Kalter Krieg, Folge 56–69

    • Folge 56
      Wenn Du ein Ungar bist, bist Du mit uns, skandieren Zehntausende auf dem Bem-Platz in Budapest. 200.000 rufen vor dem Parlamentsgebäude nach dem Reformer Imre Nagy. Und auf dem Paradeplatz rückt die aufgebrachte Menge dem Stalin-Denkmal mit Schneidbrennern zu Leibe. Die Ungarn begehren auf – gegen den Stalinismus und die politische Eiszeit.
      In Budapest wird es Frühling – mitten im Herbst: Diskussionen und Demonstrationen durchbrechen die Mauer des jahrelangen Schweigens. Flugblätter propagieren freie Wahlen, Neutralität für Ungarn, den Abzug der Sowjets. Doch der Ruf nach demokratischer Freiheit wird von russischen Panzern erstickt. Über 30 Jahre brauchen die Ungarn, um sich die politische Unabhängigkeit von Moskau zu erkämpfen. Erst im Juni 1989 öffnet sich der Eiserne Vorhang. In Ungarn bricht der Damm aus Stacheldraht und Minen zuerst. Menschen strömen in die ersehnte Freiheit. Aus dem Ostblockland von einst wird 1999 ein neues Nato-Mitglied. (Text: Phoenix)
    • Folge 57
      Am 1. Oktober 1958 läuft die „USS Randall“ mit einem weltberühmten Passagier in Bremerhaven ein. Die Fans geraten außer sich: Der Gefreite Elvis Presley betritt deutschen Boden, bezieht kurz darauf eine Stube in der Army-Kaserne in Friedberg, Hessen. In Uniform verwandelt sich der aufsässige Rebell Elvis zum fahnentreuen Staatsbürger. Noch Mitte der 50er Jahre schockte der Superstar das sittsame Amerika mit seinem rauhen Sex-Appeal.
      Und Hits wie „Heartbreak Hotel“ oder „Jailhouse Rock“ verhelfen dem Rock ‚n‘ Roll zum Siegeszug um die Welt. Elvis verkauft mehr als 500 Millionen Schallplatten, dreht 33 Musikfilme. Nach maßlosen Fressorgien und exzessivem Pillenkonsum stirbt er am 16. August 1977 – mit nur 42 Jahren. Sein Tod macht ihn zur unsterblichen Legende: Noch heute sind Hunderttausende felsenfest davon überzeugt, dass Elvis in Wahrheit nach wie vor am Leben ist. (Text: Phoenix)
    • Folge 58
      Havanna, 8. Januar 1959: Rebellenführer Fidel Castro zieht in die kubanische Hauptstadt ein. Hunderttausende jubeln ihrem Helden zu: Er hat den korrupten Diktator Batista außer Landes gejagt. Die olivgrüne Uniform, die Cohiba im Mundwinkel – das sind die Markenzeichen des vollbärtigen Revolutionärs. Parolen wie „Sozialismus oder Tod“ schrecken Politiker auf. 200 Attentatsversuche der CIA auf Castro sind dokumentiert. Castro wird zu Kubas rotem Diktator. „Er hat sein ganzes Volk als Geisel genommen“, sagt Tochter Alina. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 ist Kuba auf sich allein gestellt. Die Massen leiden Hunger, Unzählige fliehen in die USA. Doch der 72-jährige Castro klammert sich starr an die Macht. (Text: Phoenix)
    • Folge 59
      Jerusalem, Oberster Gerichtshof: Der Mann hinter den schusssicheren Scheiben trägt Anzug und Krawatte. Ein Mittfünfziger mit schütterem Haar und nervösem Zucken im Mundwinkel: „Judenreferent“ Adolf Eichmann, ehemaliger SS-Obersturmbannführer. Der Herr der Todeszüge befahl mit seiner Unterschrift den Tod von Millionen Juden.
