„Roseanne“: John Goodman schweigt, Trump stichelt, wen muss ABC auszahlen?

    Weitere Nachwehen der überraschenden Serienabsetzung

    "Roseanne": John Goodman schweigt, Trump stichelt, wen muss ABC auszahlen? – Weitere Nachwehen der überraschenden Serienabsetzung – Bild: ABC/Robert Trachtenberg
    John Goodman als Dan Conner in „Roseanne“

    Eine der bemerkenswertesten TV-Geschichten der USA zieht weitere Kreise und dürfte die Medienwelt noch weitere Wochen beschäftigen: Die Absetzung von „Roseanne“. Nachdem nun die letzten Beteiligten ihre Meinung geäußert haben, geht es um die wirtschaftlichen Folgen: Wen muss ABC für die abbestellten 13 Folgen ausbezahlen und gibt es Möglichkeiten, dass das „Roseanne“-Franchise ohne die Titeldarstellerin weitergehen könnte?

    Doch zunächst gibt es noch weitere Wortmeldungen von mehr oder minder Beteiligten dazu, dass Roseanne Barr sich mit einem rassistischen Tweet ins Abseits geschossen hatte und ihre enorm erfolgreiche Serie „Roseanne“ daraufhin von ABC kurzerhand beendet wurde (fernsehserien.de berichtete).

    Roseanne Barr selbst hatte sich zwischen dem Tweet, der die afro-amerikanische, allerdings im Iran geborene Politikerin Valerie Jarrett (sinngemäß) als Mischung aus der „Muslim brotherhood & planet of the apes“ verunglimpft hatte, ein Twitter-Aus verordnet. Natürlich konnte die streitbare Komikerin sich nicht an diesen Vorsatz halten. Barr hatte den Tweet selbst eher als „schlechten Scherz“ darstellen wollen – während der Text allgemein als rassistische Beschimpfung aufgefasst wurde. Entsprechend versuchte Barr seine Entstehung auch so erklären, dass der schlechte Scherz eben um 2 Uhr nachts entstanden sei und sie zuvor das Schlafmittel Ambien genommen hatte, was Einfluss auf ihr Urteilsvermögen gehabt habe. Die Presseverantwortlichen für Ambien konterten mit der Aussage, dass „Rassismus keine bekannte Nebenwirkung von Ambien“ sei. Daneben reagiert Barr bei Twitter aktuell viel auf Beiträge ihrer Fans, die Jarrett in konkreten Fällen politisches Fehlverhalten vorwerfen („Victim-Blaming“), ungeahndete andere Probleme im Disney-Konzern als Zeichen dafür anführen, dass die dortigen Verantwortlichen ausgerechnet an der konservativen Barr ein Exempel statuiert haben, sowie Beleidigungen „liberaler“ Persönlichkeiten anführen, die nicht sanktioniert, sondern in den Medien gefeiert wurden. Auch wenn Barr ihren Tweet bereut, sieht sie sich augenscheinlich doch grundsätzlich im Recht.

    Mit Spannung erwartet worden war eine Reaktion des medienbesessenen US-Präsidenten Donald Trump auf die Absetzung von „Roseanne“: Der hatte den überragenden Quotenerfolg der Serie als Beweis dafür angesehen, dass trotz Hollywoods andauernder Kritik an seinen Entscheidungen viele Amerikaner seine Präsidentschaft wertschätzen. Zudem ist Barr – die ja selbst schon als Präsidentschaftskandidatin angetreten war – eine Trump-Befürworterin. Trump ging in einem Tweet nicht direkt auf die Absetzung der Serie ein, mokierte sich aber darüber, dass Disney-Chef Bob Iger sich telefonisch bei Valerie Jarrett für die Äußerung der damaligen ABC-Angestellten Roseanne Barr entschuldigt habe – Iger sich aber nie bei „Donald J. Trump“ für die schrecklichen Dinge entschuldigt habe, die auf ABC über ihn gesagt worden seien. Kurzum: Alles dreht sich wieder nur um Trump.

    Nachdem sich unmittelbar nach Barrs Tweet zahlreiche Darsteller der Show von Barrs Äußerungen distanziert haben, hat Ko-Star John Goodman in einem ersten, nicht ganz freiwilligen Statement nun den Ball flach gehalten. Von einem Paparazzo beim Abholen seines Wagens an einer Autowerkstatt abgefangen gab der nicht in den sozialen Netzwerken aktive Schauspieler zu Protokoll: „Ich sage lieber gar nichts als noch mehr Ärger loszutreten“ – denn er verfolgt auch die sich weiterentwickelnden Details der Kontroverse um Barr nicht. Daneben bestätigte der Darsteller noch, dass er trotz der Kontroverse und des Verlusts seines gut dotierten Arbeitsplatzes „fine“ sei. Auch die Tatsache, dass ABC „Roseanne“ nicht mehr für die Emmys einreichen will, lässt ihn eher kalt: Er habe bisher nicht gewonnen, also hätte er auch diesmal nicht gewonnen (für „Roseanne“ war er bereits sechsfach nominiert, dazu für fünf weitere Rollen).

