Folge 33

  • Wenn Wut eskaliert: Ist Frankreich Vorbote für Deutschland?

    Folge 33 (42 Min.)
    Liberté, égalité, brutalité – die Bilder der Verwüstung aus Frankreich sind verstörend. Sind sie auch ein Menetekel für Deutschland? Was Anfang September mit friedlichen Protesten über den maroden Zustand der Schulen begonnen hatte, endete letztes Wochenende in einem Gewaltinferno. Mehr als eine halbe Million Menschen beteiligte sich im ganzen Land an teils gewaltsamen Demonstrationen. Übrig blieben verletzte Polizisten, geplünderte Geschäfte, zerstörte Gebäude. Seit dem Wochenende wurden rund 2.700 Menschen festgenommen. Für diesen Samstag haben die sogenannten Gelbwesten erneut landesweite Proteste angekündigt. Schafft es die Regierung, die aufgeheizte Stimmung unter Kontrolle zu bringen? Um die Polizei zu entlasten, wurde das Militär aktiviert. Die Unzufriedenheit entzündet sich bei unserem Nachbarn nicht nur an der Bildungsmisere, sondern an hohen Lebenshaltungskosten, gesellschaftlicher Spaltung und ungelösten Migrationsproblemen. Der französischen Minderheitsregierung fehlt das Geld, um die sozialen Probleme aus der Welt zu schaffen. Die Folge: Die politischen Ränder werden immer stärker. Droht Deutschland eine ähnliche Situation? Die Probleme sind jedenfalls vergleichbar. Auch
    hierzulande sind die Schulen marode, die Pisa-Ergebnisse historisch schlecht. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt investieren beide Länder relativ wenig in Bildung. Spätestens seit dem Irankrieg schnellen die Lebenshaltungskosten in die Höhe, bezahlbare Wohnungen sind rar. Und Deutschland hat ebenso wie Frankreich mit Migrationsproblemen zu kämpfen. Das Vertrauen der Menschen in die Lösungskompetenz der Mitte-Parteien schwindet diesseits und jenseits des Rheins. Schwappt die Protestwelle auch auf Deutschland über? Für den nächsten Samstag ruft ein Bündnis unterschiedlicher Gruppen zu friedlichen Demonstrationen für mehr Investitionen in Bildung, ein bezahlbares Leben und gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht auf. Allerdings befürchten Sicherheitsbehörden, dass radikale und extremistische Gruppen die angekündigten Proteste für ihre Zwecke kapern könnten. Schon jetzt kursieren im Netz Gewaltaufrufe. Was muss die schwarz-rote Koalition tun, um die wachsende Unzufriedenheit im Land zu beruhigen, damit sie nicht wie in Frankreich in Wut und Gewalt umschlägt? Darüber diskutiert Susan Link mit den Gästen: Hannah Bethke, WELT Stephan Detjen, Deutschlandfunk Ulrich Reitz, FOCUS Britta Sandberg, DER SPIEGEL (Text: ARD)
    Deutsche TV-Premiere So. 25.10.2026 Das Erste

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