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    2008/2009, Folge 1–20

    • Folge 1 (30 Min.)
      Zum Thema Macht: Was hat Tocqueville mit Nicolas Sarkozy im Trainingsanzug und einem Gemälde von Ludwig XIV. zu tun? Mehr als man auf den ersten Blick wahrzunehmen vermag. Zusammen mit einer Spezialistin für politische Philosophie, Céline Spector, Dozentin an der Universität Bordeaux und Mitglied des Institut universitaire de France (IUF), macht der Moderator und Philosoph Raphaël Enthoven grundlegende Fragestellungen anschaulich und lädt zum Mit- und Nachdenken ein: Woher kommt Macht? Ist sie gottgegeben? Oder gar natürlich? Wie lässt sie sich legitimieren? Und wie hat das Internet die moderne Demokratie von heute verändert? (Text: arte)
      Deutsche TV-PremiereSo 19.10.2008arte
    • Folge 2 (30 Min.)
      „Bei dem, was wir gewöhnlich Freunde und Freundschaft nennen, handelt es sich allenfalls um nähere Bekanntschaften, die bei gewissen Anlässen oder um irgendeines Vorteils willen geknüpft wurden und uns nur insoweit verbinden. Bei der Freundschaft hingegen, von der ich spreche, verschmelzen zwei Seelen und gehen derart ineinander auf, dass sie die Naht nicht mehr finden, die sie einte“, schrieb Montaigne in seiner „Abhandlung über die Freundschaft“.
      Dieses Zitat nehmen Raphaël Enthoven und sein Gast Vincent Cespedes zum Ausgangspunkt, um über den Begriff der „Vermischung“ zu diskutieren. Unter dem Titel „Mélangeons-nous: Enquête sur l’alchimie humaine“ (2006) ist von Cespedes in Frankreich vor wenigen Jahren auch ein Buch zum Thema erschienen.
      Einerseits beschäftigt sich die heutige Sendung mit dem Phänomen der „Vermischung“ im Privaten, das heißt mit der Bedeutung von absoluter Liebe und Freundschaft, aber andererseits auch damit, wie der Begriff der Vermischung im politisch-gesellschaftlichen Sinn zu verstehen ist, wenn das Individuum in der Masse aufgeht – sei es im bunten Gemisch der Multikultigesellschaft, bei politischen Kundgebungen oder Massendemonstrationen wie bei den Pariser Mai-Unruhen von 1968.
      Für Raphaël Enthoven und seinen Gast Vincent Cespedes ist Vermischung letztendlich eine Form der Kommunikation. Deshalb philosophieren sie auch nach Ende der Sendung gemeinsam noch ein wenig weiter… (Text: arte)
      Deutsche TV-PremiereSo 26.10.2008arte
    • Folge 3 (30 Min.)
      Nach der Unterzeichnung eines einträglichen Vertrages stößt ein Minister mit seinem chinesischen Amtskollegen an: eine banal anmutende Geste mit katastrophalen Auswirkungen. Wer trägt die Schuld?
      Inwieweit muss man die Verantwortung für sein Handeln übernehmen, wenn es durch Umstände, die man zuvor nicht in Betracht gezogen hatte, unvorhersehbare Folgen nach sich zieht, wenn eine gut gemeinte Absicht Schaden anrichtet?
      Soll man einen Menschen töten, um das Leben Tausender zu retten oder umgekehrt das Leben eines Einzelnen retten und dadurch, das von Hunderten aufs Spiel setzen?
      Raphaël Enthoven und sein Gast Gérôme Truc diskutieren zahlreiche Aspekte rund um das Thema Verantwortung. (Text: arte)
      Deutsche TV-PremiereSo 02.11.2008arte
    • Folge 4 (30 Min.)
