2019, Folge 15–28
Folge 15/2019
Folge 15Mit vollem Einsatz: Lars Eidinger zu Gast: Schauspieler, Künstler, DJ, Musiker – Lars Eidinger strotzt vor Fantasie und Schaffenslust. Seit 1999 gehört er zum Ensemble der Berliner Schaubühne. Dort hat er unter anderem als Richard III. und Tartuffe begeistert und ist als irrer Hamlet über die Bühne getobt. Längst hat er sich auch in deutschen und internationalen Kino- und TV-Produktionen einen Namen gemacht – mal als Psychopath oder Burnout-geplagter Mittdreißiger, mal als Brecht, Zar Nikolaus II. oder Georg Trakl. Gerade ist sein jüngster Film „All my Loving“ angelaufen. Mindestens so lange, wie er schauspielert, legt Lars Eidinger als DJ auf. In der Schaubühne veranstaltet er regelmäßig die Partyreihe „Autistic Disco“. „Autistic Disco“ heißt auch seine erste große Einzelausstellung als Video- und Fotokünstler – zu sehen vom 23. Juni bis zum 11. August im Neuen Aachener Kunstverein NAK. Bei Westart spricht Lars Eidinger über Kunst, Leidenschaft und Anarchie.Sein oder Nichtsein: Sandra Hüller spielt Hamlet in Bochum: Für ihre Filmrollen wurde sie vielfach ausgezeichnet. Mit „Toni Erdmann“ war sie für den Oscar nominiert. Sandra Hüller ist dennoch dem Theater treu geblieben. Auf der Bühne kann man länger und intensiver Dinge ausprobieren, sagt sie. Nach Stationen unter anderem in Basel, Berlin, München, Leipzig und Zürich ist sie seit 2018 fest am Schauspielhaus Bochum engagiert. Dort ist sie gerade in der Rolle des Hamlet zu sehen. Inszeniert hat das Stück Johan Simons, der neue Intendant des Schauspielhauses. Mit ihm arbeitet sie besonders gern zusammen. Zuletzt hat sie unter seiner Regie als Penthesilea für Furore gesorgt. Westart hat mit Sandra Hüller über „ihren“ Hamlet gesprochen und war bei der Premiere dabei. Exzentrisch und enthusiastisch: die Jazzprofessorin Ilse Storb wird 90: Sie war die erste Professorin für Jazz und mischt noch heute mit afrikanischem „Pata Pata“-Rhythmus das Publikum auf. Am 18. Juni 1929 in Essen geboren, studierte Ilse Storb in Köln, Paris und Boston Musik. Eigentlich hatte sie sich auf eine Klassik-Karriere vorbereitet. Doch dann entdeckte sie ihre Leidenschaft für den Jazz. 1971 gründete sie in Duisburg das Jazzlabor. Es war der Vorläufer für die Jazzausbildung an den deutschen Musikhochschulen. Ilse Storb produzierte LPs, organisierte Kongresse, ging als Pianistin mit ihrer eigenen Band weltweit auf Tournee und unterrichtete als erste und einzige Professorin für Jazzforschung in Duisburg und Essen. 2011 rief sie an der Folkwang-Musikschule das „Labor für Weltmusik“ ins Leben. Jetzt feiert die „Mutter Courage des Jazz“ ihren 90. Geburtstag. Westart gratuliert: „Pata Pata“, Ilse Storb! Ballern im Buch: der Roman „Miami Punk“: Miami ohne Meer – das ist das Setting von Juan Guses zweitem Roman, den die „Zeit“ das „irrste deutsche Buch des Jahres“ nennt. Über Nacht ist Floridas Rentnerparadies von einer Hafenstadt zur Wüstenstadt mutiert. Die Wirtschaft sitzt auf dem Trockenen, die Menschen haben ihre Arbeit verloren. In der einst blühenden Metropole findet ein Counterstrike-Turnier statt, zu dem auch ein E-Sport-Team aus Wuppertal anreist. Furios entfaltet der gerade mal 30-jährige Autor die wilde Welt der Gamer und Games, in der sich „virtual reality“ und Wirklichkeit durchdringen. Westart hat Juan Guse getroffen und mit ihm über Katastrophen, Utopien und den Reiz von Ballerspielen gesprochen. Rheinischer Humor und französischer Esprit: Köln feiert 200 Jahre Jacques Offenbach: „Orpheus in der Unterwelt“, „Hoffmanns Erzählungen“ oder „Die schöne Helena“: Jacques Offenbach, Kölner und Komponist, war ein Meister der Operette. Am 20. Juni 1819 wurde er in der Domstadt geboren. Im Jubiläumsjahr feiert Köln den deutsch-französischen Musiker mit einem großen Festival. Wie sich seine Geburtsstadt an ihn erinnert, das erkundet Kabarettist Martin Zingsheim bei einem Bummel durch die City, bei dem er u.a. die Großherzogin von Gerolstein und den Komponisten selbst trifft. Reggae-Film „Inna de Yard“: die Seele Jamaikas: Der Garten eines Hauses in den Hügeln von Kingston: Hier, am Rande der jamaikanischen Hauptstadt, treffen sich einige der legendären Reggaestars aus den 60er und 70er Jahren. Sie standen mit Bob Marley und Peter Tosh auf der Bühne und waren dabei, als der Reggae seine Hoch-Zeit erlebte. Jetzt wollen sie ihre weltbekannten Hits neu aufleben lassen und nehmen gemeinsam mit jungen Musikern ein Album auf. Mitten im Grünen, unplugged und open air. „Inna de Yard“ – im Garten – heißt das Projekt. Neben dem Album ist auch ein Film entstanden, der vom Leben der Reggae-Ikonen auf der Karibikinsel erzählt. „Inna de Yard – the Soul of Jamaica“ kommt am 20. Juni in die Kinos. Einige der Musiker sind zurzeit auf Deutschlandtournee. (Text: WDR) Deutsche TV-Premiere Mo. 17.06.2019 WDR Folge 16/2019
Folge 16Im Rampenlicht und doch im Schatten: die deutschen First Ladies: Lächelnd stehen sie an der Seite von Kanzlern und Bundespräsidenten, ganz nah an der Macht, aber ohne Auftrag und Anspruch: Deutschlands First Ladies der Bonner Republik. Mildred Scheel brachte die Protokollchefs ins Schwitzen, Rut Brandt konnte Breschnew becircen. Hannelore Kohl feilte mit am Plan zur deutschen Einheit. Wie ihr Alltag aussah und welchen Einfluss sie hatten, darüber hat die Historikerin Heike Specht ein Buch geschrieben. Von Elly Heuss-Knapp über Loki Schmidt bis Elke Büdenbender – in zahlreichen Interviews nähert sie sich den 20 Frauen, die von 1949 bis heute dieses Land prägten und auf ihre Art Geschichte schrieben.„Melting Pott“: Till Brönner fotografiert das Ruhrgebiet: Er ist nicht nur Deutschlands Jazzmusiker Nr. 1, sondern auch leidenschaftlicher Fotograf. Vor zehn Jahren begann Till Brönner mit Künstlerporträts. 2014 erschien sein erster großer Bildband „Faces of Talent“. Jetzt hat er ein ganzes Jahr lang Menschen und Orte im Ruhrgebiet fotografiert. Seine Bilder zeigen Gesichter, Industriearchitektur, Natur- und Kulturlandschaften. Es ist sein sehr persönlicher Blick auf eine Region, die geprägt ist vom Steinkohlebergbau und dem quirligen Mit- und Nebeneinander verschiedener Nationen und Religionen. Unter dem Titel „Melting Pott“ präsentiert das Museum Küppersmühle in Duisburg die bislang umfangreichste Ausstellung des Fotokünstlers Till Brönner, zu sehen vom 3. Juli bis zum 6. Oktober 2019. „Rettet den Boden!“ Florian Schwinn kämpft für das Leben unter unseren Füßen: Auch wenn wir ihnen kaum Beachtung schenken: Der Boden unter unseren Füßen wimmelt von Kleinstlebewesen. Ein Kubikmeter beherbergt mehr davon, als es Menschen auf der Erde gibt. Diese Myriaden von Organismen – Bakterien, Pilze, Flechten, Tiere – verwandeln abgestorbene Erde in fruchtbaren Humus, die Grundlage unseres Lebens. Florian Schwinn, Journalist und Autor, warnt vor der Zerstörung des Humus durch die moderne Agrarindustrie. „Wir gehen mit den fruchtbaren Böden dieser Erde um, als gäbe es davon im Überfluss und als wüssten wir gar nicht, dass wir von ihnen abhängig sind.“ In seinem neuen Buch „Rettet den Boden!