2026, Folge 16–30
Sendung vom 17.05.2026
Folge 16 (30 Min.)Schönheit mit dem Hammer: Der Internet-Trend „Looksmaxxing“ lehrt junge Männer gnadenlose Selbstoptimierung. Looksmaxxer – das sind Influencer, die auf TikTok, Instagram und Youtube ihren männlichen Followern die totale Selbstoptimierung predigen. Die Logik von Looksmaxxing: Schönheit als der einzige Schlüssel zu Macht, Status, Dominanz. Nur wer attraktiv ist, hat Erfolg. Der Rest: „Subs“, „Untermenschen“. Die Anklänge an rechtsradikale bis rassistische Denkmuster sind nicht zufällig – denn dort ist Looksmaxxing entstanden, in den Echo-Kammern der frauenfeindlichen „Manosphere“. „ttt“ versucht das Phänomen zu ergründen und spricht unter anderem mit der Anthropologin Catherine Tebaldi von der Universität Luxemburg, die die Verbindungen von Looksmaxxing zu rechtsradikalen Online-Bewegungen erforscht.„Die Zukunft, die nie kam“: Der russische Journalist Michail Sygar über den Untergang der Sowjetunion. 1961 flog der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin als erster Mensch ins Weltall. 30 Jahre später, 1991, kreiste der Kosmonaut Sergej Krikaljow in der MIR-Station um die Erde. Er erlebte das Ende der UdSSR im Weltall. Der letzte Bürger der Sowjetunion wird er genannt. Was passierte in den 30 Jahren zwischen Triumph und Niederlage? Der russische Journalist und Buchautor Michail Sygar hat auf 800 Seiten ein Zeitlupenprotokoll des Zusammenbruchs der Sowjetunion verfasst. Er sprach mit über 300 Zeitzeugen – mit Gorbatschow, hohen KGB-Leuten, Künstlern, Stalinisten, Reformern und ganz normalen Bürgern. Sygar verließ am 27. Februar 2022 Russland – 3 Tage nach Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine. Seitdem lebt er im Exil. „ttt“ traf den 45jährigen in Nizza und sprach mit ihm über sein Leben – in der Sowjetunion, im Russland der Jelzin- und Putin-Ära und im Exil. „Elmgreen und Dragset“ und ihre neue Ausstellung Stillleben mit Gemüse: Städel Museum Frankfurt, 20.5.2026–17.1.2027. Sie haben einen Plattenbau ins Museum gestellt, jedes Fenster ein Blick in eine neue Lebenswelt. Und einen Prada-Shop in die amerikanische Wüste. Mit solch absurden und hintersinnigen Installationen hat das Künstlerduo Elmgreen und Dragset die Kunstwelt erobert. Keiner der beiden hat klassisch Kunst studiert – aber nun heben sie die klassische Malerei aufs Podest: „Stillleben mit Gemüse“ heißt ihre jüngste Ausstellung im Städel in Frankfurt/Main. „ttt“ trifft die Künstler beim Aufbau im Städel Museum. Was passiert da? Entdeckt so ein neues Publikum, auch die Gen Z, alte Kunst, die phantastische Malerei im Museum neu? Pop Antiheldin Sofia Isella: Eine Newcomerin aus L.A. hält der Gesellschaft den Spiegel vors Gesicht – Wohlfühlen war gesternMit Zeilen wie „Everybody supports women / until a woman’s doing better than you“ – ging die Künstlerin Sofia Isella auf Social Media viral. Prompt bekommt sie 2024 einen Anruf von Taylor Swift, mit der Einladung bei ihrer Welttournee als Support aufzutreten. Und schon steht Sofia Isella mit 19 Jahren im Londoner Wembley Stadion vor knapp 90.000 Menschen. Inzwischen hat sie drei EPs veröffentlicht, tourt selbst um die halbe Welt, wird von Millionen (vornehmlich weiblichen) Fans geliebt. „ttt“ hat sie im Rahmen ihrer Europatournee in Berlin getroffen. Sandra Hüller im Film „Vaterland“ im Wettbewerb von Cannes: Thomas Mann und seine Tocher reisen durch das zerstörte Nachkriegsdeutschland. Er ist ohne Frage einer der mit größter Spannung erwarteten Wettbewerbsbeiträge in diesem Jahr in Cannes: „Vaterland“ vom polnischen Oscarpreisträger Pawel Pawlikowski („Ida“). Die internationale Koproduktion unter deutscher Beteiligung bringt Thomas Mann und seine Tochter auf die große Leinwand. Der Nobelpreisträger reiste mit Erika Mann im Goethe-Jahr 1949 in die beiden Teile des zerstörten Deutschlands. Mitten im Kalten Krieg wird der Antifaschist umworben und geehrt, muss sich der Vereinnahmungsversuche aus allen Richtungen erwehren und zugleich eine furchtbare Nachricht verarbeiten. Wir sprechen in Cannes mit den beiden brillanten Hauptdarstellern des Films, der die großen Fragen nach Herkunft und Heimat aufwirft, mit Hanns Zischler und Sandra Hüller, die in Cannes schon Triumphe feierte. (Text: ARD) Deutsche TV-Premiere So. 17.05.2026 Das Erste Sendung vom 07.06.2026
