Alcatraz – Review

    J.J. Abrams und ein ganz anderes Insel-Geheimnis – von Ralf Döbele

    Ralf Döbele
    Rezension von Ralf Döbele – 23.01.2012, 16:47 Uhr

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    Alcatraz
    Kann es wirklich sein, dass seit einer Miniserie aus dem Jahr 1980 kein anderes Fernsehformat die Gefängnisinsel in der Bucht von San Francisco als Hauptschauplatz genutzt hat? „Fringe“-Produzent J. J. Abrams berichtigt dieses Versäumnis nun mit seiner neuen Mystery-Serie, die am 17. Januar recht erfolgreich auf dem US-Network FOX Premiere feierte. Dabei nutzte Abrams die zusätzliche Zeit, die ihm durch den späten Start zur Midseason zur Verfügung stand. Nach kreativen Differenzen gab Elizabeth Sarnoff („Lost“ /​ „Deadwood“), die als Autorin das Format Abrams auf den Tisch legte, ihren Posten als Showrunner an Jennifer Johnson und Daniel Pyne („Miami Vice“) ab. Anschließend wurden für mehrere Episoden die Drehbücher überarbeitet sowie ganze Szenen nachgedreht.

    „Alcatraz“ blieb dennoch oder gerade deshalb eines der mit am meisten Spannung erwarteten neuen Serien der aktuellen und bislang inhaltlich eher mauen TV-Saison. Nicht nur der in aller Welt bekannte Handlungsort sorgt für gesteigertes Interesse, sondern auch ein Ensemble, das so manchen Serienfan begeistern dürfte: Sam Neill („Die Tudors“), Parminder Nagra („Emergency Room“) und Ex-Hurley Jorge Garcia („Lost“) konnten ebenso wie „Jackie Brown“-Star Robert Forster als Darsteller verpflichtet werden. Überraschender erscheint da, dass die eigentliche Hauptrolle an die im Vergleich dazu eher weniger bekannte Sarah Jones („Sons of Anarchy“ /​ „Big Love“) ging. Personell ist J. J. Abrams’ neue Serie also bestens ausgestattet, doch ist es ihm und seinen Autoren auch gelungen, ein neues Mystery-Drama zu schaffen, das den Zuschauer packt und ihn nicht vor lauter aufgeworfenen Fragen verwirrt und frustriert zurücklässt?


    Detective Rebecca Madsen (Sarah Jones) findet in Buchautor „Doc“ Soto (Jorge Garcia) ihren neuen Partner
    1963 schloss Alcatraz, das berühmt-berüchtigte Gefängnis in der Bucht von San Francisco, für immer seine Tore. Über 300 Gefangene sollten danach abtransportiert und auf andere Einrichtungen verteilt werden. Doch alles, was die beiden Beamten vorfinden, die am Abend des 20. März auf der Insel eintreffen, sind leere Zellen. Nicht nur die Inhaftierten sind verschwunden, auch viele der Aufseher.

    2012 beginnen einige dieser Gefangenen plötzlich wieder in San Francisco aufzutauchen. Einer von ihnen ist Jack Sylvane (Jeffrey Pierce), einst verurteilt wegen Raubüberfalls, später tötete er in der Haft einen Mitgefangenen. Nun rächt er sich an E.B. Tiller (Jason Butler Harner), einem Aufseher, der ihn damals auf Alcatraz quälte, und ersticht ihn. Der Fall landet im Schoß von Detective Rebecca Madsen (Sarah Jones), die erst vor kurzem ihren Partner verloren hat. Am Tatort findet sie die Fingerabdrücke von Sylvane, der laut der polizeilichen Unterlagen eigentlich seit 1976 tot sein sollte.

    Viel weiter kommt sie in ihren Ermittlungen erst einmal nicht. Tiller war beim FBI und so übernimmt Agent Emerson Hauser (Sam Neill) den Fall. Dennoch recherchiert Rebecca weiter und wendet sich an einen Experten. Der Comicbuch-Autor Diego „Doc“ Soto (Jorge Garcia) hat mehrere Bücher über Alcatraz geschrieben und ist sofort fasziniert bei der Sache. Gemeinsam mit Rebecca besucht er deren Ziehonkel Ray Archer (Robert Forster). Heute besitzt er eine Bar, damals war er ebenfalls Aufseher auf Alcatraz.

    Wie viel weiß Agent Hauser (Sam Neill) wirklich über das, was 1963 auf Alcatraz geschah?
    Schließlich beginnen Rebecca und Doc auf der Gefängnisinsel selbst herumzuschnüffeln, doch dort werden sie bereits von Hauser und dessen Assistentin Lucy Banerjee (Parminder Nagra) erwartet. Von einem geheimen, technisch äußerst gut ausgestatteten Raum aus führen die beiden ihre Ermittlungen weiter. Sie sind auf der Spur der 63er, der über 300 Männer, die 1963 spurlos verschwanden und nun wieder auftauchen. Wissen Hauser und Lucy vielleicht, was damals geschah? Falls ja, so teilen sie ihr Wissen zumindest nicht mit Rebecca. Die macht stattdessen eine erschreckende Entdeckung: Ihr eigener Großvater war nicht, wie ihr Onkel ihr versichert hatte, ebenfalls eine der Wachen auf Alcatraz gewesen – er war einer der Häftlinge. Und ausgehend von seinem Gefängnisbild ist sie sicher, dass er für den Tod ihres Partners verantwortlich ist.

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