“ plädiert er für einen radikalen Umbau der Landwirtschaft und fordert mehr Engagement von uns allen. Westart hat mit ihm über Regenwürmer und die sinnlose Versteinerung der Vorgärten gesprochen. Raub an der Natur: die Filmdokumentation „Erde“: Ob mit Traktoren, Riesenbaggern oder Dynamit: Der Mensch reißt die Erde auf, bohrt Tunnel und versetzt sogar Berge. Und das alles, um an wertvolle Rohstoffe zu kommen oder neue Städte zu bauen. Welche Verwüstungen dabei entstehen, das zeigt der österreichische Regisseur Nikolaus Geyrhalter in atemberaubenden Bildern. Für seinen Dokumentarfilm „Erde“ hat er Minen, Steinbrüche und Großbaustellen in Europa und Nordamerika bereist. Er zeigt uns, welche Gewalt wir dem Planeten antun, weil wir Platz zum Wohnen, Coltan für Handys, Öl zum Autofahren brauchen. Und er macht klar: Wenn wir so weitermachen, werden wir unseren Lebensraum zerstören. Der Film startet am 4. Juli in den deutschen Kinos. Bei Westart zu Gast: der Regisseur Nikolaus Geyrhalter: Nikolaus Geyrhalter, Regisseur, Produzent und Kameramann, ist berühmt für seine Bilder-Reisen zu außergewöhnlichen Orten. Ob in entlegenen Regionen oder in unserer alltäglichen Umgebung – immer entdeckt er unbekannte Details und verblüffende Zusammenhänge, die er durch grandiose Aufnahmen wirken lässt. Zu seinen spektakulärsten Dokumentationen zählt „Unser täglich Brot“ über die Massenproduktion von Lebensmitteln. Bei Westart erzählt er, wie er auf die Idee zu seinem Film „Erde“ kam und was er bei den Dreharbeiten erlebte. „Ich denke, der Mensch hat immer gegen die Natur gekämpft. Bis jetzt hat er gewonnen“, sagt er. „Aber langfristig rächt es sich dann.“ Popstar der Kunstwelt: Johann König, der blinde Galerist: „Die Bilder, die im Kopf entstehen, sind genauso wichtig wie die Bilder an der Wand.“ Das sagt Johann König, einer der angesagtesten deutschen Galeristen. Der Sohn des Museumsleiters und Kurators Kasper König war von klein auf umgeben von Großmeistern wie Andy Warhol, Isa Genzken, Rosemarie Trockel und Jeff Koons. Gerhard Richter beglückte ihn einst mit Indianerkassetten. Als er elf Jahre alt war, erblindete er durch einen Unfall fast vollständig. Heute betreibt er in der ehemaligen St. Agneskirche in Berlin-Kreuzberg, einem Betonbau aus den 60ern, eine der aufregendsten Galerien Deutschlands. Für ihn ist sie ein Ort, an dem vieles Platz hat, neben Kunst von Andreas Mühe, Jeppe Hein, Norbert Bisky oder Katharina Grosse auch Mode, Musik und Merchandising. In seinem Buch „Blinder Galerist“ erzählt er, wie er sich die Kunst erschließt, obwohl er sich nicht auf seine Augen verlassen kann. Reggae-Film „Inna de Yard“: die Seele Jamaikas: Der Garten eines Hauses in den Hügeln von Kingston: Hier, am Rande der jamaikanischen Hauptstadt, treffen sich einige der legendären Reggaestars aus den 60er und 70er Jahren. Sie standen mit Bob Marley und Peter Tosh auf der Bühne und waren dabei, als der Reggae seine Hoch-Zeit erlebte. Jetzt wollen die Veteranen ihre weltbekannten Hits neu aufleben lassen und nehmen gemeinsam mit jungen Musikern ein Album auf. Mitten im Grünen, unplugged und open air. „Inna de Yard“ – im Garten – heißt das Projekt. Neben dem Album ist auch ein Film entstanden, der vom Leben der Reggae-Ikonen auf der Karibikinsel erzählt. „Inna de Yard – the Soul of Jamaica“ ist gerade in den Kinos gestartet. Einige der Musiker sind zurzeit auf Deutschlandtournee. (Text: WDR) Deutsche TV-Premiere Mo. 24.06.2019 WDR Folge 17/2019
Folge 17Westart geht raus aus dem Fernsehstudio! Diesmal sind wir zu Gast im Gasometer in Oberhausen. Die „Tonne“, wie die Oberhausener ihr Wahrzeichen liebevoll nennen, feiert in diesem Jahr doppeltes Jubiläum. 1929 wurde das damalige Meisterwerk der Ingenieurskunst in Betrieb genommen. Vor genau einem Vierteljahrhundert begann für den Gasspeicher eine neue Ära. Seit Juli 1994 ist er weit über das Ruhrgebiet hinaus eine Attraktion als Europas höchste Ausstellungshalle und Kulturkathedrale. In diesem Jahr lockt der Gasometer unter dem Motto „Der Berg ruft“ mit einer spektakulären Multimedia-Show. Westart fragt, wie das Matterhorn nach Oberhausen kommt, und trifft Original Alphornbläser aus dem Ruhrgebiet, die zum Jubiläum die passende Partymusik liefern.Rock me! Frank Schätzings Debütalbum „Taxi Galaxi“ Frank Schätzing gehört mit seinen Thrillern „Der Schwarm“, „Breaking News“ und „Die Tyrannei des Schmetterlings“ zu den international erfolgreichsten deutschen Schriftstellern. Eine Geschichte ist gut, wenn sie rockt. Das meint der Bestsellerautor ganz wörtlich. Denn noch vor dem Schreiben gilt seine erste Leidenschaft der Musik: „Ich wollte eigentlich Rockstar werden“, bekennt er und erzählt, wie ihn in den 70er Jahren Suzi Quatro und David Bowie elektrisierten. Heute hat er ein eigenes Tonstudio in der Kölner Südstadt, komponiert, arrangiert, spielt Gitarre, Bass und Keyboard. Jetzt hat er sich mit einem ambitionierten Album einen Traum erfüllt. „Taxi Galaxi“ ist sein furioses Debüt als Musiker, Sänger und Songschreiber. Extrem nah und unglaublich intensiv: Der Fotograf Martin Parr im NRW-Forum Düsseldorf Kaum jemand hält uns Menschen so schamlos und dabei gleichzeitig humor- und liebevoll den Spiegel vor wie der britische Fotograf Martin Parr. Ob Ober- oder Unterschicht, beim Tanzen, Sonnenbaden und Smalltalken – Martin Parr hat einen unbestechlichen Blick für das Lächerliche, Skurrile, Komische des Alltags. Das NRW-Forum Düsseldorf widmet ihm jetzt eine große Ausstellung. Mit über 400 Werken ist sie die bisher umfassendste Retrospektive des britischen Magnum-Fotografen. Eigens für die Schau entstand die Serie „Kleingärtner“, die Martin Parr in Düsseldorf und Umgebung fotografierte. Es ist eine Liebeserklärung an die rheinischen Gärtner, in der das Unscheinbare und Übersehene ganz groß wird. „Wenn die Leute beim Betrachten meiner Bilder gleichzeitig weinen und lachen, dann ist das genau die Reaktion, die die Bilder auch bei mir hervorrufen“, sagt Martin Parr. Zu sehen ist die Schau bis zum 10. November 2019. Hilfeschrei: der Film „Systemsprenger“ Sie ist neun Jahre alt, aggressiv und unberechenbar. Ganz egal, wo Bernadette, genannt Benni, hinkommt – ob Pflegefamilie, Wohngruppe oder Sonderschule – , sie fliegt sofort wieder raus. Das Jugendamt nennt Kinder wie sie „Systemsprenger“. Dabei will Benni nur eines: endlich wieder bei ihrer Mutter wohnen. Bianca aber hat Angst vor ihrer eigenen Tochter, die schon als Kleinkind traumatisiert wurde. Als alle Möglichkeiten ausgereizt sind, versucht der Anti-Gewalttrainer Micha, Benni mit unorthodoxen Methoden zu helfen. Doch trotz anfänglicher Erfolge ist ein Happy End nicht in Sicht. Der Film von Nora Fingscheidt mit Helena Zengel in der Hauptrolle wurde auf der Berlinale gefeiert und geht als deutscher Kandidat ins Rennen um den Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Am 19. September kommt „Systemsprenger“ in die deutschen Kinos. Schicht im Schacht: Jörg Sartor über den Niedergang des Ruhrgebiets Anfang 2018 wurde Jörg Sartor, Chef der Essener Tafel, bundesweit bekannt, weil er in seiner Einrichtung die Neuaufnahme von Flüchtlingen vorübergehend stoppte. Damals sagte er, dass er die Balance zwischen deutschen und ausländischen Tafelkunden wiederherstellen wolle. Jetzt hat der 63-Jährige mit einem Buch nachgelegt. Darin beschreibt der ehemalige Bergmann die Nöte der Menschen aus eigener Erfahrung und warnt vor der Verarmung des Ruhrgebiets. „Viele Alteingesessene fühlen sich abgehängt, schlichtweg vergessen“, klagt er. Es sei höchste Zeit für ein umfassendes Hilfspaket. Deshalb fordert er von der Politik einen „Masterplan fürs Revier“. Westart hat mit Jörg Sartor gesprochen. (Text: WDR) Deutsche TV-Premiere Sa. 14.09.2019 WDR Folge 18/2019