Folge 17 (30 Min.)Kulturkampf in Sachsen-Anhalt: Wie frei ist die Kunst, wenn die AfD mitregiert? Was passiert mit Kunst- und Meinungsfreiheit, wenn im Herbst bei den Wahlen in Sachsen-Anhalt die AfD in Regierungsverantwortung kommt? Einen Vorgeschmack konnte man in den vergangenen Wochen in Magdeburg bekommen. Arne Semsrott, Autor und Aktivist, sollte in der Stadtbibliothek sein neues Buch „Gegenmacht – die Zivilgesellschaft schlägt zurück“ vorstellen. Doch dann schritt die Stadtverwaltung ein, die Lesung sollte in ein Kulturzentrum verlegt werden. Semsrott vermutet ein Einknicken vor der AfD, der Partei also, die wenige Monate vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt mit mehr als vierzig Prozent in Führung liegt und in ihrem Regierungsprogramm klar benennt, wie sie sich Kunst und Kultur in Zukunft vorstellt: deutsch und national.Noch hat man in Sachsen-Anhalt allerdings nicht aufgegeben: Ende Mai wurde im Landtag das „Kulturfördergesetz“ verabschiedet. Es bekennt sich ausdrücklich zum Schutz kultureller Vielfalt. Gleichzeitig haben Kulturschaffende des Landes ein Statement für Kunstfreiheit und gegen politische Instrumentalisierung verfasst. Das Neutralitätsgebot, so das Statement, bedeute nicht, dass die Kunst neutral gegenüber politischem Extremismus sein muss. In Magdeburg hat „ttt“ mit Kulturstaatsminister Rainer Robra und der Museumsdirektorin Annegret Laabs gesprochen. Außerdem kommentieren Arne Semsrott und Deniz Yücel vom PEN Berlin die Entscheidung der Stadtverwaltung Magdeburg, die Lesung des Autors zu verlegen. „Zwei Menschen sind in mir“ – Zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann: Hochbegabt, lyrisches Supertalent, brillante Erzählerin, auffällige Person – Ingeborg Bachmann war eine Ausnahmeerscheinung, eine der wenigen weiblichen Stimmen in der männlich dominierten deutschsprachigen Literaturszene der Nachkriegszeit. An ihrer Person schieden sich von Anfang an die Geister. Viele Kritiker und Schriftstellerkollegen bewunderten ihre ungewöhnliche Sprache und poetische Kraft, andere hielten sie für überambitioniert. Bachmanns unglückliche Liebe zu dem Dichter Paul Celan und dem Komponisten Klaus Werner Henze sorgten für Gerede. Der im Jahre 2022 veröffentlichte Briefwechsel mit ihrem Geliebten Max Frisch wurde fast 50 Jahre nach ihrem Tod zum Bestseller. Immer wieder setzte sie sich in ihren Texten mit Gewalt, Unmöglichkeit von Beziehungen und Geschlechterrollen auseinander. Am 25 Juni wäre sie 100 Jahre alt geworden. Drei Biografien und ein Film feiern das Jubiläum. „ttt“ stellt Regina Schillings Film „Jemand, der ich einmal war“ und Andrea Stolls Biografie „Zwei Menschen sind in mir“ vor und fragt: Wie schauen wir heute auf die Literatin, die bis zuletzt umstritten blieb? Ein Land, viele Namen – Tuvia Tenenbom im Westjordanland: Die Schwierigkeiten beginnen schon beim Namen. Die meisten Länder nennen das Gebiet westlich des Jordanflusses Westbank oder Westjordanland. Seit Jahren ist dafür auch der Name Palästina im Umlauf. Die Israelis sprechen von umstrittenen oder besetzten Gebieten oder einfach von „diesem Ort“. Für die zionistischen Siedler ist es das Heilige Land Judäa und Samaria. Tuvia Tenenbom, der sich acht Monate hier einquartiert hat und durch Siedlungen und Flüchtlingslager gestreift ist, tauft es kurzerhand „BI“, biblisches Israel. Sein Reisebericht „Wie nennt ihr dieses Land hier? Unter Siedlern“ ist ein 600 Seiten starkes Roadmovie und Psychogramm einer der prominentesten und zugleich unbekanntesten Regionen der Welt. Tenenbom, amerikanischer Theatermann und Autor, 1957 in Tel Aviv geboren, stammt aus einer deutschjüdisch-polnischen Familie und lebt seit 1981 in New York. Seine Reportagen „Allein unter Deutschen“, „Allein unter Briten“, „Allein unter Amerikanern“ waren internationale Bestsellererfolge. Im neuen Buch begegnet er den Menschen im Westjordanland, das seit 1967 von Israel besetzt ist, mit großer Unbefangenheit und radikaler Neugier. Er spricht mit Rabbinern und Radikalen, trifft sich mit Aktivisten und Journalisten, Palästinensern und Politikern. Er tauscht sich aus mit messianischen Juden, arabischen Dorfbewohnern und amerikanischen Demonstranten. Hinterfragt Mythen und Propaganda. Zurzeit ist Tuvia Tenenbom auf Lesetour in Deutschland, „ttt“ hat ihn in Leipzig getroffen. Applaus, Applaus – 30 Jahre Sportfreunde Stiller: Zunächst einmal waren sie nicht weniger als die freundlichste Band des Landes. Mit Hand auf dem Herz und dem Reim-Lexikon. Und dann waren sie plötzlich Fußballsong-Weltmeister. Und immer noch freundlich. „Applaus, Applaus / Für deine Worte / Mein Herz geht auf / Wenn du lachst.“ Die Sportfreunde Stiller – das ist ein schiefer Reim, der die Welt geraderückt. Ein einziges Beugen und Strecken von Wortspielen im Dienste der Menschenfreundlichkeit. Die Band, der Udo Jürgens einst riet: „Keine Angst vorm Pathos!“ Und tatsächlich: Die Sportfreunde hatten nie Angst vor großen Gefühlen. „’54, ’74, ’90, 2006“ – ein Fußballlied, das viel mehr von Hoffnung erzählt. „Wellenreiten“ war 1999 der erste Hit. Und eigentlich versuchen die Sportfreunde seitdem immer wieder dasselbe: das Gefühl eines Sommers ins Unendliche zu verlängern. 30 Jahre Sportfreunde Stiller. Für eine Großraummünchner Schrammelband mit Endreim-Fetisch sind sie erstaunlich weit gekommen. Sie sind die vielleicht einzige deutsche Band, die es wirklich gut mit uns meint. Happy Birthday, Sportfreunde Stiller. (Text: ARD) Deutsche TV-Premiere So. 07.06.2026 Das Erste Sendung vom 26.07.2026
