Talk Talk Talk – Das neue ARD-Programmschema 2011

    Munteres Stühlerücken im Ersten /​ Primetime-Dokus gekippt

    Michael Brandes – 30.11.2010

    Talk Talk Talk - Das neue ARD-Programmschema 2011 – Munteres Stühlerücken im Ersten / Primetime-Dokus gekippt – Bild: ARD

    Das Erste bekommt ab Herbst 2011 eine neue Programmstruktur. Die Änderungen, die heute während des ARD-Intendantentreffens verkündet wurden, entsprechen weitgehend den Medienspekulationen der vergangenen Tage.

    Die „Tagesthemen“ und das „Nachtmagazin“ erhalten von Montag bis Donnerstag einen einheitlichen Sendeplatz. Die „Tagesthemen“ beginnen künftig um 22:15 Uhr, das „Nachtmagazin“ um Mitternacht. Günther Jauch wird seine noch namenlose politische Gesprächssendung sonntags um 21:45 Uhr moderieren, was eine ganze Reihe an Änderungen im Programmverlauf auslöst.

    Gescheitert ist das ursprüngliche Vorhaben, alle Talkshows nach den „Tagesthemen“ beginnen zu lassen. Die Ausnahme bildet „Hart aber fair“, das in der Primetime bleibt, aber einen neuen Sendeplatz erhält: Der Talk mit Frank Plasberg wird auf montags, 21:00 Uhr, verlegt. Dafür wandert „Beckmann“ vom Montag auf den Donnerstag (22:45 Uhr) und übernimmt den Sendeplatz des „Satire Gipfel“ (Zukunft unklar) und des bereits zu Sat.1 geflüchteten Harald Schmidt. „Menschen bei Maischberger“ beginnt weiterhin dienstags nach den „Tagesthemen“. Die von Jauch verdrängte Anne Will empfängt ihre Gäste künftig mittwochs um 22:45 Uhr. Angesichts von fünf wöchentlichen Talkshows verspricht ARD-Programmdirektor Volker Herres, jede Sendung werde ein klares Profil erhalten, inklusive einer sinnvollen Abstimmung von Themen und Gästeauswahl.

    Die von Plasberg verdrängten politischen Magazine „Report“ und „Fakt“ werden künftig dienstags um 21:45 Uhr ausgestrahlt. Dafür muss „Plusminus“ auf den Mittwochabend ausweichen. Das Wirtschaftsmagazin beginnt nach dem Fernsehfilm um 21:45 Uhr.

    Aus der Primetime geworfen hat die ARD ihre Dokumentationen. Doku-Formate sollen zukünftig montags um 22:45 Uhr ausgestrahlt werden. Diesen Sendeplatz übernehmen die Dokus und Features, die bislang mittwochs um 23:30 Uhr gezeigt werden. Die laut Herres „inhaltlich hoch anspruchsvollen“ Formate hätten nun „noch bessere Chancen“. Die bislang montags um 21:00 Uhr gezeigten Doku-Reihen sollen offenbar zumindest zum Teil erhalten bleiben und in talkfreien Zeiten ins Programm rücken. Als Beispiel nennt Herres die Reihe „Deutschland, deine Künstler“, die 2011 fortgesetzt wird. Die nun praktizierte Streichung der Primetime-Dokus hatte in den Vortagen eine Reihe von Protesten ausgelöst. Neben der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG DOK) hatten unter anderem auch Kulturstaatsminister Bernd Neumann und der ehemalige WDR-Intendant Fritz Pleitgen das Vorhaben kritisiert (fernsehserien.de berichtete).

    „In einer Zeit, in der Politikberichterstattung und gesellschaftlich relevante Themen bei der kommerziellen Konkurrenz kaum mehr eine Rolle spielen, setzt die ARD mit der Vereinheitlichung der ‚Tagesthemen‘-Anfangszeiten, mit fünf exzellenten Talkshows und festen Sendeplätzen für Dokumentationen, Dokumentarfilme und politische Magazine ein klares Signal für den Mehrwert öffentlich-rechtlichen Fernsehens“, kommentiert dagegen der ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust das neue Programmschema.

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