Folge 18Eine Stadt in Feierlaune! Bis zum 30. September lädt das Düsseldorf Festival ein zu Tanz, Theater, Musik und Neuem Zirkus. Im Festivalzelt auf dem Burgplatz und an zahlreichen anderen Orten gibt es Kultur für alle: spartenübergreifend, zeitgenössisch und klassisch. Das Programm überrascht mit außergewöhnlichen Produktionen, die mit verschiedenen Kunstformen experimentieren. Zum ersten Mal in Deutschland zu sehen ist Martin Zimmermanns Zirkustheater mit der Aufführung „Eins Zwei Drei“, einem clownesken Spektakel über Autorität, Unterwerfung und Anarchie. Außerdem stellen wir den weltweit gefeierten Tänzer und Choreografen Akram Khan vor, der in seiner neuen Show den Teufel überlistet.Visionär des zeitgenössischen Tanzes: Akram Khan: Der Star-Choreograf und seine Londoner Tanzkompagnie zeigen im Düsseldorfer Festivalzelt „Outwitting the Devil“, eine atemberaubende Show voller Kraft und Energie. Inspiriert vom 4000 Jahre alten Gilgamesch-Epos, erzählt Akram Khan die Geschichte, wie sich der Mensch zum Herrscher über die Natur aufschwingt und sie schließlich zerstört. Die Verschmelzung von Tradition und Moderne hat den britischen Künstler mit bengalischen Wurzeln weltberühmt gemacht hat. „Es ist meine Leidenschaft, alte und neue Mythen im Kontext unserer Zeit zu erforschen“, sagt der 45-Jährige. Seine Choreografien entfalten eine Wucht, die die Zuschauer bewegt und tief berührt. Space Fashion: der Modemacher Pierre Cardin: Er hat die Mode zwar nicht erfunden, aber revolutioniert. Pierre Cardin, 1922 in Italien geboren, wollte immer Dinge schaffen „für ein Leben, das es noch gar nicht gibt – für die Welt von morgen“. Der Düsseldorfer Kunstpalast widmet dem „Fashion Futurist“ eine große Schau, die mit mehr als 80 Outfits und Accessoires einen Einblick in seinen kreativen Kosmos gibt. Im Mittelpunkt stehen die 60er und 70er Jahre, in denen der Pariser Modeschöpfer mit seiner Faszination für die Raumfahrt den Space-Age-Look schuf. Pierre Cardin, der Pionier des Prêt-à-porter, hat als erster Konfektionskleidung für den Weltmarkt kreiert und als Meister der Vermarktung seine Produktpalette ständig erweitert. Die Ausstellung „Pierre Cardin. Fashion Futurist“ ist bis zum 5. Januar 2020 zu sehen. „The Look of Sound“: der Fotograf Norman Seeff: Miles Davis und Patti Smith, Tina Turner, die Rolling Stones und Frank Zappa: Die Liste der von Norman Seeff Porträtierten liest sich wie das Who’s who der Rock- und Popgeschichte. Aber auch Regisseur Billy Wilder, Dirigent Zubin Mehta, Pop-Art-Künstler Andy Warhol und Apple-Mitbegründer Steve Jobs standen vor seiner Kamera. Dabei hatte Norman Seeff zunächst ganz andere Pläne. 1939 in Johannesburg geboren, begann er eine Karriere als Profifußballer, studierte Medizin und entdeckte erst mit 30, nachdem er in die USA ausgewandert war, seine Leidenschaft fürs Fotografieren. Jetzt zeigt das Museum für Angewandte Kunst in Köln (MAKK) unter dem Titel „The Look of Sound“ mehr als 170 Porträtaufnahmen. Hinzu kommen Videos, die während der Foto-Sessions entstanden sind und Norman Seeffs Arbeitsweise dokumentieren. Zu sehen ist die Schau bis zum 8. März 2020. Rap-Roman: Selim Özdoğans Krimi „Der die Träume hört“: Wütender Rap, Drogenhandel im Darknet, Gewalt und Machoallüren: Selim Özdoğans neuer Roman schlägt raue Töne an und ist doch auch eine fein komponierte Geschichte über das komplizierte Verhältnis von Vater und Sohn. Nizar Benali, aufgewachsen im Migrantenviertel einer deutschen Großstadt, ist Detektiv für Cyberkriminalität. Seinen Sohn Lesane lernt er erst spät kennen. Da steckt der 17-Jährige bereits tief im Schlamassel, hat Stress mit seinem Stiefvater und Schulden bei einem Drogendealer. Nizar will ihm den Rücken stärken, gerade weil er weiß, wie schwer es ist, sich selbst aus dem Sumpf zu befreien. Der Kölner Schriftsteller Selim Özdoğan hat bereits zahlreiche Romane und Erzählungen veröffentlicht. Sein 1995 erschienenes Debüt „Es ist so einsam im Sattel, seit das Pferd tot ist“ gilt als Kultbuch. Er wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem 2017 mit dem Hohenemser Literaturpreis. 2018 war er Stipendiat der Kunststiftung NRW. Westart hat ihn in Dortmund getroffen. (Text: WDR) Deutsche TV-Premiere Sa. 21.09.2019 WDR Folge 19/2019
Folge 19Westart ist zu Gast auf Burg Hülshoff. Von außen ist sie fast noch so idyllisch wie zu Annettes Zeiten. Drinnen sind neue Geister aktiv und bringen frischen Wind in das alte Gemäuer. Unter dem Dach der Stiftung Annette von Droste-Hülshoff sorgen die Macher*innen des „Center for Literature“ für internationales Flair im Münsterland. Siham El-Maimouni trifft den künstlerischen Burgherrn Jörg Albrecht, steigt den Drostes aufs Dach, entdeckt die Spuren des Klimawandels im Burggraben, philosophiert über die Liebe, ringt mit Struwwelpeter und Zappelphilipp und erlebt eine ganz besondere Deutschstunde.„Anbauen!“ Burg Hülshoff plant das Leben von morgen: Es wird an- und umgebaut auf Burg Hülshoff! Wo einst das Adelsfräulein Annette flanierte, entsteht eine Keimzelle für Visionen. Gerade ist das Festival „Natur am Bau“ zu Ende gegangen. Fünf Tage lang haben sich Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler mit der Frage beschäftigt, wie wir in Zukunft wohnen wollen. Mit dabei: die Stadtplanerin Helga Fassbinder. Natur und Architektur unter einen Hut zu bringen – das ist eines ihrer großen Themen. 2004 gründete sie die Stiftung Biotope City, die Konzepte zur Stadtbegrünung entwickelt. Westart hat sie gefragt, was wir brauchen, um in der Stadt gut und naturnah zu leben. „Struwwelpeter & Co.“ – Kinderhorror in der Ludwiggalerie Oberhausen: Ein Kinderspaß sind sie nicht, sondern Stories so richtig zum Gruseln: die Geschichten vom Struwwelpeter und Zappelphilipp, vom brennenden Paulinchen und magersüchtigen Suppenkaspar. Erfunden hat sie der Frankfurter Arzt und Psychiater Heinrich Hoffmann 1844 – ausgerechnet als Weihnachtsgeschenk für seinen damals dreijährigen Sohn. Bis heute sind die Geschichten nicht kleinzukriegen, auch wenn es immer wieder mal Bedenken wegen der von ihnen propagierten „Schwarzen Pädagogik“ gab. Wie der Struwwelpeter entstanden ist, wie er zu einem Klassiker wurde und was er mit Mark Twain und Darth Vader zu tun hat, das kann man jetzt in einer großen Ausstellung in der Ludwiggalerie in Oberhausen erfahren. Zu sehen ist sie bis zum 12. Januar 2020. „Deutschstunde“. Ein Weltbestseller im Kino: Es ist eine universelle Geschichte von großer Wucht: Zwei Freunde werden zu erbitterten Feinden. Zwischen ihnen steht ein elfjähriger Junge, der von beiden geliebt werden will. Siegfried Lenz’ 1968 erschienener Roman war einer der großen Welterfolge der deutschen Literatur. Rund zwei Jahrzehnte nach Kriegsende beschrieb der Autor den Konflikt zwischen Pflichtgefühl und Schuld während der Nazizeit. Die Neuverfilmung mit Starbesetzung holt den historischen Stoff in die Gegenwart. Eindringlich zeigt er, wie autoritäre Regime das Leben vergiften. Westart hat mit Regisseur Christian Schwochow, Drehbuchautorin Heide Schwochow und dem Hauptdarsteller Ulrich Noethen gesprochen. Am 3. Oktober kommt „Deutschstunde“ in die Kinos. Love is in the Air: der Philosoph Peter Trawny über die Liebe: Lust, Last, Leidenschaft – was ist das eigentlich, die Liebe? Darüber zerbrechen sich Teenager genauso wie Philosophen den Kopf. Auch der Wuppertaler Philosophie-Professor Peter Trawny denkt schon lange über die Liebe nach und hat ein paar überraschende Erkenntnisse parat. Sein Buch „Philosophie der Liebe“ erscheint am 9. Oktober im S. Fischer Verlag. Peter Trawny spricht in Westart darüber, in welcher Form uns die Liebe begegnet und ob wir sie jemals zu fassen bekommen. (Text: WDR) Deutsche TV-Premiere Sa. 28.09.2019 WDR Folge 20/2019
