Welt im Umbruch, Folge 70–80

    • Folge 70
      Okay, ich probier’s jetzt, rauscht die Stimme aus den Lautsprechern im NASA-Kontrollzentrum. „Houston, nun bin ich auf der Plattform.“ Alle halten den Atem an. „Ich trete vom Mondboot runter.“ Kurze Pause. Langsam senkt Neil Armstrong den Fuß. „Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Schritt für die Menschheit.“ 109 Stunden, 24 Minuten und 20 Sekunden zuvor hatte Armstrong mit seinen Kameraden Edwin Aldrin und Michael Collins von der Erde abgehoben.
      600 Millionen Menschen verfolgen weltweit den Aufbruch der Menschheit ins Universum: Der Flug zum Mond wird das erste globale Medienereignis. 400.000 Wissenschaftler und Techniker sind an der Erfüllung des uralten Menschheitstraumes beteiligt. Die Entwicklung der bemannten Raumfahrt rast: Jetzt wird die „ISS“ gebaut – die erste internationale Raumstation. Im Jahre 2004 werden Astronauten im Orbit ihre Arbeit aufnehmen – und dabei permanent im All „wohnen“. (Text: Phoenix)
    • Folge 71
      Sein Kopf ist gesenkt, sein Blick auf die gefalteten Hände gerichtet. 10 Sekunden, 20 Sekunden, eine halbe Minute. Sie scheint nicht zu enden. Willy Brandt kniet auf regennassem Asphalt. Eine Geste, die wesentlich zur Rehabilitierung Deutschlands in der Welt beiträgt. „Die Last der jüngsten deutschen Geschichte ist enorm. Hiermit tue ich, was Menschen tun, wenn Worte versagen. So gedenke ich der Millionen Ermordeter.“ 27 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg kniet der Regierungschef in Warschau vor den Opfern nieder – für das deutsche Volk. Neben Auschwitz war das Warschauer Ghetto Sinnbild für die Grauen des Holocaust.
      Ein Teil der polnischen Hauptstadt war zu einem gigantischen Gefängnis geworden. 400.000 Menschen vegetierten unter unwürdigen Umständen. Mehr als 50.000 Juden wurden getötet. Mit dem Zerfall des Ostblocks und der deutschen Einheit wird aus Willy Brandts „Ostpolitik“ Geschichte – und ein Stück Wirklichkeit. Gesten bringen oft mehr als Worte. (Text: Phoenix)
    • Folge 72
      Die neunjährige Kim Phuc ist fast ohnmächtig vor Schmerz. Das kleine Mädchen schreit um sein Leben: Es flieht mit seinen Eltern vor den US-Bombern. Seit Mai 1972 fliegen die Amerikaner Luftangriffe auf Nord-Vietnam. Häuser und Wälder verbrennen im Napalmregen. Der Phosphor bleibt an Kleidung und Haut haften, brennt sich in die Körper der Menschen. Die beiden Cousins von Kim Phuc verbrennen bei lebendigem Leibe. Amerika steht seit 1961 im Krieg mit dem kommunistischen Nord-Vietnam.
      Zwei Millionen Einheimischen und 58.000 Amerikanern kostet der Vietnamkrieg das Leben. Am 27. Januar 1973 endlich schließen die USA und Nord-Vietnam einen Waffenstillstand – die erste militärische Niederlage in der Geschichte Amerikas. Der Krieg ist zu Ende, doch die Narben bleiben. Erst 1997, mehr als 20 Jahre später, eröffnen Vietnam und die USA wieder Botschaften in Hanoi und Washington. (Text: Phoenix)
    • Folge 73
      Zehn olympische Tage begeistern die Sportwelt. Doch dann der 5. September 1973: Sechs Männer steigen im Morgengrauen über den Zaun des olympischen Dorfes. Sie dringen weiter vor, Komplizen öffnen Türen. Plötzlich ziehen sie Maschinenpistolen und Handgranaten aus ihren Sporttaschen. Gegen halb fünf fallen die ersten Schüsse. Zwei israelische Sportler können fliehen, zwei aber müssen sterben. Kurz nach fünf stellen die Terroristen ihre Forderungen: Freilassung von 200 Palästinensern aus israelischen Gefängnissen. Und: freier Abzug mit neun Geiseln. Daraufhin tritt ein Krisenstab zusammen. Die israelische Regierung macht Bonn allein für die Sicherheit der Geiseln verantwortlich.