      Der Gerichtsvorsitzende trägt die Anklage vor: „Kriegsverbrechen“, „Verbrechen gegen das jüdische Volk“. Dazu Eichmann: „Das Schicksal der von mir deportierten Juden interessiert mich nicht. Mich reut nichts.“ Nach dem Krieg war ihm die Flucht nach Südamerika gelungen. Der israelische Geheimdienst spürt ihn 1960 in Argentinien auf. Eichmann wird in allen 15 Punkten schuldig gesprochen. Das erste und einzige Todesurteil in Israels Geschichte wird im Juni 1962 vollstreckt. Es bleibt die Hoffnung, dass die Welt nie wieder solch grausame Verbrechen erleben wird. (Text: Phoenix)
    • Folge 60
      Berlin, 15. August 1961: Conrad Schumanns Nerven sind zum Zerreißen gespannt. Die Maschinenpistole des 19-jährigen NVA-Unteroffiziers wird schwer. Schweiß rinnt unterm Stahlhelm hervor. Die Zeit drängt: Seit zwei Tagen werden Protestierende mit Gewehren in Schach gehalten. Der Stacheldraht ist nur ein Provisorium, Betonplatten werden herangekarrt. Der Bau der Mauer – der heißeste Tag des kalten Krieges. Conrad Schumann fasst sich ein Herz, setzt über die Stacheldrahtrolle. Sein Sprung macht Geschichte: Als Fanal gegen die Teilung Berlins und Symbol für die Freiheit geht das Bild um die Welt. Aber Deutschland wird erst drei Jahrzehnte später wiedervereint. Bis zu Willy Brandts „Es wächst zusammen, was zusammengehört“, ist noch ein weiter Weg. (Text: Phoenix)
    • Folge 61
      Seit Stunden analysiert Dino Bruigi die Luftfotos. Plötzlich entdeckt der US-AufklärungsspezialistRaketen sowjetischer Bauart. Am 15. Oktober 1962 ist der CIA klar: Die UdSSR stationiert auf Kuba Mittelstreckenraketen – nur 150 Kilometer vor der Küste Floridas. Selbst Fidel Castro ist besorgt: „Aber wir fühlen uns aus politischer Sicht verpflichtet.“ US-Präsident Kennedy befiehlt Verteidigungsbereitschaft für die gesamte US-Nuklearstreitmacht. Die Sowjetunion versetzt den Warschauer Pakt in Alarmzustand.
      13 Tage hält die Welt den Atem an. Dann lenkt Nikita Chruschtschow ein, der dritte Weltkrieg ist abgewendet. Doch die Kuba-Krise lehrt: Nicht menschliche Vernunft verhindert die Katastrophe, sondern nur das atomare Patt. Nach dem Ende der Sowjetunion rüsten sogar Staaten wie Indien, Pakistan und der Irak atomar auf. (Text: Phoenix)
    • Folge 62
      Dallas, 22. November 1963, 12:33 Uhr: Der Autokorso biegt in die Elm Street ein. Die Kennedys im offenen Wagen: Der Präsident hatte wegen des schönen Wetters darum gebeten. Plötzlich ein Schuss. John F. Kennedy blickt verwundert. Gouverneur Conally dreht sich um, schreit entsetzt: „Mein Gott, die bringen uns um!“ Ein zweiter Schuss. Der Präsident greift sich an den Hals, Jacqueline beugt sich erschrocken zu ihm. Der dritte Schuss. Kennedys Kopf schnellt zurück. Seine Frau springt auf, kriecht auf allen vieren über den Kofferraum der Limousine. Ihr rosafarbenes Kostüm ist mit Blut bespritzt. In hastiger Flucht jagt der Wagen zum nächsten Krankenhaus.