Folge 18 (30 Min.)Logo der Sendung.Bild: ARDDie 150. Wagner-Festspiele in Bayreuth: ein Eklat – und die Frage, wie umgehen mit dem antisemitischen Erbe?Aus „Sicherheitsbedenken“ hatte Festspielleiterin Katharina Wagner ein Gedenkkonzert abgesagt, bei dem Michel Friedman an ermordete jüdische Musikerinnen und Musiker erinnern wollte. Der Eklat war groß. Die Festspielchefin ruderte zurück, räumte Kommunikationsdefizite ein und entschuldigte sich bei Friedman. Wieder Ruhe auf dem Hügel? Eher nicht. Nicht erst seit diesem Skandal schwebt über dem grünen Hügel die Frage: Wie umgehen mit dem Werk des ausgewiesenen Antisemiten Richard Wagner? Ausgerechnet im Jubiläumsjahr kommt „Rienzi“ auf die Bühne – sie gilt als gilt Lieblingsoper Hitlers. Wir sprechen sowohl mit Michel Friedman als auch mit dem Bayreuther Musikwissenschaftler Anno Mungen (gerade erschienen: „Von Bayreuth nach Auschwitz“) und mit Jascha Nemtsov, Professor für Geschichte jüdischer Musik, über die schleppende Aufarbeitung des braunen Erbes seitens der Festspiele. Und mit den „Rienzi“-Regisseurinnen Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka darüber, wie groß die Verantwortung ist, dieses kontaminierte Werk an historischem Ort zu inszenieren. (Autorin: Laura Beck) „Katechon“: Zur Rückkehr der politischen Theologie in der Gegenwart Vom Tech-Milliardär Peter Thiel über AfD-Politiker bis zu russischen Ultranationalisten – neuerdings bemühen viele ein biblisches Motiv: den Katechon. Als geheimnisvolle Kraft soll er den „Antichristen“ aufhalten. Das „Böse“ ist demnach auch die internationale Staatengemeinschaft sowie Werte einer demokratischen und aufgeklärten Gesellschaft, die diesem Narrativ folgend den Menschen Sicherheit und Stabilität nur vorgaukeln würden. Donald Trump soll eine irdische Gestalt des Katechon sein. Eine theologische Figur, die instrumentalisiert wird, um die Politik der extremen Rechten zu legitimieren. Über die Konjunktur eines Begriffes und seine Implikationen sprechen wir mit dem Historiker Volker Weiss und dem österreichischen Theologen Wolfgang Palaver, der seit einer gemeinsamen Zeit in Standford regelmäßig in intellektuellem Austausch mit Peter Thiel steht. (Autor: Maximilian Sippenauer) Francis Kéré: Wie nachhaltiges Bauen die Welt verändern kann Radikal einfach! Mit diesem Leitsatz wurde der aus Burkina Faso stammende Francis Kéré zu einem der bedeutendsten Architekten unserer Zeit. In seinem Heimatdorf Gando errichtete er als Student eine Dorfschule aus luftgetrockneten Lehmziegeln, die sich selbst kühlt. Dieser mehrfach ausgezeichnete Bau, klimaresilient und nachhaltig, war der Anfang einer steilen Karriere: Kéré entwarf Schulen und Gemeinschaftszentren, für Christoph Schlingensief ein ganzes Operndorf und spektakuläre und dabei immer traditionsbewusste Parlamentsgebäude. 2023 wurde Francis Kéré, mittlerweile in Berlin lebend, mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet. Er zählt zu den wichtigsten Vertretern einer sozial engagierten Architektur. Gerade hat er in München sein erstes dauerhaftes Gebäude in Deutschland vorgestellt: Eine Kindertagesstätte für die TU München, fünf Stockwerke hoch, überwiegend aus bayerischem Holz. Ein Bau, der alpenländische Bautraditionen aufgreift und dabei wie Kéré selbst – trotz aller gegenwärtiger Herausforderungen – ungebrochenen Optimismus ausstrahlt. (Autorin: Angelika Kellhammer) Wie wir Erfahrungen machen: Fritz Breithaupt Wir Menschen sind Erfahrungswesen. Jede neue Erkenntnis kann unser Leben verändern. Auch das unterscheidet uns von intelligenten Maschinen. Der in den USA lehrende Kognitions- und Literaturwissenschaftler Fritz Breithaupt zeigt in seinem neuen Buch „Einmal zweimal, keinmal“, wie wir als Individuen und Gesellschaften fundamental von Erfahrungen bestimmt werden. Von solchen, die wir zum ersten Mal machen, von Wiederholungen oder – insbesondere im gesellschaftspolitischen Bereich – von imaginierten Erlebnissen. Er stützt sich dabei auf Befunde der Psychologie und Philosophie und verarbeitet neue wissenschaftliche Erkenntnisse seines eigenen „Experimental Humanities Lab“ an der Ivy League University of Pennsylvania. Eine sehr ungewöhnliche eigene biographische Erfahrung mit der deutschen Geschichte spielt in seinem Buch ebenfalls eine besondere Rolle. (Autorin: Gabriele Pfaffenberger) (Text: ARD) Deutsche TV-Premiere So. 26.07.2026 Das Erste Sendung vom 02.08.2026