Folge 20Westart ist heute in Brühl zu Gast. Im Max Ernst Museum erkunden wir die fantastischen Welten des französischen Comic-Genies Mœbius. Ohne ihn sähen unsere Bilder von der Zukunft ganz anders aus. Außerdem blicken wir mit dem „Joker“ ins Angesicht des Bösen. Im Schloss Augustusburg erfahren wir von Alice Francis, was Josephine Baker mit Plastikmüll zu tun hat. Sascha Lobo erklärt uns die Welt. Und wir stellen Louisa Clement, Shootingstar der Kunstszene, vor.Wanderer zwischen den Welten: Comiczeichner Mœbius in Brühl: Er hat das Star-Wars-Universum erfunden, als es Star Wars längst noch nicht gab: der französische Zeichner Jean Giraud alias Mœbius. In seinen fantastischen Geschichten tummeln sich sonderbare Gestalten: Arzak, der schweigende Reiter, Westernheld Mike Blueberry, Major Grubert oder die Raumfahrer Stell und Atan. Sie nehmen uns mit in futuristische Metropolen und surreale Wüstenlandschaften, in eine Welt versponnener Einfälle und traumhafter Wendungen. 1938 als Jean Giraud geboren, hat Mœbius den Comic als Kunstform geprägt und zahlreiche Filme u.a. von George Lucas, Ridley Scott oder Hayao Miyazaki inspiriert. Das Max Ernst Museum in Brühl widmet ihm bis zum 16. Februar 2020 eine große Ausstellung. Westart hat dort seine Witwe Isabelle Giraud getroffen und sie nach der Wirklichkeit seiner Traumwelten gefragt. Der Welterklärer: Sascha Lobo zu Gast auf der Lit.Ruhr: Brexit, Trump, Klima, Rechtsruck: Die Welt scheint aus den Fugen geraten. Nichts ist mehr so, wie es war. Den Eindruck jedenfalls hat Sascha Lobo, der Autor und Blogger mit der Irokesenfrisur. Und er weiß, dass er damit nicht alleine steht. Wie konnte es bloß so weit kommen? In seinem neuen Buch „Realitätsschock“ fragt er nach den Gründen für den radikale Wandel und zeigt, wie wir uns aus der Schockstarre befreien. Denn nur wenn wir aus der Gegenwart die richtigen Lehren ziehen, gewinnen wir unsere Handlungsfähigkeit für die Zukunft zurück. Damit das gelingt, setzt Sascha Lobo auf die „Weisheit der Jugend“. Was er damit meint, hat er Westart erzählt. Am 12. Oktober ist er bei der Lit.Ruhr in Essen dabei. Die Fratze des Bösen: „Joker“ kommt ins Kino: Er ist der Gegenspieler von Batman, ein psychopathischer Bösewicht jenseits von Recht und Moral – der „Joker“. Gespielt wurde er schon von Jack Nicholson und Heath Ledger. Jetzt hat die Rolle des durchgeknallten Antihelden dem Hollywood-Star Joaquin Phoenix in Venedig den Goldenen Löwen eingebracht. Am 10. Oktober kommt „Joker“ ins Kino. Aber schon jetzt wird heftig darüber diskutiert. Im Mittelpunkt des Psychothrillers steht Arthur Fleck, ein labiler Verlierertyp, der sich als Clown über Wasser hält, seine kranke Mutter pflegt und von einer Karriere als Comedian träumt. Von Sozialarbeitern betreut, verfällt er immer mehr dem Wahnsinn. Als er mit einem geschenkten Revolver drei Yuppie-Typen erschießt, setzt er einen Gewaltexzess in Gang. Kritiker und Vorab-Zuschauer sind gespalten: Die einen feiern „Joker“ als Meisterwerk, die anderen warnen vor der Gewaltverherrlichung. Westart über einen Film, der polarisiert. Josephine, Marilyn und Marlene: Alice Francis’ Plastik-Pinart: Sie ist die Königin des Elektroswings und tourt seit 2012 mit ihrer Band durch die Welt. Jetzt macht Alice Francis auch Kunst – und zwar aus Müll. „Goldielocks, mein musikalischer Partner, und ich waren entsetzt über die Berge von Plastik, die wir überall fanden.“ 2016 fingen sie an, für die Kostüme und Kulissen ihres Musikvideos „Beatptized“ Plastikmüll zu verwenden. Jetzt hat sie die Idee weitergesponnen und einen außergewöhnlichen Kalender kreiert. Sie pulte Kronkorken am Rheinufer aus der Erde, sammelte Plastikflaschen und Verpackungsmaterial und stellte aus dem Abfall die legendären Outfits berühmter Frauen nach. In den fantastischen Plastikkostümen und typischen Posen von Josephine Baker, Marilyn Monroe und Marlene Dietrich ließ sie sich von Sarah Tröster fotografieren. So entstand der „Zerowaste Pinart- Kalender“, dessen Erlös an eine Zerowaste-Organisation geht. „Remote Control“: die Künstlerin Louisa Clement in Aachen: Ihre Aufnahmen von Schaufensterpuppen verführen und verstören zugleich. „Gliedermenschen“ heißt eine ihrer Serien, „Heads“ und „Avatars“ zwei andere. Die gespenstisch-gleißenden Körper lassen spüren, wie unsere Welt zwischen Künstlichkeit und Realität changiert. Louisa Clement, 1987 in Bonn geboren, hat als Meisterschülerin von Andreas Gursky an der Kunstakademie Düsseldorf studiert. 2013 erhielt sie das Max-Ernst-Stipendium. Mittlerweile gilt sie als Shootingstar der Kunstszene. Jetzt hat sie eine große Ausstellung im Ludwig Forum Aachen. Bis zum 26. Januar 2020 sind Fotografien, Videos, Installationen, Skulpturen und Virtual-Reality-Arbeiten zu sehen. Westart hat Louisa Clement in Aachen getroffen. (Text: WDR) Deutsche TV-Premiere Sa. 05.10.2019 WDR Folge 21/2019
Folge 21Westart zu Gast im Theater Dortmund: Zehn Jahre lang hat Intendant Kay Voges die Szene aufgemischt, das Publikum begeistert, irritiert und erschüttert. Im Sommer 2020 ist Schluss. Kay Voges verlässt Dortmund und geht nach Wien. Doch vorher entfacht er noch einmal ein spektakuläres Feuerwerk. In Düsseldorf entdecken wir Überraschendes von Edvard Munch. Auf dem Filmfestival Cologne gibt eine Doku Einblick in Mario Adorfs wilde Karriere. Ewald Lienen erzählt Aufregendes über sein Leben mit dem Fußball. Wir blättern in Jane Birkins Tagebüchern und machen uns mit Katharina Thalbach und Moritz Bleibtreu mit dem Schiff auf den Weg nach New York.Das große Finale: Kay Voges’ letzte Spielzeit am Schauspiel Dortmund 2010 hat Kay Voges das Schauspiel Dortmund als Intendant übernommen. Seither gehört es zu den aufregendsten Bühnen der Republik. Statt braves Repertoire-Theater stehen spektakuläre Experimente auf dem Programm. In der vergangenen Spielzeit gelang Kay Voges ein besonderer Coup, als er „Die Parallelwelt“ zeitgleich im Schauspiel Dortmund und auf der Berliner Volksbühne aufführte. Nach zehn Jahren verlässt Kay Voges im Sommer 2020 die Ruhrgebietsmetropole und geht ans Wiener Volkstheater. In seiner letzten Produktion macht er sich auf Spurensuche. Mit dem gesamten Ensemble taucht er ein in ein Jahrzehnt gemeinsamer Arbeit und lässt aus vergangenen Theateraugenblicken etwas völlig Neues entstehen. Am 11. Oktober hat „PLAY: Möwe“ Premiere. Westart hat Kay Voges bei den Proben getroffen. Zwei norwegische Stars am Rhein: Karl Ove Knausgård bringt Edvard Munch nach Düsseldorf Munchs „Schrei“ gibt es als Emoji, auf T-Shirts und Tassen. Es ist das mit Abstand bekannteste Werk des norwegischen Künstlers. Dabei gibt es viel mehr von ihm zu entdecken. Bestsellerautor Karl Ove Knausgård hat für die Kunstsammlung NRW rund 140 selten oder noch nie in Deutschland gezeigte Gemälde, Druckgrafiken und Skulpturen ausgewählt. Zu sehen sind sie bis zum 1. März 2020 im Düsseldorfer Museum K20. Parallel erscheint sein Buch „So viel Sehnsucht auf so kleiner Fläche. Edvard Munch und seine Bilder“. Bei einem Rundgang durch die Ausstellung zeigt Knausgård „seinen“ Munch und erzählt, was ihn bei seiner sehr persönlichen Annäherung fasziniert, schockiert und überrascht hat. Schauspiellegende und Geschichtenerzähler: Mario Adorf über sein Leben Wie er wurde, was er ist, was ihn bewegt, geprägt und manchmal auch gebeutelt hat, das erzählt Mario Adorf in Dominik Wesselys Film „Es hätte schlimmer kommen können“. 