      Um 13 Uhr erklären die Ärzte Kennedy für tot. Aber: Was geschah tatsächlich in Dallas? War Lee Harvey Oswald wirklich der alleinige Mörder? Oder KGB, Mafia, CIA? Unzählige offene Fragen beschäftigen seither Kriminologen, Verschwörungsfanatiker und Kennedy-Fans. Kennedys früher Tod lässt den charismatischen Erneuerer des amerikanischen Traums zum Mythos werden. Die Tragödie der Familie Kennedy endet nicht: Im Juli 1999 verunglückt der Präsidenten-Sohn John jr. tödlich. (Text: Phoenix)
    • Folge 63
      Ich bin der Größte, brüllt Cassius Clay die 16.000 Zuschauer an. Als hätten die Boxfans in der Convention Hall von Miami daran noch Zweifel. Der 22jährige Clay hat eben den bis dahin für unbesiegbar gehaltenen Schwergewichtsweltmeister Sonny Liston entthront. Einen Tag später verkündet er seinen neuen Namen: Muhammad Ali, bekennt sich zu den „Black Muslims“, der muslimischen Sekte des farbigen Amerikas.
      Seiner Karriere tut das keinen Abbruch. Von 61 Profikämpfen gewinnt er 56, davon 37 durch K.o.. Dreimal holt er den Weltmeistergürtel. Doch der Preis war hoch. Seit 1984 leidet Ali an der Parkinsonschen Krankheit. Hervorgerufen wurde das Hirnleiden durch die vielen Treffer, die der Boxer einstecken musste. Der Kampf gegen die Krankheit ist Muhammad Alis letzter heroischer Fight. 1996 erhielt er „seine“ Goldmedaille ein zweites Mal, nachdem er, versöhnt mit alten Feinden, das Olympische Feuer in Atlanta entzündet hatte. Sein Gold von 1960 hatte der Boxer aus Zorn über die Diskriminierung der Schwarzen in den USA in den Ohio-Fluss geworfen. (Text: Phoenix)
    • Folge 64
      Die weiblichen Fans schreien und fallen zu Hunderten in Ohnmacht. Wo Die legendären Beatles auftreten, versetzen sie ihr Publikum in nie da gewesenen Begeisterungstaumel. Die vier Musiker aus Liverpool stürmen nicht nur auf die ersten Plätze der Hitparaden, sondern schaffen es sogar bis in den goldenen Ballsaal des Buckingham Palace: Queen Elisabeth höchst persönlich hängt John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr Ritterorden um.
      Die langhaarigen, aber adrett gekleideten Musiker werden zu „Members of the British Empire“. Die Musik der „Fab Four“ war längst Welt-Kultur. Die Magie der Beatles hält noch heute an: Die Neuauflage ihres Albums „Yellow Submarine“ von 1966, seit wenigen Wochen auf dem Markt, findet wieder reißenden Absatz. (Text: Phoenix)
    • Folge 65
      Tor? Kein Tor! In der 101. Minute des Weltmeisterschaftsfinales zwischen England und Deutschland kracht Hurst’s Schuss an die Latte und von dort zurück auf den Boden. Der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst entscheidet: Bis heute die berühmteste und umstrittenste Fehlentscheidung in der Geschichte des Fußballs. Die deutschen Spieler bestürmen den Unparteiischen. Es nützt nichts. England führt 3:2 und gewinnt am Ende mit 4:2. England ist zum ersten Mal Weltmeister. Für die deutsche Mannschaft ist der Traum vom zweiten Titel nach Bern 1954 geplatzt. Gebrochen und mit hängenden Köpfen schleichen sich die Spieler aus dem Wembley-Stadion.