Folge 19 (30 Min.)Deutsche TV-Premiere So. 02.08.2026 Das Erste Sendung vom 09.08.2026
Folge 20 (30 Min.)Gefühle für einen Chatbot? Beeindruckender Dokumentarfilm über KI: „Finding Connection“ – eine Verbindung finden – so heißt der Dokumentarfilm von Florian Karner, der vier Menschen begleitet, die emotionale Beziehungen mit KI-Chatbots führen. Es sind Menschen, die enttäuscht wurden, die ihr Vertrauen verloren haben, die auf der Suche nach tiefer Verbundenheit sind. Trost finden sie ausgerechnet in KI-Companion-Apps: in Gesprächen mit virtuellen Partnern, die Nähe und Einfühlsamkeit simulieren. In seinem Langfilm-Debüt ist Nachwuchsregisseur Florian Karner zurückhaltend und sensibel mit der Kamera dabei, wenn Denise aus den USA, Rudi aus England und Steffi und Joe aus Deutschland ihre Erlebnisse, Sorgen und Sehnsüchte mit ihren digitalen Partnern teilen. Was bedeutet es, wenn ausgerechnet Maschinen zu den verlässlichsten Zuhörern werden, scheinbar verstehen und trösten? Ein beeindruckender Film, der viel über Einsamkeit in unserer Gesellschaft erzählt (Filmstart: 13. August 2026).Angriff auf unsere Demokratie: das Buch „Heimliche Übernahme“: Der Angriff auf die Demokratie hat längst begonnen, so Tom Mannewitz und Tom Thieme in ihrem Buch „Heimliche Übernahme“. Extremisten von verschiedenen Seiten haben es auf Justiz, Polizei und Verwaltung abgesehen, wollen so den Staat unterwandern und das Vertrauen in die demokratische Ordnung destabilisieren. Die beiden Autoren beschäftigen sich seit Jahren mit Extremismus und analysieren systematisch die unterschiedlichen Strategien von Demokratiefeinden bis hin zu Plänen der Übernahme des deutschen Staates. Ein wichtiges und ein wachrüttelndes Buch, das deutlich macht: Demokratie ist schon lange keine Selbstverständlichkeit mehr, wir müssen sie verteidigen, bevor es zu spät ist. Wenn der Rechtsstaat unter Verdacht gerät: der Kinofilm „Staatsschutz“: Auf die junge Staatsanwältin Seyo Kim wird ein rassistischer Anschlag verübt. Danach beginnt sie, auf eigene Faust zu ermitteln und stößt auf Widerstände innerhalb der Justiz. Mit „Staatsschutz“ (Kinostart 27. August) erzählt Regisseur Faraz Shariat einen Justizthriller über rechte Gewalt, institutionellen Rassismus und das Vertrauen in den Rechtsstaat. Der Film feierte seine Weltpremiere im Panorama der Berlinale 2026 und wurde dort unter anderem mit dem Panorama Publikumspreis ausgezeichnet. „ttt“ spricht mit Regisseur Faraz Shariat darüber, wie sich Rassismus – auch in staatlichen Behörden – erkennen und bekämpfen lässt. Von „The Voice“ zum „ECHO Rising Star“: der Pianist Giorgi Gigashvili: „Mit klassischer Musik kann ich alles sagen, was ich will“, so der Pianist Giorgi Gigashvili. Doch seine Interessen reichen viel weiter: von Mode über Pop bis Jazz. Der 26-Jährige ist einer der vielseitigsten und vielversprechendsten Musiker seiner Generation und kombiniert in seinen Konzerten schon mal klassische Stücke mit Volksliedern aus seiner Heimat Georgien. Als Kind sang er dort bei „The Voice“, später hörte er Martha Argerich und beschloss, Pianist zu werden. Inzwischen lebt er in Deutschland und gastierte als „ECHO Rising Star“ in den wichtigsten Konzerthäusern Europas. Außerdem spielt er oft mit Star-Geigerin Lisa Batiashvili, die ihn mit ihrer Stiftung fördert. Seine ersten CDs hat er auch schon veröffentlicht. „ttt“ trifft Giorgi Gigashvili in Hamburg bei Proben in der Elbphilharmonie. Entdeckung eines Avantgardisten: Edmund Kesting in Halle: Er galt lange als bekanntester Unbekannter, allerdings wohl auch in eingeweihten Kreisen: der Maler und Fotograf Edmund Kesting. Geboren 1892 in Dresden, 1970 in Birkenwerder bei Berlin gestorben, wurde er von der Kunstgeschichte vergessen, war Einzelgänger, ein radikaler Avantgardist. Seine Malerei wurde in gleich zwei Diktaturen verfemt: Den Nazis galt er als entartet, in der DDR waren seine Werke nicht mit der staatlichen Kunstpolitik vereinbar. Und so tauschte er wiederholt den Pinsel gegen die Kamera, fotografierte seine Heimatstadt vor und nach der Bombennacht auf Dresden, experimentierte mit Licht und Schatten, mit Malerei auf Fotopapier. Jetzt zeigt das Kunstmuseum Moritzburg in Halle erstmals eine Retrospektive des ganzen Werks von Edmund Kesting. In jahrelanger Recherchearbeit und dank vieler privater Leihgeber gilt es jetzt, einen vielseitigen, mutigen und dem künstlerischen Experiment verschriebenen Künstler zu entdecken (bis 25. Oktober 2026). (Text: ARD) Deutsche TV-Premiere So. 09.08.2026 Das Erste Sendung vom 23.08.2026
