2020, Folge 1–17
Folge 1/2020
Folge 1Westart goes Beethoven: Wir starten ins Beethoven-Jahr mit einem Besuch in seiner Geburtsstadt Bonn, die den Komponisten mit einer großen Ausstellung feiert. Das musikalische Kontrastprogramm liefert Rockstar Udo Lindenberg. Außerdem nehmen wir Sie mit zu „Verlassenen Orten am Niederrhein“ und stellen die Doku „Der marktgerechte Mensch“ vor. Westart trifft den Pianisten Fabian Müller im Bonner Beethoven-Haus: Vor 250 Jahren wurde Beethoven in Bonn geboren. Eine Geburtsurkunde ist nicht erhalten, dafür aber ein Dokument über die Taufe am 17. Dezember 1770. Heute sind in seinem Geburtshaus in der Bonngasse ein Museum, ein Archiv und eine Forschungsstätte untergebracht.Herzstück für alle Beethovenfans ist der Kammermusiksaal. Hier treffen wir den jungen Pianisten Fabian Müller. 1990 in Bonn geboren, ist er einer der vielversprechendsten und erfolgreichsten Pianisten seiner Generation. Er hat zahlreiche Preise gewonnen, unter anderem gleich fünf Auszeichnungen beim Internationalen ARD-Musikwettbewerb 2017. Fabian Müller gastiert in den großen Konzertsälen der Welt – von der Carnegie Hall bis zur Elbphilharmonie – und tritt mit den renommiertesten Orchestern auf. Im Beethovenjahr erfüllt er sich einen Traum: An zwei Abenden führt er in der Bonner Trinitatiskirche alle fünf Klavierkonzerte Beethovens auf. Mensch und Musiker. Beethoven-Ausstellung in der Bundeskunsthalle: Wer war dieser Mann? War er so wild und rebellisch, wie ihn berühmte Porträts zeigen? Was hat ihn bewegt? Wie hat seine Musik gewirkt? Zum Jubiläum ist in der Bonner Bundeskunsthalle bis zum 26. April die Ausstellung „Welt.Bürger.Musik“ zu sehen. Sie bettet Beethovens Lebensstationen in die Zeitgeschichte ein, stellt Bezüge zwischen aktuellen Ereignissen (Napoleonfeldzüge, Wiener Kongress) und seinem Schaffen her. Und sie vermittelt ein Bild von seinem Alltag, der überschattet war von der zunehmenden Taubheit. Gemeinsam mit dem Beethoven-Experten und Buchautor Matthias Henke taucht Westart in das Leben des großen Komponisten ein. „Lindenberg. Mach dein Ding!“ Wilde Anfänge eines Rockstars: Für Udo Lindenberg-Fans startet das neue Jahr gleich mit einem Highlight: Am 16. Januar kommt der Spielfilm „Lindenberg! Mach dein Ding!“ ins Kino. Er erzählt von Lindenbergs frühen Jahren bis zu seinem alles entscheidenden Bühnenauftritt in Hamburg 1973. In Gronau geboren und aufgewachsen, erlebte der Junge aus der Provinz schon vor seinem Durchbruch so manches Abenteuer. Als hochbegabter Schlagzeuger spielte er in Striplokalen auf der Reeperbahn, in Düsseldorfer Altstadtkneipen und in den Clubs einer US-amerikanischen Militärbasis in Libyen. Von Rückschlägen ließ er sich nie entmutigen, bis ihn die „Andrea Doria“-Tournee zum Rockstar in Ost und West machte. In Hermine Huntgeburths Biopic spielt Jan Bülow den jungen Wilden mit großer Wucht und Energie. „Er ist ‚ne Rock‘n’Roll-Rakete, ein Geschenk der Götter“, meint Udo Lindenberg. Der Charme des Verfalls: Verlassene Orte am Niederrhein: Längst verlassene Gebäude, aufgelöste Werkshallen, vom Verfall gezeichnete Fabriken: Sie alle sind Zeugen einer Vergangenheit, die den Niederrhein und das Leben der Menschen dort prägte. Der junge Fotograf und Autor Markus Schmidt hat sich auf die Suche nach der verblassten Schönheit gemacht und ihren morbiden Charme mit seiner Kamera festgehalten. Rund 140 Aufnahmen sind jetzt in dem Bildband „Verlassene Orte. Niederrhein“ veröffentlicht. Westart ist mit ihm nach Duisburg und Düsseldorf gereist, um mit ihm gemeinsam den Reiz des Verfalls zu entdecken. Wenn der Mensch zur Ware wird. Die Filmdoku „Der marktgerechte Mensch“: Soziale Marktwirtschaft – das war die große Verheißung der deutschen Nachkriegszeit. Bis in die 1990er Jahre hielt sie als Kitt unsere Gesellschaft zusammen. Doch Finanzkrise und Globalisierung haben das Solidarsystem brüchig gemacht. Die Folgen sind katastrophal. Die beiden Filmemacher Leslie Franke und Herdolor Lorenz erzählen an konkreten Beispielen, wie sich Wettbewerb und Profitgier auf die Arbeitsbedingungen auswirken. Wie sie Biografien zerbrechen, Lebenspläne zerstören und soziale Bindungen auflösen. Sie zeigen aber auch, dass es sich lohnt, für Alternativen zu kämpfen. Ihr Film „Der marktgerechte Mensch“ kommt am 16. Januar ins Kino. (Text: WDR) Deutsche TV-Premiere Sa. 11.01.2020 WDR Folge 2/2020
Folge 2„Zehn nach Zehn“ auf Zeche Zollverein. Westart zu Gast in Essen: Es schlägt „Zehn nach Zehn“ auf Zeche Zollverein! Fast auf den Tag genau vor zehn Jahren startete hier die „Ruhr 2010“, das europäische Kulturhauptstadtjahr in Essen und der Region. Millionen Menschen begegneten sich auf der A40, Hunderte Ballons erinnerten als „Schachtzeichen“ an die alten Zechenstandorte. Unzählige Aufführungen, Ausstellungen und Festivals machten die „Ruhr 2010“ zu einem Riesenerfolg. Damals entstand die Akrobatik- und Streetart-Show „Urbanatix“ und die Metropolenregion bekam ihr Ruhr Museum. Gemeinsam mit dem Ruhrpott-Autor Frank Goosen schwelgen wir in Erinnerungen und ziehen Bilanz zehn Jahre danach. Was bleibt? Wie geht es weiter? Zum Jubiläum blickt Westart zurück und nach vorn.Frank Goosen: Die Beatles und ich: Das Ruhrgebiet ist sein Revier: Frank Goosen, in Bochum geboren und dort bis heute zu Hause. In seinen Büchern und Bühnenprogrammen (u.a. „Liegen lernen“, „Radio Heimat“, „Sommerfest“) hat er den Menschen im Pott ein Denkmal gesetzt. Er schreibt Geschichten von Zuhause, lässt alte Zeiten lebendig werden und taucht tief ein in den Alltag zwischen Maloche und Kleingartenidylle. Jetzt erscheint sein neuestes Buch „The Beatles“, Erinnerungen an die Pilzköpfe aus Liverpool, die seine Jugend aufmischten. Mit 13 verfiel er den „Fab Four“ und kam nie wieder von ihnen los. Ab dem 6. Februar ist er mit dem Programm „Acht Tage die Woche – Die Beatles und ich“ auf Tour. „The Sixties and more“. Linda McCartneys Fotografien in Oberhausen: Sie war die Frau von Beatle Paul und kannte sie alle: von Jimi Hendrix über Janis Joplin und Bob Dylan bis zu den Rolling Stones. Linda McCartney, damals noch Linda Eastman, begann in den Sechzigern zu fotografieren. Es war die Zeit des „Summer of Love“, der Hippies und des Rock und Pop. Die junge Amerikanerin begegnete den Ikonen der Musikszene und hielt mit ihrer Kamera die intensivsten Momente fest. Ihre Aufnahmen prägen unser Bild der Swinging Sixties bis heute. Die Ludwiggalerie Oberhausen zeigt rund 180 ihrer Fotografien – neben Porträts auch Straßenaufnahmen und Stillleben. Und dazu gibt’s den passenden Soundtrack, eigens für die Ausstellung zusammengestellt. Zu sehen und zu hören bis zum 3. Mai. Wie alles mit allem zusammenhängt. „Das geheime Leben der Bäume“ im Kino: Er ist Deutschlands bekanntester Förster: der „Baumflüsterer“ Peter Wohlleben. Seine Bestseller haben uns zum Staunen gebraucht. Mit ihm haben wir entdeckt, dass der Wald voller Überraschungen steckt und auch Bäume ein Seelenleben haben. „In einer Handvoll Walderde stecken mehr Lebewesen, als es Menschen auf der Erde gibt“, sagt der passionierte Naturschützer. Jetzt ist sein Buch „Das geheime Leben der Bäume“ verfilmt worden – mit faszinierenden Bildern, die uns dem Kosmos Wald so nahe bringen wie noch nie. Kinostart ist am 23. Januar. Westart hat Peter Wohlleben vorher getroffen. Wer war Blinky Palermo? Er nannte sich nach einem amerikanischen Mafioso, malte minimalistisch und starb mysteriös: Blinky Palermo. Um seinen Namen, sein Werk und sein Leben ranken sich zahlreiche Legenden. Fest steht, dass Blinky Palermo alias Peter Heisterkamp, 1943 in Leipzig geboren, zu den bedeutendsten deutschen Künstlern der 60er und 70er Jahre zählt. 1972 nahm er an der documenta 5 teil. 1975 vertrat er gemeinsam mit Sigmar Polke und Georg Baselitz Deutschland auf der Biennale in Venedig. Als er 1977 überraschend starb, hinterließ er ein umfangreiches Werk von Objekten, Zeichnungen, Stoff- und Metallbildern. Dazu gehören auch Lithografien, Sieb- und Offsetdrucke und eine Schablone zum Selbstmalen. Das Kölner Museum Ludwig zeigt bis zum 3. Mai Palermos sämtliche Editionen aus der Schenkung des Sammlers Ulrich Reininghaus. Happy Birthday, Titanic! 40 Jahre Titanic, das sind 480 Magazine mit 480 Covern, denen nichts heilig ist: Zonen-Gaby und Pinkel-Papst, Teuro und Genschman und immer wieder Kanzler Kohl, von den Satire-Titanen liebevoll Birne getauft. 1979 gegründet, hat das Magazin über all die Jahre nichts an Frechheit, Schärfe und Witz eingebüßt. Noch immer testet es die Grenzen der Freiheit aus, kostet genussvoll jede Geschmacklosigkeit aus und stellt das Verhältnis von Macht und Unterwerfung auf den Kopf. 40 Jahre auf hoher See und kein Eisberg in Sicht: Westart gratuliert der Titanic zum runden Geburtstag! (Text: WDR) Deutsche TV-Premiere Sa. 18.01.2020 WDR Folge 3/2020