1930 in Zürich geboren, wuchs er bei seiner alleinerziehenden Mutter in der Eifel auf. Dem Vater, einem Italiener, ist er nur einmal begegnet. Schon früh träumte er von einer Karriere als Schauspieler. Bei der Aufnahmeprüfung an der Münchner Falckenberg-Schule fiel er allerdings erst einmal in den Orchestergraben. Heute ist er einer der großen deutschen Stars mit legendären Rollen in rund 200 Kino- und Fernsehproduktionen. Unvergessen seine Figuren in „Winnetou“, in Fassbinders „Lola“ oder Schlöndorffs „Blechtrommel“, als „großer Bellheim“, in „Kir Royal“ oder als alter Karl Marx. Die Filmdokumentation zeigt wichtige Stationen in seinem Leben und lässt den großen Geschichtenerzähler ausführlich zu Wort kommen. Am 13. und 14. Oktober ist sie auf dem Filmfestival Cologne zu sehen. Der Querdenker: Ewald Lienen auf der Lit.Ruhr Er hat noch nie ein Blatt vor den Mund genommen. 1978 kostete ihn seine kritische Haltung zu Argentinien die Teilnahme an der WM. Ewald Lienen, Urgestein des deutschen Fußballs, wurde 1953 in Schloß-Holte bei Bielefeld geboren. Er spielte bei Arminia Bielefeld, Borussia Mönchengladbach und dem MSV Duisburg. Mit den Borussen wurde er deutscher Vizemeister und gewann 1979 den UEFA-Pokal. Fast drei Jahrzehnte lang war er Trainer. Zurzeit ist er beim FC St. Pauli als Technischer Direktor unter Vertrag. Auch heute ist Ewald Lienen bekannt für seine klaren Worte. Er kritisiert die Homophobie im Fußball, fordert auch von Sportlern politische Haltung und warnt vor den Auswüchsen der Kommerzialisierung im Profifußball. „Ich war schon immer ein Rebell“ hat er seine Autobiografie genannt. Am 13. Oktober ist er bei der Lit.Ruhr in Essen dabei. „Ich war noch niemals in New York“. Udo-Jürgens-Musical im Kino Es ist die Hymne für alle, die sich nach Aufbruch und Freiheit sehnen: Udo Jürgens’ Mitsing-Hit „Ich war noch niemals in New York“. 2007 ist daraus ein Musical entstanden, das von drei sehr unterschiedlichen Paaren und einer turbulenten Schiffsreise über den Atlantik erzählt. Regisseur Philipp Stölzl hat aus dem Welterfolg einen hochkarätig besetzten Musikfilm mit Heike Makatsch, Katharina Thalbach, Moritz Bleibtreu und Uwe Ochsenknecht in den Hauptrollen gedreht. Am 17. Oktober kommt die deutsche Antwort auf „Mamma Mia!“ in die Kinos. Westart hat Katharina Thalbach und Moritz Bleibtreu getroffen. (Text: WDR) Deutsche TV-Premiere Sa. 12.10.2019 WDR Folge 22/2019
Folge 22Ein Bunker zum Wohnen und für die Kunst: Sieben Jahre lang hat das Künstlerpaar Bernhard Petz und Zdzislawa Sacher daran gebaut. Jetzt präsentieren sie ihr Gesamtkunstwerk der Öffentlichkeit. Westart ist im Bunker Güdderath zu Gast. Wir blättern in den Memoiren des schillernden Kunstberaters und verurteilten Betrügers Helge Achenbach, begeben uns auf eine virtuelle Reise von Mossul nach Palmyra, lassen uns von Igor Levits Beethoven-Interpretation verzaubern und begegnen den neun Leben der Ex-Spionin und Castro-Geliebten Marita Lorenz.Phantastischer Ort für die Kunst: der Bunker in Mönchengladbach-Güdderath Kann man einen hässlichen Bunker, eine düstere Bauruine aus dem Zweiten Weltkrieg in einen phantasievollen Ort zum Wohnen und für die Kunst verwandeln? Man kann! Wie – das hat das Künstlerpaar Bernhard Petz und Zdzislawa Sacher vorgemacht. 2012 haben sie den Betonklotz in Mönchengladbach-Güdderath gekauft. Sieben Jahre lang hat der Aus- und Umbau gedauert. Aus dem trostlosen Kriegsrelikt sind großzügige Ateliers und Ausstellungsräume, ein Konzertsaal, ein Zier- und Gemüsegarten und ein lichtdurchflutetes Wohnhaus entstanden. Jetzt machen die beiden ihr Gesamtkunstwerk der Öffentlichkeit zugänglich. In den nächsten Wochen laden sie unter dem Titel „Herbstzeitlose“ zu einer Veranstaltungsreihe mit Konzerten, Vorträgen, Kunstführungen und der Mono-Oper „Das Tagebuch der Anne Frank“ ein. Westart hat hinter den dicken Betonmauern entdeckt, wie Visionen zur Wirklichkeit werden. Von Mossul nach Palmyra. Eine virtuelle Reise in der Bundeskunsthalle Bonn Mossul, Aleppo, Palmyra – das waren einst Zentren der Zivilisation mit prächtigen Bauten und quirligem Leben. Krieg, Terror und Fanatismus haben sie zerstört und unzugänglich gemacht. Eine Ausstellung in der Bonner Kunsthalle lässt das Weltkulturerbe vor den Augen der Besucher erneut erstehen. Wie von Zauberhand werden auf riesigen Projektionsflächen die sagenumwobenen Kulturstätten sichtbar: Moscheen, Triumphbögen, Theaterarenen. Die virtuelle Reise kommt ganz ohne Originalgegenstände aus. Stattdessen haben die Macher aus Tausenden von Fotos riesige Bilder zusammengesetzt und zu lebendigen Szenen animiert. VR-Brillen machen die Illusion für die Besucher perfekt. Westart hat mit den Ausstellungsmachern über digitale und reale Rekonstruktionen gesprochen. Entfesselter Kunstmarkt. Helge Achenbachs Memoiren 40 Jahre lang hat er im internationalen Kunstbetrieb mitgemischt. Helge Achenbach war mit den renommiertesten Künstlern befreundet, hat die Karrieren von Jeff Koons und Gerhard Richter gefördert und als Berater ein Vermögen verdient. Doch nach dem glanzvollen Aufstieg kam der tiefe Fall: 2015 wurde er wegen Betrugs in Millionenhöhe zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Seit Juni 2018 ist er wieder auf freiem Fuß. Jetzt hat er seine Memoiren veröffentlicht, in denen er mit sich selbst und dem entfesselten Kunstmarkt abrechnet. Bei Westart erzählt er, warum die Kunst für ihn eine Droge ist und wie der Absturz ihn reicher gemacht hat. Gefeierter Virtuose und politischer Mensch: der Pianist Igor Levit Unzählige „Tage und Nächte und Wochen und Jahre“ hat er mit Beethovens Klaviersonaten verbrachten. „Das ist einfach in Musik gesetztes Leben, in Musik geschriebene Liebe, in Musik gesetztes Glück“, sagt Igor Levit. Jetzt hat der 32-jährige Starpianist alle 32 Sonaten eingespielt. Sie gehören mit zum Anspruchsvollsten in der Klavierliteratur. Aber Herausforderungen hat Igor Levit noch nie gescheut. Auch wenn es um Politik geht, ergreift er das Wort: gegen Rassismus und Ausgrenzung, für Toleranz und Weltoffenheit. Westart über einen Musiker, der sich einmischt. Castro-Geliebte und Ex-Spionin. Marita Lorenz’ unglaubliche Lebensgeschichte als Theaterstück Sie war gerade 19, als sie auf einem Schiff dem Mann begegnete, der ihr Leben verändern sollte: dem kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro. Marita Lorenz, 1939 in Bremen geboren, war in ihrem Leben vieles: Häftling im KZ Bergen-Belsen, Geliebte von Castro, CIA-Agentin mit dem Auftrag, ihn zu töten. Sie hatte Affären mit Ex-Diktatoren und Mafia-Chefs, spionierte und wurde selbst ausspioniert. Bis sie Ende der 70er mit ihrer Vergangenheit brach. Der Dramatiker Dominik Busch hat Marita Lorenz in New York getroffen und aus ihrem Leben ein Theaterstück gemacht. Zur Vorbereitung der Uraufführung kam sie nach Oberhausen, wo sie am 31. August 2019 überraschend starb. Am 11. Oktober hatte „Alles ist wahr. Die neun Leben der Marita Lorenz“ am Theater Oberhausen Premiere. (Text: WDR) Deutsche TV-Premiere Sa. 19.10.2019 WDR Folge 23/2019