      Was ist hässlich, was ist schön? Die Abgrenzung fällt schwer, schon allein deshalb, da unsere Vorstellungen von Hässlichkeit und Schönheit kulturell unterschiedlich geprägt sind. Fest steht: Etwas ist schön, wenn es nicht hässlich ist. Wie stellt sich der Begriff der Hässlichkeit aber dar, wenn er für sich betrachtet wird? Ist Hässlichkeit überhaupt ohne den Gegenpart Schönheit zu denken?
      Das erörtern Gwenaëlle Aubry und Raphaël Enthoven an verschiedensten Beispielen aus der Malerei und Literatur: Ausgehend von Michelangelo Caravaggios Gemälde „Das Haupt der Medusa“ und Courbets Bild „Der Ursprung der Welt“ nähert sich die Sendung dem Begriff an sich, aber auch den Empfindungen, die Hässlichkeit im Menschen auslösen. Im Laufe der Zeit hat sich der Begriff der Hässlichkeit vielfach gewandelt. Vom antiken Schönheitsbegriff, dargestellt in Platons „Gastmahl“ führt die Sendung bis zu Jean-Paul Sartres „Der Ekel“. Oder ist Schönheit letztlich gar etwas „Monströses“, wie Baudelaire in den „Blumen des Bösen“ schrieb? (Text: arte)
      Deutsche TV-PremiereSo 09.11.2008arte
    • Folge 5 (30 Min.)
      Auch Optimisten kennen diesen Zustand manchmal, diese abgrundtiefe Traurigkeit, die an grauen wie an strahlenden Tagen zuschlagen kann – ohne Grund. Die Ursache der Schwermut liegt in uns selbst, weshalb es auch kein Entrinnen gibt. Melancholie ist der nicht totzukriegende Weltschmerz, Auslöser für Nachdenklichkeit oder gar Selbstmordgedanken und Triebkraft für schwelgerische Schriftsteller und romanistische Künstler gleichermaßen.
      „Wenn Furcht und Traurigkeit lange Zeit anhalten, ist dies ein melancholischer Zustand“ – so beschreib Hippokrates die krankhafte Schwermut und auch bei Shakespeares Bühnenfigur Hamlet ist der Übergang von der Nachdenklichkeit zum Wahn fließend. An diesen und anderen Beispielen zeigt Raphaël Enthovens Gast Frédéric Gabriel, dass Menschen von jeher schwermütig waren und sind, auch wenn diese Gefühlslage heute meist unter den Begriff Depression fällt. (Text: arte)
      Deutsche TV-PremiereSo 16.11.2008arte
    • Folge 6 (30 Min.)
      Was ist der Mensch philosophisch betrachtet? Eine Antwort könnte ganz einfach sein: Körper und Geist. Im Unterschied zum nicht fassbaren Geist ist der Körper ein greifbarer Gegenstand. Aber ist er deshalb einfacher zu begreifen? Inwiefern hat der Mensch einen Körper und welche Bedeutung hat er für ihn? Handelt der Mensch nicht, als wäre er ein freies geistiges, also körperloses Wesen? Raphaël Enthoven erörtert mit seinem Gast Marion Richez die Schwierigkeit, mit dem eigenen Körper zu leben.
      Der philosophische Parcours, den Raphaël Eindhoven in dieser Sendung unternimmt, behandelt Texte von Descartes, Merleau-Ponty, Paul Valéry, Rimbaud und Nietzsche. Dabei vertieft sich Eindhoven in einen Diskurs über christliche, platonische, apollinische und dionysische Vorstellungen vom Körper. Unter anderem anhand von Fotos des Modells Isabelle Caro, der Tänzerin Maria Donata d’Urso und des Gemäldes „Feuerbild“ von Yves Klein zeigt die Sendung, wie wir den Körper in seinen unterschiedlichen Ausprägungen wahrnehmen und inwieweit dies unser Schönheitsideal beeinflusst. (Text: arte)
      Deutsche TV-PremiereSo 23.11.2008arte
    • Folge 7 (30 Min.)