Folge 3Schlossleuchten über dem Rhein: Westart auf dem Drachenfels: Disneyworld mitten im Rheinland? Westart ist zu Gast auf dem meistbestiegenen Berg Deutschlands, dem Drachenfels bei Königswinter. Auf halber Höhe steht das Schloss Drachenburg, ein pittoreskes Märchengebäude, in dem Prinzessinnen und Könige allerdings nie gewohnt haben. Auch wenn es geschichtsträchtig wirkt, ist es gerade mal 140 Jahre alt. Gemeinsam mit der ehemaligen Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner entdecken wir die Geheimnisse der neugotischen „Fake“-Architektur. Und wir lassen uns verzaubern von der Kunst des Lichtdesigners Wolfgang Flammersfeld, der Schloss und Schlosspark zum Leuchten bringt. Im Beethovenjahr 2020 hat er seine Lichtinstallation dem großen Bonner Komponisten gewidmet. Zu sehen, zu hören und zu bestaunen an jedem Wochenende bis zum 23. Februar.„Das Wunder von Taipeh“. Filmdoku über eine Sternstunde des Frauenfußballs: Sie waren echte Pionierinnen, die jungen Fußballerinnen aus Bergisch Gladbach. Als sie 1981 zur ersten inoffiziellen Frauenfußball-WM nach Taipeh fuhren, wurde ihr Sport in Deutschland eher geduldet als gefördert. Eine Frauennationalmannschaft gab es nicht. Deswegen ging die Einladung an die Spielerinnen der SSG 09 Bergisch Gladbach, die bereits dreimal die deutsche Meisterschaft gewonnen hatten. Taipeh wurde für sie zum Triumph. Vor Hunderttausenden begeisterten Zuschauern spielten sie das Turnier ihres Lebens und holten – ohne jegliche Unterstützung durch den DFB – den Weltcup nach Deutschland. In der Filmdoku von John Seidler erzählen die ehemaligen Fußballerinnen, wie sie ihren Traum gegen alle Widerstände verwirklichten. „Das Wunder von Taipeh“, eine WDR-Koproduktion, eröffnet am 31. Januar das Dokumentarfilm-Festival „Stranger than Fiction“ im Kölner Museum Ludwig und kommt am 27. Februar ins Kino. „Survivors“. Der Fotograf Martin Schoeller porträtiert Holocaust-Überlebende: Es sind Gesichter, die vom Leben gezeichnet sind: Der international renommierte Fotograf Martin Schoeller hat in Israel 75 jüdische Frauen und Männer porträtiert, die die Gräuel der Shoa gesehen, erduldet und überlebt haben. Entstanden ist das Projekt als Zusammenarbeit der Stiftung für Kunst und Kultur mit dem World Holocaust Remembrance Center Yad Vashem zum Gedenken an die Befreiung des KZ Auschwitz am 27. Januar vor 75 Jahren. Die berührenden Porträts sind jetzt unter dem Titel „Survivors. Faces of Life after the Holocaust“ in der Zeche Zollverein in Essen zu sehen. Westart ist bei der Ausstellungseröffnung durch Bundeskanzlerin Angela Merkel und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet dabei. Happy Birthday, Titanic!: 40 Jahre Titanic, das sind 480 Magazine mit 480 Covern, denen nichts heilig ist: Zonen-Gaby und Pinkel-Papst, Teuro und Genschman und immer wieder Kanzler Kohl, von den Satire-Titanen liebevoll Birne getauft. 1979 gegründet, hat das Magazin über all die Jahre nichts an Frechheit, Schärfe und Witz eingebüßt. Noch immer testet es die Grenzen der Freiheit aus, langt hin, wo es wehtut, und stellt das Verhältnis von Macht und Unterwerfung auf den Kopf. 40 Jahre auf hoher See und kein Eisberg in Sicht: Westart gratuliert der Titanic zum runden Geburtstag! Vom Reiz des Besitzens. Ausstellung „Liebes Ding“ im Museum Morsbroich: Vom Auto bis zur Zahnbürste: Jeder deutsche Haushalt besitzt laut Statistischem Bundesamt 10.000 Gegenstände und mehr. Was machen wir mit all diesen Dingen? Und was machen die Dinge mit uns? Die Ausstellung „Liebes Ding – Object Love“ im Museum Morsbroich fragt nach unserem Verhältnis zu den Objekten, die uns umgeben. Anfangs haben wir sie hergestellt, um unser Leben einfacher und besser zu machen. Heute sind sie dabei, uns mit ihrer künstlichen Intelligenz zu überflügeln. 23 Künstler zeigen in Fotografien und Videos, Gemälden, Skulpturen und Installationen, was es mit der innigen, komplizierten und manchmal auch beunruhigenden Beziehung zwischen Mensch und Ding auf sich hat. (Text: WDR) Deutsche TV-Premiere Sa. 25.01.2020 WDR Folge 4/2020
Folge 4Zeitenwende. Westart zu Gast im Peter-Behrens-Bau in Oberhausen: Die „Roaring Twenties“ des letzten Jahrhunderts – das waren Charleston und Bubikopf, Exzess und Glamour, aber auch Armut, Angst und Unsicherheit. Gerade erleben sie in der Serie „Babylon Berlin“ ein großes Comeback. Ein Symbol für Aufbruch und Neuanfang war auch das Lager- und Verwaltungsgebäude, das der Stararchitekt Peter Behrens 1920 für die Gutehoffnungshütte in Oberhausen entwarf. Heute beherbergt es das Sammlungsdepot des LVR-Museums. Noch bis zum 23. Februar ist dort die Ausstellung „Nützlich & Schön“ über Produktdesign vor hundert Jahren zu sehen. Die Zwanziger als Zeitenwende: Westart spricht mit Caroline Lerch, Textilrestauratorin beim LVR Oberhausen, über Stil und Mode und mit Thorsten Scheer, Kunst- und Bauhistoriker an der Peter Behrens School of Arts in Düsseldorf, über die Bedeutung des großen Architekten und Designers.Peter Behrens. Meister der Vielfalt: Peter Behrens hielt das Hauptlagerhaus in Oberhausen für sein bestes Gebäude, „an dem es mir gelungen ist, meine Kunstanschauungen am klarsten zu verwirklichen“. 1868 in Hamburg geboren, wurde er um die Jahrhundertwende zum Pionier der Reformbewegung in Kunst, Architektur und Design. Er prägte den Bauhausstil, erfand das „Corporate Design“, brachte Technik und Kunst zusammen und war Lehrer von Walter Gropius, Mies van der Rohe und für kurze Zeit auch von Le Corbusier. An Rhein und Ruhr hat er zahlreiche Spuren hinterlassen: unter anderem die Trauerhalle in Hagen, das Mannesmann-Haus in Düsseldorf, Villen und Wohnhäuser und natürlich das Zentrallager in Oberhausen, wo heute eine Dauerausstellung an ihn erinnert. Der Sound der wilden Zwanziger. Das Moka Efti Orchestra auf Tournee: Sie haben nicht nur den Tanzpalast in „Babylon Berlin“ zum Kochen gebracht. Die Vollblutmusiker vom Moka Efti Orchestra erobern auch im richtigen Leben Konzerthallen und Clubs. Mit der Musik der wilden Zwanziger – Charleston, Big Band, Hotjazz – treffen sie den Nerv der Zeit. Und wenn Sängerin Severija „Zu Asche, zu Staub“ intoniert, spürt man, wie die Luft vibriert. In den nächsten Tagen erscheint das erste Album des Moka Efti Orchestra. Und auf seiner Deutschlandtour macht es auch im Westen Station: am 9. März in Essen und am 12. März in Köln. Glückliche Tiere. Der Dokumentarfilm „Butenland“: Ein Altenheim für „nutzlos“ gewordene Nutztiere, ein Bauernhof, auf dem die „Ausrangierten“ in Ruhe alt werden können: das ist die Idee von Hof Butenland. Jan Gerdes, ein ehemaliger Milchbauer, und die Tierschutzaktivistin Karin Mück haben ihn auf der Halbinsel Butjadingen hoch im Norden gegründet. Der in Münster lebende Filmemacher Marc Pierschel hat die beiden und ihre Tiere mehr als zwei Jahre mit der Kamera begleitet. Hof Butenland ist eine Gemeinschaft auf Augenhöhe, in der Mensch und Tier Glück und Trauer teilen. Ein radikaler Gegenentwurf zur Massentierhaltung, der das Prinzip Nutztier grundsätzlich in Frage stellt. Am 6. Februar kommt der Film „Butenland“ in die Kinos. „Verrückt nach Angelika“. Kunstausstellung in Düsseldorf: Sie war ein Superstar des 18.Jahrhunderts: Angelika Kauffmann. Künstlerin, Kosmopolitin, Influencerin. „Die ganze Welt ist verrückt nach Angelika“, schrieb ein dänischer Verehrer 1781, und Goethe schwärmte: „Sie hat ein unglaubliches und als Weib wirklich ungeheures Talent.“ 1741 in Chur geboren, wurde Angelika Kauffmann schon in jungen Jahren als Wunderkind gefeiert. Nach Erfolgen in Mailand, Florenz, Bologna und Rom zog sie 1766 nach London. Der Adel in England war begeistert von der jungen Künstlerin, und nicht nur in England: Wer in Europa auf sich hielt, ließ sich von „Miss Angel“ porträtieren. Bald setzte sie sich auch in der männlich dominierten Historienmalerei durch und wurde mit ihren facettenreichen Selbstporträts stilbildend für eine ganze Epoche. Als sie 1807 in Rom starb, begleitete sie ein imposanter Trauerzug zu ihrer letzten Ruhestätte. Der Kunstpalast Düsseldorf widmet ihr bis zum 24. Mai eine große Ausstellung mit rund 100 Werken, von denen viele erstmals öffentlich zu sehen sind. Das Bildungsparadox. Der Soziologe Aladin El-Mafaalani im Gespräch: Bildung, soziale Ungleichheit und Integration, das sind die großen Themen von Aladin El-Mafaalani. Er forscht zu Fragen der Erziehung und Bildung in der Migrationsgesellschaft und ist seit Juli 2019 Professor an der Universität Osnabrück. In diesen Tagen erscheint sein neues Buch „Mythos Bildung“, in dem er mit Klischees und Vorurteilen aufräumt. Was können wir durch Bildung erreichen, was nicht und welche Schlüsse sollten wir daraus ziehen? Wie kommt es, dass mehr Bildung nicht automatisch zu mehr Gerechtigkeit führt? Und was müssen wir tun, um die Chancengleichheit zu erhöhen? Darüber hat Westart mit dem Soziologen gesprochen. (Text: WDR) Deutsche TV-Premiere Sa. 01.02.2020 WDR Folge 5/2020
