > Hamburger SV - Juventus Turin 1:0

          Danke für die Auflistung!

          Laut https://en.wikipedia.org/wiki/1983_European_Cup_Final war das um 21:15 Uhr Ortszeit in Athen, also 20:15 MESZ. Ich war damals auf Klassenfahrt, und wir haben das Spiel im Speisesaal der Jugendherberge gesehen. Ich denke mal, wenn es erst nach 21 Uhr angefangen hätte, dann hätte unsere Lehrerin das nicht erlaubt.

          Nach meiner Erinnerung lagen die Standard-Anstoßzeiten für Abendspiele (Europacup und Länderspiele) bis weit in die 90er hinein zwischen 20:00 und 20:30 Uhr, wobei das damals (bis auf die Europacup-Endspiele) noch nicht zentral durch die UEFA festgelegt wurde, sondern durch die Vereine/Verbände und die Fernsehsender der beteiligten Länder. Bei Anpfiff um 20:15 Uhr wurde z.T. die Tagesschau um 5 Minuten verkürzt, damit noch Zeit für kurze Vorberichte blieb.

          In der Champions-League-Saison 1996/97 wurde einheitlich um 20:30 Uhr angepfiffen, ab 1997/98 dann um 20:45 und seit 2018 um 21:00 Uhr. Die UEFA richtet sich halt immer mehr nach den lukrativen Fernsehmärkten in Großbritannien, Spanien, Italien und Frankreich, außerdem gibt es ja inzwischen in der Gruppenphase auch noch eine frühe Anstoßzeit um 18:45 Uhr.

          https://en.wikipedia.org/wiki/1996%E2%80%9397_UEFA_Champions_League_group_stage
          https://en.wikipedia.org/wiki/1997%E2%80%9398_UEFA_Champions_League_group_stage
        • am via tvforen.de

          Sveta schrieb:
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          > Vielen Dank für die Mühe Spoon :-)
          > Verstehen kann ich es rotzdem nicht. Ich denke mal
          > das sich wahrscheinlich eh nur Fußballfans die
          > Spiele anschauen und als Fan dann 90 Minuten dran
          > zu bleiben und dann kurz vor dem Showdown
          > abzuschalten... also früh raus hin oder her, die
          > halbe Stunde mehr macht es dann auch nicht.

          Ich denke, bei Spielen, die von den großen Hauptsendern übertragen werden, ist immer eine relativ große Anzahl von "Gelegenheitsguckern" dabei. Bei RTL sind die Einschaltquoten für Europa-League-Spiele generell deutlich höher als bei Nitro oder früher bei Sport 1 oder Kabel 1. Und es kommt ja auch vor, dass nur ein Familienmitglied ein großer Fußballfan ist. Bei einem Finale gucken die anderen dann halt mit, weil es das Finale ist, aber ich finde es auch verständlich, dass manche um 23 Uhr lieber ins Bett gehen.
        • am via tvforen.de

          Das Landesmeister-Finale 1983 war tatsächlich um 20:15 MESZ, die Übertragung im ZDF fing um 20:05 Uhr an.

          https://www.abendblatt.de/archive/1983/pdf/19830525.pdf/ASV_HAB_19830525_HA_012.pdf
        • am via tvforen.de

          Hallo Spoonman,

          danke für den Hinweis/Korrektur.

          Ich hatte mich das auch gerade bei diesem Spiel gefragt, ob das die Ortszeit oder die deutsche Zeit ist. Leider war das aber auf der DFB Seite nicht vermerkt und ersichtlich.

          LG Thom
        • am via tvforen.de

          thomreu schrieb:
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          > 1973/74 Finale:
          > Mittwoch, 15.05.1974, 20:15 Uhr
          > Bayern München - Atlético Madrid 1:1 n.V.
          > Wiederholungsspiel: Freitag, 17.05.1974, 20:15
          > Uhr
          > Bayern München - Atlético Madrid 4:0

          Die beiden Spiele begannen um 20 Uhr. Die ARD stieg aber in beiden Fällen erst nach der Tagesschau in die Übertragung ein, also etwa 15 Minuten später.
        • am via tvforen.de

          kleinbibo schrieb:
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          >
          > Wann sind den europäsische Spiele früher, sagen
          > wir in den 70er Jahren gestartet? Ich habe da so
          > gut wie nichts von mitbekommen, so dass es doch so
          > ganz früh auch nicht gewesen sein kann, oder?

