„Beverly Hills, 90210“-Darstellerin Gabrielle Carteris zur SAG-AFTRA-Chefin gewählt

    Luft für gemäßigte Gewerkschaftsführung wird dünner

    Bernd Krannich
    Bernd Krannich – 30.08.2019, 17:00 Uhr

    Gabrielle Carteris als Gabrielle Carteris in „BH90210“ – Bild: Shane Harvey/FOX
    Gabrielle Carteris als Gabrielle Carteris in „BH90210“

    Die Gewerkschaften – und Streikdrohungen – spielen in der Film- und Fernsehindustrie der USA eine gewichtige Rolle. Nach erbittertem Kampf hat Schauspielerin Gabrielle Carteris („Beverly Hills, 90210“) das Rennen um die Führung der mehr als 150.000 Mitglieder umfassenden Schauspielergewerkschaft SAG-AFTRA gemacht und wurde wiedergewählt. Sie vertritt einen eher gemäßigten Flügel, der seit 2012 unter der Bezeichnung Unite for Strength die Geschicke der Schauspieler führt und den Zusammenschluss der Einzelgewerkschaften SAG und AFTRA zu SAG-AFTRA vorantrieb.

    Carteries war 2012 zunächst zur Vizepräsidentin der Gewerkschaft gewählt worden und übernahm 2016 nach dem überraschenden Tod des damaligen Präsidenten Ken Howard („Crossing Jordan“, „30 Rock“) das Präsidentenamt kommissarisch. Im gleichen Jahr wurde sie noch zur offiziellen Präsidentin gewählt.

    Schon seit Jahren herrscht ein Konflikt innerhalb der Gewerkschaft darüber, wie man mit verschiedenen sich ändernden Aspekten des Berufs umgehen soll. Dazu gehört auch der Umgang mit den Produzenten – im Strukturwandel von „Fernsehausstrahlungen“ zur „Streamingwelt“ sind zahlreiche alte Entgelt-Regelungen nicht mehr zeitgemäß. Darunter fällt, dass Schauspieler früher etwa Bezahlung für TV-Wiederholungen erhielten, die nun aber durch entsprechende Entgelte für längerfristige Streamingrechte nicht adäquat aufgefangen werden – Schauspieler verdienen weniger. Zudem sind Serienstaffeln mit 22 Episoden nur noch eine Ausnahme, mittlerweile müssen Schauspieler selbst in festen Serienrollen bisweilen nur mit acht Folgen Einnahmen für ein Jahr erzielen. Die Finanzierung der Rentenkasse, der Krankenversicherung und Partizipation an Erfolgen sind wichtige Punkte aktueller Gewerkschaftsstreits.

    Carteris gewann laut Deadline mit 44 Prozent der abgegebenen Stimmen. Gegenkandidat Matthew Modine vom Hardliner-Flügel MembershipFirst erhielt demnach knapp 35 Prozent, auf die unabhängige Kandidatin Jane Austin, eine Stuntfrau, kamen 16 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 21 Prozent der stimmberechtigten Gewerkschaftsmitglieder (30.837 von 145.692 Stimmzetteln wurden abgegeben).

    Carteris’ Kandidatin für den Schatzmeisterposten, Camryn Manheim (aktuell „Stumptown“, „Practice – Die Anwälte“, „Person of Interest“) konnte sich ebenfalls durchsetzen. Im Ortsverband Los Angeles konnte allerdings MembershipFirst zahlreiche Posten besetzen, das sich selbst als „loyale Opposition“ bezeichnet. Ruhe wird also einstweilen in der Gewerkschaft nicht einkehren.

    Der aktuelle Rahmenvertrag zwischen SAG-AFTRA und dem für Film und Fernsehen zuständigen Produzentenverband AMPTP läuft am 30. Juni 2020 ab.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • (geb. 1963) am melden

      8 Folgen reichen vollkommen.
      6 Folgen hätten es auch getan
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      • (geb. 1991) am melden

        Man sieht aber auch wie es bei den Engländern funktioniert. Dort gibt es auch kurze Staffeln aber dafür spielen die Schauspieler in verschiedenen Serien im Jahr mit.
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        • (geb. 1962) am melden

          Ich finde 8 - 10 Folgen zu wenig für eine Staffel.
          13 - 15 Folgen müssten es schon sein wenn eine Geschichte ausführlich erzählt werden soll.
          Man siehe Game of Thrones.
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          • (geb. 1967) am melden

            Diesen sehr starken Trend zu nur noch 8-10 Folgen pro Staffel einer Serie finde ich nach wie vor nicht richtig!
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