Folge 5Rundgang 2020: Westart zu Gast in der Kunstakademie Düsseldorf: Es ist wieder so weit: Die Kunstakademie Düsseldorf lädt zu ihrem alljährlichen Rundgang. Jeder darf kommen, wenn die Studierenden zum Abschluss des Wintersemesters ihre Werke ausstellen. Der Eintritt ist frei, in den Sälen und Fluren drängen sich die Massen. Die legendäre „Geniebude“, vor knapp 250 Jahren gegründet, ist eine der renommiertesten Kunsthochschulen weltweit. Hier haben internationale Stars studiert und gelehrt wie Joseph Beuys, Gerhard Richter, Rosemarie Trockel oder Candida Höfer. Wer heute hier lernt, hat zwar keine Garantie auf Erfolg, aber Freiraum für seine Ideale. Westart blickt hinter die Kulissen der Akademie und spricht mit Gregor Schneider, Rita McBride, dem amtierenden Rektor Karl-Heinz Petzinka und natürlichen mit den Studierenden.„Looking at the Stars“. Eine Ballettschule für Blinde: Mitten in São Paulo, der größten Stadt Brasiliens, liegt die weltweit einzige Ballettschule für Blinde. Doch wie lernt man tanzen, wenn man sich nicht im Spiegel sehen kann? Mit unglaublichem Körpergefühl, Leidenschaft und eisernem Willen machen die jungen Tänzerinnen das Unmögliche möglich. Manche werden sogar professionelle Ballerinas und feiern auf der Bühne Triumphe. Wie Geyza Pereira, die mittlerweile selbst unterrichtet. Der Regisseur Alexandre Peralta hat sie und ihre Schülerinnen in seinem Dokumentarfilm „Looking at the Stars“ porträtiert. Ab dem 13. Februar im Kino! Mutig und stark: Wie Frauen die Politik eroberten: Lange war Deutschland eine Männerrepublik. Frauen, die in der Politik mitentscheiden wollten, waren nicht nur unerwünscht. Sie wurden regelrecht gedemütigt und bekämpft. Erst 1961 berief Konrad Adenauer mit Elisabeth Schwarzhaupt die erste Ministerin in sein Kabinett. Und auch dazu mussten ihn die CDU-Frauen mit einem Sitzstreik zwingen. Selbst 1983, beim Einzug der Grünen in den Bundestag, waren nur zehn Prozent der Abgeordneten weiblich. Torsten Körner erzählt in seinem Buch, wie mutige und starke Frauen sich gegen alle Widerstände in der Männerdomäne Bundestag durchsetzten. Es sind sehr persönliche Geschichten. Sie handeln von Erfolg und Niederlage, Triumph und Verzicht, vor allem aber vom Kampf um politische Gleichberechtigung, der bis heute anhält. Leidenschaftlich und extrem: die Schauspielerin Lilith Stangenberg im Porträt: Sie ist Anfang 30 und eine der aufregendsten Nachwuchsschauspielerinnen Deutschlands. Erst vor wenigen Tagen erhielt Lilith Stangenberg den Ulrich-Wildgruber-Preis. Mit unbändiger Energie und enormer Wandlungsfähigkeit kriecht sie geradezu in ihre Rollen: wenn sie als Lulu die weibliche Lust feiert, als „Idiotin“ die Ideale ihrer Geschwister entlarvt oder im preisgekrönten Film „Wild“ einem Wolf verstörend nahekommt. Zurzeit ist Lilith Stangenberg am Schauspiel Köln in Frank Castorfs „Aus dem bürgerlichen Heldenleben“ als radikal-kämpferische Europa zu sehen. Und in Dortmund probt sie mit Jonathan Meese für seine bildgewaltige „Lolita“-Interpretation, die am 15. Februar uraufgeführt wird. „Untold Stories“: Peter Lindbergh-Ausstellung im Kunstpalast Düsseldorf: Er wuchs in Rheinhausen bei Duisburg auf und wurde zu einem der bekanntesten Fotografen weltweit. Kate Moss, Linda Evangelista, Naomi Campbell – Peter Lindbergh hatte sie alle vor der Kamera. In den 90er-Jahren prägte er die Ära der „Supermodels“. Dabei hatte er seine ganz eigene Vorstellung von Schönheit und revolutionierte die Standards der Modefotografie. Dass sein Werk viel mehr umfasst als Mode, ist jetzt bis zum 1. Juni in einer großen Ausstellung im Kunstpalast Düsseldorf zu sehen. Gezeigt werden rund 140 Arbeiten, viele davon zum ersten Mal. Peter Lindbergh hat die Schau selbst kuratiert, ihre Fertigstellung aber nicht erlebt. Am 3. September 2019 ist er mit 74 Jahren in Paris gestorben. (Text: WDR) Deutsche TV-Premiere Sa. 08.02.2020 WDR Folge 6/2020
Folge 6Moondog in Münster: Diesmal macht sich Westart-Moderator Thilo Jahn in Münster auf die Spuren von Moondog. So nannte sich der blinde Künstler, Komponist und Poet, der aus New York nach Münster kam und zu einer Ikone der Musikwelt wurde. Die Kunsthalle widmet ihm bis zum 19. April die Ausstellung „Moon Machine, Landing“, für die das Kreativ-Trio Thies Mynther, Veit Sprenger und Tobias Euler eine spektakuläre Musikmaschine entworfen hat. Außerdem treffen wir den Münsteraner Medienwissenschaftler und Fotografen Norbert Nowotsch, der mit Moondog befreundet war und die schönsten Moondog-Fotos gemacht hat.Weltbürger und Westfale: der Musiker Moondog im Porträt: Ein Wikinger in Westfalen? Mit Speer und Hörnerhelm? Moondog war Exzentriker und einer der einflussreichsten Musiker seiner Zeit. Leonard Bernstein, Charlie Parker und Igor Strawinsky schwärmten von ihm. Charles Mingus trat mit ihm auf. Und Paul McCartney war überzeugt davon, dass Moondog den Welthit „Eleonor Rigby“ mindestens genauso gut hätte singen können wie die Beatles selbst. 1916 als Sohn eines deutschstämmigen Wanderpredigers und einer skandinavischen Mutter in Kansas geboren, ging Moondog alias Louis Thomas Hardin 1943 nach New York. Da war er bereits seit über zehn Jahren blind. Er schrieb Gedichte, musizierte und komponierte – alles auf höchstem Niveau. 1974 reiste er auf Einladung des Hessischen Rundfunks nach Deutschland. Über Frankfurt, Recklinghausen und Oer-Erkenschwick kam er nach Münster und blieb dort bis zu seinem Tod am 8. September 1999. In Deutschland entstand ein Großteil seiner rund 1.500 Werke. Bis heute hat das Moondog-Universum nichts von seiner Magie verloren. Frank Goosen: Die Beatles und ich: Dem Ruhrpott, dem Fußball, den Beatles: ihnen gehört Frank Goosens große Liebe. In Bochum geboren und seiner Heimat treu geblieben, hat er in seinen Büchern und Bühnenprogrammen (u.a. „Liegen lernen“, „Radio Heimat“, „Sommerfest“) den Menschen im Revier ein Denkmal gesetzt. Mit Witz und Wärme erzählt er von ihrem Alltag, taucht tief ein in ihren Kosmos und kramt in alten Erinnerungen. Als er 13 war, verfiel er den „Fab Four“ und kam nie wieder von ihnen los. Jetzt erscheint sein neuestes Buch „The Beatles“, eine Hommage an die vier Pilzköpfe aus Liverpool, die seine Jugend aufmischten. Ab sofort ist er mit dem Programm „Acht Tage die Woche – Die Beatles und ich“ auf Tour. Spuren, die bleiben: Dokumentarfilm über die Angehörigen der Opfer des NSU: Es war eine der spektakulärsten Mordserien in der bundesdeutschen Geschichte: Zwischen 2000 und 2007 tötete der rechtsextreme NSU zehn Menschen. Spektakulär war auch das Versagen bei der Aufklärung der Morde. Jahrelang standen Angehörige, Freunde und die Opfer selbst unter Verdacht. Selbst im Prozess gegen die Täter blieb vieles im Dunkeln. Was das für die Angehörigen bedeutet, mit welchen Verletzungen und Ängsten sie leben, das zeigt Aysun Bademsoy in ihrem Film „Spuren“, der am 13. Februar in die Kinos kommt. „Man sagt: Die Zeit heilt alle Wunden“, so Elif Kubaşık, die Ehefrau des in Dortmund ermordeten Kioskbesitzers Mehmet Kubaşık, „aber das stimmt nicht. Der Schmerz bleibt.“ Dalí am Rhein. Ausstellung im Arp-Museum in Remagen: Total surreal geht es in den nächsten Wochen im Bahnhof Rolandseck zu. Das Arp-Museum zeigt in einer großen Ausstellung, wie nahe sich Salvador Dalí, der spanische Großmeister des Surrealismus, und der Avantgardist Hans Arp standen. Die Künstler lernten sich 1929 in Paris kennen und beteiligten sich gemeinsam an zahlreichen Ausstellungen und Aktionen. Beide experimentierten mit Traumbildern und Transformationen, schufen Fabelwesen in fantastischen Welten. Von Dalí sind hochkarätige Werke als Leihgaben aus aller Welt zu sehen. Die Schau in Remagen hat bis zum 16. August 2020 geöffnet. Vom Rheinland in die Welt: Die Sängerin Ayọ mit neuem Album auf Tour in NRW: Ihre Stimme ist samtweich, ihre Songs streicheln die Seele. Gerade hat Ayọ ihr sechstes Album „Royal“ herausgebracht mit wunderbaren Balladen zwischen Jazz, Soul und Folk. Wie Moondog ist die 39-Jährige eine moderne Nomadin. Doch während es den „Wikinger“ von New York nach Münster zog, hat es die 39-Jährige anders gemacht: In Frechen bei Köln aufgewachsen, fand sie ihren Weg aus dem Rheinland in die weite Welt und hat inzwischen Fans rund um den Globus. Auf ihrer aktuellen „Royal“-Tour ist sie auch wieder in NRW unterwegs. Westart war bei einem Konzert in Essen dabei. Und am 6. Mai ist sie in der Kulturkirche Köln zu Gast. (Text: WDR) Deutsche TV-Premiere Sa. 15.02.2020 WDR Folge 7/2020
Folge 7Westart aus dem jecken Köln: Westart schaut hinter die Kulissen des kölschen Karnevals: Wir sind zu Gast im Epizentrum des Frohsinns, dort, wo jedes Jahr der Rosenmontagszug neu erfunden wird. In der Wagenhalle des Festkomitees Kölner Karneval treffen wir das Kinderdreigestirn, das sich in diesem Jahr über einen niegelnagelneuen Wagen freut. Wir schauen dem Künstler Dirk Schmitt über die Schulter, Ideengeber und Kritzelkopp für die bissig-bunten Motivwagen. Und gemeinsam mit Zugleiter Holger Kirsch, 2015 selbst Prinz Karneval, fühlen wir dem „jecke Hätz“ den Puls.Geschichte zum Anfassen: das Karnevalsmuseum in Köln: Wussten Sie, seit wann es Pappnasen gibt? Und wie das Dreigestirn entstanden ist? Direkt neben der Wagenhalle des Festkomitees lädt das Kölner Karnevalsmuseum zu einem Streifzug durch die Geschichte ein: vom Mittelalter, als man anfing, es vor der strengen Fastenzeit noch mal so richtig krachen zu lassen, bis zum karnevalistischen Großevent der Gegenwart. Hautnah lässt sich die Vielfalt des jecken Treibens erleben. Mit Museumsleiter Matthias Schumacher und Karnevalskenner Wolf Schönfeldt entdecken wir die Ursprünge des Fastelovend und tauchen ein in die Geheimnisse des kölschen Lebensgefühls. Malen wie Picasso: Wunderkind Mikail Akar aus Köln: Er ist sieben Jahre alt und malt wie ein Großer: Mikail Akar aus Köln. Drei Jahre ist es her, dass dem Vater das außergewöhnliche Talent des Jungen auffiel. Er stellte das Bild ins Internet und war überrascht von den Reaktionen aus aller Welt. Mittlerweile