          Das verteilte sich vom späten Nachmittag bis in den späten Abend.

          Europapokalspiele in Osteuropa (außer DDR) einschließlich Nachbarländer wie CSSR wurden in der Regel am Nachmittag ausgetragen. Habe mal ein Spiel rausgesucht, an dessen Übertragung ich mich gut erinnern kann:
          Banik Ostrau - Bayern München, 18.03.1981, Beginn der Übertragung im Ersten um 16.25 Uhr (Europapokal der Landesmeister)

          Die Spiele in Spanien wurden regelmäßig als letztes angepfiffen, oft erst um 21 oder sogar 22 Uhr.
        • am via tvforen.de

          Wilkie schrieb:
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          > Europapokalspiele in Osteuropa (außer DDR)
          > einschließlich Nachbarländer wie CSSR wurden in
          > der Regel am Nachmittag ausgetragen.

          Außer DDR? Auch in der DDR wurden viele Europapokalspiele sehr früh angepfiffen. Dynamo Dresden – Bayern München am 7. November 1973 begann beispielsweise um 17.30 Uhr.
        • am via tvforen.de

          Wilkie schrieb:
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          >
          > Europapokalspiele in Osteuropa (außer DDR)
          > einschließlich Nachbarländer wie CSSR wurden in
          > der Regel am Nachmittag ausgetragen. Habe mal ein
          > Spiel rausgesucht, an dessen Übertragung ich mich
          > gut erinnern kann:
          > Banik Ostrau - Bayern München, 18.03.1981, Beginn
          > der Übertragung im Ersten um 16.25 Uhr
          > (Europapokal der Landesmeister)

          Hatten die noch kein Flutlicht?
        • am via tvforen.de

          kleinbibo schrieb:
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          > Hatten die noch kein Flutlicht?

          Ich glaube, die wollten einfach nur Stromkosten sparen.
        • am via tvforen.de

          U56 schrieb:
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          > Dynamo Dresden – Bayern München am 7. November 1973
          > begann beispielsweise um 17.30 Uhr.

          Sehr schade, dass ich damals (als Kleinkind) dieses Duell noch nicht mitbekommen habe. Das muss ein tolles Spektakel gewesen sein. Bayern hatte das Hinspiel in München nach 2:3-Rückstand mit 4:3 gewonnen. Entgegen der internationalen Gepflogenheiten reisten die Bayern (nach einem Zwischenstopp in Hof) erst am Spieltag mit dem Bus nach Dresden. Offizielle Begründung: Wegen des Höhenunterschieds zwischen München (530 Meter) und Dresden (106 Meter) sei eine Akklimatisierung sonst nicht möglich. Das war natürlich totaler Blödsinn. Ich habe schon öfter gehört, die Vereinsführung des FC Bayern hätte Angst gehabt, dass die Spieler im Hotel in Dresden vergiftet werden. Im Hamburger Abendblatt wurde damals allerdings gemutmaßt, dass die Bayern-Vereinsführung auf einen Wink der DDR-Behörden reagiert hatte, die größere Sympathiekundgebungen vor dem Hotel verhindern wollten. Viele Fans in der DDR waren tief enttäuscht, dass sie "ihre" Stars vor dem Spiel nicht mehr zu sehen bekamen.

          https://www.abendblatt.de/archive/1973/pdf/19731106.pdf/ASV_HAB_19731106_HA_014.pdf
          https://www.abendblatt.de/archive/1973/pdf/19731107.pdf/ASV_HAB_19731107_HA_002.pdf
          https://www.abendblatt.de/archive/1973/pdf/19731107.pdf/ASV_HAB_19731107_HA_034.pdf
          https://www.abendblatt.de/archive/1973/pdf/19731108.pdf/ASV_HAB_19731108_HA_011.pdf

          Das Rückspiel nahm dann einen ähnlich spannenden Verlauf wie das Hinspiel. Dresden führte nach 0:2-Rückstand (2x Hoeneß) kurzzeitig mit 3:2, ehe Gerd Müller für den Ausgleich sorgte und Bayern damit in die nächste Runde schoss. Am Saisonende holten die Bayern in Brüssel im Wiederholungsspiel gegen Atlético Madrid zum ersten Mal den Pokal der Landesmeister. Keine 24 Stunden später (!) mussten sie in Gladbach zum letzten Bundesligaspiel antreten und verloren mit 0:5, allerdings hatten sie schon vorher als Meister festgestanden.

