20 Jahre „Law & Order“ – eine Ära geht zu Ende

    von Ralf Döbele

    Ralf Döbele
    Ralf Döbele – 07.06.2011

    Kritiker-Liebling und Marketing-Alptraum

    Das Team der ersten Staffel: Logan (Chris Noth), Greevey (George Dzundza), Stone (Michael Moriarty) und Robinette (Richard Brooks)NBC
    Mit einer komplett männlichen Besetzung ging „Law & Order“ im September 1990 erstmals auf Sendung. Ausgehend vom 27. Revier der NYPD ermittelten Detective Max Greevey (George Dzundza), Detective Mike Logan (Chris Noth) und ihr Vorgesetzter Captain Donald Cragan (Dann Florek). Die Anklage vertraten Staatsanwalt Ben Stone (Michael Moriarty), sein Assistent Paul Robinette (Richard Brooks) und Oberstaatsanwalt Adam Schiff (Steven Hill). Während Kritiker die neue Serie von Anfang an lobten, zeigten sich vor allem die Werbekunden von NBC nicht unbedingt begeistert von Episoden, die sich mit AIDS, Sadomasochismus, Rassismus, Organhandel, Korruption in der Politik oder den Folgen einer Vergewaltigung beschäftigten. Zum Eklat kam es nach der Ausstrahlung der zwölften Episode „Ungewollt schwanger“ (OT: „Life Choice“), in der ein Bombenanschlag auf eine Abtreibungsklinik heftige, moralische Diskussionen unter den Hauptfiguren auslöste. Abtreibung ist in den USA noch heute, genau wie vor 20 Jahren, ein heißes Eisen – zu heiß für viele Firmen, die Werbung im Wert von rund 800.000 Dollar zurückzogen. Lediglich durch Brandon Tartikoffs Unterstützung wurde „Law & Order“ danach vor einem Ende nach nur einer Staffel bewahrt, zumal die Einschaltquoten nicht überwältigend waren. Für Dick Wolf ist „Ungewollt schwanger“ allerdings noch heute seine absolute Lieblingsepisode, ihre Brisanz hat sie keinesfalls verloren.

    Dick Wolf und zahlreiche „Law & Order“-Veteranen feiern 20-jähriges JubiläumNBC
    Inhaltlich vermochte es „Law & Order“, schnell einen eigenen Stil zu entwickeln und damit die Definition von Drama im US-Fernsehen zu erweitern. Vollkommen neu war es damals, TV-Episoden größtenteils mit Handkameras zu drehen – der wackelige „Documentary Style“ ist heute längst Standard. Andere Serien wie „New York Cops – N.Y.P.D. Blue“, „Battlestar Galactica“ und „Friday Night Lights“ setzten ihn gezielt ein, um den Realismus des Gezeigten zu unterstreichen. Doch mit „Law & Order“ begann auch der Trend, vor Ort in Manhattan zu drehen, was völlig neu im Serienbereich war. Dabei war New York damals noch um einiges grauer, unfreundlicher und schmutziger. Die inzwischen legendäre Aufräumaktionen des späteren Bürgermeisters Rudy Giuliani, die das Leben in der Stadt angenehmer machten und zu einem Rückgang in der Verbrechensrate führten, hatte es noch nicht gegeben. Gerade die langsamen Veränderungen der Atmosphäre der Stadt, die sich wie ein roter Faden durch die Serie ziehen, machen „Law & Order“ zusätzlich sehenswert.

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