20 Jahre „Law & Order“ – eine Ära geht zu Ende

    von Ralf Döbele

    Ralf Döbele
    Ralf Döbele – 07.06.2011

    Zeitenwende und Überlebenskampf

    Das Team der 15. Staffel mit Joe Fontana (Dennis Farina), Arthur Branch (Fred Dalton Thompson) und Serena Southerlyn (Elisabeth Röhm)NBC
    Im Lauf des letzten Jahrzehnts verlagerte sich die Aufmerksamkeit des US-Publikums von der Mutterserie immer stärker auf die beiden erfolgreichen Spin-Offs. Trotz dementsprechend fallender Quoten konnte „Law & Order“ inhaltlich noch immer überzeugen. Nach elf Staffeln Ersatz für Jerry Orbach zu finden, war allerdings nicht leicht. Dennis Farina, vor allem bekannt aus der Cop-Serie „Crime Story“, fungierte von nun an als der ältere Ermittler, der allerdings mit Lenny Briscoe fast gar nichts gemeinsam hatte: Detective Joe Fontana hatte eine ausgeprägte Vorliebe für schicke Klamotten. So trat er seinen Dienst oft im Kaschmirmantel oder im Seidenhemd an. Farina fügte sich perfekt in „Law & Order“ ein, ebenso wie Elisabeth Röhm. Wieder einmal wurde eine neue Assistentin für Jack McCoy gebraucht und Serena Southerlyn stritt sich mindestens genauso oft mit McCoy wie ihre Vorgängerinnen. Daneben musste sie auch unter zwei neuen Oberstaatsanwälten arbeiten. Nach dem Weggang von Steven Hill alias Adam Schiff wurde nach zehn Jahren die Position erstmals mit einer Frau besetzt: Dianne Wiest wurde von Bürgermeister Rudy Giuliani persönlich in der Serie und ihrem neuen Amt begrüßt, doch sie sollte es nur zwei Jahre lang ausfüllen. Ab Staffel 13 schlüpfte der Schauspieler und konservative Politiker Fred Dalton Thompson in die Rolle von Arthur Branch. An dessen recht barschen Umgangston mussten sich sowohl McCoy, als auch Southerlyn erst einmal gewöhnen. Thompson verließ die Serie vier Jahre später um sich auf den Präsidentschaftswahlkampf zu konzentrieren, hatte aber gegen John McCain im Rennen um die republikanische Bewerbung das Nachsehen.

    In diesen Jahren musste sich „Law & Order“ erstmals einer Tatsache stellen, die für die Zukunft der Serie bedeutsamer war als jeder Besetzungswechsel: Die Konkurrenz schlief nicht länger. CBS schaffte es 2004, sein neues Spin-Off „C.S.I.: New York“ erfolgreich auf dem traditionellen „Law & Order“-Sendeplatz am Mittwochabend um 22:00 Uhr zu etablieren. Fortan musste sich Dick Wolf mit dem zweiten Platz bei den Zuschauerquoten zufrieden geben. Nach einem weiteren Jahr mit einer weiteren, neuen Assistentin (Annie Parisse als Alexandra Borgia) und erneut gefallenen Quoten sollten größere Veränderungen folgen.

    Nina Cassidy (Milena Govich) konnte an der Seite der Veteranen Ed Green (Jesse L. Martin) und Anita Van Buren (S. Epatha Merkerson) nicht überzeugenNBC
    NBC stellte sich ein jüngeres „Law & Order“ vor, das mit der poppigen CBS-Konkurrenz mithalten könnte. Im Klartext hieß dies: Dennis Farina musste gehen, zum ersten Mal sollte ein junger, weiblicher Detective an der Seite von Jesse L. Martin ermitteln. Die Rolle der Detective Nina Cassidy ging an Milena Govich, die zuvor in dem gescheiterten Quasi-Spin-Off „Conviction“ zu sehen gewesen war. Außerdem wurde Annie Parisse durch Alana de la Garza ersetzt, die als Connie Rubirosa zur mittlerweile sechsten Assistentin Jack McCoys avancierte. Die Fälle der 17. Staffel waren zumeist im Showbusiness angesiedelt, waren reißerischer und auch oberflächlicher. Langjährigen „Law & Order“-Fans gefiel dies ebenso wenig wie den anvisierten neuen Zuschauergruppen, die der Serie nur bedingt auf den neuen Sendeplatz am Freitagabend folgten. Am Ende des 17. Jahres sah es danach aus, als würde die Mutterserie nach ihrer schlechtesten Staffel sang- und klanglos verschwinden.