          Kann sich jemand von euch an die beiden Spiele zwischen Bayern und Dresden und an das ganze Drumherum erinnern?


          https://www.youtube.com/watch?v=PWKfoPMT6j8



          https://www.youtube.com/watch?v=GACDUoE2sQs
        • am via tvforen.de

          Ich seh gerade, dass das Hinspiel zwischen Bayern und Dresden am 24.10.1973 wohl nicht live von ARD oder ZDF übertragen wurde. Im Ersten war nur die übliche Zusammenfassung der Europacupspiele im Spätprogramm geplant (ab 22:50 Uhr).

          https://www.abendblatt.de/archive/1973/pdf/19731024.pdf/ASV_HAB_19731024_HA_010.pdf

          Weiß jemand, ob das Spiel im 3. Programm des BR gezeigt wurde? Oskar Klose vom BR scheint wohl live kommentiert zu haben.

          https://www.youtube.com/watch?v=dsrE8wzDkSg

          Und hat das DDR-Fernsehen live übertragen?
        • am via tvforen.de

          Spoonman schrieb:
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          > Ich seh gerade, dass das Hinspiel zwischen Bayern
          > und Dresden am 24.10.1973 wohl nicht live von ARD
          > oder ZDF übertragen wurde. Im Ersten war nur die
          > übliche Zusammenfassung der Europacupspiele im
          > Spätprogramm geplant (ab 22:50 Uhr).

          >
          > Und hat das DDR-Fernsehen live übertragen?

          Ja, im 1. Programm 17.25 - 20.00
          Ab 20.00 Uhr im 2. Programm gab es Zusammenfassungen
          der Heimspiele von Carl Zeiss Jena und 1. FC Magdeburg.

          Quelle: Neue Zeit 7.11.1973, Seite 8

          U56 hat also Recht mit dem Hinweis, dass die Spiele in der DDR
          ebenfalls relativ früh liefen.

          DDR-TV-Programme kann man hier abrufen (kostenlose Anmeldung über google-Konto):

          https://zefys.staatsbibliothek-berlin.de/ddr-presse/

          Bei meinen Erinnerungen an die Spiele kann ich heute nicht mehr
          auseinanderhalten, was ich tagesaktuell mitbekommen habe und was Jahre
          später in Berichten.
        • am via tvforen.de

          Spoonman schrieb:
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          > Ich seh gerade, dass das Hinspiel zwischen Bayern
          > und Dresden am 24.10.1973 wohl nicht live von ARD
          > oder ZDF übertragen wurde. Im Ersten war nur die
          > übliche Zusammenfassung der Europacupspiele im
          > Spätprogramm geplant (ab 22:50 Uhr).

          Hier dazu die Hörzu-Kritik:

          http://www.bilder-hosting.info/vorschau/viu1653825238g.jpg (http://www.bilder-hosting.info/viewer.php?id=viu1653825238g.jpg)

          Bei den Rückspielen lief es besser für die Fußballfans vor dem Bildschirm. Fortuna Düsseldorf und der 1. FC Köln verlegten ihre UEFA-Cup-Heimspiele auf den Dienstag und machten damit den Weg frei für die Live-Übertragungen aus Dresden im ZDF und aus Glasgow ab 21 Uhr in der ARD.

          > Weiß jemand, ob das Spiel im 3. Programm des BR
          > gezeigt wurde? Oskar Klose vom BR scheint wohl
          > live kommentiert zu haben.

          Er hat zwar live kommentiert, aber dieses YouTube-Video zeigt wohl den Zusammenschnitt, der damals in der ARD gezeigt wurde. Dass das Spiel zusätzlich im BR übertragen wurde, glaube ich nicht.
        • am via tvforen.de

          Danke, U56 und Wilkie!

          Ohne jetzt nachzusehen, meine ich mich zu erinnern, dass es in den 80ern relativ viele Europacup-Livespiele im DDR-Fernsehen gab, die auch so recchtzeitig feststanden, dass sie von den westdeutschen Programmzeitschriften berücksichtigt werden konnten.