      Was gibt ein Gesicht preis und was nicht? Was kann man aus einem Gesicht herauslesen und was nicht? Der Frage, inwieweit das Gesicht Spiegel unserer Seele ist, gehen Raphael Eindhoven und sein Gast Dan Arbib wie in jeder Sendung anhand unterschiedlicher Werke aus Literatur, Malerei und Philosophie nach.
      Flauberts Sittenroman „Madame Bovary“ erfährt ebenso eine genauere Betrachtung wie Magrittes rätselhaftes Gemälde „Die Liebenden“ (1928). Es zeigt ein küssendes Paar, deren Gesichter mit einem weißen Tuch verschleiert sind.
      Raphael Enthovens Gast Dan Arbib vertritt die Ansicht, dass einem die Wahrheit eines Gesichts erst deutlich wird, sobald man die einzelnen Züge vergessen hat und wahrnehmen kann, was sich dahinter verbirgt – auch das, was eigentlich gesichtslos ist wie die Liebe. Feststeht am Ende: Das Gesicht ist ein Rätsel, aber kein Geheimnis. (Text: arte)
      Deutsche TV-PremiereSo 30.11.2008arte
    • Folge 8 (30 Min.)
      Unsere gängige Vorstellung von Inspiration bewegt sich zwischen zwei Polen: dem der Theologie – im Sinne von göttlicher Eingebung – und dem der romantischen Verklärung – im Sinne von Eingebung durch eine künstlerische Muse oder Genialität. Was der Inspiration folgt, ist die Erleuchtung, die zündende Idee, die Licht ins Dunkel bringt.
      „Wenn man von Eingebung oder ‚Inspiration‘ spricht, verspürt man im Allgemeinen eine Art Scham, denn der Begriff ist vorbelastet: einerseits durch die Religion, die darin Transzendenz, den göttlichen Funken erkennt, andererseits durch die Romantik und ihre Verklärung des Genies, als Wegbereiterin des Dilettantismus.“
      Dieses Zitat aus „Irgendwo im Unvollendeten“ von Vladimir Jankélévitch greift Marianne Massin, der heutige Gast der Sendung, in ihrem Buch „La pensée vive“ auf, das sich mit dem Thema der Inspiration in philosophischer Hinsicht auseinandersetzt. Auch heute ist das Zitat Ausgangspunkt für ihre Überlegungen.
      Gemeinsam mit Raphaël Eindhoven lässt sie sich bei ihrem philosophischen Rundgang von Werken aus Literatur und Kunst inspirieren, und zwar unter anderem von einem Gemälde des französischen Malers Nicolas Poussin, das den Titel „L’Inspiration du poète“ (Die Inspiration des Dichters) trägt. Am Ende tröstet die Erkenntnis, dass Inspiration nicht immer von selbst kommt, sondern dass man auch an ihr arbeiten kann, indem man sich der Welt öffnet. Also: Be inspired! (Text: arte)
      Deutsche TV-PremiereSo 07.12.2008arte
    • Folge 9 (30 Min.)
      Der Grad der Liebe ist in der Freundschaft größer als in der Liebe selbst. Verschiedene Philosophen haben sich über die Jahrhunderte hinweg immer wieder mit dem Begriff der Freundschaft auseinandergesetzt, sie alle besaßen Freunde und Vertraute und wussten doch nicht das Rätsel um die Freundschaft zu lösen. Bei Geschäften und in der Freundschaft ginge es immer nur um eins, den Gewinn, sagte beispielsweise Rochefoucauld und Aristoteles fragte sich, wie viele Freunde der Mensch überhaupt bräuchte. Aber was ist das überhaupt, ein Freund? Was suchen wir in ihm?
      Ob Molière, Rousseau, Nietzsche, Camus, Platon, Staatschefs oder aber populäre Filme wie „Blues Brothers“ oder der letzte französische Kinoerfolg „Willkommen bei den Sch’tis“, ganz verschiedene Beispiele ziehen Raphaël Eindhoven und sein Gast Dimitri El Murr heran, um sich dem Begriff der Freundschaft zu nähern. Es ist ein Begriff, der sich der Analyse verweigert, obwohl er so gebräuchlich verwendet wird. Sie analysieren, dass Freundschaft sowohl Gleichwertigkeit, als auch Toleranz von Unterschieden impliziert und häufig die geltende Moral außer Kraft setzt.