    Ein erstaunliches Comeback


    Noch ein letztes Mal konnte Dick Wolf das Ruder herumreißen und ein 18. Jahr für seine Serie herausholen. Erneut sollten wichtige Veränderungen vorgenommen werden, doch dieses Mal würden sie „Law & Order“ zu alter Qualität verhelfen. Wolf brachte René Balcer zurück, der als Autor und Produzent fünf Jahre lang „Criminal Intent – Verbrechen im Visier“ geleitet hatte. Milena Govich verschwand recht unspektakulär wieder von der Bildfläche. Ed Greens neuer Partner wurde Detective Cyrus Lupo (Jeremy Sisto), der zuvor im Irak und in Pakistan für eine Spezialgruppe der NYPD auf Terroristen-Jagd war. Er kommt nach Manhattan zurück, als Ed den Mord an seinem Bruder aufklären muss. Lt. Van Buren erinnert sich an Lupo und macht ihn schließlich zu Eds neuem Partner.

    Frisches Team, frischer Wind: die Ermittler Bernard (Anthony Anderson) und Lupo (Jeremy Sisto)NBC
    Die wichtigste Veränderung fand allerdings im Gerichtssaal statt. Nach zwölf Jahren als Anklagevertreter wurde Jack McCoy in die Position des Staatsanwalts befördert. Sam Waterston würde dementsprechend weniger Szenen haben, doch zu sehen, wie der ungestüme McCoy die politischen Feinheiten seines neuen Amts meistert, war überaus erfrischend. Im Gerichtssaal wurde die Anklage fortan von Michael Cutter (Linus Roache) vertreten, der mit Connie perfekt harmonierte. Beide bildeten ein hervorragendes Team, deren gegenseitiges Interesse hin und wieder über das Berufliche hinauszugehen schien. Zu einer romantischen Beziehung kam es letztendlich jedoch nicht.

    Inhaltlich war „Law & Order“ nach diesen Veränderungen wieder erstaunlich vital. Die Staffeln 18 bis 20 enthielten sicher die besten Episoden seit den Glanztagen der Staffeln 6 bis 12. Auch als Jesse L. Martin das 27. Revier am Ende des 18. Jahres verlässt, wird mit Anthony Anderson alias Kevin Bernard ein neuer, interessanter Partner für Lupo gefunden. Das 20. Jahr überzeugte schließlich nicht nur durch weitere, hervorragende Fälle und das Auftauchen so mancher alter Bekannten zum Jubiläum, sondern auch durch eine episodenübergreifende Geschichte, die das Privatleben von Lt. Van Buren beleuchtete. Anita erkrankte an Krebs und musste sich die gesamte Staffel über einer langwierigen Behandlung unterziehen und gleichzeitig einen Weg finden, die Therapie zu finanzieren. Für S. Epatha Merkerson war es nach 15 Jahren bei der Serie eine hervorragende Gelegenheit schauspielerisch aus dem Vollen zu schöpfen und über die Rolle der Stichwortgeberin hinauszuwachsen. Im Anschluss daran kündigte die Schauspielerin ihren Ausstieg aus „Law & Order“ an, besser könnte es für Lt. Van Buren nicht mehr werden. Doch der Ausstieg würde nicht mehr notwendig sein.

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