TV-Kritik: „Magda macht das schon!“

    Neue RTL-Sitcom enttäuscht mit abgestandenden Gags

    Glenn Riedmeier
    Rezension von Glenn Riedmeier – 05.01.2017, 15:51 Uhr

    „Magda macht das schon“: Verena Altenberger (r.) als sexy Pflegekraft – Bild: RTL/Christiane Pausch
    „Magda macht das schon“: Verena Altenberger (r.) als sexy Pflegekraft

    Ende der 1990er und Anfang der 2000er Jahre waren bei RTL die goldenen Zeiten der deutschen Comedyserien. „Das Amt“, „Die Camper“, „Ritas Welt“, „Nikola“ und „Mein Leben & ich“ brachten am damals noch exisitierenden Comedy-Freitag Top-Quoten. Doch nach und nach wurden die Serien beendet und vor einigen Jahren herrschte eine regelrechte Ebbe im Bereich eigenproduzierter Sitcoms. 2013 versuchte man sich an einer kleinen Serienoffensive, doch „Doc meets Dorf“, „Christine. Perfekt war gestern!“ und „Sekretärinnen – Überleben von 9 bis 5“ überlebten alle nur eine Staffel.

    Dieser Misserfolg hielt den Kölner Sender lobenswerterweise nicht davon ab, 2014 einen Aufruf an Autoren und Produzenten zu starten, die Ideen für neue Sitcoms einreichen sollten. Dieser Sitcom-Pitch war nach Senderangaben äußerst erfolgreich und es gingen rund 330 Konzepte ein. Nach gründlicher Sichtung die nach Ansicht des Senders vielversprechendsten Stoffe zur Weiterentwicklung ausgewählt. Drei Formate wurden auserwählt, die das Programm des Kölner Senders bereichern sollen. Das erste ist die Serie „Magda macht das schon!“, die ab heute Abend (5. Januar) immer donnerstags um 21.15 Uhr in Doppelfolgen zu sehen sein wird. Mit der neuen Staffel von „Der Lehrer“, die zuvor um 20.15 Uhr startet, sollte zumindest aus Quotensicht nicht allzu viel schiefgehen.

    „Magda macht das schon!“ erzählt von einer osteuropäischen Pflegekraft, die zum unverzichtbaren Mittelpunkt einer überforderten deutschen Großstadtfamilie wird. Magda (Verena Altenberger) ist sexy, kann zupacken und braucht dringend einen Job. Die „polnische Pflegekraft mit Herz und Schnauze“ stellt sich quasi selbst zur Pflege der invaliden, aber keineswegs altersmilden Waltraud Holtkamp (Hedi Kriegeskotte) ein. Es prallen zwei Welten aufeinander: Magda kennt für jedes Problem mindestens drei Lösungen, während die Holtkamps dauerüberfordert sind. Neben Oma Waltraud sind da noch die perfektionistische Cornelia (Brigitte Zeh), ihr tiefenentspannter Mann Tobias (Matthias Komm), die pubertierende Tochter Leah (Charlotte Krause) und der jüngere Sohn Luca (Luis Kain). Mit ihrer impulsiven Art wirbelt Magda das Familienleben ihrer neuen Arbeitgeber gehörig auf.

    In der ersten Folge verliert Magda ihren bisherigen Job – durch eine beherzte Ohrfeige für einen lüsternen, älteren Grabscher – und stolpert gleich in den nächsten, als sie in einen Streit von Rezeptionistin Cornelia und ihrem Ehemann gerät, dem Aufzugtechniker Tobias. Die sind sich uneins darüber, wie sie die Pflege von Cornelias verunglückter Mutter stemmen sollen. Magda bringt sich selbst ins Spiel. Tobias ist begeistert davon, das Problem los zu werden. Doch Cornelia weiß: Ihre Mutter verträgt es gar nicht, wenn sie von anderen nicht mit dem gehörigen Respekt behandelt wird. Und gerade mit polnischen Pflegekräften verbindet sie keine guten Erinnerungen …