      Die heutige Sendung untersucht Freundschaften sowohl zwischen Philosophen, Christen, Staatsmännern und Hippiekommunen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Definition des Freundschaftsbegriffes zu finden. (Text: arte)
      Deutsche TV-PremiereSo 04.01.2009arte
    • Folge 10 (30 Min.)
      Raphaël Enthoven und sein Gast Dorian Astor, Philosoph, Germanist und Nietzsche-Kenner, machen in der heutigen Folge von „Philosophie“ Musik zum Thema und gehen dabei der Botschaft universeller Klänge auf den Grund. Die beiden sind sich einig: Musik ist als Sprache zu verstehen, in ihr drückt sich etwas aus, was über den einzelnen Menschen und einen objektiven Sinn hinausgeht.
      Dabei kommt die in die Antike zurückgehende Theorie der Sphärenmusik, die eine Beziehung zwischen Mathematik, Kosmos und Musik herstellt, genauso zur Sprache wie Jean Jacques Rousseaus „Essay über den Ursprung der Sprachen“. Der von Deleuze und Guattari definierte Begriff der Klangterritorien führt Raphaël Enthoven zu den Opern Wagners, in denen Nietzsche, den Ausdruck des Dionysischen, also einer höheren Kraft sah.
      Und was bedeutet das alles für die Philosophie? Der Kreis vom Verhältnis zwischen Musik und Philosophie schließt sich am Ende mit der Erkenntnis: Jede konsequente Philosophie ist im Prinzip Ausdruck musikalischen Frohlockens. (Text: arte)
      Deutsche TV-PremiereSo 18.01.2009arte
    • Folge 11 (30 Min.)
      Meistens geht man der Dummheit gerade dann auf den Leim, wenn man glaubt, sich ihr entziehen zu können – und eben darin liegt ihre unerkannte Gefahr. Denn die Dummheit ist nie weit weg und nicht nur bloß nebenan, sondern lauert im Kopf eines jeden. Sie ist der unentbehrliche Hofnarr der Königin Intelligenz.
      Auf der Suche nach der Antwort, wo genau sich Dummheit einnistet, spüren ihr Raphaël Enthoven und sein Gast Alain Roger in Vergangenheit und Gegenwart nach und begegnen ihr an den unglaublichsten Orten. Ob in zeitgenössischen Cartoons, Satres „Ekel“, einem unbekannten Stich aus dem 19. Jahrhundert oder auf einer bekannten Reklametafel – stets entblößen sie die Dummheit in jenen Momenten der Selbstzufriedenheit, eben dann, wenn man sich vor ihr sicher wähnt. (Text: arte)
      Deutsche TV-PremiereSo 08.02.2009arte
    • Folge 12 (30 Min.)
      Seine Gefühle oder Emotionen erlebt der Mensch im Allgemeinen als etwas Spontanes, Aufrichtiges und Authentisches – und doch kann ein Mensch Gefühle vortäuschen. Aber was noch viel schlimmer ist: Emotionen können auch der Manipulation dienen. Diesem Paradox geht Raphaël Enthoven heute mit der Philosophin Mériam Korichi auf den Grund und liefert dabei einige Antworten zum Verständnis der komplexen Funktionsweise von Gefühlen, die einerseits spontaner Ausdruck sind, andererseits aber auch gesteuert werden können.
