Das deutsche Fernsehjahr 2020 im Rückblick (Teil 2): „Lindenstraße“-Abschied, „Tatort“-Jubiläum und „Verbotene Liebe“-Comeback

    Zweiter Karrierefrühling für Pocher, Fake-Vorwürfe gegen Joko & Klaas

    Glenn Riedmeier
    Glenn Riedmeier – 26.12.2020, 09:00 Uhr

    Die Pochers starten bei RTL durch

    Oliver Pocher und seine Frau Amira TVNOW/​Stefan Gregorowius

    Einer, für den 2020 definitiv ein erfolgreiches Jahr war, ist Oliver Pocher. Nachdem der Entertainer im vergangenen Jahr mit seinen humorvollen Tanzeinlagen bei „Let’s Dance“ bleibenden Eindruck hinterlassen hat, schloss er mit RTL einen zweijährigen Exklusivvertrag ab. Der Sender versprach Pocher eine Spielwiese und Formate, die ihm auf den Leib geschneidert sind. Genauso kam es auch – und Pocher erlebt derzeit seinen zweiten Karrierefrühling.

    Los ging es am 1. März mit „Pocher vs. Wendler“ – in einer großen Live-Show am Sonntagabend fand der mediale Hickhack zwischen Oliver Pocher und Michael Wendler seinen Höhepunkt. Satte 4,22 Millionen verfolgten den Schlagabtausch. In der Sendung wurde auch Olivers Ehefrau Amira Pocher erstmals einer großen Öffentlichkeit bekannt und aufgrund ihrer Schlagfertigkeit zum heimlichen Star der Show. Als das Paar im März an Corona erkrankte, nutzten die beiden die Quarantäne-Zeit, indem sie sich fast täglich live bei Instagram zu Wort meldeten und mit zugeschalteten Promis quatschten. Dies kam so gut an, dass darauf basierend ein eigener Podcast gestartet wurde. „Die Pochers hier!“ erscheint seit April wöchentlich bei Audio Now – im Sommer wurde der Podcast sogar mehrfach live vor Publikum in Autokinos aufgezeichnet.

    TVNOW/​Stefan Gregorowius

    Im Mai verkündete RTL schließlich, dass Oliver Pocher eine neue Late-Night-Show erhält. Ursprünglich waren von „Pocher – gefährlich ehrlich!“ vorsichtige vier Folgen geplant, doch dann wurde die Sendung spontan und quasi ohne Pause bis Dezember fortgesetzt. Als Sidekick ist Amira Pocher an Bord. Das Paar verbindet nicht nur der Sinn für Humor, sondern auch ihre Haltung und das Anliegen, Dinge beim Namen zu nennen. Während andere Late-Night-Shows in eine ausgedehnte Sommerpause gingen, sendeten die Pochers von Mai bis Dezember fast ununterbrochen weiter, so dass bereits 36 Ausgaben liefen.

    Inhaltlich variiert die Qualität der Show. Eine wichtige Rolle spielt das Geschehen in den sozialen Netzwerken. Schon zuvor kommentierte Pocher in seiner „Bildschirmkontrolle“ die Auswüchse bei Instagram, führte gewissenlose Influencer vor und deckte überteuerte, nichtsnutzige Produkte auf. Im Sommer setzten Amira und Oliver Pocher ein starkes Zeichen gegen Rassismus, indem sie 8 Minuten und 46 Sekunden live in der Sendung schwiegen, um dem gewaltsamen Tod des US-Amerikaners George Floyd und der damit initiierten Protestbewegung #BlackLivesMatter zu gedenken.

    RTL/​Screenshot

    In gewisser Weise schrieben sie auch Fernsehgeschichte, als sie am Tag des Michael-Wendler-Super-GAUs eine Stunde früher als geplant improvisiert auf Sendung gingen und 90 Minuten lang live mit Wendlers Manager Markus Krampe und den Zuschauern darüber spekulierten, was in den auf Abwegen geratenen Schlagersänger gefahren ist. Solche Momente machen nicht nur die Stärken dieses Formats aus, sondern zeigen wieder einmal, was Live-Fernsehen im Gegensatz zu voraufgezeichneten Sendungen kann. Einige Wochen lang mutierte „Pocher – gefährlich ehrlich!“ jedoch bedauerlicherweise in großen Teilen zu einer Nachlese der RTL-Realityshows „Das Sommerhaus der Stars“ und „Temptation Island V.I.P.“. Viel zu viel Sendezeit wurde darauf verwendet, sich mit den unbedeutenden Geschehnissen dort zu befassen und mit ausgeschiedenen Teilnehmern zu sprechen.

    Aus Quotensicht ist die Late-Night-Show starken Schwankungen ausgesetzt. Mit reichweitenschwachen Serien-Wiederholungen im Vorprogramm haben es die Pochers oft auch nicht leicht. Zumeist gelingt es ihnen, den Zielgruppen-Marktanteil im Anschluss am Donnerstagabend auf Werte zwischen 7,5 und 10 Prozent zu steigern. Zudem werden die Quoten oft im Nachhinein nach oben korrigiert, da sich viele Zuschauer die Sendung offenbar lieber on Demand anschauen als am späten Donnerstagabend.

    Auch abgesehen von der Late-Night-Show sitzt Oliver Pocher bei RTL inzwischen fest im Sattel. So präsentiert er weiterhin „5 gegen Jauch“ und wirkte im Dezember in der neuen Spielshow „Der König der Kindsköpfe“ mit. Darüber hinaus war im Frühjahr das Dokuformat „Pocher & Papa auf Reisen“ zu sehen, das ebenfalls ein schöner Erfolg wurde.

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