          Für die z.T. frühen Anstoßzeiten kann ich mir mehrere Gründe vorstellen:
          - Sicherheitsgründe (Vermeidung von Problemen mit stark alkoholisierten Fans am späten Abend)
          - logistische Gründe (Abreise der Fans rechtzeitig vor Betriebsschluss des ÖPNV)
          - Weil das DDR-Fernsehen vermutlich kaum Einfluss auf die Anstoßzeiten von Auswärtsspielen in westlichen Ländern nehmen konnte, hat man evtl. lieber die Heimspiele auf frühere Uhrzeiten gelegt, damit sie nicht mit Auswärtsspielen kollidierten, die zur Primetime liefen.
        • am via tvforen.de

          Spoonman schrieb:
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          > Ohne jetzt nachzusehen, meine ich mich zu
          > erinnern, dass es in den 80ern relativ viele
          > Europacup-Livespiele im DDR-Fernsehen gab, die
          > auch so recchtzeitig feststanden, dass sie von den
          > westdeutschen Programmzeitschriften
          > berücksichtigt werden konnten.

          Ab dem 4. Januar 1978 hatte das DDR-Fernsehen mittwochs um 17.15 Uhr ein Sportmagazin namens "Halbzeit" im Programm. Wenn Fußballspiele zu dieser Zeit übertragen wurden, fiel diese Sendung eben aus. Aber so gab es jeden Mittwochnachmittag Sport zu sehen.
        • am via tvforen.de

          Spoonman schrieb:
          -------------------------------------------------------
          >
          > Für die z.T. frühen Anstoßzeiten kann ich mir
          > mehrere Gründe vorstellen:
          > - Sicherheitsgründe (Vermeidung von Problemen mit
          > stark alkoholisierten Fans am späten Abend)
          > - logistische Gründe (Abreise der Fans
          > rechtzeitig vor Betriebsschluss des ÖPNV)

          In der DDR setzte das Arbeitsleben ja ca. eine Stunde früher ein
          als in Westdeutschland (und endete entsprechend eher), die Werktätigen
          sollten sicherlich am nächsten Tag in den VEB bzw. Kombinaten wieder
          frisch und munter der Normerfüllung nachgehen ...

          https://www.forum-ddr-grenze.de/t11696f128-Arbeitsbeginn.html
        • am via tvforen.de

          U56 schrieb:
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          > Dynamo Dresden – Bayern München am 7. November 1973
          > begann beispielsweise um 17.30 Uhr.

          Fünf Wochen später wurde auch das Rückspiel der 3. Runde im UEFA-Cup zwischen Lok Leipzig und Fortuna Düsseldorf um 17:30 Uhr angepfiffen. Im ZDF gab es ab 22:45 Uhr eine einstündige Aufzeichnung in schwarzweiß - nach Aussage von Wolfram Esser reichte die Helligkeit des Flutlichts im Leipziger Zentralstadion für eine Farbübertragung nicht aus.

          Nach einer 1:2-Niederlage in Düsseldorf gewann Lok Leipzig das Rückspiel mit 3:0, kam dadurch eine Runde weiter und scheiterte erst im Halbfinale an Tottenham Hotspur.

          https://rp-online.de/sport/fussball/fortuna/fortuna-duesseldorf-das-deutsch-deutsche-duell-im-uefa-pokal-teil-eins-der-serie_aid-70964859

          https://www.abendblatt.de/archive/1973/pdf/19731128.pdf/ASV_HAB_19731128_HA_020.pdf
          https://www.abendblatt.de/archive/1973/pdf/19731129.pdf/ASV_HAB_19731129_HA_024.pdf
          https://www.abendblatt.de/archive/1973/pdf/19731212.pdf/ASV_HAB_19731212_HA_013.pdf
          https://www.abendblatt.de/archive/1973/pdf/19731213.pdf/ASV_HAB_19731213_HA_019.pdf


          https://www.youtube.com/watch?v=L0MtXuFMSxc
        • am via tvforen.de

          Interessante Infos! Die einstündige Aufzeichnung am späten Abend im ZDF werden sich wohl nicht allzu viele Fußballfreunde angetan haben, bis 22.45 Uhr dürfte die 0:3-Pleite der Düsseldorfer in Leipzig wohl vielen Zuschauern bekannt gewesen sein.

          Interessant der Artikel über das Entscheidungsspiel der WM-Qualifikation 1974
          Schweden - Österreich 2:1 in Gelsenkirchen am 27. November 1973.

          Ich habe mal nachgeschaut:
          Ein weiteres Entscheidungsspiel war Jugoslawien - Spanien 1:0. Dieses Spiel fand in Frankfurt/M. statt, wurde jedoch erst am 13.02.1974 ausgetragen.