    Tiefgründigen Humor dürfen die Zuschauer bei der neuen Serie aus dem Hause RTL nicht erwarten – bedauerlicherweise, denn gerade nach der langen Pause hätte der Kölner Sender die Chance ergreifen können, humortechnisch neue Wege zu gehen und sich den Vorbildern aus den Vereinigten Staaten und Großbritannien anzunähern. Stattdessen verharrt „Magda macht das schon“ produktionstechnisch und inhaltlich in längst überholten Gefilden. Althergebrachte Ausländerklischees werden bedient und kein müder Kalauer wird in der Serie ausgelassen. Zudem werden gesellschaftliche Missstände – wie eben die Ausbeutung polnischer Hilfspflegekräfte – in der Serie schlichtweg gar nicht kritisch hinterfragt.

    Es wirkt beinahe so, als wolle sich RTL bewusst nicht weiterentwickeln, aus Angst man könnte sein Stammpublikum mit progressiver, zeitgemäßer Comedy verschrecken. Lieber kramt man noch einmal in abgestandenden Gags auf „Alles Atze“-Niveau. Es mutet befremdlich an, dass diese Serie tatsächlich zu den besten drei Sitcom-Konzepten aus 330 Einreichungen gezählt haben soll … Ob es die beiden anderen angekündigten Sitcoms „Triple Ex“ und „Nichttotzukriegen“ besser machen werden, bleibt abzuwarten.

    „Magda macht das schon“ ist eine Produktion der Polyphon Film und Fernsehgesellschaft mbH. Produzentin ist Beatrice Kramm, Regie führten Torsten Wacker („Kein Sex ist auch keine Lösung“, „Süperseks“) und Nico Zingelmann („Der Lehrer“, „Binny und der Geist“). Headautor ist Sebastian Andrae („Tiere bis unters Dach“, „Liebe ist die beste Medizin“, „RTL Samstag Nacht“).

    Über den Autor

    Glenn Riedmeier

    Glenn Riedmeier ist Jahrgang ’85 und gehört zu der Generation, die in ihrer Kindheit am Wochenende früh aufgestanden ist, um stundenlang die Cartoonblöcke der Privatsender zu gucken. „Bim Bam Bino“, „Vampy“ und der „Li-La-Launebär“ waren ständige Begleiter zwischen den „Schlümpfen“, „Familie Feuerstein“ und „Bugs Bunny“. Die Leidenschaft für animierte Serien ist bis heute erhalten geblieben, zusätzlich begeistert er sich für Gameshows wie z.B. „Ruck Zuck“ oder „Kaum zu glauben!“. Auch für Realityshows wie den Klassiker „Big Brother“ hat er eine Ader, doch am meisten schlägt sein Herz für Comedyformate wie „Die Harald Schmidt Show“ und „PussyTerror TV“, hält diesbezüglich aber auch die Augen in Österreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten offen. Im Serienbereich begeistern ihn Sitcomklassiker wie „Eine schrecklich nette Familie“ und „Roseanne“, aber auch schräge Mysteryserien wie „Twin Peaks“ und „Orphan Black“. Seit Anfang 2013 ist er bei fernsehserien.de vorrangig für den nationalen Bereich zuständig und schreibt News und TV-Kritiken, führt Interviews und veröffentlicht Specials.

    Lieblingsserien: Twin Peaks, Roseanne, Gargoyles – Auf den Schwingen der Gerechtigkeit

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

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      Leider ist die Comedyserie völlig unkomisch. Das Ganze wirkt auf mich wie gewollt aber nicht richtig gekonnt. Handelt es sich zum Teil um Laiendarsteller oder wurde nur zu wenig geprobt? Fehlte das Geld für gute Gagschreiber? Auch der gekünstelte Akzent ging mir nach kurzer Zeit auf die Nerven.
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