Folge 23Sie ist ein Wohntraum mitten in der Großstadt – die Essener Margarethenhöhe. Seit über 100 Jahren gehört sie zu den beliebtesten Gegenden der Stadt. Dass sie zur „Bauhaus“-Zeit auch Künstlersiedlung war, daran erinnert das Ruhr Museum mit einer großen Sonderausstellung. Westart zu Gast auf der Margarethenhöhe! Außerdem erwartet Sie Gänsehaut-Feeling beim Film- und Musikfest Bielefeld. Wir sprechen mit dem Schriftsteller Steffen Kopetzky über Hemingway und die Schlacht im Hürtgenwald, porträtieren den genialen Choreografen und Tänzer Richard Siegal in Köln und stellen die Band „Fortuna Ehrenfeld“ vor.Idylle in der Großstadt: die Margarethenhöhe gestern und heute: Die Einheimischen nennen sie liebevoll „Maggi“ – die Essener Margarethenhöhe. Margarethe Krupp hat sie Anfang des letzten Jahrhunderts gegründet. Bis heute ist sie ein architektonisches Gesamtkunstwerk, das seinen Titel „Gartenstadt“ zu Recht trägt. In den 1920er und 30er Jahren lebte hier – neben Bergarbeitern, Beamten und Angestellten – auch ein bunter Trupp von Künstlern, die das Ruhrgebiet entscheidend prägten. Die Geschichte der Künstlerkolonie erzählt die Sonderausstellung „Aufbruch im Westen“, die das Ruhr Museum bis zum 5. Januar 2020 zeigt. Westart hat gemeinsam mit der Bloggerin Sonja Mersch die Margarethenhöhe von gestern und heute erkundet. Genuss für Auge und Ohr: das Film- und Musikfest Bielefeld: Großes Kino und große Gefühle: Zum 30. Mal lädt die Friedrich Wilhelm Murnau-Gesellschaft Bielefeld zum Festival der frühen Filme. Gänsehaut-Feeling ist garantiert, wenn sich Greta Garbo in John Gilbert verliebt oder Buster Keaton seine Angebetete aus den Fluten rettet – und großes Orchester live dazu spielt! Bis zum 10. November kommen an sieben Abenden ausgesuchte Klassiker der Stummfilmzeit auf die Leinwand, darunter Murnaus „Sunrise“ und Hitchcocks „Blackmail“. Westart gratuliert zum Jubiläum des Festes, das den in Bielefeld geborenen Filmpionier Murnau feiert. Die Wahrheit der Literatur: Steffen Kopetzky über seinen Roman „Propaganda“: Wie macht man aus einer katastrophalen Niederlage eine Erfolgsgeschichte? Vor dieser Aufgabe steht John Glueck, Propaganda-Offizier der US-Army, als er über die Schlacht im Hürtgenwald vom 2. November 1944 berichten soll. Schnell begreift der Deutschamerikaner, dass die Wahrheit das erste Opfer des Krieges ist. Und auch seine Begegnung mit Ernest Hemingway, dem legendären Schriftsteller und Kriegsreporter, trägt nicht zur Beruhigung seines Gewissens bei. Jahre später erlebt er in Vietnam, wie die Lüge zur wichtigsten Kriegstaktik wird, und landet als Whistleblower vor Gericht. John Glueck ist der Held in Steffen Kopetzkys neuem Roman „Propaganda“, in dem der Autor die Geschichte und das Geschichtenerzählen brillant verknüpft. Westart hat mit ihm über Macht, Manipulation und die Wahrheit der Literatur gesprochen. Köln tanzt! Der Choreograf Richard Siegal und das „Ballet of Difference“ am Schauspielhaus: Er hat den klassischen Tanz revolutioniert und ihm ein modernes Gesicht gegeben: der international gefeierte Choreograf Richard Siegal. Jetzt ist der US-Amerikaner in Köln! Schon ab 2017 hat er als Gast mit dem Schauspiel zusammengearbeitet. Nun gehört er für zwei Jahre fest zum Haus. Als „Artist in Residence“ wird er eine Kompanie aufbauen und das Theater Köln um eine Tanzsparte bereichern. Und wer weiß – vielleicht bleibt er auch noch länger am Rhein? „New Ocean“, die erste Produktion von Richard Siegal/Ballet of Difference, hatte am 27. September Premiere. Weitere Aufführungen sind am 30. November und am 1. Dezember. Westart hat Richard Siegal getroffen und mit ihm über die „Tanzstadt“ Köln gesprochen. Schön schräg: die Kölner Band „Fortuna Ehrenfeld“: Wer bei „Fortuna Ehrenfeld“ an einen Fußballverein denkt, liegt ziemlich falsch. Der Name steht für Indie-Pop aus Köln – genauer aus dem Stadtteil Ehrenfeld, den Bandgründer Martin Bechler seinen „Kreativraum“ nennt. In drei Jahren hat der Musikproduzent, Texter und Komponist mit „Fortuna Ehrenfeld“ vier Alben herausgebracht. Martin Bechler setzt darauf, immer ein bisschen anders zu klingen, ein bisschen schäbig und ein bisschen schräg. Zuletzt ist „Helm ab zum Gebet“ erschienen, Songs mit denen „Fortuna Ehrenfeld“ gerade auf großer Tournee unterwegs ist, im Westen am 29. Oktober in Köln und am 16. November in Wuppertal. (Text: WDR) Deutsche TV-Premiere Sa. 26.10.2019 WDR Folge 24/2019
Folge 24Westart zu Gast im ehemaligen Atombunker der Bundesregierung: Jahrzehntelang war die Anlage im Ahrtal der geheimste Bau im Land. Heute ist sie eine Touristenattraktion. Ein Rundgang weckt Erinnerungen an den Kalten Krieg und bringt die Besucher erneut zum Frösteln. Wir tauchen ein in die Welt des niederländischen Kunstgenies Rembrandt, lauschen Leonard Cohens „Words of Love“ und treffen Seawatch-Kapitänin Carola Rackete. Außerdem lässt uns die Schriftstellerin Stefanie de Velasco hinter die Kulissen der Zeugen Jehovas blicken.Kalter Krieg zum Anfassen: der ehemalige Regierungsbunker im Ahrtal: Unter den idyllischen Weinbergen im Ahrtal erstreckt sich über mehrere Kilometer der ehemalige Atombunker der Bundesregierung. Im Ernstfall sollte hier das politische Herz des Landes weiterschlagen. Hinter atombombensicheren Toren hätten Bundeskanzler, Bundespräsident und bis zu 3000 Mitarbeiter 30 Tage überleben können. Oben Chaos und Weltuntergang, unten Ordnung und Bürokratie. So war zumindest der Plan. Dafür gab es neben Wohn-, Schlaf- und Büroräumen auch eine Zahnarztpraxis und einen Friseursalon. Erst 1998 ließ Helmut Kohl die bis dahin streng geheime Anlage stilllegen. Heute kann man einen Teil des Bunkers besuchen und sich auf eine erstaunliche Zeitreise begeben. Westart-Moderatorin Siham El-Maimouni hat sich umgeschaut und neben alten Ängsten auch eine neue Beklemmung gespürt. Die Mutmacherin: Seawatch-Kapitänin Carola Rackete: Ihre mutige Entscheidung hat sie über Nacht weltberühmt gemacht: die Seawatch-Kapitänin Carola Rackete. Am 29. Juni setzte sie sich über das Verbot des italienischen Innenministers hinweg und legte mit 40 aus dem Mittelmeer geretteten Flüchtlingen im Hafen von Lampedusa an. Seither ist sie Vorbild für eine ganze Generation. In ihrem Buch „Handeln statt hoffen“ erzählt die 31-Jährige, was sie bewegt. „Wir sind an einem Wendepunkt der Menschheitsgeschichte: die Ökosysteme werden zerstört, das Klimasystem bricht zusammen. Schützen wir in einer solchen Welt nicht die Rechte anderer Menschen, gefährden wir auch unsre eigenen.“ Westart über eine Kämpferin, die sich nicht entmutigen lässt. Inside Rembrandt: Die Welt des niederländischen Malergenies: Rund 400 Jahre trennen uns von der Welt des niederländischen Künstlers Rembrandt. Und doch wirken seine Porträts unglaublich vertraut und nah. Wie Menschen, die zu uns sprechen. Eine große Ausstellung im Kölner Wallraf Richartz Museum lädt uns ein, den Kosmos des Malergenies aus neuer Perspektive kennenzulernen. 111 Werke sind zu sehen. Sie folgen den Stationen des Künstlers von seiner Geburtsstadt Leiden bis zu seinem Triumph in Amsterdam und lassen seinen Einfluss auf Schüler und Zeitgenossen erkennen. „Inside Rembrandt“ ist eine Hommage an den Maler zu seinem 350. Todestag am 4. Oktober. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 1. März 2020. „Marianne & Leonard“. Eine poetische Reise in die 60er: „So long, Marianne“ ist einer seiner bekanntesten und schönsten Songs, ein melancholisches Liebeslied, das noch heute unter die Haut geht. Leonard Cohen hat es 1967 für seine Geliebte und Muse Marianne Ihlen geschrieben. Der Kanadier und die Norwegerin lernten sich 1960 auf der griechischen Insel Hydra kennen, damals ein Treffpunkt für Künstler und Freidenker. Es war der Beginn einer außergewöhnlichen Liebesgeschichte, die Cohen ein Leben lang inspirierte. Der Filmemacher Nick Broomfield zeichnet in seinem Dokumentarfilm ihre Beziehung mit bisher unbekanntem Archivmaterial nach. „Marianne & Leonard. Words of Love“ kommt am 7. November er in die Kinos. Leben hinter der Glaswand. Stefanie de Velascos Roman über die Zeugen Jehovas: Als Kind träumte sie vom Paradies und gruselte sich vor dem Weltuntergang. Stefanie de Velasco wuchs bei den Zeugen Jehovas auf. Keine Geburtstagsparty, keine Weihnachtsgeschenke und keine Martinslaterne. Stattdessen Bibelkurse und Missionieren in der Fußgängerzone. Als sie 16 war, verließ sie die Glaubensgemeinschaft. In ihrem Roman „Kein Teil der Welt“ beschreibt sie, wie es sich anfühlt, „hinter der Glaswand“ zu leben, in einer streng reglementierten Parallelgesellschaft, die Aussteiger verteufelt. Westart hat Stefanie de Velasco getroffen und mit ihr über die Macht des Zweifels gesprochen. (Text: WDR) Deutsche TV-Premiere Sa. 02.11.2019 WDR Folge 25/2019