ist Mikail ein Star der internationalen Kunstszene. Kritiker vergleichen ihn mit Picasso oder Richter, auch wenn seine Bilder nicht ganz so teuer sind wie die Werke der berühmten Kollegen. Mehrere Tausend Euro kostet aber auch ein echter Akar. Seine abstrakten farbenfrohen Gemälde waren schon in zahlreichen Ausstellungen zu sehen, zuletzt unter dem Titel „Cologne Kiss You“ im „M7173“ in Köln-Ehrenfeld. Westart hat Mikail in seinem Atelier besucht und ihm beim Malen zugeschaut. Demokratie in Gefahr: Julian Assange vor Gericht: Julian Assange ist in Not. Der in London inhaftierte Gründer von Wikileaks ist gesundheitlich schwer angeschlagen. UN-Sonderberichterstatter Nils Melzer spricht von „psychischer Folter“ und wirft den Verantwortlichen die Missachtung der Menschenrechte vor. In den USA droht dem politischen Journalisten und Whistleblower eine lebenslange Haftstrafe wegen Geheimnisverrats. Am 24. Februar beginnt in London das Verfahren über den Auslieferungsantrag der USA. Mehr als 130 deutsche Politiker, Künstler und Journalisten haben an Großbritannien appelliert, Julian Assange aus medizinischen und rechtsstaatlichen Gründen freizulassen. Einer der Initiatoren des Aufrufs ist Günter Wallraff. Westart hat mit dem Kölner Journalisten gesprochen. Jeck und provokant: Jacques Tillys XXL-Karikaturen in Oberhausen: Egal ob es um den Brexit geht, die Kapriolen der Groko, Putin oder den Papst – Jacques Tilly hält der Macht den Spiegel vorhält: präzise, provokant und phantasievoll. Seit vielen Jahren entwirft und baut er politisch-satirische Motivwagen für den Düsseldorfer Rosenmontagszug. In der karnevalsfreien Zeit übernimmt er auch mal andere Aufträge, zum Beispiel für eine Anti-Trump-Skulptur beim G20-Gipfel in Hamburg, die international für Aufsehen sorgte. Jetzt ist der Düsseldorfer Künstler reif fürs Museum. Die Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen zeigt bis zum 14. Juni unter dem Titel „Politik und Provokation – Karikaturen XXL“ Tillys riesigen Figuren, aber auch Drucke, Zeichnungen und Skizzenbücher, die den Entstehungsprozess dokumentieren. Zehn Jahre danach: Die Loveparade-Tragödie als Theaterstück: 2020 jährt sich die Duisburger Loveparade-Katastrophe zum zehnten Mal. Schuld und Verantwortung sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Das Schlosstheater Moers bringt die Tragödie nun auf die Bühne. Grundlage des Stückes sind Interviews, Zeugenaussagen, Protokolle und Medienberichte. „Wir können keine Antworten geben“, sagt Intendant Ulrich Greb, der das Projekt „Parade 24/7“ mit seinem Ensemble erarbeitet hat. „Wir wollen aber Fragen stellen.“ Die Uraufführung ist am 19. Februar, fünf Wochen vor der Premiere eines zweiten Loveparade-Stückes, das das Duisburger Kom’ma-Theater vorbereitet. (Text: WDR) Deutsche TV-Premiere Sa. 22.02.2020 WDR Folge 8/2020
Folge 8Die Besten aus dem Westen auf der Berlinale: Es ist wieder Zeit für großes Kino, Stars und Sternchen, Klatsch und Glamour: Vom 20. Februar bis zum 1. März lädt Berlin zu den 70. Internationalen Filmfestspielen an die Spree, erstmals unter der Leitung von Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek. Westart ist dabei und trifft die Besten aus dem Westen: den Berlinale-Shootingstar Jonas Dassler aus Remscheid, Regisseur Wim Wenders, der junge Talente coacht, die Kölner Filmproduzentin Bettina Brokemper, die als Jury-Mitglied mit über die Bären entscheidet, und Schauspielstar Joachim Król, der mit der Neuverfilmung von Berlin Alexanderplatz auf der Berlinale vertreten ist Remake eines Klassikers: „Berlin Alexanderplatz“ neu verfilmt: „Berlin Alexanderplatz“ im Jahr 2020: Francis ist auf der Flucht aus Ghana in Berlin gestrandet und fest entschlossen, ein anständiges Leben zu führen.Doch wie Franz Biberkopf, der Held aus Döblins 1929 erschienenem Klassiker, droht er, im Sog der Großstadt unterzugehen. Francis gerät an den zwielichtigen Reinhold, strauchelt und ist kurz davor, im Drogenmilieu zu versinken. Bis er Mieze trifft und sich Hals über Kopf in sie verliebt. Regisseur Burhan Qurbani, gebürtiger Rheinländer und Sohn afghanischer Eltern, hat den Plot ins Heute verlegt. Statt mit Zuhältern hat es sein Francis, grandios gespielt von Welket Bungué, mit den Dealern aus Berlin-Hasenheide zu tun. Aber auch er steht wie Franz vor der Entscheidung zwischen Liebe und Tod. „Berlin Alexanderplatz“, gefördert von der Film- und Medienstiftung NRW, läuft als einer von zwei deutschen Filmen im Wettbewerb um den Goldenen Bären. Gefundenes Fressen: Akiz’ Roman „Der Hund“: Die Spitzenküche ist nicht immer ein Genuss. Wie die Emotionen rund ums Essen hochkochen können und welche Abgründe die Welt der Sterneköche bereithält, davon erzählt Regisseur und Drehbuchautor Akiz in seinem ersten Roman „Der Hund“, der für den Debütpreis der Lit.Cologne nominiert ist. Es ist die Geschichte eines Underdogs, der es vom Rinnstein in den Olymp der Kochkunst schafft. Aufgewachsen als Waisenjunge in einem Kellerloch, hat er das außergewöhnliche Talent, Müll in kulinarische Köstlichkeiten zu verwandeln. Und so taucht „der Hund“ ein in die Parallelwelt der Nobelgastronomie, dorthin wo nur die Durchreiche das Feinschmeckerparadies von der Hölle der Kochtöpfe trennt. Berührend und aufwühlend: Dokumentarfilm über Christoph Schlingensief: „In das Schweigen hineinschreien“: Treffender hätte der Dokumentarfilm nicht heißen können, mit dem die Cutterin Bettina Böhler Christoph Schlingensief ein filmisches Denkmal setzt. Aus bekanntem und neu entdecktem Archivmaterial, aus Privatvideos, Filmszenen und Theatermitschnitten montiert sie virtuos ein Zeitdokument über sein Leben und Werk. 2020 wäre der Ausnahmekünstler aus Oberhausen 60 geworden. Vor zehn Jahren ist er viel zu früh gestorben. Bettina Böhlers Film folgt seinem Weg vom jungen Regisseur im Kunstblutrausch über den Bühnenrevoluzzer bis zum Kunststar, der kurz vor seinem Tod die Einladung erhielt, den Deutschen Pavillon in Venedig zu gestalten. Die WDR-Koproduktion feiert auf der Berlinale Weltpremiere. Vertraut und intensiv: Aenne Biermanns Fotografien im Museum Folkwang: Sie hatte einen besonderen Blick auf Menschen und Dinge: intensiv, nah dran und mit großem Gespür für das Fremde im Vertrauten. Aenne Biermann, 1898 am Niederrhein geboren, wurde nur 34 Jahre alt. In nur wenigen Jahren schaffte sie es, als Autodidaktin zu einer Pionierin der modernen Fotografie zu werden. In den 1920er Jahren waren ihre Bilder in allen großen Ausstellungen zu sehen und wurden in den wichtigsten Kunstmagazinen gedruckt. 1933 starb sie an einer schweren Krankheit, kurz bevor ihre jüdische Familie vor den Nazis fliehen musste. Das Museum Folkwang in Essen widmet ihr bis zum 1. Juni 2020 eine große Ausstellung. Westart hat dort ihre Enkelin getroffen. Ausgezeichnet: Shooting Star Jonas Dassler: 2014 trat Jonas Dassler noch auf der Schulbühne in seiner Heimatstadt Remscheid auf. Heute blickt er auf fünf Spielfilme und eine TV-Serie zurück. Zweimal wurde er als bester Nachwuchsschauspieler mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet. Und seit 2017/18 ist er fest am Berliner Gorki-Theater engagiert. Kein Wunder, dass er auf der Berlinale 2020 als einer von zehn „European Shooting Stars“ geehrt wurde. Er tauche „tief in die trügerischen Abgründe der menschlichen Seele ein“, befand die Jury. Wie tief, das hat er unter anderem als Frauenmörder Fritz Honka in „Der goldene Handschuh“ bewiesen. Mit uns spricht er über Rollen, Ruhm, Heimat und Freundschaft. (Text: WDR) Deutsche TV-Premiere Sa. 29.02.2020 WDR Folge 9/2020
Folge 9Westart zu Gast in Haus Mödrath: Räume für Kunst – das ist das Versprechen von Haus Mödrath. Ein Sammler, der anonym bleiben möchte, hat die alte Villa am Rande von Kerpen gekauft. Das Haus hat eine bewegte Geschichte: Es war Gutshof, Fabrikantenvilla, Wöchnerinnenheim, Schulungshaus der Nazis und Kinderheim. Viele Jahre stand es leer. Heute ist es eine Begegnungsstätte für zeitgenössische Kunst. Die aktuelle Ausstellung „Dream Baby Dream“ widmet sich den dunklen Seiten der Kindheit: Dämonen, Ängsten, Schattenwelten. 19 Künstlerinnen und Künstler bespielen bis zum 20. Dezember 2020 das ganze Haus. Westart entdeckt beim Rundgang in jedem Raum ein anderes Abenteuer – ein Kunsterlebnis jenseits des Kunstmarktes.Der Nagelkünstler: Günther Uecker wird 90! Wie viele Nägel er wohl im Laufe seines Lebens eingeschlagen hat? Günther Uecker, einer der bedeutendsten deutschen Gegenwartskünstler, hat sich mit seinen Nagelbildern regelrecht eingehämmert in unser Gedächtnis. 1930 in Mecklenburg-Vorpommern geboren, übersiedelte er nach dem Krieg aus der DDR in den Westen. 