      Zwei Ultimaten verstreichen. Um 22:22 Uhr fliegen die Terroristen mit den Geiseln per Hubschrauber zum Flughafen. Auf dem Rollfeld kommt der Einsatzbefehl: Die Polizei erschießt drei Terroristen. Gegen Mitternacht rücken Panzerfahrzeuge vor, beenden das Drama. Doch: Alle Geiseln müssen sterben. Die Olympischen Spiele gehen weiter, aber das Fest ist zu Ende. 1996 in Atlanta stirbt während der Spiele ein Mensch bei einem Bomben-Attentat. Bei Olympia 2000 in Sydney soll nun noch mehr auf die Sicherheit aller geachtet werden. (Text: Phoenix)
    • Folge 74
      24. April 1974: Im Hamburger Hotel „Atlantic“ legt Ministerialrat Klaus Kinkel ein BKA-Schriftstück neben die Kaffeetasse von Willy Brandt. Mit Namen von Frauen, die der Kanzler während seiner Reisen mit auf Hotelzimmer oder in Zugabteile genommen haben soll: Journalistinnen, Zufallsbekannte, Prostituierte. Die Liste stammt von seinem persönlichen Referenten Günter Guillaume.
      Der NVA-Hauptmann hatte sich 1963 als DDR-Flüchtling ausgegeben. Tatsächlich jedoch wurde er von der Stasi eingeschleust. Ende April ’74 wird der Ost-Agent wegen Spionage verhaftet. Regierungschef Brandt tritt am 6. Mai zurück: „Total enttäuscht übernehme ich die Verantwortung für alle Fahrlässigkeiten im Zusammenhang mit der Affäre Guillaume.“ Er setzt damit ein Zeichen: Politiker sollten Fehler eingestehen, die nötigen Konsequenzen ziehen. (Text: Phoenix)
    • Folge 75
      Die Morgenstunden des 17. Juni 1972: Fünf Männer brechen in die Wahlkampfzentrale der Demokratischen Partei ein. Der Nachtwächter des Washingtoner Hotels „Watergate“ alarmiert die Polizei: Polizisten stellen die Eindringlinge. Darunter: James McCord, Sicherheitschef im Wahlkampfteam des US-Präsidenten. Nixon entlässt McCord, triumphiert bei der Wiederwahl.
      Doch die Washington-Post-Reporter Carl Bernstein und Bob Woodward lassen nicht locker. Über Hintermänner gelangen sie an Geheimunterlagen der Republikanischen Partei: Nixon selbst hatte angewiesen, den Lauschangriff auf die Demokraten vorzubereiten. Ein Sumpf von Korruptions-, Abhör- und Unterschlagungsaffären tut sich auf. Parteifreund Barry Goldwater: „Nixon hat seine Frau, Familie, Freunde, Kollegen, das Volk und die Welt belogen.“ Am 8. August 1974 tritt Nixon zurück: Er kommt so einer Anklage durch das Parlament zuvor. 1999 überstand Bill Clinton ein solches Amtsenthebungsverfahren – wegen seiner Liaison mit der Praktikantin Monica Lewinsky. (Text: Phoenix)
    • Folge 76
      30. April 1975, es ist 7:58 Uhr: Die US-Botschaft im südvietnamesischen Saigon liegt unter Beschuss der kommunistischen Truppen aus dem Norden. Vom Dach des Gebäudes rettet ein Hubschrauber das letzte Häuflein US-Marines aus der Luft. Während unten eine aufgebrachte Menge in das Hochhaus eindringt. Es sind Südvietnamesen, die ehemaligen Verbündeten der US-Army. Auch sie wollen raus aus dem Hexenkessel. Doch die vom CIA gesteuerte letzte Rettungsaktion bringt nur die eigenen Boys in Sicherheit. 1.000 Amerikaner werden in 24 Stunden heimgeholt. Die Marines auf dem Dach sind die letzten.