      Ob Trauer oder Freude, ob von Politikern, Sportlern oder Künstlern – oft erscheinen Emotionen geradezu als Werkstoff: Sie existieren bereits, können jedoch auch bearbeitet und bewusst eingesetzt werden. Warum können Theaterzuschauer beispielsweise Gefühle nachempfinden, die Darsteller nur spielen? Und warum ist Begeisterung unter Fußballfans ansteckend und reißt jeden mit? Spielt sich im offenbar so spontanen Freudentaumel etwa ein fest gefügtes Ritual ab? Raphaël Enthoven behandelt diese und andere Fragen in der heutigen Sendung wie immer mit viel Gefühl und Leidenschaft für die Philosophie. (Text: arte)
      Deutsche TV-PremiereSo 22.02.2009arte
    • Folge 13 (30 Min.)
      Arbeit bedeutet nicht nur Wohlergehen und Unabhängigkeit, sondern auch Anstrengung oder sogar Tod. Arbeit ist immer schon zweischneidig, sie ist Pein und Vergebung, Folter und Erfüllung. Hinzu kommen die Vielgestaltigkeit unserer Gesellschaft und die dadurch dem Individuum abverlangte Flexibilität, eine explosionsartige industrielle Entwicklung sowie das Verschwinden des Dienstleistungssektors. Was verbindet den Stahlarbeiter, der in „Moderne Zeiten“ von Charly Chaplin auf einem Riesenzahnrad dargestellt wurde, mit den heutigen Yuppies in modernen Großunternehmen, die vom Management zynisch mit Fitnessräumen und Krippenplätzen geködert werden, denen jedoch aus Profitgier seelische Gewalt angetan wird? Was bedeutet Arbeit: Freiheit oder Sklaventum?
      Diese Fragen diskutiert Raphaël Enthoven heute mit der Philosophin Michela Marzano und liefert dabei einige Antworten zum Verständnis von Arbeit aus politischer, ethischer und gesellschaftlicher Sicht. Die Absolventin der „École normale supérieure“ von Pisa beschäftigt sich insbesondere mit der Stellung des Menschen in der heutigen Zeit aus moralphilosophischer Sicht. Die Anfälligkeit des menschlichen Daseins ist Ausgangspunkt ihrer Forschungsarbeit und ihrer philosophischen Überlegungen. (Text: arte)
      Deutsche TV-PremiereSo 01.03.2009arte
    • Folge 14 (30 Min.)
      Die Triebkraft, die die Welt in Bewegung hält, ist häufig, nachdem die äußere Schönheit nicht mehr sichtbar ist, Auslöser von Fehlschlägen und Enttäuschungen: Die Rede ist von der Liebe.
      Jeder redet von ihr, jeder sehnt sich nach ihr und verweigert sie zugleich. Nach dem „Himmelhochjauchzend“ folgt meist das „zu Tode betrübt“. Oder man kehrt zumindest auf den Boden der Tatsachen zurück. Nach einer enttäuschten Liebe beginnt der Reigen von vorne, die anfängliche Trunkenheit weicht dem Widerwillen, aus inniger Zweisamkeit wird Unverständnis und Feindseligkeit. Beinahe krankhafte Eifersucht wird abgelöst durch das trügerische Gefühl, endlich wieder man selbst zu sein.
      Was also ist Liebe? Wer beschreibt diesen Zustand am treffendsten? Wer hat den Schlüssel zur wahren Liebe gefunden? Diesen Fragen geht Raphaël Enthoven im Gespräch mit Nicolas Grimaldi – emeritierter Professor an der Pariser Sorbonne – nach. Grimaldi hatte nacheinander die Lehrstühle für Geschichte der modernen Philosophie und der Metaphysik inne. Schwerpunkte seiner philosophischen Arbeiten sind darüber hinaus ethische und ästhetische Themen sowie Fragen zu Descartes’ Werk. Neben philosophischen Referenzen – von den griechischen Vorsokratikern bis hin zu den Existenzialisten – greift Grimaldi gern auf literarische Quellen zurück, wie Kafka, Baudelaire, Simenon und Tolstoi. Zu seinen Lieblingsthemen gehören aber auch das Ich und die Zeit, Lust und Begehren – und die Liebe. (Text: arte)
      Deutsche TV-PremiereSo 15.03.2009arte
    • Folge 15 (30 Min.)