Folge 25Am 30. Jahrestag des Mauerfalls ist Westart zu Gast im Kunstpalast in Düsseldorf. Dort erinnert eine große Ausstellung an die Kunst der DDR. Mit dem Schriftsteller Michael Nast wundern wir uns über Skurriles und Widersprüchliches in Ost und West. Im Robert-Schumann-Saal treffen wir den Violinisten und leidenschaftlichen Grenzgänger Miki Kekenj. Außerdem blicken wir mit dem Fotografen Michael Kerstgens zurück in eine thüringische Stadt zur Zeit der Wende, sprechen mit Salman Rushdie über sein Wendejahr 1989. Und wir stellen den Dokumentarfilm „Die Götter von Molenbeek“ vor, eine Annäherung an den Brüsseler Stadtteil aus der Perspektive dreier Kinder.Mit den Augen der Kinder: „Die Götter von Molenbeek“: Seit den Pariser Anschlägen vom November 2015 gilt der Brüsseler Stadtteil Molenbeek als Zentrum der Dschihadisten. Hier hat die finnische Filmemacherin die drei Kinder Aatos, Amine und Flo beobachtet – wie sie spielend ihre Umgebung erforschen, im Kleinen das Große entdecken und sich für die Götter der anderen interessieren. Die drei wohnen im selben Haus, kommen aber aus sehr verschiedenen Welten. „Ich wollte aus der Perspektive der Kinder zeigen, wie sie mit den Glaubensfragen der Erwachsenen umgehen und wie sie ihre ganz eigene Sicht auf die Welt erschaffen“, sagt die Regisseurin Reetta Huhtanen. „Die Götter von Molenbeek“ kommt am 21. November in die Kinos. Zwischen Utopie und Untergang: Kunst der DDR in Düsseldorf: Regimenah oder rebellisch, angepasst oder experimentell: Die Kunst der DDR war so vielfältig wie die Menschen, die sie gemacht haben. 30 Jahre nach dem Mauerfall widmet der Düsseldorfer Kunstpalast der Ostkunst eine große Schau. 13 Künstlerinnen und Künstler sind mit mehr als 130 Werken vertreten – vom Regime Geächtete wie Cornelia Schleime und A. R. Penck neben offiziellen Staatskünstlern wie Bernhard Heisig oder Willi Sitte. Westart blickt mit Cornelia Schleime zurück, deren Kunst in der DDR als „Müll“ verpönt war, und fragt nach ihrem Neuanfang im Westen. „Zwischen Utopie und Untergang“ ist die erste große Überblicksausstellung der DDR-Kunst in Westdeutschland seit 1989 – zu sehen bis zum 5. Januar 2020. Deutsch-deutsche Befindlichkeiten: der Schriftsteller Michael Nast: Er war 14 Jahre alt, als die Mauer fiel. „Seither teile ich mein Leben in ein Davor und ein Danach“, sagt der Ostberliner Autor und Kolumnist. Die Umstellung fiel ihm nicht leicht, und wenn er auf die vergangenen 30 Jahre zurückblickt, stellt er fest, dass beim Zusammenwachsen von Ost und West einiges schiefgelaufen ist. „Die Ostdeutschen mussten sich anpassen und ihre Werte aufgeben. Die Westdeutschen waren die Wendegewinner.“ Jetzt hat er in seinem neuen Buch alten und neuen Missverständnissen nachgespürt. In sehr persönlichen Anekdoten schildert er die Skurrilitäten und Widersprüche des Alltags, und er appelliert an uns alle, in Zeiten von Selfie-Wahn und Egotrips gemeinsam nach den Werten zu suchen, auf die es wirklich ankommt. Westart hat Michael Nast im Kunstpalast getroffen. Reise durch Zeit und Raum: Salman Rushdie zu Gast in Köln: Der große Salman Rushdie kehrt zurück und ist am 16. November im Rahmen der Lit.Cologne spezial zu Gast im WDR Funkhaus. Sein neuer Roman „Quichotte“ ist ein fulminantes Update von Miguel Cervantes’ Meisterwerk. Mit überschäumender Lust am Fabulieren hat er die Geschichte des Ritters von der traurigen Gestalt aus dem Spanien des 17. Jahrhunderts in die US-amerikanische Gegenwart geholt. Auch für den britisch-indischen Schriftsteller und Autor der „Satanischen Verse“ war 1989 ein Wendejahr. Damals verhängte der iranische Revolutionsführer Ayatollah Khomeini eine Fatwa über ihn und setzte ein Kopfgeld für seine Ermordung aus. Rushdie musste untertauchen. Nach mehr als einem Jahrzehnt im Untergrund kann er sich heute ohne Leibwächter bewegen und lebt in New York. Musikalische Einheit: Crossover mit dem Violinisten Miki Kekenj: „Hip Hop interessiert mich seit je“, sagt Miki Kekenj. Der Violinist ist ein Grenzgänger zwischen musikalischen Welten. 1979 in Braunschweig geboren, wuchs er in einer Musikerfamilie auf, in der die Geige die Hauptrolle spielte. Er selbst ist im Hauptberuf Konzertmeister der Bergischen Symphoniker. Sein Herz schlägt aber auch für Rock und Pop, Soul, Hip Hop und Rap. Und so kombiniert er Bach und Techno, arrangiert, komponiert und organisiert gemeinsame Projekte von Popgrößen wie Joy Denalane und Max Mutzke mit seinem „Takeover!“-Klassikensemble. Für Westart spielt er im Robert-Schumann-Saal des Kunstpalasts. Dort wird er auch am 16. November mit der Popband „Frida Gold“ die musikalische Einheit feiern. Verfall und Aufbruch: Fotografien aus einer ostdeutschen Stadt zur Wendezeit: Während die Ostdeutschen in den Westen strömten, reiste Michael Kerstgens in die andere Richtung. Im März 1990 kam er durch Zufall in die thüringische Stadt Mühlhausen. Der „Stern“ hatte den westdeutschen Fotografen in den Osten geschickt, um die „verfallene Stadt“ abzulichten. Was ihn jedoch viel mehr interessierte, das waren die Menschen mit ihren Sorgen und Hoffnungen zu einer Zeit, als die Mauer gefallen, der Weg in die Zukunft aber noch ungewiss war. Das ratlose Staunen war offensichtlich, erinnert sich Michael Kerstgens, der im Ruhrgebiet aufgewachsen und bis dahin mit der DDR kaum in Berührung gekommen war. „Mich haben die Stadt und ihre Bewohner gepackt“, sagt er. Gerade ist sein Band „ZwischenZeiten“ mit den Fotos von damals erschienen. Knapp 30 Jahre später reist er noch einmal nach Mühlhausen. (Text: WDR) Deutsche TV-Premiere Sa. 09.11.2019 WDR Folge 26/2019
Folge 26Streetart und Akrobatik auf Spitzenniveau: das ist Urbanatix! In diesem Jahr feiert die Show Zehnjähriges. Westart ist bei der Jubiläumsparty in der Jahrhunderthalle Bochum dabei. Wir treffen den Pfefferminz-Prinzen Marius Müller-Westernhagen. In Wuppertal lassen wir uns beim Dancescreen-Festival vom Tanz berauschen. Am Niederrhein überraschen uns die beiden Ausnahmekünstler Hapke und Henschel. Und wir stellen den Dokumentarfilm „Lovemobil“ vor.Grandioses Spektakel: Urbanatix in der Jahrhunderthalle Urbanatix feiert Jubiläum! Zum zehnten Mal stehen junge Streetart-Künstler aus dem Ruhrgebiet mit internationalen Artisten auf der Bühne der Bochumer Jahrhunderthalle. Das Geheimnis ihrer Show ist ein atemberaubender Mix aus Breakdance, BMX-Biking, Hip Hop und Akrobatik der Extraklasse. Angefangen hat alles 2010. Damals hatte Urbanatix-Gründer Christian Eggert die Idee, den urbanen Lifestyle der Straße ins Programm der Kulturhauptstadt Ruhr zu bringen. Die erste Show mit 43 Jugendlichen aus der Region war ein Riesenerfolg. Mittlerweile ist Urbanatix ein Publikumsmagnet mit Nachwuchskünstlern und Artisten aus aller Welt. Westart gratuliert und blickt zurück auf eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Wiederhören nach 40 