      Der 20-jährige Kreuzzug gegen den Kommunismus in Vietnam ist für Amerika zu Ende. Das Drama der um Hilfe flehenden Saigoner jedoch geht weiter. Sie fürchten die Rache der Kommunisten und fühlen sich von den Amerikanern im Stich gelassen. Der Vietcong siegt. Südvietnam wird wie der Norden des Landes kommunistisch. Doch die Menschen fliehen bis heute vor den diktatorischen Machthabern. In überfüllten Booten treiben die „Boat-People“ aufs offene Meer – und hoffen auf ein Schiff in die Freiheit. (Text: Phoenix)
    • Folge 77
      Schüsse peitschen durch den Morgenhimmel von Soweto. Pulverdampf und Tränengas erstickt das Schwarzen-Ghetto an jenem 16. Juni 1976: Eine Kugel trifft den 13-jährigen Hector Pietersen mitten in den Kopf. Weiße Polizisten erschießen den Jungen. 25 Kinder sterben wie Hector – weil sie schwarz sind. Sie protestierten friedlich gegen die Einführung von „Afrikaans“: die Sprache der Weißen an den Schulen. Eine Welle der Gegengewalt erfasst Südafrika. 100 Menschen werden getötet. Der Spracherlass wird zurückgenommen. Doch erst 20 Jahre später beendet ein Gesetz die Rassentrennung in den Schulen. Aber bis heute haben Schwarze noch immer nicht die gleichen Bildungschancen. (Text: Phoenix)
    • Folge 78
      Köln-Mitte, 5. September: Fünf maskierte Gestalten zerren Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer aus dem Dienstwagen, erschießen den Fahrer und drei Polizisten. 50 Tage halten die RAF-Terroristen Schleyer gefangen. Fordern die Freilassung der in Stammheim inhaftierten Gesinnungsgenossen.
      13. Oktober, Linienflug Mallorca-Frankfurt: Palästinensische Terroristen entführen die „Landshut“, töten den Piloten Jürgen Schumann. Die Spezialeinheit „GSG 9“ stürmt in Mogadischu das Flugzeug. Die Befreiung – für die Geiseln Wiedergeburt, für die RAF Todes-Signal. Die Selbstmorde von Stammheim besiegeln Schleyers Schicksal: Seine Leiche wird wenig später gefunden. Auch heute noch sorgen terroristische Gruppen wie PKK, IRA oder ETA europaweit für Unruhen. (Text: Phoenix)
    • Folge 79
      25. Juli 1978, 23:30 Uhr, OP-Saal der Geburtsklinik Oldham bei Manchester: Patrick Steptoe greift zum Skalpell. Angespannt öffnet der Frauenarzt mit einem 20 Zentimeter langen Kaiserschnitt den Bauch der schwangeren Lesley Brown. 23:47 Uhr: Er hält ein 2.600 Gramm schweres Mädchen in den Händen. Louise – das erste außerhalb des Mutterleibes gezeugte Baby. Ein Eileiterverschluss hatte bei Lesley Brown eine natürliche Schwangerschaft unmöglich gemacht.
      „Ich habe nicht Gott gespielt“, so Steptoe, „sondern nur der Natur nachgeholfen.“ Heute ist aus dem vielbestaunten Baby eine selbstbewusste junge Frau geworden. Die 21-jährige Louise Brown ist überzeugt: „Ich bin kein Monster, sondern ganz normal im Bauch meiner Mutter aufgewachsen.“ Seit 1978 haben mehr als 300.000 Retortenbabys das Licht der Welt erblickt: Allein in Deutschland werden jährlich 5.000 Babys durch künstliche Befruchtung gezeugt – Tendenz steigend. (Text: Phoenix)
    • Folge 80
      Ein triumphaler Einzug: Sechs Millionen Menschen säumen am 1. Februar 1979 die Straßen Teherans. Ayatollah Khomeini – der Erlöser aus dem Exil – wird frenetisch empfangen. Noch ahnt keiner das Leid, das der Geistliche über den Iran bringen wird. Er proklamiert die „Islamische Republik“, verspricht die Abschaffung von Armut und sozialer Ungerechtigkeit. Die Gesellschaft wird „islamisiert“: Alkohol, Popmusik und West-Filme verboten, Frauen zum Schleiertragen verpflichtet, Minderheiten verfolgt.
      In den ersten drei Jahren von Ayatollahs Regentschaft fallen 12.000 Menschen den „Säuberungen“ zum Opfer. 1980 stürzt er sein Volk in einen achtjährigen Krieg mit dem Irak. Vier Millionen Perser fliehen aus Angst vor Verfolgung ins Ausland. 1989 spricht der Ayatollah das Todesurteil gegen Schriftsteller Salman Rushdie aus – die „Satanischen Verse“ verletzten die religiösen Gefühle der Moslems. Drei Millionen US-Dollar setzt er auf den Kopf des Autors aus. Wenig später – am 3. Juni – erliegt Ayatollah Khomeini einem Krebsleiden. Erst 1998 distanziert sich die iranische Regierung offiziell von dem Todesurteil – das als religiöser Richterspruch aber nicht aufgehoben werden kann. (Text: Phoenix)

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