1961 schloss er sich der Düsseldorfer Künstlergruppe ZERO an, war an zahlreichen internationalen Ausstellungen beteiligt und wurde weltberühmt. Über 20 Jahre war er Professor an der Kunstakademie in Düsseldorf. Zu seinem Werk gehören neben Nagelreliefs auch Lichtinstallationen, Architekturprojekte und Bühnenbilder. Am 13. März wird er 90 Jahre alt. Westart gratuliert zum runden Geburtstag! Schillernde Porträts: Martin Schoellers Serie „Drag Queens“ in Düsseldorf: Martin Schoeller ist ein Star unter den Porträtfotografen. Für seine spektakulären Nahaufnahmen hatte er prominente Politiker und Hollywoodstars wie Barack Obama, Angela Merkel oder Angelina Jolie vor der Kamera. Aber auch Holocaust-Überlebende, Obdachlose, Bodybuilderinnen. Und Drag Queens. So heißt auch seine aktuelle Serie, für die er Künstler fotografiert, die sich als Frauen inszenieren – glamourös geschminkt, in glitzernden Kleidern und mit fantastischen Perücken. Seit 1993 lebt und arbeitet der gebürtige Münchner in New York. Seine „Drag Queens“ sind bis zum 17. Mai im Rahmen einer großen Werkschau im NRW-Forum Düsseldorf zu sehen. Ein Haus für alle: Kübra Gümüşay über die Macht der Sprache: Sie ist Autorin und Aktivistin. In ihrem Blog schreibt sie gegen sexuelle Gewalt und Rassismus. Dafür wird sie mit Hass- und Drohmails überschüttet. Jetzt rechnet Kübra Gümüşay mit der Macht der Sprache ab. Sie selbst hat immer wieder erlebt, wie sie nicht als Person, sondern als Vertreterin einer Gruppe – Frau, Muslima, Aktivistin – behandelt und diskriminiert wurde. Dagegen setzt sie die Hoffnung auf eine Sprache, die offen ist für alle. Das allerdings, so schreibt sie in ihrem Buch „Sprache und Sein“, setzt ein Bewusstsein dafür voraus, wie sehr die Sprache unser Denken prägt und die Politik bestimmt. Erst wenn wir uns von Rollenbildern verabschieden, wenn wir nicht mehr mit den Augen der anderen auf uns selbst blicken, sind wir frei. Und erst dann wird die Sprache zu einem „Haus für alle“. „Verhaftung in Granada“: Doğan Akhanlıs Lebensgeschichte im Schauspiel Köln: Es ist eine Geschichte vom Kampf um die Freiheit. Doğan Akhanlı, 1957 in der Türkei geboren, wird seit Jahrzehnten wegen seiner politischen Überzeugungen verfolgt. Mehrfach war er im Gefängnis, wurde gefoltert und bedroht.1991 floh er nach Deutschland. Seit 1992 lebt er in Köln. Doch er bleibt weiterhin im Visier der türkischen Justiz. Im August 2017 wird er in Granada verhaftet. Die spanischen Behörden berufen sich auf einen internationalen Haftbefehl aus der Türkei. Erst nach zwei Monaten darf der deutsche Staatsbürger in seine Heimatstadt Köln zurück. Über die Geschichte seiner Verfolgung hat Doğan Akhanlı das autobiografische Buch „Verhaftung in Granada“ geschrieben. Regisseur Nuran David Calis hat daraus ein Theaterstück gemacht. Westart war bei der Uraufführung am Schauspiel Köln dabei. (Text: WDR) Deutsche TV-Premiere Sa. 07.03.2020 WDR Folge 10/2020
Folge 10Die 20. Litcologne: Abgesagt! Es hätte eine rauschende Jubiläumsparty werden sollen: die Litcologne zum 20. Mal! Doch es ist anders gekommen. Kurz vor der geplanten Eröffnung haben die Verantwortlichen alle Veranstaltungen abgesagt. Das Coronavirus hat das Land fest im Griff. Diesmal im März also keine Literatur zum Hören, Schauen und Staunen, keine Lesungen und Talks im Schatten des Doms. Statt mitzufeiern fragen wir jetzt, was das heißt: Kunst und Kultur im Zeichen von Corona. Westart hat sich bei Künstlern und Autoren umgehört und mit Festival-Chef Rainer Osnowski über die Zukunft von Europas größtem Literaturfest gesprochen.Positiv denken: Rutger Bregman über das Gute im Menschen: Er verbreitet Optimismus inmitten einer Flut von Schreckensnachrichten: „Im Grunde gut“ heißt das aktuelle Buch von Rutger Bregman. In seiner „neuen Geschichte der Menschheit“ beschreibt der niederländische Historiker, wie eine bessere Welt möglich ist. Im vergangenen Jahr hat der 31-Jährige den Weltwirtschaftsgipfel in Davos aufgemischt und von den versammelten Millionären höhere Steuern verlangt. „Alles andere ist Bullshit!“, meint er. Wie er sich eine gerechtere Gesellschaft vorstellt, was wir dafür tun können und warum der Mensch längst nicht so egoistisch ist, wie wir glauben – darüber spricht Rutger Bregman in der Westart. Der Schwarze Tod: Eine Ausstellung über die Pest in Herne: Lange bevor es das Coronavirus gab, haben in Europa ganz andere Krankheiten gewütet. Eine der verheerendsten Pandemien war die Pest. Im Mittelalter fiel ihr ein Drittel der Bevölkerung zum Opfer. Aber auch noch lange darüber hinaus hat sie rund um den Globus Millionen Menschen getötet. Das LWL-Museum für Archäologie in Herne zeigt in einer großen Sonderausstellung die Geschichte des „Schwarzen Todes“ und seine Auswirkungen auf die Menschheit. Bis heute ist die Angst vor der Pest im kollektiven Gedächtnis verankert. Und so ist es spannend zu verfolgen, welche verblüffenden Parallelen und fundamentalen Unterschiede es zur Gegenwart gibt. Die Schau „Pest!“ ist bis zum 10. Mai zu sehen. Spionin in Nazi-Deutschland: die abenteuerliche Geschichte der jüdischen Französin Marthe Cohn alias Chichinette: Es ist eine unglaubliche Geschichte: Marthe, eine französische Jüdin aus Metz, verliert im Krieg ihren Verlobten und ihre Schwester. 1945 beschließt sie, als Spionin der Alliierten in Nazi-Deutschland ihr Leben zu riskieren und für das Ende des Krieges zu kämpfen. Mehr als 60 Jahre hat sie darüber geschwiegen, bevor sie begann, ihre Lebensgeschichte an die Jüngeren weiterzugeben. Heute reist sie um die ganze Welt, um Vorträge zu halten und mit den Menschen zu reden. Nicola Alice Hens hat über die bald Hundertjährige einen Dokumentarfilm gedreht. „Chichinette“ heißt er – „kleine Nervensäge“, so wie sie damals vom Geheimdienst genannt wurde. „Das Wichtigste“, sagt sie, „was ich mitgenommen habe, ist: Man kann immer was machen und darf sich nicht abschrecken lassen.“ Am 19. März kommt „Chichinette“ in die Kinos. Spion wider Willen: Ulla Lenzes Roman „Der Empfänger“: Von einem Spion ganz anderer Art erzählt Ulla Lenze in ihrem neuen Roman „Der Empfänger“. Es ist die fiktiv ausgestaltete Geschichte ihres Großonkels, eines rheinischen Auswanderers, der vor Beginn des Zweiten Weltkrieges in New York ins Visier der Weltmächte gerät. Josef Klein, Amateurfunker und Nazi-Mitläufer aus Gleichgültigkeit, verfängt sich im Netz der deutschen Abwehr. Er wird enttarnt und für kurze Zeit zum Doppelagenten. Nach Haft und Internierung kehrt er 1949 nach Neuss zurück, wo sein Bruder mit seiner Familie die Nazizeit ganz anders erlebt hat. Doch in Deutschland will Josef Klein nicht bleiben. Und so aktiviert er seine alten Nazi-Kontakte und reist nach Südamerika aus. „Der Empfänger“ gibt nicht nur Einblick in ein wenig bekanntes Kapitel der deutschen Geschichte. Der Roman lässt sich auch als hochaktuelle Parabel auf das Wegschauen und Mitmachen in finsteren Zeiten lesen. Spuren der Zeit: Der Fotograf Laurenz Berges in Bottrop: Er schaut hin, wo andere achtlos vorübergehen, und entdeckt die Schönheit im Alltäglichen: in verwitterten Hauseingängen, an bröckelnden Fassaden, auf abblätternden Tapeten. Laurenz Berges, Meisterschüler von Bernd Becher, ist ein Chronist der verlassenen und vergessenen Orte. Seine Bilder atmen den Wandel der Zeit. Er hat in seiner Geburtsstadt Cloppenburg fotografiert, in der ehemaligen DDR und im rheinischen Braunkohlerevier. Seit zehn Jahren ist er im Ruhrgebiet unterwegs, vor allem im Duisburger Norden, in den von Kohle und Stahl geprägten Stadtteilen Marxloh, Beeck und Bruckhausen. Jetzt zeigt das Josef Albers Museum Quadrat in Bottrop bis zum 3. Mai seine Serie „4100 Duisburg – Das letzte Jahrhundert“. (Text: WDR) Deutsche TV-Premiere Sa. 14.03.2020 WDR Folge 11/2020
Folge 11Shutdown am Schauspielhaus Bochum: Es ist ein außergewöhnliches Theater mit einer außergewöhnlichen Geschichte und außergewöhnlichen Menschen: das Schauspielhaus Bochum. Spektakuläre Inszenierungen haben es zu einer der renommiertesten Bühnen Deutschlands gemacht. Hannelore Hoger, Peter Lohmeyer, Joachim Król und Sandra Hüller feierten in Bochum Triumphe. Gerade liefen die Vorbereitungen für ein weiteres außergewöhnliches Stück: „Herbert“, eine Zusammenarbeit von Herbert Grönemeyer und dem Starregisseur Herbert Fritsch. Jetzt ist das Haus – wie alle Theater in Deutschland – geschlossen. Shutdown am Schauspielhaus: Nichts läuft mehr bis vorerst 19. April. Was bedeutet die Coronakrise für die städtischen Bühnen? Wie gehen die Mitarbeitenden damit um? Westart hat mit der stellvertretenden Intendantin Susanne Winnacker gesprochen.Auf Leben und Tod: Christoph Kuckelkorn, Karnevalspräsident und Bestatter: Der Kölner Christoph Kuckelkorn führt ein Doppelleben. Er ist Chef eines der traditionsreichsten Bestattungsunternehmen in Deutschland und seit 2017 Präsident des Festkomitees Kölner Karneval. Lachen und Weinen, Glück und Trauer – beides erlebt er hautnah und oft genug an ein und demselben Tag. Jetzt hat der 55-Jährige ein Buch geschrieben: über das Wechselspiel des Lebens, die Zerbrechlichkeit des Daseins und die Freuden des Augenblicks. „Der Tod ist dein letzter großer Termin“ ist eine Mischung aus Autobiografie und klugen Gedanken über den Sinn des Lebens. Westart hat Christoph Kuckelkorn auf dem Kölner Melaten-Friedhof getroffen und mit ihm darüber gesprochen, was der Tod die Lebenden lehrt. Perspektivwechsel: Unsere Welt von oben: Abstand halten, auf Distanz gehen – das ist das Gebot der Stunde. Dass der Perspektivwechsel auch ganz neue Einsichten ermöglicht, zeigt ein Bildband, den Agata und Pierre Toromanoff gerade im Dumont Buchverlag veröffentlicht haben. „Der Blick von oben“ versammelt faszinierende Fotografien: zerklüftete Felsküsten im Atlantik, monumentale Eisberge in Grönland, pulsierende Großstädte rund um den Globus. Aufgenommen haben sie Drohnenfotografen in