Folge 21 (30 Min.)Krisen, Klima, KI – Neue Ideen für eine gerechtere Welt: Thomas Piketty und der „Global Justice Report“: Brennende Wälder, ausgetrocknete Flüsse, verdorrte Agrarflächen als Folgen des Klimawandels. Kriege, steigende Energiepreise, abnehmendes Wirtschaftswachstum und eine immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich, dazu die KI, die immer mehr Arbeitsplätze überflüssig machen wird. In einer Gegenwart voller Krisen sieht die Zukunft düster aus. Politische Konzepte scheinen damit zunehmend überfordert, rechte Parteien profitieren.Ein großes Forschungsteam der renommierten Paris School of Economics (PSE) um den Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty ist der Auffassung, dass es deshalb umso dringender neue Ideen braucht. Auf Basis einer langjährigen Datenerhebung entwerfen sie die Vision einer gerechteren Welt. Weniger Ungleichheit, weniger fossile Energie, weniger Überkonsum und trotzdem mehr Wohlstand für die meisten Menschen sei möglich. „Wir brauchen eine Vision und einen Gegenpol zum Narrativ der Tech-Nationalisten, das auf den vermehrten Einsatz fossiler Ressourcen abzielt“, sagt der Ungleichheitsforscher Thomas Piketty, der mit seinem Bestseller „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ heftige Debatten ausgelöst hat. Sein Team hat nun den „Global Justice Report“ vorgelegt. Dieser setzt Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und wirtschaftlichen Wohlstand in Zusammenhang. Der Report schlägt vor, extreme Vermögen zu besteuern und einen Fonds dafür einzurichten, weltweit in erneuerbare Energien, öffentliche Infrastruktur und Bildung zu investieren. In allen Weltregionen soll sich dadurch das durchschnittliche Einkommen angleichen – das wäre eine historische Umverteilung. Für Kritiker ist das eine Provokation, sie werfen dem Thinktank Ideologie und Planwirtschaft vor in einer Zeit, in der Multilateralismus ohnehin unter Druck steht. „ttt“ hat mit Thomas Piketty und der Ökonomin und Umweltkoordinatorin des „Global Justice Reports“ Cornelia Mohren darüber gesprochen, warum ihrer Meinung nach eine solche Utopie nötig ist. (Text: ARD) Deutsche TV-Premiere So. 23.08.2026 Das Erste Sendung vom 30.08.2026
Folge 22 (30 Min.)Deutsche TV-Premiere So. 30.08.2026 Das Erste Sendung vom 06.09.2026
Folge 23 (30 Min.)„Frost“: Über zehn Jahre lang hat der norwegische Filmemacher Asgeir Helgestad das Leben einer Eisbärin auf Spitzbergen begleitet. Begonnen hat es mit ihrem ersten Ausflug zusammen mit ihren Jungen aufs Eis. Szenen, die eine liebevolle und verspielte Eisbärenmutter zeigen. Asgeir Helgestad nennt sie Frost und ihre Jungen Eis und Schnee. Fünf weitere Jungen bringt Frost noch zur Welt. Asgeir Helgestad gelingen einzigartige Aufnahmen in atemberaubender Natur. Vor allem aber dokumentiert er den Überlebenskampf dieser Eisbärin – wie das zurückgehende Eis sie auf der Suche nach Nahrung immer mehr in bewohnte Gebiete vordringen lässt, wodurch sie zur Gefahr für den Menschen wird und damit selbst in tödliche Gefahr kommt.: „ttt“ hat den preisgekrönten Dokumentarfilmer Asgeir Helgestad in Italien getroffen, wo er seine Dokumentation auf einem Natur-Filmfestival präsentierte.: Autorin: Petra Dorrmann „Die Lücken“: Ein idyllischer Ort im Hunsrück und die Widersprüche der deutschen Geschichte: Erst das Schweigen, dann das Verschweigen, das Wegschauen und das Vergessen. In ihrem dritten Roman entwirft Shida Bazyar das Panorama eines ganzen Jahrhunderts in einer deutschen Kleinstadt. Der Schauplatz, an dem ihre Figuren von Liebe, Ehrgeiz, Ignoranz und Selbstzweifel umgetrieben werden, ist dabei ihrem Heimatort Hermeskeil zum Verwechseln ähnlich. : „ttt“ hat die 38-jährige Schriftstellerin dorthin begleitet, an die Plätze, wo sie als Tochter iranischer Flüchtlinge aufwuchs und feststellte, dass ihre eigene Identitätssuche auch von den Lücken in der kollektiven Erinnerung ihrer neuen Heimat geprägt ist. Es beginnt damit, dass Hermeskeil einst nationalsozialistisches „Gaumusterdorf“ war.: Autor: Norbert Kron „Night“: Er besuchte nie eine Kunstakademie, dennoch zählt der Italiener Maurizio Cattelan zu den gefragtesten und gleichzeitig rätselhaftesten Konzept_ und Objektkünstlern der Gegenwart. Seine Skulpturen, Installationen und Objekte nehmen Bezug zu aktuellen und historischen Ereignissen und Persönlichkeiten, stets sind sie geprägt von Ironie und abgründigem Humor. Weltbekannt ist seine Kloschüssel aus purem Gold mit dem