      Das Sterben lernt man nicht“, so der französische Denker Vladimir Jankélévitch. Der Tod – die große Unbekannte – kann man sich überhaupt auf ihn vorbereiten?
      Man kann ihn verleugnen und verdrängen, wie es in der heutigen Spaßgesellschaft der Fall ist, man kann sich ihm aber auch stellen, ihm ins Auge sehen, ja sogar seine Nähe suchen. Oder man deklariert den Tod als etwas Positives – redet ihn sich sozusagen schön -, indem man ihn in einen größeren Kontext setzt, und ihn als Teil des Lebenszyklus akzeptiert.
      Wie geht man mit dem Tod um? Mit dieser Frage beschäftigen sich Raphaël Enthoven und sein heutiger Gast, der Autor und Philosophiedozent Charles Pépin. Dabei suchen sie nach Erklärungen für die voyeuristische Schaulust bei Unfällen, das Interesse an der lebendig aussehenden Leiche Che Guevaras und das Phänomen Fugu – ein eigentlich hochgiftiges japanisches Fischgericht, bei dessen Zubereitung der kleinste Fehler tödlich enden kann.
      Der Tod ist seit jeher präsent in der Philosophie, sei es in Asien oder Europa – vielleicht ein morbides Thema, aber zentral wie kein anderes. Heißt Philosophieren sterben lernen? Die Seele befreien? Nimmt uns die Auseinandersetzung mit dem Tod, die tägliche Konfrontation, die Angst vor ihm? Oder kann man sich den eigenen Tod tatsächlich nicht vorstellen?
      Freud zufolge sind wir im Unterbewusstsein von unserer Unsterblichkeit überzeugt. Vielleicht ist das Nachdenken über den Tod somit überflüssig und des Rätsels Lösung ein intensiv gelebtes Leben. (Text: arte)
      Deutsche TV-PremiereSo 29.03.2009arte
    • Folge 16 (30 Min.)
      Was heißt „persönliche Identität“? Handelt es sich um die Summe der Merkmale auf dem Personalausweis oder um mehr? Äußerliche Faktoren wie das Aussehen, der Beruf und die Gruppenzugehörigkeit spielen eine wichtige Rolle, aber genauso das Selbstbild. Es scheint eine Diskrepanz zu geben zwischen der Rolle, die ein Mensch in der Gesellschaft spielt, und dem, was diesen Menschen in seiner persönlichen Entwicklung ausmacht.
      Raphaël Enthoven und sein heutiger Gast, die Philosophiedozentin Elise Marrou, gehen der Frage nach, was eine „Person“ eigentlich ist – ein Mensch? Eine Sammlung von Merkmalen? Ein Individuum? Oder doch nur eine gesellschaftliche Maske? Was ist ausschlaggebend – die Entwicklung des Einzelnen, das, worüber er selbst sich identifiziert, oder doch seine unveränderlichen Eigenschaften?
      Bei ihrem Streifzug durch die Philosophie beschäftigen sich Enthoven und Marrou mit Spiegeln und Narzissmus genauso wie mit der Biometrie; die Eckpfeiler ihrer Diskussion bilden Identitätsmerkmale, Selbstbewusstsein, Erinnerung, Gleichheit und Individualität. Dabei werden nicht nur altbekannte Philosophen wie Descartes, Locke und Sartre zurate gezogen, sondern auch der Film „Dark City“ von Alex Proyas besprochen, in dem Fremde den Menschen ihre Identität rauben wollen, sowie das Phänomen der Minderheiten-Diskiminierung. So kann die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Bevölkerungsgruppe die individuelle Identität überlagern… (Text: arte)
      Deutsche TV-PremiereSo 12.04.2009arte
    • Folge 17 (30 Min.)
      „Welch seltsame Fähigkeit, diese Königin der Fähigkeiten!“ – so äußerte sich Charles Baudelaire bewundernd über die Einbildungskraft. Die Fantasie, diese durch und durch menschliche Eigenschaft – wie funktioniert sie eigentlich? Wie ein Puzzle, denn sie schafft Neues auf der Grundlage von Bekanntem, meint der heutige Gast, Cynthia Fleury.
