Prosit, „Das Traumschiff“!

    Vor genau 40 Jahren startete der ZDF-Dauerbrenner zur ersten Kreuzfahrt

    Ralf Döbele
    Ralf Döbele – 22.11.2021, 09:00 Uhr

    „Das Traumschiff“ stach vor genau 40 Jahren zum ersten Mal in See – Bild: ZDF/Dirk Bartling
    „Das Traumschiff“ stach vor genau 40 Jahren zum ersten Mal in See

    Leinen los zur großen Jubiläums-Kreuzfahrt! Am heutigen Montag ist es genau 40 Jahre her, seitdem „Das Traumschiff“ im ZDF zum ersten Mal in See stach. 90 Reisen später ist der ZDF-Dampfer noch immer auf Kurs und begeistert mit drei Folgen pro Jahr eine treue Fangemeinde, die es kaum erwarten kann, bis sie zu James-Last-Klängen wieder in See stechen darf.

    Doch die legendäre Titelmusik war bei der ersten Kreuzfahrt am 22. November 1981 noch längst nicht zu hören. Das Schiff hieß weder MS Berlin noch MS Deutschland und kommandiert wurde es nicht von Heinz Weiss oder Siegfried Rauch. Auch ansonsten hielt die eigentlich recht geradlinige Geschichte des „Traumschiffs“ mehr Kurskorrekturen bereit, als man vielleicht meinen möchte. Grund genug, zum 40. Geburtstag noch einmal einen Blick zurück zu werfen auf wichtige Etappen einer immerwährenden Traumreise.

    Vorreiter und Inspiration: „Zur See“ und das „Love Boat“ YouTube/​Screenshot

    Wann die Geschichte dessen beginnt, was später zum „Traumschiff“ werden sollte, darüber kann man aus heutiger Sicht wohl nur spekulieren. Bereits 1968 stach im ZDF „Das Ferienschiff“ in See und erzählte bereits romantische Geschichten. Die 25-minütigen Episoden liefen im Vorabendprogramm. Als größerer Klassiker gilt die DDR-Serie „Zur See“, die 1977 in neun Folgen das Leben an Bord von Handelsschiffen porträtierte.

    Eindeutigeres Vorbild für das „Traumschiff“ ist dagegen das „Love Boat“ von Erfolgsproduzent Aaron Spelling („Der Denver-Clan“). Ab 1977 legte die Pacific Princess mit Captain Merrill Stubing (Gavin MacLeod) beim US-Sender ABC jede Woche ab und lud allerlei bekannte Gaststars zur humorvollen Kreuzfahrt, die stets in mehrere romantische Happy Ends mündete. Die Serie war als Comedy konzipiert und wurde im Original aus diesem Grund mit eingespieltem Publikumsgelächter ausgestrahlt. Auch hierzulande konnte sich das „Love Boat“ durch die Ausstrahlung in Sat.1 ab Mitte der 80er Jahre zahlreiche Fans erobern.

    Die Crew der ersten Staffel (v. l. n. r.): Heide Keller, Sascha Hehn und Günter König ZDF/​Screenshot

    Das deutsche „Traumschiff“ startete zunächst ebenfalls mit wöchentlichen Kreuzfahrten im ZDF-Programm, wenn auch nicht mit einer derart üppigen Episodenzahl wie das US-Vorbild. Die erste Reise führte am 22. November 1981 in die Karibik, als Gaststars waren unter anderem „Auf Achse“-Star Manfred Krug, „Tatort“-Kommissar Walter Richter und Bruni Löbel („Forsthaus Falkenau“) an Bord. Die 60-minütigen Episoden liefen immer am Sonntagabend um 20:00 Uhr.

    Produzent Wolfgang Rademann, der später mit der „Schwarzwaldklinik“ noch einen weiteren Riesenhit deutscher Serienunterhaltung aus der Taufe heben sollte, schickte in der ersten Staffel, die sechs Folgen umfasste, die Vistafjord auf hohe See. Die Ausrichtung der Serie konzentrierte sich zunächst noch stärker auf die mitunter kuriosen, zwischenmenschlichen Geschichten. Die Urlaubsziele traten zugunsten der Geschehnisse an Bord eher in den Hintergrund. Nur verhältnismäßig kurz wurde an den echten Urlaubsorten gefilmt, die Kulissen der Vistafjord im Atelier nachgebaut.

    Wie beim US-Vorbild „Love Boat“, so bestanden auch die Episoden des „Traumschiffs“ zunächst aus mehreren Kurzgeschichten und Handlungssträngen, die stets von unterschiedlichen Autoren verfasst wurden. So kamen dann vollständige Episodentitel wie „Liebe und Karottensaft /​​ Einer gewinnt immer /​​ Ein neues Leben“ zustande. Für die Drehbücher konnten in den 80er Jahren hochkarätige Serienveteranen wie Herbert Reinecker („Derrick“), Herbert Lichtenfeld („Der Landarzt“), Curth Flatow („Ich heirate eine Familie…“) oder auch die Bestsellerautorin Utta Danella gewonnen werden. Erst später wurden Autoren wie Ulrich del Mestre, Jürgen Werner oder Marlies Ewald zu Stammautoren, die dann jeweils die sämtlichen Storylines der 90-Minüter entwickelten. Fortan entsprach der Episodentitel dem jeweiligen Reiseziel.

    Die Crew der 90er (v. l. n. r.): Horst Naumann, Heide Keller und Heinz Weiss ZDF/​Dirk Bartling

    1983 wechselte die Crew des „Traumschiffs“ mit der zweiten Staffel auf die Astor und exotische Reiseziele wie Kenia oder Rio dienten fortan stärker als Kulisse für die satirischen, mitunter aber auch nachdenklichen Geschichten. Durch den großen Erfolg dieser Staffel beflügelt wurden die Folgen mit der dritten Staffel 1986 auf 90 Minuten verlängert und einmal mehr stach ein neues „Traumschiff“ in See. Die Berlin wurde schließlich zum Aushängeschild der Serie und sollte bis 1999 das Zuhause von Kapitän Hansen (Heinz Weiss) und seiner Crew bleiben.

    Zunächst sah es danach aus, als wäre „Das Traumschiff“ 1987 zum letzten Mal in See gestochen. Doch von den haushohen Quoten der Sommer-Wiederholungen beflügelt, legte das ZDF nach drei Jahren Pause dann doch nach. Auch die Reisen nach New Orleans und zu Disney World zu Weihnachten und Neujahr 1990/​91 waren ein großer Erfolg und so gab es ab Dezember 1992 keine Pause fürs „Traumschiff“ mehr. Fortan wurden jedes Jahr zwei bis drei Folgen in Fernsehfilmlänge produziert, die bis heute meist zwischen den Jahren und auch oft an Ostern ausgestrahlt werden.

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