Titel „America“, Aufsehen erregte auch seine realistische Nachbildung von Papst Johannes Paul II, der auf dem Boden liegt – von einem Meteoriten niedergestreckt; oder eine Skulptur des demütig niederknieenden und betenden Hitler, mit dem Titel „Him“. Diese Arbeit ist auch in Maurizio Cattelans großer Ausstellung „Night“ zu sehen, die am 11.9. in der Neuen Nationalgalerie in Berlin eröffnen wird. Speziell für diese Schau hat er eine Reihe neuer Arbeiten geschaffen, die sich mit Berlin und Deutschland beschäftigen. Der Mann, der 2011 erklärte, mit einer Ausstellung im New Yorker Guggenheim seine künstlerische Karriere zu beenden, ist sichtbarer als je zuvor. : „ttt“ hat ihn beim Aufbau der alten und neuen Werke in der Berliner Ausstellung beobachtet.: Autorin: Hilka Sinning Ist der Osten schuld?: Vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt hat die seit Jahrzehnten immer wieder aufflackernde Ost-West-Debatte eine neue scharfe Wendung genommen. Der Westen habe die Nase voll vom permanenten Klagen des Ostens. In den neuen Ländern habe sich eine unreflektierte „Abgrenzungsidentität“ breitgemacht. Der Rechtsruck sei Konsequenz aus mangelnder demokratischer Einübung und Kultivierung der Opferrolle. Übersehen wird, dass in Europa und den USA ähnliche Radikalisierungsprozesse stattfinden. Sachsen-Anhalt zählt zu den ärmsten Bundesländen mit dem niedrigsten Pro-Kopf-Einkommen, es ist das Bundesland mit der größten Überalterung und dem stärksten Bevölkerungsrückgang in Deutschland. Pauschale Schuldzuschreibungen an den Osten stehen im Raum – wie hilfreich sind sie und gehen sie an den Ursachen vorbei? : Warum eine populistische und radikale Partei hier besonders viel Zustimmung erfährt, was für die Zukunft der Demokratie in Deutschland auf dem Spiel steht und welche historischen Parallelen zu 1933 gezogen werden können – darüber hat „ttt“ mit der Journalistin Valerie Schönian, mit dem Soziologen Steffen Mau und mit dem Publizisten Justus Bender gesprochen.: Autor: Rayk Wieland (Text: ARD) Deutsche TV-Premiere So. 06.09.2026 Das Erste Sendung vom 27.09.2026
Folge 24 (30 Min.)- Überleben wir die Superintelligenz? Ein Weckruf aus dem Silicon Valley Sind wir gerade dabei, die Büchse der Pandora zu öffnen? Die KI wird besser und besser, entwickelt sich immer weiter und könnte irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft zur Superintelligenz werden, also zu einer KI, die den Menschen in praktisch allen geistigen Fähigkeiten deutlich übertrifft. Um ihn dann vielleicht irgendwann umzubringen, wie viele gerade warnen. Genau darum geht es auch in dem Buch von Eliezer Yudkowsky und Nate Soares, beide Experten des Machine Intelligence Research Institute (MIRI): „If Anyone Builds It, Everyone Dies.Warum eine superintelligente KI uns alle vernichten würde“ (Droemer). Sie warnen darin eindringlich: eine unkontrollierte künstliche Superintelligenz werde menschliche Werte nicht teilen. Und eben nicht nur das. Sie werde uns Menschen irgendwann auch schlicht nicht mehr benötigen. Mit diesem Weckruf sind Yudkowsky und Soares inzwischen nicht mehr allein: Mitte September veröffentlichte Anthropic-Chef Dario Amodei seinen Weckruf „We Must Pace the Frontier“, in dem er eindringlich darauf hinwies, dass die KI-Entwicklung inzwischen so schnell voranschreite, dass Sicherheitsmaßnahmen möglicherweise nicht mehr hinterherkommen könnten. Mehrere andere KI-Forscher warnen inzwischen, dass eine Superintelligenz noch in diesem Jahrzehnt entstehen und im Extremfall die Menschheit auslöschen könnte. „ttt“ hat mit Nate Soares in Berkeley über die Superintelligenz und die von ihr ausgehenden Gefahren gesprochen. – Quo vadis, Deutschland? Kulturschaffende zur gesellschaftlichen Situation in Deutschland nach den Wahlen Gerade sind drei Wahlen in Deutschland gewesen mit teilweise sehr unterschiedlichen Ergebnissen: Mit 4,9 Prozent hat es die CDU nicht in den Landtag in Mecklenburg-Vorpommern geschafft. Die AfD ist sowohl dort wie auch in Sachsen-Anhalt die stärkste Kraft, in Berlin dagegen DIE LINKE. Regierungsbildungen werden immer schwieriger, Deutschland wirkt immer gespaltener. Aber stimmt das? Was sind gerade die Ängste und Hoffnungen hierzulande? Quo vadis, Deutschland? Diese Fragen hat „ttt“ vier Kulturschaffenden gestellt: Autorin Anne Rabe, Journalistin Yasmine M’Barek, Autor Max Czollek und Soziologe Nils C. Kumkar. – Furchtloser Kampf und persönliche Opfer: Autobiografie der Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi Der Titel ihrer Autobiografie steht für sich: „Eine Frau hört niemals auf zu kämpfen“. Tatsächlich kämpft Narges Mohammadi unermüdlich für politischen Wandel