aller Welt, mal aus unglaublicher Nähe, mal aus großer Entfernung. Es sind spektakuläre Einsichten in die Schönheiten unserer Erde. Sie zeigen aber auch, wie bedroht die Welt ist, in der wir leben, und dass wir sie deswegen ganz besonders schützen müssen. „Wir Kapitalisten“: Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn: Der Kapitalismus – was ist das eigentlich? Ein Wirtschaftssystem? Eine Gesellschaftsordnung? Oder doch eher eine Art zu denken, leben und fühlen? Wie tickt das kapitalistische Ich? Antworten darauf gibt die Ausstellung „Wir Kapitalisten“ in der Bundeskunsthalle Bonn. Nah am Alltag veranschaulicht sie abstrakte Begriffe wie Tempo und Tatkraft, Mammon und Mehrwert, Wachstum und Wohlstand. Sie zeigt die dunklen Seiten von Verschwendung, Ausbeutung und Gier ebenso wie kulturelle Höhenflüge, die ohne den permanenten Geldfluss kaum zu denken wären. Und über allem steht heute unausweichlich die Frage: Wie krisentauglich ist der Kapitalismus? Westart hat sich für Sie in Bonn umgeschaut, auch wenn die Bundeskunsthalle zurzeit geschlossen ist. Die Krisenmanager: Der Dokumentarfilm „Master of Disaster“: Sie arbeiten im Verborgenen, trainieren unter Ausschluss der Öffentlichkeit, bereiten sich auf den Tag X vor – bis der Ernstfall tatsächlich eintritt. Katastrophenschützer, Rettungskräfte und Krisenforscher sind die Helden des Dokumentarfilms „Master of Disaster“. Expertinnen und Experten spielen in Labors und Behörden Worst-Case-Szenarien durch, immer mit dem Ziel, auch im äußersten Notfall die Kontrolle zu behalten. Auf Übungsplätzen werden kleine und große Katastrophen simuliert: Erdbeben, Feuer, Anschläge und – ja, auch Epidemien. Während der Dreharbeiten hatten die Macher der Dokumentation keine Ahnung, wie schnell sie von der Realität eingeholt würden. Westart über einen Film, der vorwegnimmt, was auf uns zukommen könnte. (Text: WDR) Deutsche TV-Premiere Sa. 21.03.2020 WDR Folge 12/2020
Folge 12Out of the Wild: Westart im Museum Koenig in Bonn: Es ist ein Paradies für Neugierige und Entdecker: das Museum Koenig im Herzen von Bonn. Schon vor mehr als 100 Jahren hatte der Zoologe Alexander Koenig die Idee, die Wildnis in die Stadt zu bringen. Zum Anfassen sind die ausgestellten Tiere nicht. Aber zum Anschauen und Bestaunen. In originalgetreu nachgestellten Landschaften tummeln sich Eisbären und Wüstenmäuse, Giraffen und Skorpione. Im Herbst 2019 ist ein besonderes Highlight dazugekommen. Die Sonderausstellung „Groß, größer – Dinosaurier“ zeigt die Giganten der Naturgeschichte – zumindest ihre Skelette – und verrät, warum sie überhaupt so groß werden konnten.Winzig klein dagegen sind die Viren, die im Forschungslabor des Hauses untersucht werden. Museumschef Bernhard Misof ist stolz darauf, dass die Erkenntnisse auch in die Coronaforschung eingehen. Und noch ein weiteres Geheimnis lüftet Westart-Moderator Thilo Jahn auf seiner Expedition: Warum steht im Museum Koenig ein Schreibtisch von Kanzler Konrad Adenauer, dem Urgestein der Bundesrepublik? Typisch deutsch. Der Fotoband „Heiter bis wolkig“ Noch vor Coronazeiten touren drei junge Fotografen mit ihrem Kombi durch das Land – von Husum an der Nordsee bis Donaueschingen an der Grenze zur Schweiz. Auf ihrer Reise begegnen sie dem Leben in der Provinz mit all seinen Skurrilitäten und unhinterfragten Traditionen. Natur, Bauwerke, Menschen: David Carreño Hansen, Sven Stolzenwald und Christian Werner sind immer auf der Suche nach dem „typisch Deutschen“, das sie gleichzeitig anzieht und abstößt. Jetzt ist ihr Fotoband „Heiter bis wolkig“ erschienen. Den Westart-Zuschauern zeigen sie, was in NRW „typisch Deutsch“ ist. Filmfest virenfrei: die Oberhausener Kurzfilmtage online: Sie sind eine Institution mit langer Geschichte: die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Beim 66. Mal geht das Festival online. Vom 13. bis zum 18. Mai sind über 350 Produktionen im Internet zu sehen. Mit dabei ist ein Film, der den Nerv der Zeit besonders gut trifft: „there may be uncertainty“. Paul Reinholz geht es in seinem Abschlussfilm darum, wie Menschen versuchen, sich auf eine Krise vorzubereiten, auf eine Welt, in der angesichts einer drohenden Katastrophe alles ungewiss ist. „There may be uncertainty“ ist nur ein Beispiel für die vielen preisverdächtigen Filme im Wettbewerb. Am Abend des 18. Mai stehen die Sieger fest, darunter auch der Gewinner des Westart-Preises. The Düsseldorf Düsterboys mit „Kaffee aus der Küche“: Sie freuen sich schon auf die Zeit, wenn sie wieder live vor Publikum auftreten dürfen: The Düsseldorf Düsterboys, die übrigens nicht aus Düsseldorf, sondern aus Essen stammen. Wie sie zu dem Namen kamen? Der Band-Legende nach ist er einem ihrer Gründer im Traum eingefallen. Traumhaft klingt auch ihr Sound, eher psychedelisch-intim als kraftvoll treibend. 2019 erschien ihr erstes Album „Nenn mich Musik“: 16 windschiefe Folksongs in einer Stimmung zwischen Absturz, Resignation und Geborgenheit. Bei Westart servieren sie „Kaffee aus der Küche“. Carolin Kebekus im Ersten: Durch ein Virus lässt sich Deutschlands Comedy-Queen Carolin Kebekus nicht ausbremsen. Am 21. Mai ist sie mit ihrer neuen Show im Ersten am Start. Acht Folgen sind geplant, in denen die Kölnerin ihre Sicht auf die Welt präsentiert – bissiger, persönlicher und aktueller denn. Mit dabei sind prominente Gäste, die auf Distanz bleiben, aber dem Zeitgeist ganz nah kommen. „Das wird die beste Show ever – und zwar mit Abstand“, verspricht Carolin Kebekus. Westart hat sie bei den Vorbereitungen begleitet. (Text: WDR) Deutsche TV-Premiere Sa. 16.05.2020 WDR Folge 13/2020
Folge 13Weltklassekunst in Wuppertal: Westart ist diesmal zu Gast im Skulpturenpark Waldfrieden. Tony Cragg hat ihn 2008 eröffnet und sich damit einen Traum erfüllt. Der in Liverpool geborene Bildhauer lebt seit den 70er Jahren in der bergischen Metropole. Das Konzept seines Parks ist einzigartig. In fantastischer Natur und mitten im Wald sind 40 Werke von Cragg und anderen international renommierten Künstlerinnen und Künstlern zu entdecken. Und auch ein architektonisches Unikat gehört dazu: die Villa Waldfrieden, ein Anwesen ganz ohne Ecken und Kanten, das sich der Lackfabrikant Kurt Herberts in den 40er Jahren auf den Leib schneidern ließ. Tony Cragg war von dem Haus begeistert und hat es aufwändig restaurieren lassen. Auf einem Rundgang zeigt er Westart-Moderatorin Siham El-Maimouni seine Lieblingsorte in Villa und Park. Bis zum 1. Juni ist dort noch eine Sonderausstellung mit Werken von Ian McKeever und Michael Sandle zu sehen.Kultur hinter der Windschutzscheibe: Film ab und Bühne frei in Monheim: Der Kulturbetrieb in NRW wird mit der Öffnung der Museen langsam wieder hochgefahren. Ab dem 30. Mai dürfen auch die Kinos wieder öffnen, und bei den Theatern fragt man sich, ob und wie das am besten gehen soll. Derweil bietet bis in den Sommer hinein das Autokino Kultur in Echtzeit an. Während des Corona-Shutdowns erlebte es eine unerwartete Renaissance. Vor Corona gab es in NRW gerade mal zwei, jetzt sind es schon über 50. So kann man etwa in Monheim am Rhein auf drei Open-Air-Bühnen nicht nur Filme sehen, sondern auch klassische Konzerte, Theateraufführungen, Musik- und Comedyprogramme erleben: sicher hinter der Windschutzscheibe und live. „Drei Bühnen, ein Auto, alle Sparten“, sagt Martin Witkowski von den Monheimer Kulturwerken und derzeitiger Drive-In-Veranstalter. Er konnte hochkarätige Künster*innen, wie etwa die aus Wuppertal stammenden, international renommierten Pianistinnen Danae und Kiveli Dörken für seine Idee begeistern. Westart über ein Phänomen, das in wenigen Wochen eine erstaunliche Karriere gemacht hat. Weltstar meets Weltstar: Ute Lempers „Rendezvous mit Marlene“: Große Tourneen hat es in diesem Frühjahr nicht gegeben. Auch Chansonstar Ute Lemper musste ihre Pläne ändern. Eigentlich wäre sie jetzt mit ihrem neuen Programm „Rendezvous mit Marlene“ in Europa unterwegs. Stattdessen ist sie zu Hause in New York, wo die gebürtige Münsteranerin seit über 20 Jahren lebt. 2018 hat Siham El-Maimouni sie an der Upper Westside zwischen Central Park und Broadway besucht. Diesmal erreicht sie sie per Skype. Sie spricht mit ihr über das Leben in einem der Corona-Hotspots der USA und über ihre Leidenschaft für Marlene Dietrich, der sie in ihrem gerade erschienenen Album ein Denkmal gesetzt hat. Gelebte Utopie: Wuppertals freie Kulturszene trotzt Corona: Wuppertal war einmal eine der reichsten Städte in Deutschland. Heute ist die Kommune pleite, und für Kultureinrichtungen fehlt es an öffentlichen Geldern. Das war schon vor Corona so. Aber es gibt neben einem starken bürgerschaftlichen Engagement für die Kultur auch eine agile, freie Kreativszene, die sich nicht unterkriegen lässt – erst recht nicht in Corona-Zeiten. Um der Krise zu trotzen, haben Künstler*innen und Kulturschaffende einen Solidarpakt und einen Hilfsfond ins Leben gerufen. Impulsgeber und Motor sind die „Utopisten“ aus der Utopiastadt, dem kreativen Herzen Wuppertals. Inzwischen ist ihre Plattform „stew.one“ online, die nicht nur Spenden sammelt, sondern auch Kunst und Kultur per Stream in die Wuppertaler Wohnzimmer bringt. Den umgekehrten Weg geht das Projekt „Out and About“. Inzwischen sind es zehn Künstler*innen, die raus auf die Straße gegangen sind und ihre Werke auf 39 Plakatwänden in der ganzen Stadt zeigen. „Inside Out“. JR’s Fotoprojekt am Festspielhaus Recklinghausen: Die Ruhrfestspiele sind abgesagt. Aber zum Glück nicht komplett! Eine Aktion findet trotz Corona statt: das Projekt „Inside Out“ des weltberühmten französischen Fotografen und Streetart-Künstlers JR. Dafür hat er Menschen, die sich dem Festival verbunden fühlen aufgerufen, ihre Schwarz-Weiß-Porträts auf der Festivalwebsite zu posten. Die Reaktion war enorm. Über 750 Fans und beteiligte Künster*innen haben mitgemacht. Die Bilder werden im Großformat bis Mitte Juni an die Fassade des Festspielhauses geklebt. Außerdem sind sie in einer Fotogalerie auf der Homepage der Ruhrfestspiel zu sehen. Westart hat Teilnehmer*innen und den Intendanten Olaf Kröck getroffen. (Text: WDR) Deutsche TV-Premiere Sa. 23.05.2020 WDR Folge 14/2020