          Grund war jeweils Punktgleichheit und gleiche Tordifferenz. Die Anzahl mehr geschossener Tore wurde nicht berücksichtigt.

          Der Gruppensieger der Gruppe 9 (UdSSR) musste zwei Spiele gegen Chile austragen. Warum gerade diese Gruppe mit Frankreich, Irland, UdSSR keinen direkten Platz bei der Endrunde 1974 bekam, erschließt sich mir nicht. Immerhin war die UdSSR Vize-Europameister 1972.

          Das Hinspiel in Moskau endete 0:0.
          Zum Rückspiel in Santiago trat die UdSSR wegen des Militär/CIA-Putsches in Chile nicht an.
          Die Chilenen schossen in der 1. Minuten ein Tor, dann wurde das Spiel abbrochen, weil ein Anstoß nach einem Tor nach den Regeln von der gegnerischen Mannschaft ausgeführt werden muss.

          Dem Video zufolge waren doch einige Zuschauer im Stadion, aber vielleicht war der Eintritt ja kostenlos:


          https://www.youtube.com/watch?v=Fb5KpkSajpw
        • am via tvforen.de

          Wilkie schrieb:
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          > Der Gruppensieger der Gruppe 9 (UdSSR) musste zwei
          > Spiele gegen Chile austragen. Warum gerade diese
          > Gruppe mit Frankreich, Irland, UdSSR keinen
          > direkten Platz bei der Endrunde 1974 bekam,
          > erschließt sich mir nicht. Immerhin war die UdSSR
          > Vize-Europameister 1972.
          >
          > Das Hinspiel in Moskau endete 0:0.
          > Zum Rückspiel in Santiago trat die UdSSR wegen
          > des Militär/CIA-Putsches in Chile nicht an.
          > Die Chilenen schossen in der 1. Minuten ein Tor,
          > dann wurde das Spiel abbrochen, weil ein Anstoß
          > nach einem Tor nach den Regeln von der
          > gegnerischen Mannschaft ausgeführt werden muss.
          >
          > Dem Video zufolge waren doch einige Zuschauer im
          > Stadion, aber vielleicht war der Eintritt ja
          > kostenlos:

          Das ist ja wirklich komplett absurd, davon hatte ich noch gar nichts gehört. Laut Wiki wurde das Estadio Nacional, in dem das Rückspiel stattfinden sollte, kurz nach dem Putsch vom Pinochet-Regime als Internierungslager genutzt. Das war wohl auch der unmittelbare Anlass für den Boykott seitens des sowjetischen Verbandes.

          https://de.wikipedia.org/wiki/Estadio_Nacional_de_Chile#Internierungslager_der_Junta

          Und zum Thema Zuschauer:
          Auch die gesamten Begleitumstände wirkten eher beklemmend als wie ein entscheidendes Qualifikationsspiel zu einer Fußball-Weltmeisterschaft. Im Stadion, das zu jener Zeit fast 100.000 Besucher hätte aufnehmen können, waren lediglich rund 15.000 ausgesuchte Zuschauer versammelt. Der für die Begegnung aufgestellte ehemalige chilenische Nationalspieler Carlos Caszely erinnerte sich später: „Statt richtiger Fans saßen nur geladene Gäste im Publikum, in dieser unruhigen Zeit war es den Menschen verboten, ins Stadion zu gehen. Die Stimmung war dementsprechend gespenstisch. Ich wäre am liebsten sofort wieder gegangen, doch der österreichische Schiedsrichter Erich Linemayr wies uns darauf hin, dass die Partie angepfiffen werden müsste, um die Qualifikation sicherzustellen. Wir stellten uns also auf und er pfiff das Spiel an. Wir gegen niemanden! … Es war wirklich das mit Abstand absurdeste Spiel, das ich je absolviert habe und wohl auch das kürzeste WM-Qualifikationsspiel der Fußballgeschichte.“

          https://de.wikipedia.org/wiki/Fu%C3%9Fballl%C3%A4nderspiel_Chile_%E2%80%93_Sowjetunion_1973

          Unter diesen Umständen ist es fast schon erstaunlich, dass die Ostblock-Länder (DDR, Polen, Bulgarien) das WM-Turnier nicht boykottiert haben. Aus einer kurzen Meldung im Abendblatt vom 28.11.73 ging ja hervor, dass ein solcher Boykott durchaus befürchtet wurde.

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