      Aber entsteht Einbildungskraft nicht aus sich selbst heraus? Oder offenbart sie nur, was man vor Augen hat? Kommt ein Wesen wie die Chimäre – eine Mischung aus Löwe, Ziege und Schlange – zustande, indem einfach einzelne Bilder kombiniert werden? Oder ist da mehr? Das hieße, Phantasie erfindet nicht, Phantasie setzt zusammen. Fehlt es der Phantasie etwa an Phantasie?
      Dabei ist sie auch gefürchtet, denn sie suggeriert das Überbordende, das Fehlen einer Ordnung, die potenzielle Anarchie. Laut Blaise Pascal ist sie die „Feindin der Vernunft“. Kant wiederum ist sich da gar nicht so sicher. In jedem Fall gilt es, das verrückte, närrische Element der Phantasie zu berücksichtigen, auch wenn manch einer es als Hirngespinst abtut.
      In Hitchcock-Filmen zum Beispiel spielt die Phantasie eine tragende Rolle: Ein Mann kann sich in eine Totgeglaubte verlieben oder in ein Phantasiegeschöpf, die Wirklichkeit kann einen täuschen und die Phantasie einem den Boden unter den Füßen zurückgeben – alles ist möglich. Nicht nur macht Phantasie Wirklichkeit erträglich, auch der Weg zur Realität kann der der Phantasie sein.
      Der Streifzug durch die Phantasie führt Raphaël Enthovens und seinen heutigen Gast von Fabelwesen in Computerspielen über fantastische Gemälde und klassische Philosophen bis hin zu spannungsgeladenen Filmen. Die Philosophin, Kommunikationsforscherin und Politikdozentin Cynthia Fleury hat ein 800-seitiges Werk über das Thema der Einbildungskraft geschrieben. Sie ist sowohl beim nationalen französischen Forschungszentrum CNRS als auch an der American University of Paris sowie am Pariser Institut für Politische Studien (IEP) tätig. (Text: arte)
      Deutsche TV-PremiereSo 03.05.2009arte
    • Folge 18 (30 Min.)
      Wir sehen die Dinge nie losgelöst von allem, sondern immer subjektiv verzerrt, durch die Brille unserer persönlichen Bedürfnisse oder Vorstellungen, so eine These aus Henri Bergsons berühmtem Buch „Das Lachen“. Ein Bild birgt stets etwas Ambivalentes: Einerseits versucht es, etwas Materielles möglichst authentisch abzubilden, andererseits wird das darauf Abgebildete sofort durch unseren Blick interpretiert, beziehungsweise durch den des Künstlers, Filmemachers oder Literaten: Sie formen Sinneseindrücke zu Bildern, zu Kunstwerken. Im radikalsten Falle ist es den Bildern daran gelegen zu verbergen, dass sie welche sind, wie ein Blick auf die niederländische Trompe l’oeil Malerei zeigt.
      Raphaël Enthoven geht mit seinem Gast Klaus Speidel, Kunstkritiker und Dozent an der Universität Paris IV, verschiedenen Fragen zum Bild-Begriff nach: Was bedeutet das Bild für uns und wie erlangte es in unserer Gesellschaft einen so hohen Stellenwert? Ist das Bild etwa gar keine eindimensionale Fläche, sondern eine komplexe Erzählung jenseits der gesprochenen Sprache oder des geschriebenen Textes?
      Raphaël Enthoven und Klaus Speidel gehen auf Spurensuche, im Film, in der Malerei und in der Literatur: Von David Lychns Spielfilm „Inland Empire“ führt sie ihr philosophischer Streifzug über René Magrittes Gemälde „Versuch des Unmöglichen“ bis hin zu den Theorien des französischen Kunsthistorikers Daniel Arasse sowie des französischen Philosophen Vladimir Jankélévitch. Wie Bergson setzte er sich in seiner Theorie des „organe-obstacle“ mit dem Phänomen des Sehens auseinander.