Folge 14Westart zu Gast in Schloss Benrath: Endlich raus! Schloss Benrath lädt ein zum Flanieren, Genießen und Staunen. Das denkmalgeschützte Ensemble im Süden von Düsseldorf ist ein Gesamtkunstwerk aus Prachtbau und Park. Die Fassade strahlt in Pfirsichblütenrosa, der Garten leuchtet in sattem Grün. Entstanden ist das Barock-Juwel im 18. Jahrhundert als Lustschloss für Kurfürst Karl Theodor aus der Pfalz. Heute darf hier jeder lustwandeln und beim Rundgang verborgene Räume entdecken. Schloss Benrath beherbergt das Museum für europäische Gartenkunst und das Naturkundemuseum. Eine Sonderausstellung nimmt die Besucher*innen mit auf eine Zeitreise durch die Geschichte der bepflanzten Architektur. Was die „Hängenden Gärten von Babylon“ mit dem gerade fertiggestellten Kö-Bogen II in Düsseldorfs Innenstadt zu tun haben, das erfährt Westart-Moderatorin Siham El-Maimouni im Gespräch mit dem Museumsdirektor Stefan Schweizer und dem Architekten Christoph Ingenhoven.Es geht auch anders! Maja Göpels Einladung, die Welt neu zu denken: Klimawandel, Artensterben, Pandemien: Die Welt steht unter Stress. Und wenn nicht bald etwas geschieht, ist es zu spät. Viele Menschen spüren, dass unser System auf der Kippe steht – und das nicht erst, seit Corona unsere Gewissheiten erschüttert hat. Maja Göpel, Ökonomin und Politikberaterin, hat das Buch zur Stunde geschrieben. Entstanden ist es vor der Pandemie. Ihre Überlegungen aber sind aktueller denn je. Sie erläutert, warum es so nicht weitergehen kann, warum permanentes Wachstum, Massenkonsum und Technologieglaube nicht die Lösung des Problems, sondern das Problem selbst sind. Wie können wir Ökologie und Ökonomie versöhnen? Soziale Gerechtigkeit schaffen? So leben, dass wir die Grundlagen unserer Existenz pflegen, anstatt sie zu zerstören? Maja Göpel stellt die ganz großen Fragen. Und sie zeigt Wege, wie wir gemeinsam Antworten finden. Wenn wir bereit sind, die Welt neu zu denken … Zwischen Wüsten, Weihrauch und Wolkenkratzern. Nadine Pungs’ Reise in den Orient: Wenn einer eine Reise tut … Gerade ist das nur schwer möglich. Umso gespannter hören wir zu, wenn jemand von seinen früheren Reisen erzählt. Nadine Pungs, Schauspielerin, Moderatorin und Autorin, kommt aus dem Rheinland und war viel in der Welt unterwegs. „Reisen ist Leben in verdichteter Form“, sagt sie und hofft, bald wieder aufbrechen zu können. Vor allem der Orient hat es ihr angetan. 2014 machte sie sich allein auf den Weg in den Iran und schrieb darüber das Buch „Das verlorene Kopftuch – Wie der Iran mein Herz berührt“. Nun hat sie die arabische Halbinsel erkundet: von Jordanien über Kuwait, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Oman bis an die Grenze des Jemen. Wieder war sie allein unterwegs in Regionen, wo Männer dominieren und Frauen traditionell im Verborgenen sind. Bei Westart erzählt sie von ihren Begegnungen im „Übermorgenland“. Zu Lande und zu Wasser. Hannsjörg Voths Land-Art-Projekte in Wuppertal Seit den 1970er Jahren macht der Münchner Künstler Hannsjörg Voth mit spektakulären Land-Art-Projekten auf sich aufmerksam. Es sind surreale Skulpturen, die Phantasie mit Präzision vereinen. Jetzt zeigt das Wuppertaler Von der Heydt-Museum eine Retrospektive seiner Werke. Anhand von Originalmodellen, Zeichnungen und Fotografien, die seine Frau Ingrid Amslinger gemacht hat, dokumentiert die Ausstellung acht Großprojekte, die uns auch heute noch staunen lassen. Darunter die „Goldene Spirale“. Sie entstand 1992 bis 1997 in der marokkanischen Wüste, wo Hannsjörg Voth viele Jahre den Winter verbrachte. Konzipiert ist sie nach der mathematischen Fibonacci-Reihe, deren Gesetzmäßigkeit in der Natur eine große Rolle spielt. Die Ausstellung „Zu Lande und zu Wasser“ ist bis zum 13. September zu sehen. Theaterspaziergang. Elfriede Jelineks „Prinzessinnendramen“ im Theater Oberhausen: Wenn die Zuschauer*innen nicht ins Theater kommen können, kommt das Theater zu ihnen. Wie das geht, hat das Theater Oberhausen mit seiner Premiere von Elfriede Jelineks „Prinzessinnendramen“ vorgemacht. Gespielt wird nicht auf der Bühne, sondern an verschiedenen Orten der Stadt. Aber immer nur für maximal zwei Personen, die vorgegebenen Wegen folgen und dazu Jelineks Texte auf dem Smartphone hören. Dabei kann es passieren, dass sie im Schaufenster eines Perückengeschäfts Schneewittchen begegnen. Geplantes vermischt sich mit Unvorhergesehenem und lädt die Alltagskulisse mit Spannung auf. Stefan Keim war bei den Audiospaziergängen dabei. (Text: WDR) Deutsche TV-Premiere Sa. 30.05.2020 WDR Folge 15/2020
Folge 15Westart zu Gast in der Kunstgießerei Kayser in Düsseldorf: Sie ist eine Topadresse in der internationalen Kunstwelt und doch nur bei Kennern bekannt: die Kunstgießerei Kayser im Düsseldorfer Hafen. Seit über zwei Jahrzehnten entstehen hier Werke von Weltrang: Skulpturen von Tony Cragg, Thomas Schütte, Katharina Fritsch, Johannes Brus und vielen anderen Stars. Der Chef Rolf Kayser stammt aus einer berühmten Zinngießerdynastie und hat sein Handwerk von der Pike auf gelernt. Die Künstler*innen vertrauen ihm, wenn es darum geht, ihre Ideen in die Realität umzusetzen. Wie das funktioniert, das hat sich Westart-Moderatorin Siham El-Maimouni angeschaut und Rolf Kayser nach dem Geheimnis seines Erfolgs gefragt.Auf den Sockel gehoben: Christoph Pöggelers „Säulenheilige: Die Skulpturen von Christoph Pöggeler kennt in Düsseldorf jeder. Seine „Säulenheiligen“ zieren Litfaßsäulen in der ganzen Stadt. Es sind originalgetreue Abbildungen von Alltagsfiguren, so realistisch gestaltet, als stünden sie mitten im Leben: eine Braut, ein Liebespaar, ein Geschäftsmann, Vater und Sohn, ein Tourist. Nun soll noch ein behinderter Sportler mit Prothese dazukommen. Gießen lässt Christoph Pöggeler natürlich bei Kayser. Westart hat ihn in der Kunstgießerei getroffen und nach dem spannendsten Moment bei der Fertigstellung seiner Skulpturen gefragt. Julia Stoschek Collection online: Die Julia Stoschek Collection in Düsseldorf ist eine der weltweit größten Privatsammlungen für internationale Medienkunst. Ab dem 7. Juni ist das Haus wieder für Besucher*innen geöffnet. Schon jetzt ist ein Teil der Videos online zu sehen – darunter Werke von Wolfgang Tillmans, Barbara Hammer, Elizabeth Price und John Bock. Nach und nach will Julia Stoschek ihre gesamte Sammlung – über 860 Videos von 282 Künstlern – mit der digitalen Gemeinde teilen. Bei Westart erzählt sie, warum es ihr wichtig ist, auch die Menschen für Medienkunst zu begeistern, die nicht ins Museum gehen. Künstlerkarriere: Florian Reinhardts EXIT-Strategie: Florian Reinhardt macht als Fernsehproduzent vor allem Reality TV. Seit fast 20 Jahren reist er mit prominenten Protagonisten um die Welt. Heute Mallorca, morgen LA, am besten noch mit Zwischenstopp in Dubai. Auf seinen glamourösen Drehreisen hat er Tausende von Handyfotos gemacht. Und irgendwann überrascht festgestellt, dass er überwiegend EXIT-Schilder fotografiert. Ein Kunsthändler aus Miami hat seine Bilder entdeckt und sie im Großformat neben Andy Warhol und Damien Hirst präsentiert. Westart hat Florian Reinhardt getroffen und mit ihm über den erstaunlichen Beginn einer internationalen Kunstkarriere gesprochen. Von Ruhm und Scheitern. Dokuserie über den Musiker Roland Meyer de Voltaire: Er galt als Hoffnungsträger der Popmusik. 2003 gründete Roland Meyer de Voltaire die Band Voltaire in Bonn. Die Musikmagazine überschütteten ihn mit Vorschusslorbeeren. Eine große Plattenfirma nahm ihn unter Vertrag. Die steile Karriere schien sicher. Doch es kam anders. Die Alben floppten. Roland Meyer de Voltaire stand vor dem Nichts. Der Bonner Filmemacher Aljoscha Pause hat ihn sechs Jahre lang mit der Kamera begleitet. Entstanden ist eine sehr persönliche Langzeitstudie über einen hochtalentierten Musiker, der kompromisslos versucht, seinen Traum von der Musik zu verwirklichen. Die Dokumentarfilmserie „Wie ein Fremder“ ist jetzt als Blu-ray und Video on Demand erschienen. Westart hat Aljoscha Pause und Roland Meyer de Voltaire in Bonn getroffen. Vorhang auf! Das Wolfgang-Borchert-Theater in Münster startet wieder: Der Shutdown ist vorbei. Museen haben geöffnet. Auch die Theater dürfen wieder spielen. Aber einfach ist es nicht, die strengen Hygieneregeln umzusetzen. So manches Haus hat deshalb die Wiedereröffnung auf die kommende Spielzeit vertagt. Anders das Wolfgang-Borchert-Theater in Münster. Es startet Anfang Juni mit der verschobenen Premiere von „Momentum“, einem Stück der niederländischen Autorin Lot Vekemans, das hinter die Kulissen der Macht blickt. Allerdings dürfen statt 148 nur 32 Zuschauer die Vorstellungen besuchen. Und auch sonst gibt es eine Reihe ungewöhnlicher Neuerungen. Westart über die Anstrengungen der Theater, trotz Corona weiterzumachen. (Text: WDR) Deutsche TV-Premiere Sa. 06.06.2020 WDR Folge 16/2020