Jahren: Marius Müller-Westernhagens „Pfefferminz-Experiment“ Als Pfefferminz-Prinz hat sich Marius Müller-Westernhagen vor vier Jahrzehnten in die Herzen seiner Fans gesungen. Das Album verkaufte sich über eine Million Mal und wurde Kult. Jetzt hat er es erneut eingespielt – in einer zum Tonstudio umfunktionierten alten Kirche bei Woodstock. Die alten Songs vom Hehlerkönig Willi Wucher, der ausgebeuteten Nutte Margarethe und dem etablierten Musiker, der sich an seine wilden Anfänge erinnert, klingen bluesiger, lässiger, „amerikanischer“ im Sound von Country und Folk. Westart hat Marius Müller-Westernhagen getroffen und mit ihm über sein „Pfefferminz-Experiment“ gesprochen. Let’s Dance: Das Tanzfilm-Festival „Dancescreen“ in Wuppertal Es ist ein Highlight für alle Tanz- und Filmbegeisterten: das internationale Festival „Dancescreen“. In diesem Jahr findet es in Wuppertal statt, der Heimat von Pina Bauschs Tanztheater und des Vereins „Tanzrauschen“. Vom 21. bis zum 24. November sind insgesamt 67 Tanzfilme zu sehen – Dokus, animierte Produktionen, filmisch umgesetzte Tanzperformances und extra fürs Kino inszenierte Choreografien. Begleitet wird der Wettbewerb um den besten Tanzfilm von einem umfangreichen Programm mit Diskussionen, Vorträgen, Konzerten, Ausstellungen und Aufführungen rund um die ausdrucksstarke „Dance-on-Screen“-Kultur. Westart hat sich von der Lust am Tanzfilm anstecken lassen. Ware Liebe am Straßenrand. Der Film „Lovemobil“ auf dem Kinofest Lünen Sie sitzen in ihren neonbeleuchteten Wohnmobilen am Rande norddeutscher Bundesstraßen und warten auf Freier: junge Frauen, die meisten aus Osteuropa, die in Deutschland anschaffen gehen. Sie hoffen auf eine bessere Zukunft und werden immer wieder aufs Neue enttäuscht. Die Regisseurin Elke Margarete Lehrenkrauss hat sie drei Jahre lang begleitet und ihr Vertrauen gewonnen. In ihrem Dokumentarfilm „Lovemobil“ porträtiert sie Milena aus Bulgarien und Rita aus Nigeria. Ohne Voyeurismus und mit viel Empathie erzählt sie ihre Geschichten und zeigt ihren Alltag. Der preisgekrönte Dokumentarfilm ist auf dem Kinofest Lünen zu sehen. Außenseiter x 2: die Künstler Erwin Hapke und Heinz Henschel Sie waren beide Autodidakten, haben sich jahrzehntelang im Verborgenen ihrer Kunst gewidmet und wurden erst nach ihrem Tod berühmt: die Künstler Heinz Henschel und Erwin Hapke. Doch damit nicht genug der Parallelen: Heinz Henschel, 1938 in Schlesien geboren und 2016 gestorben, lebte ab Mitte der 50er Jahre am Niederrhein. Seine Werke bestechen durch ihre handwerkliche Meisterschaft, ihre zehntelmillimetergenaue Präzision und die überbordende Phantasie, mit der er seine „Sehnsuchts- und Erzählbilder“ bevölkerte. Erwin Hapke,1937 in Ostpreußen geboren und 2016 gestorben, hat die letzten 35 Jahre seines Lebens in Unna damit verbracht, Hunderttausende Insekten, Säugetiere und Gebäude aus Papier zu falten. Jetzt haben sich die beiden Erben und Nachlassverwalter Matthias David und Matthias Burchardt zum ersten Mal getroffen und sich über die erstaunlichen Gemeinsamkeiten ausgetauscht. Westart über zwei Außenseiter, die erst postum die Kunstwelt eroberten. (Text: WDR) Deutsche TV-Premiere Sa. 16.11.2019 WDR Folge 27/2019
Folge 27Abschied von der Lindenstraße: Westart ist zu Gast in Deutschlands berühmtester TV-Kulisse. Mit Mutter Beimer und Hans W. Geißendörfer blicken wir zurück auf fast 35 Jahre Fernsehgeschichte. Geschichte geschrieben haben auch die Weizsäckers. Der Journalist Hans-Joachim Noack erzählt von Glanz und Tragik der berühmten Familie. Wir schauen dem Isländer Snorri zu, wie er Babys fürs Schwimmen begeistert. Zum Kauf-Nix-Tag fragen wir nach den Anfängen unserer Wegwerfgesellschaft. Und wir stellen das Kölner Exile Orchestra von Omid Shirazy vor. Ciao, Lindenstraße: Abschied nach 34 Jahren Ende März 2020 flimmert die Lindenstraße zum letzten Mal über die Bildschirme.Mit Folge 1758 ist nach 34 Jahren Schluss. Gedreht wird sie kurz vor Weihnachten auf dem Studiogelände in Bocklemünd. Über den Kulissen liegt ein Hauch von Wehmut. In der Welt aus Sperrholz und Pappmaché brummt es aber noch vor Geschäftigkeit. Hier trifft Westart-Moderatorin Siham El-Maimouni Mutter Beimer alias Marie-Luise Marjan, die von Anfang an dabei war. Wir erinnern uns an Highlights aus drei Jahrzehnten und sprechen mit Hans W. Geißendörfer, dem Lindenstraßen-Erfinder, über das Erfolgsgeheimnis der Serie, die wie keine andere dem deutschen Alltag nahekam. Die Weizsäckers. Aufstieg einer deutschen Familie Zwei Brüder, die in den letzten 100 Jahren unsere Gesellschaft prägten: Richard von Weizsäcker, der jüngere, als Bundespräsident, Carl Friedrich von Weizsäcker, der ältere, als Physiker, Philosoph und Friedensforscher. Beide stammen aus der Dynastie der Weizsäckers, ursprünglich eine Müller-Familie, die aufstieg und geadelt wurde. Von der Kaiserzeit bis zur Bundesrepublik haben die Weizsäckers in höchsten Ämtern Politik und Diplomatie mitbestimmt. Auch als Funktionsträger im Naziregime. Der Journalist Hans-Joachim Noack zeichnet in seinem neuen Buch den Weg der Weizsäckers nach – mit allen Abgründen und Höhenflügen. Eintauchen und sich wohlfühlen: Der Film „Snorri & der Baby-Schwimmclub“ Er ist der „Babyflüsterer“ – der Isländer Snorri Magnusson. In seiner Heimat betreibt er eine Schwimmschule für die ganz Kleinen. Und wenn man ihm, den Babys und ihren Eltern zuschaut, dann weiß man, dass „Babyflüsterer“ ziemlich gut zu ihm passt. Mit Hingabe und Geduld lässt er die Kinder das Wasser erleben. Quietschvergnügt plumpsen sie ins Schwimmbecken, planschen und tauchen, während Snorri dazu singt und summt. Drei isländische Regisseurinnen haben jetzt einen Dokumentarfilm über ihn gedreht. Die Idee dazu hatten sie, wen wundert’s, als sie selbst mit ihren Babys seine Kurse besuchten. „Snorri & der Baby-Schwimmclub“ war in Island ein großer Erfolg. Am 28. November kommt der Film in die deutschen Kinos. Ende der großen Verschwendung: der Kauf-Nix-Tag In wenigen Wochen ist Weihnachten, und wie jedes Jahr reiben sich Verkäufer und Produzenten angesichts des Konsumrauschs schon jetzt die Hände. Da kommt der Kauf-Nix-Tag am 29. November gerade recht: 24 Stunden zum Verschnaufen und Innehalten. Den meisten ist längst klar, dass es so nicht weitergehen kann. Wir kaufen zu viel, schmeißen zu viel weg und zerstören unsere eigene Umwelt. Wie ist es eigentlich dazu gekommen? Darüber hat Wolfgang König ein Buch geschrieben. Er erinnert daran, wie wir uns ans Kaufen und Wegwerfen gewöhnt haben, und zeigt, wie es auch anders geht. Westart hat mit ihm über die Kehrseite des Konsums gesprochen. Mr. Shirazy und das Exile Orchestra Er spielt Trompete, Klavier und Geige, singt und hat ein eigenes Instrument erfunden. Das „Freeak“ ist ein wahres Wunderding, mit dem er live auf der Bühne komponiert, aufnimmt, mischt und dazu nach Lust und Laune visuelle Effekte kreiert. Für Omid Shirazy ist Musik sein Lebenselixier. Er war 14, als er allein aus Teheran nach Bochum flüchtete. Mittlerweile lebt er im Rheinland und ist der Kopf des Exile Orchestra, eines Künstlerkollektivs, das sich aus allen Ecken der Welt in Köln zusammengefunden hat. Gemeinsam bringen sie „Hi-Tekk-Global-Funk“ auf die Bühne, Shows, die Livemusik, Electro und Performances zu einem furiosen Feuerwerk verbinden. Anfang Dezember erscheint ihr neues Album „The One“. (Text: WDR) Deutsche TV-Premiere Sa. 23.11.2019 WDR Folge 28/2019
Folge 28Deutsche TV-Premiere Sa. 30.11.2019 WDR
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