      Schließlich kommt diese Fernsehsendung auch an ihrem eigenen Medium nicht vorbei: Im Fernsehen wird das nackte Bild häufig überdeckt, das Detail durch Schminke oder Bildbearbeitungstechniken verändert. Mit der Digitalisierung der Bilder führt der Weg jedoch letztlich wieder zurück zum einzelnen Pixel, der plötzlich wieder sichtbar wird. Sind wir dank der modernen Technik also wieder beim Urzustand des Bildes – bei der reinen Materie – angelangt? (Text: arte)
      Deutsche TV-PremiereSo 28.06.2009arte
    • Folge 19 (30 Min.)
      Das Theater gibt dem Denken ständig Rätsel auf. Theater macht Zeit sichtbar, erfüllt Raum mit Leben, verleiht dem Körper des Schauspielers Präsenz und ist eine vergängliche Kunst, die jedoch Sein und Bewusstsein dauerhaft prägt.
      Calderons barocke Anschauung von der Welt als Theater gibt uns in unserer heutigen „Gesellschaft des Spektakels“ immer noch Fragen auf: Kann es sein, dass die ganze Welt nur eine Bühne ist? Aber wer wäre dann der Puppenspieler, der über allem Irdischen steht und die Fäden zieht?
      Der philosophische Parcours führt Raphaël Eindhoven von Diderots berühmter Schrift „Das Paradox über den Schauspieler“ aus dem 18. Jahrhundert über Ernst Lubitschs Film „Sein oder Nichtsein“ bis hin zu Antonin Artauds revolutionärer Schrift „Das Theater und sein Double“. Artaud verfolgte in ihr seine Idee eines nichtrepräsentativen Theaters mit aller Schärfe und bis zur letzten Konsequenz: Das Theater ist für ihn demnach nicht mehr Abbild der Wirklichkeit, sondern ganz im Gegenteil, die Realität bildet das Schauspiel ab.
      Ist das Theater also selbst schon so etwas wie eine Art Philosophie? All die unzähligen Theatertheorien verblassen spätestens in dem Moment, wenn ein Schauspieler auf die Bühne tritt und seine ersten Worte spricht. Und gerade darum bleibt es lohnenswert, das eigene Erstaunen darüber zu hinterfragen. Zu Gast ist heute deshalb der Schauspieler, Regisseur und Schauspiellehrer Daniel Mesguich. Er hat als Experte aus der Praxis selbst einen bedeutenden Essay über das Theater verfasst – über das Theater als ewig Ephemeres, das – wie die Welt an sich – rein philosophisch letztendlich nur schwer zu begreifen ist. (Text: arte)
      Deutsche TV-PremiereSo 12.07.2009arte
    • Folge 20 (30 Min.)
      Das Herz unserer Gesellschaft schlägt im Rhythmus der Gegenwart, ohne Vergangenheit und Zukunft. Die in den Medien übermittelten Ereignisse geben unserer Zeit ein rasantes Tempo, machen sie leicht vergesslich und verleihen ihr einen kurzsichtigen Blick.
      Aber wer entscheidet darüber, was zum „Event“ gemacht wird? Welches Kriterium reißt ein Ereignis aus der Masse des Belanglosen, damit es plötzlich existiert, durch die Medien weitererzählt und vergrößert, ja sogar verformt wird? Aktualität ist also das, was für den heutigen Tag Bedeutung hat, das Ereignis, das man nicht verpassen darf. Aber ist das Morgenblatt tatsächlich aktueller als das Nachdenken darüber, wer ich bin, wohin ich gehe, warum es mich gibt?
      Zwischen Augenblick und Ewigkeit, Zeit und Gesellschaft, Medien und Philosophie: Die Aktualität wirft zahlreiche Fragen auf. (Text: arte)
      Deutsche TV-PremiereSo 26.07.2009arte

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