      Die Wiedergutmachung gelingt erst 1996 an gleicher Stelle. Genau 30 Jahre nach dem „Wembley-Tor“ erkämpft die deutsche Nationalmannschaft den Europameister-Titel. England war diesmal schon im Halbfinale an der deutschen Mannschaft gescheitert. Doch wann immer und in welcher Liga das runde Leder haarscharf auf, vor oder hinter der Torlinie aufschlägt: In jedem Kommentar ist noch heute die Rede vom „Wembley-Tor“, das kein Tor war – oder doch? (Text: Phoenix)
    • Folge 66
      Schah, Schah, Scharlatan, rufen die 2000 Studenten auf dem Berliner Kennedyplatz. Auch der Germanistikstudent Benno Ohnesorg bereitet dem Staatsgast bei seiner Berlin-Visite einen unbequemen Empfang. Es ist der Schah von Persien, zusammen mit Frau Farah. Das blutige Regime im Heimatland des Herrschers ist der Grund für die gewalttätigen Proteste. Als sich das persische Kaiserpaar abends auf den Weg in die Deutsche Oper macht, skandieren die Studenten „Mörder, Mörder“. Es regnet Eier, Farbbeutel und Steine. Die Polizei schlägt zurück, drängt die Demonstranten in die Seitenstraßen. Dort trifft Benno Ohnesorg die Gewalt der Staatsmacht. Wenig später liegt sein regungsloser Körper auf dem Asphalt – tödlich verletzt durch eine Polizeikugel. Sein Tod löst eine Lawine der Gewalt gegen den Staat aus, die im Terrorismus der RAF endet. (Text: Phoenix)
    • Folge 67
      Der Sechs-Tage-Krieg ist noch in vollem Gang, doch die israelischen Soldaten sind bereits am Ziel. Am 6. Juni feiern sie die Eroberung ihres Nationalheiligtums – Ost-Jerusalem mit der Klagemauer. Die Altstadt mit ihren heiligen Stätten war zuvor unter der Kontrolle Jordaniens. Haus um Haus erkämpfen sich israelische Fallschirmjäger den Ostteil „ihrer“ Stadt.
      Der Blitzkrieg Israels ordnet den Nahen Osten neu und wird zum totalen Triumph. Israel erobert die Golan-Höhen, den Gaza-Streifen, die Westbank und große Teile der Sinai-Halbinsel. Nur eines erreichen sie nicht: den Frieden. Zwar haben die Palästinenser heute autonome Gebiete errichtet, doch Jerusalem als Hauptstadt Israels bleibt für die Araber tabu. Auch über ihre heilige Stätte, den Felsendom, wachen noch immer allein israelische Soldaten (Text: Phoenix)
    • Folge 68
      Sie sprechen die gleiche Sprache und sind im gleichen Land aufgewachsen, doch den Polizeichef Saigons interessiert das nicht. Vor den Kameras der Welt erschießt er auf offener Straße einen gefesselten Nordvietnamesen. Als Rache für die militärische Offensive des kommunistischen Nordens. In dem kleinen asiatischen Land tobt ein barbarischer Bruderkrieg. Und mittendrin die USA. Mehr als 550.000 Soldaten sollen den Kommunismus in die Knie zwingen.
      Doch die Bilder der Kriegsgräuel bewirken einen Sinneswandel im Westen. Die Einsicht, dass dieser Krieg nicht zu gewinnen ist, kommt spät. Nach neun Jahren verlassen die USA als Verlierer das Schlachtfeld Vietnam. Erst 1994 hebt die gedemütigte Weltmacht die Wirtschafts-Sanktionen gegenüber dem Kriegsgegner von einst auf. Erst 1995 werden wieder diplomatische Beziehungen aufgenommen. (Text: Phoenix)
    • Folge 69
      Emil Gallo blickt direkt in das Kanonenrohr des Panzers. Er reißt sein Hemd auf, schreit: „Tötet mich, wenn ihr wollt. Meine Freiheit könnt ihr mir nicht nehmen!“ Es ist der 21. August: Truppen des Warschauer Paktes marschieren in die Tschechoslowakei ein. Sie beenden brutal den „Prager Frühling“ – das Experiment eines Sozialismus „mit menschlichem Antlitz“ unter Alexander Dubcek. Seit April gab es friedliche Demonstrationen gegen die Besatzer aus der Sowjetunion und ihre Verbündeten. Jetzt finden 50 Menschen den Tod. Der Slowake Gallo überlebt. Durch die unblutige „Samtene Revolution“ erhält die Demokratie 1989 eine neue Chance – mit Vaclav Havel. (Text: Phoenix)

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