Folge 16Westart zu Gast auf der ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang Geheimnisvoll erhebt sich „Burg Vogelsang“ über die Höhenzüge der Eifel, mitten im einzigen Nationalpark von Nordrhein-Westfalen. Mit einer echten Burg hat der gigantische Gebäudekomplex allerdings nichts tun. Die Nazis haben ihn in den 1930er als sogenannten NS-Ordensburg errichtet, eine von drei Kaderschmieden, in denen die zukünftige Parteielite geschult werden sollte. Der Kölner Architekt Clemens Klotz erhielt den Auftrag zum Bau. Im Zweiten Weltkrieg nutzte die Wehrmacht die Anlage. Danach war sie bis Ende 2005 ein Truppenübungsplatz, erst für das britische, dann für das belgische Militär und andere NATO-Einheiten.Seit 2006 ist sie als „Vogelsang Internationaler Platz“ für die Öffentlichkeit zugänglich. Es gibt eine Gedenkstätte, Bildungs- und Sporteinrichtungen. Was die Nazis ursprünglich mit der Ordensburg bezweckten, zeigt die Ausstellung „Bestimmung: Herrenmensch“. Westart-Moderator Thilo Jahn hat sich mit der Bildungsreferentin Andrea Nepomuck auf Vogelsang umgesehen und mit ihr darüber gesprochen, wie Tourismus, Naturerlebnis und Gedenken zusammengehen. Schaubühnen für die Nazis: Die Geschichte der Thingstätten Thingstätten – so nannten die Nazis ihre Freiluftbühnen. Gedacht waren sie für Aufführungen und Versammlungen, die weniger unterhalten als indoktrinieren sollten. 400 waren geplant, 60 wurden errichtet. Eine davon auf der „Ordensburg Vogelsang“. Aber auch die Berliner Waldbühne, populärer Veranstaltungsort für Open-Air-Konzerte, ist ein Relikt aus der Nazizeit. Die Bielefelder Fotografin Katharina Bosse hat 23 Künstlerinnen und Künstler eingeladen, sich mit den Thingstätten auseinanderzusetzen. Sie selbst hat historische Fotos aus dem Archiv der ehemaligen Ordensburg auf die Mauern der einstigen Thingstätte projiziert Jetzt ist ein von ihr herausgegebener Band erschienen, der die Ergebnisse dieses interdisziplinären Kunstprojektes dokumentiert. Westart hat mit Katharina Bosse darüber gesprochen, was es heißt, die Vergangenheit in die Gegenwart zu holen. Zieht euch warm an, es wird heiß! Sven Plöger über den Klimawandel Der Klimawandel war das Topthema des Jahres 2019. Corona hat ihn vorübergehend in den Hintergrund gedrängt. Gelöst aber ist kein einziges der Probleme. Auch jetzt lassen uns Dürre, Hitzerekorde, Waldschäden und Stürme spüren, dass sich das Klima verändert. ARD-Meteorologe Sven Plöger hat ein Buch darüber geschrieben, wie das Klimasystem funktioniert. Fundiert und leicht verständlich erklärt er die komplexen Zusammenhänge. Trotz der hitzigen Aussichten hat er sogar eine gute Nachricht dabei: Wir können das Schlimmste verhindern, vorausgesetzt, wir handeln jetzt! Und damit wir das nicht wieder verschieben, hat er dem Buch einen Praxisteil angehängt mit dem Plädoyer, unseren Lebensstil zu ändern. Dann könnte die Krise von heute eine Chance für die Welt von morgen sein. Freiluft-Fotoausstellung: Alle Kinder haben Rechte! Die vergangenen Wochen waren für uns alle schwer. Besonders hart getroffen hat der Lockdown die Kinder und Jugendlichen. Mit ihren Bedürfnissen und Rechten hat sich der Bielefelder Fotograf Veit Mette beschäftigt. Ende Mai startete seine Outdoor-Fotoausstellung „Alle Kinder haben Rechte!“ Rund 50 Kinder und Jugendliche zwischen zwei und 15 Jahren haben bei seinen Fotoshootings mitgemacht. Ihre Porträts sind jetzt im Großformat an den Häuserfassaden im Bielefelder Stadtteil Baumheide zu sehen. Sie erinnern daran, dass die in der UN-Konvention festgelegten Kinderrechte überall auf der Welt, auch vor und hinter unseren Haustüren gelten. Fasia Jansen: Facetten eines faszinierenden Lebens Sie war Sängerin, Antifaschistin, Friedensaktivistin: Fasia Jansen aus Oberhausen. 1928 als uneheliche Tochter eines schwarzen Liberianers und einer weißen Deutschen geboren, erlebte sie schon als Kind Rassismus und Ausgrenzung. Nach dem Krieg engagierte sie sich in den politischen Kämpfen der jungen Bundesrepublik, trat ab den 60er Jahren bei den Ostermärschen auf und unterstützte mit ihren Songs die Friedens- und Frauenbewegung. Sie starb 1997 in ihrer Wahlheimat Oberhausen. Weil ihre Geschichte heute aktueller ist denn je, haben das Internationale Frauenfilmfestival Dortmund/Köln und Interkultur Ruhr eine Recherche-Residenz ausgeschrieben. Damit soll die Beschäftigung mit Fasia Jansens Werk und Wirken gefördert werden. Filmemacher*innen und Künstler*innern können sich noch bis zum 30. Juni bewerben. (Text: WDR) Deutsche TV-Premiere Sa. 13.06.2020 WDR Folge 17/2020
Folge 17Die Halden im Ruhrgebiet: Die Halden sind die „Berge“ des Ruhrgebiets. Aufgeschüttet aus Abraum, Schlacke und Bauschutt, zeugen sie von der Geschichte des Reviers. Begrünt und „schön gemacht“, lassen die meisten ihre Vergangenheit aber kaum noch erahnen. Mit Kunst, Natur und grandiosen Ausblicken sind sie beliebte Ausflugsziele in der Region. Westart ist am Tag der Sommersonnenwende auf der Halde Hoheward in Herten zu Gast, mit 152 Metern, einer der höchsten Aussichtpunkte im Ruhrgebiet. Schon von Weitem zu sehen sind die Obelisk-Sonnenuhr und die beiden Stahlbögen des Horizontobservatoriums. Was es damit auf sich hat und wie man in den Gestirnen lesen kann, erfährt Westart-Moderatorin Siham El-Maimouni im Gespräch mit Burkard Steinrücken vom Planetarium Recklinghausen.Hip-Hop und coole Musik: Doku über die Rap-Band RAG: Wussten Sie, dass der Deutsch-Rap auch im Ruhrgebiet seine Wurzeln hat? Vor rund 20 Jahren hat die Ruhrpott AG, kurz RAG, zwei Alben – „Unter Tage“ und „P.O.T.T.E.N.T.I.A.L. – vorgelegt und damit den Sound des deutschen Hip-Hops geprägt. Doch auch wenn Jan Delay und Kool Savas noch heute von ihren Vorbildern schwärmen, sind aus RAG keine Popstars geworden. Jetzt erzählen zwei Filmemacher ihre Geschichte. Sie handelt von Freundschaft, Leben, Tod – und dem Ruhrgebiet. Eine Achterbahnfahrt mit spektakulären Höhen und Tiefen. Im Herbst kommt ihre Doku „We Almost Lost Bochum“ ins Kino. Vorab ist sie schon mal in ausgewählten Autokinos zu sehen. Kunst und Bienen: Gereon Krebbers Bienenstock-Skulpturen: Skulpturen, in denen es summt und brummt, wuselt und wimmelt: Gereon Krebber, international renommierter Kölner Bildhauer, hat sie als neues Heim für Bienen geschaffen. „Tnönis“ nennt er seine außergewöhnlichen Tongefäße, in denen Honig- und Wildbienen nebeneinander leben. Sie sind Teil des Projekts „KunstHonig“, für das 13 Künstler*innen Skulpturen als Bienenstöcke entworfen haben. Zu sehen sind sie vom 4. Juli bis zum 16. August in Kölner Privatgärten im Süden der Stadt. Westart hat Gereon Krebber getroffen und mit ihm über Kunst, die krabbelt, gesprochen. Kunst und Künstler*innen am Rande: „Mapping the Collection“ im Museum Ludwig: US-Kunst der 1960er und 70er Jahre? Da fallen einem sofort die Pop-Artisten Warhol und Lichtenstein ein. Was aber ist mit den afroamerikanischen, queeren und indogenen Künstler*innen? Mit denen, die bisher am Rande stehen? Das Museum Ludwig in Köln hat einen Teil seines Sammlungsbestands genauer unter die Lupe genommen und sich gefragt, wie sich Gleichberechtigung, Frauenrechte und Black Power in der US-amerikanischen Kunst jener Zeit widerspiegeln. Das Ergebnis ist noch bis zum 23. August in der Ausstellung „Mapping the Collection“ zu sehen. Sie zeigt, was es jenseits des vertrauten Blickwinkels zu entdecken gibt und wie sehr es sich lohnt, festgefahrene Vorstellungen auch in der Kunst über Bord zu werfen. Mythos und Alptraum: die Autobahn: Sie sind die Lebensadern des Ruhrgebiets: die Autobahnen, die auf über 600 Kilometern das Revier durchqueren. Die A40 ist eine der bekanntesten, der wegen seiner kilometerlangen Staus in „Ruhrschleichweg“ umbenannte Ruhrschnellweg. Wie es zugeht auf den deutschen Highways, das hat Michael Kröchert ein Jahr lang beobachtet. Zwischen blühenden Rapsfeldern und öden Rasthausanlagen, bei rasender Fahrt und in endlosen Staus hat er dem großen Freiheitsversprechen nachgespürt. Und dabei Geschichten gefunden zum Lachen und Weinen. Jetzt ist sein Buch „Autobahn“ erschienen mit Einblicken in ein zerrissenes Land, in dem viel Verkehr herrscht, aber kaum einer weiß, wohin die Reise geht. Röhrensound: Der Saxophonist Armin Küpper: Wie hört er sich an – der Sound aus den Röhren? Das hat sich der nordrhein-westfälische Saxophonist Armin Küpper gefragt, als er beim Joggen Teilstücke von bis zu 400 Meter langen Gasleitungen entdeckte. „Erst hab ich reingesungen und gerufen, dann war mir klar, hier fahr ich heute mit meinem Saxophon hin“, hat der Künstler unter das erste einer Reihe von Pipeline-Videos geschrieben – nachzuhören und zu sehen auch auf seinem Youtube-Kanal. (Text: WDR) Deutsche TV-Premiere Sa. 20.06.2020 WDR
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