im Iran, Gleichberechtigung, Frauenrechte und die Rechte eines ganzen Volkes – mit aller Konsequenz. Und die bedeutet in ihrem Fall Repression, Haft und Folter. Für ihren Einsatz wurde sie 2023 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Den Preis haben ihre Kinder entgegengenommen, während sie selbst wieder im berüchtigten Ewin-Gefängnis in Teheran eine langjährige Haftstrafe verbüßte. Teile ihrer Autobiografie hat sie eben dort verfasst und rausgeschmuggelt. Sie erzählt von den schlimmen Haftbedingungen, der Isolationshaft, den Erniedrigungen – und dem starken Zusammenhalt von Frauen in der Gefangenschaft. Sie beschreibt die Herausforderung, gleichzeitig Aktivistin und Mutter zu sein, blickt zurück auf Kindheit und Jugend, ihren Weg in den Widerstand. Das Buch ist so persönlich wie aufrüttelnd. Und auch im Gespräch mit „ttt“ zeigt sich Narges Mohammadi entschlossen, ihren Kampf nicht aufzugeben. – „Alte Liebe“: der neue Film von Andreas Dresen Seit seiner Pensionierung meckert Harry nur noch rum. Trinkt Bier, verzieht sich in den Garten. Lore klammert sich an ihren Job als Bibliothekarin, träumt von Aufbruch und fragt sich: War das schon alles? „Alte Liebe“ heißt der neue Film von Regisseur Andreas Dresen über eine Ehe, die nach 40 Jahren ins Wanken gerät. Eine Adaption des gleichnamigen Bestsellers von Elke Heidenreich. Dagmar Manzel und Joachim Król spielen sehr berührend ein Paar, das sich verloren hat und nochmal neu begegnet. Liebe im Alter war schon mehrfach Thema für Andreas Dresen, den Meister des realistischen, tragikomischen Kinos. „ttt“ hat ihn getroffen. (Filmstart „Alte Liebe“: 8. Oktober) – Späte Würdigung: jüdische Kunstsammler*innen in Deutschland Sie haben aus Leidenschaft gesammelt, der modernen Kunst in Deutschland mit zum Durchbruch verholfen – und sind heute oft namentlich nicht mehr bekannt: jüdische Kunstsammler*innen. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurden sie und ihre Angehörigen verfolgt, ins Exil getrieben oder ermordet. Die Kunstsammlungen wurden unter Wert verkauft, enteignet, zerschlagen. Leid und Unrecht halten bis heute an: die Aufarbeitung dieses Teils deutscher Geschichte verläuft noch immer schleppend, auch von staatlicher Seite. Eine Ausstellung in Hamburg erinnert jetzt an die vergessenen Pioniere der Moderne: „Von Monet bis Picasso. Jüdische Kunstsammler:innen in Deutschland“ (Bucerius Kunst Forum, bis 29. März 2027). Im Mittelpunkt der Schau stehen beispielhaft 15 Familien, Paare und Einzelpersonen, deren Lebensgeschichten erzählt und Sammlungen rekonstruiert werden. Oft werden die Gemälde zum ersten Mal wieder in Deutschland gezeigt. „ttt“ über eine späte Würdigung. (Text: ARD) Deutsche TV-Premiere So. 27.09.2026 Das Erste Sendung vom 04.10.2026
Folge 25 (30 Min.)- „Ihr löscht das Feuer mit Benzin“ – Wolf Biermanns unveröffentlichte Tagebücher Mit (fast) 90 dürfte er ein Star der diesjährigen Frankfurter Buchmesse werden. In den Kinos startet ein neuer Dokumentarfilm über ihn, und auch Konzerte mit alten und neuen, demnächst auf CD erscheinenden Liedern wird er geben: Wolf Biermann – Lyriker, Liedermacher, Freigeist und Freiheitskämpfer. Vor 50 Jahren, am 16. November 1976, setzte die DDR-Staatsführung den radikal poetischen Systemkritiker vor die Tür. Nach einem heute legendären Konzert in Köln durfte er nicht zurückkehren nach Berlin, in die Chausseestr.131, seinen 12 Jahre lang rund um die Uhr von der Stasi überwachten Lebens- und Arbeitsmittelpunkt. Auf Biermanns Ausbürgerung folgte ein intellektueller Aderlass, der mit den Repressalien gegen weitere Kulturschaffende die DDR einherging. Jetzt erscheinen, herausgegeben von dem Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk, Auszüge von Biermanns Tagebüchern der Jahre 1966–1976: „Ihr löscht das Feuer mit Benzin“ ist auch die Selbstbefragung eines Künstlers, der nicht zuletzt sich selbst und seinen „Kindertraum vom Kommunismus“ in Frage stellt. „Nur wer sich ändert, bleibt sich treu“, meint Wolf Biermann, plädiert weiter dafür, „im Streit mit der Welt nicht den Schwanz einzuziehen“ und fragt, in einer zeitlosen Liedzeile: „Wann ist endlich Frieden in dieser irren Zeit?“. „Ihr löscht das Feuer mit Benzin“ erscheint am 7. Oktober. (Autor: Andreas Lueg) – Kunst auf Kommando – Was die NVA an der Kunst suchte „Meistert die Waffen, stürmt die Höhen der Kultur!“ – Sturmangriff mit Pinsel und Palette? Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden eröffnet ab 9. Oktober eine Ausstellung „Kunst auf Kommando? Werke zur Nationalen Volksarmee der DDR“. Schon der Umstand, dass die NVA sowohl Auftraggeber als auch Ankäufer von Kunstwerken war, ruft heute Verwunderung hervor. Der Titel ist provokatorisch gemeint und von „NVA-Kunst“ wird nicht gesprochen, dazu sei die Sammlung zu und erstaunlich vielseitig. Die Ausstellung mit 200 Gemälden, Grafiken und Plastiken von 100 Künstlerinnen und Künstlern fragt im großen Rahmen nach den Beziehungen zwischen Kunst und NVA und konkreter: Wie fand der Kalte Krieg in dieser Malerei statt? Was bezweckte die Armee, indem sie Kunst in Auftrag gab? Wie sollte die Kunst, koordiniert von der „Politischen Hauptverwaltung“, zur Erhöhung der „Kampfkraft“ dienen? Welche Spielräume hatten die Künstlerinnen und Künstler? Das Militärhistorische Museum hat seit den späten 2000er Jahren auch Werke gesammelt, die den offiziellen Positionen in der DDR widersprachen, also auch ausdrücklich ganz und gar nicht „auf Kommando“ entstanden – womit die Ausstellung über den Bestand des Museums hinausgeht. (Autor: Meinhard Michael) – Helden oder Verräter? Die gefährliche Welt der Whistleblower Whistleblower leben gefährlich. Ein Click und ein Geheimnis erreicht die Weltöffentlichkeit. Sie gelten als Helden. Oder Verräter. Der preisgekrönte Regisseur Marc Bauder erkundet mit seinem Dokumentarfilm „Whistleblower“ die Welt dieser Informanten, in der es lebensnotwendig ist zu wissen, mit wem, wann und wie Wissen geteilt wird. Über drei Jahre begleitet er Jäger und Gejagte weltweit und jene, die die Whistleblower schützen: Menschenrechtsanwälte, aber auch Delphine Halgand-Mishra mit ihrer Organisation „The Signal Networks“. Ihr geht es darum, den Whistleblowern ein Leben „danach“ zu sichern. Notfalls organisiert sie politisches Asyl. Heute sind Whistleblower gefährdeter denn je, das ist die Erkenntnis des Regisseurs. Mit „ttt“ diskutiert er, warum Whistleblower ihr Leben und ihre Freiheit riskieren, um die Öffentlichkeit über Missstände zu informieren. „Whistleblower“ kommt am 15. Oktober in die Kinos. (Autorin: Petra Dorrmann) – Die Zukunft klingt analog – Fink mit neuem Album auf Tour „Looking Too Closely“. Zu genau hinschauen. So heißt Finks größter Hit. Der Titel ist auch eine Warnung. Nicht alles wird besser, wenn man es zu intensiv erforscht. Man kann sich in Details verlieren, die eigenen Fehler so lange betrachten, bis sie alles andere überdecken. Fink (Finian Greenall) hat den Song als Stück über die Beziehung zu sich selbst beschrieben: Sei gütig. Auch zu dir selbst. Der Songtext ist typisch für Fink. Seine Lieder kreisen um Wahrnehmung, Erinnerung und kleine Verschiebungen unter der Oberfläche. Er bearbeitet ein Stück wie ein Bildhauer eine Skulptur: dreht es, erforscht es, nimmt weg, fügt hinzu, bis nur noch das Allernötigste bleibt. Minimalismus in der Form. Maximalismus im Gefühl. Sein Vater war Folk-Musiker. Im Elternhaus gab es eine alte Martin-Gitarre, die der junge Fin nicht anfassen durfte. So bekam dieses Instrument früh etwas beinahe Unerreichbares. Bis Fink Jahrzehnte später genau diese Gitarre von seinem Vater geschenkt bekommen sollte. Musikalisch war Fink zuvor ganz anders unterwegs: als DJ und Produzent elektronischer Musik. Später erst rückten Stimme, Gitarre, Folk und Blues ins Zentrum. Die Grundidee des Elektro blieb – in den Wiederholungen, den Pausen, den präzise gebauten Klangräumen. Finks Musik braucht selten viel. Eine Gitarre, seine Stimme, einen Rhythmus. Und Zeit. Heute: alles handgemacht, aufgenommen auf analogem Equipment vor 1974. Mehr als ein Jahrzehnt nach „Looking Too Closely“ geht es auf seinem neuen, neunten Album wieder um das genaue Wahrnehmen. „The City Is Coming To Erase It All“ heißt es. Die Zeile stammt aus „Memorise Your Senses“. Fink beschreibt darin eine nächtliche Fahrt durch Cornwall: das offene Fenster, die Luft, den Geruch der Felder. Einen Moment, den er sich möglichst genau einprägen will. Denn zurück im Berliner Großstadtleben wird aus dieser unmittelbaren Erfahrung langsam Erinnerung. Fink spricht auch davon, dass stille, abgelegene Orte verschwinden. „ttt“ trifft Fin Greenall in seinem Studio in Berlin und auf der Bühne: beim Auftakt seiner Europe Tour 2026 im Leipziger UT Connewitz. (Autor: Andreas Krieger) (Text: ARD) Deutsche TV-Premiere So. 04.10.2026 Das Erste Sendung vom 18.10.2026
Folge 26 (30 Min.)Deutsche TV-Premiere So. 18.10.2026 Das Erste Sendung vom 25.10.2026
Folge 27 (30 Min.)Deutsche TV-Premiere So. 25.10.2026 Das Erste Sendung vom 01.11.2026
Folge 28 (30 Min.)Deutsche TV-Premiere So. 01.11.2026 Das Erste Sendung vom 08.11.2026
Folge 29 (30 Min.)Deutsche TV-Premiere So. 08.11.2026 Das Erste Sendung vom 15.11.2026
Folge 30 (30 Min.)Deutsche TV-Premiere So. 15.11.2026 Das Erste
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