    Was zur wirtschaftlichen Seite der Serienabsetzung führt. Laut THR wird davon ausgegangen, dass ABC die Darsteller für die abgeblasene Produktion der neuen Staffel ausbezahlen wird müssen. Nach dem Quotenerfolg der zehnten Staffel hatten diese ihre Gehälter vor Staffel elf neu verhandelt. 300.000 US-Dollar statt zuletzt 250.000 US-Dollar sollen Sara Gilbert,Laurie Metcalf und John Goodman ausgehandelt haben, wobei ABC vermutlich für zehn der 13 geplanten Folgen auszahlen muss.

    Hollywood Reporter setzte daneben ein Schlaglicht auf die Autoren von „Roseanne“, die am Dienstagmorgen zum ersten Arbeitstag für Staffel elf angetreten waren – angesichts des in der vorherigen Nacht veröffentlichten Barr-Tweets aber bis zur im Verlauf des Tages verkündeten Einstellung der Serie nicht wirklich gearbeitet hatten. Vertraglich steht ihnen wohl nur ein Lohn für produzierte Episoden zu, womit sie nun leer ausgehen könnten. Da vergleichbare Jobs bei anderen Serienproduktionen mittlerweile besetzt sind, könnte das für die meisten von ihnen den Gehaltsausfall für ein ganzes Jahr bedeuten – was auch für andere Spezialisten der Serienproduktion gilt. Entsprechend appellierten Vertreter dafür, dass ABC sich um sie „kümmert“ – ob nun mit freiwilligen Abfindungen oder neuen Jobs bei anderen ABC-Produktionen.

    Laut THR schätzen Insider, dass die Werbezeiten bei „Roseanne“ für die 13 Folgen von Staffel elf einen Wert von 60 Millionen US-Dollar gehabt hätten, die ABC nun entgehen. Minus dem, was der bisher noch unbenannte Programmnachfolger nun bringt. Auf der Negativ-Seite kommt aber hinzu, dass „Roseanne“ das Fundament des neuen Dienstags bei ABC sein sollte, also neue Zuschauer auch zur neuen Comedy „The Kids Are Alright“ bringen sollte. Und dessen enorme Strahlkraft auch bis 22.00 Uhr reichen sollte, dem langjährigen Problemsendeplatz bei ABC – dort wird Nathan Fillion als „The Rookie“ sein Glück versuchen.

    Das weitere Vorgehen von ABC: Welche Sendung den vakant gewordenen Sendeplatz bei ABC am Dienstag um 20.00 Uhr übernehmen und was mit den weit mehr als 100 arbeitslos gewordenen Angestellten der Serie geschehen soll, wird sich erst in den nächsten Tagen und Wochen in Verhandlungen entscheiden. Beobachter bringen naturgemäß eine Art „Roseanne ohne Roseanne“ als Nachfolgeprojekt ins Spiel – damit könnte man die bisherigen Angestellten beschäftigen und gleichzeitig ein Zeichen setzen, das inhaltlich einen Gegenpol zur rassistischen Entgleisung der Darstellerin Roseanne Barr setzt. Allerdings wird das unter Insidern eher als unwahrscheinlich eingeschätzt, zumal es eben doch sehr antagonistisch wäre. Damit macht man sich bei den Roseanne Barr liebenden Zuschauern Feinde, und auch in der kreativen Gemeinde. „Two and a Half Men“ hatte das nach dem Rauswurf von Charlie Sheen mit der Fortsetzung der Serie und dem Engagement von Ashton Kutcher gemacht.

    Das jüngst angekündigte Projekt, ein Spin-Off um „The Middle“ mit Eden Sher zu machen (fernsehserien.de berichtete), kommt als Nachfolger nicht ins Spiel – es wäre frühestens zum Jahreswechsel einsatzbereit. Auch die „Wiederbelebung“ des Serienpiloten „The Greatest American Hero“ mit „New Girl“-Darstellerin Hannah Simone (fernsehserien.de berichtete) erscheint nur auf dem Papier eine gute Idee: Mit der Serie um eine indischstämmige Amerikanerin könnte ABC zwar ein Anti-Rassismus-Zeichen setzen, aber letztendlich wird der Sender schon seine Gründe gehabt haben, warum das Projekt Anfang Mai nicht den Sprung ins Programm 2018/19 geschafft hat.

    31.05.2018, 14:53 Uhr – Bernd Krannich/fernsehserien.de

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