20 Jahre „Law & Order“ – eine Ära geht zu Ende

    von Ralf Döbele

    Ralf Döbele – 07.06.2011

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    Law & OrderNBC
    „Das Rechtssystem kennt zwei wichtige, voneinander unabhängige Behörden, die dem Schutz der Bürger dienen. Die Polizei, die begangene Straftaten aufklärt und die Staatsanwaltschaft, die die Täter anklagt. Dies sind ihre Geschichten“ … ihre 456 Geschichten, die über einen Zeitraum von 20 Staffeln Drama-Fans in Atem hielten. Ein weiteres Jahr hätte „Law & Order“ zur am längsten laufenden, wöchentlichen Dramaserie in der Geschichte des US-Fernsehens gemacht. Doch es sollte nicht sein: Im Mai 2010 zog das Network NBC den Stecker, ohne dass die Fans nach der langen Zeit in den Genuss eines überlangen, außergewöhnlichen Finales gekommen wären. Ein Jahr später gehen nun die Fälle von Jack McCoy und Co. auch in Deutschland zu Ende. RTL zeigt die letzte Episode am Dienstag, den 7. Juni um 23:10 Uhr. Grund genug um einen ausführlichen Blick zurück zu werfen: auf herausragende Fälle, schier unzählige Wechsel in der Besetzung, auf die Spin-Offs und internationalen Ableger, sowie den Überlebenskampf einer Außenseiter-Serie, die nach vielen Jahren doch noch zum Publikumsliebling wurde. Prosit, „Law & Order“!

    Zwei Folgen zum Preis von einer

    Die Idee zum Konzept von „Law & Order“ entstand im Kopf von Autor und Produzent Dick Wolf („Miami Vice“) aus einer Notwendigkeit heraus. Ende der 80er Jahre gab es praktisch keine Kabelsender im US-Fernsehen, die an täglichen Wiederholungen einstündiger Serien interessiert waren. Halbstündige Formate waren beliebt wie nie, also fragte sich Wolf, wie eine Serie aussieht, die sowohl in einstündiger als auch in halbstündiger Version ausgestrahlt werden könnte. Dies war die Geburtsstunde des klassischen „Law & Order“-Konzepts, das in den Anfangstagen tatsächlich strikt in zwei gleichmäßige Hälften geteilt war: in den ersten 22 Minuten ermitteln die Beamte auf den Straßen von New York, in den letzten 22 Minuten wird der Fall mit der zuvor festgenommenen Person auf der Anklagebank im Gerichtssaal verhandelt. So könnte eine Episode für die Wiederholungen im Kabelfernsehen in zwei Teile gespalten werden. Dazu kam es letztendlich nie, dennoch war dies eine völlig neue Art, ein Drehbuch zu konzeptionieren.

    Der Erfinder des Franchises: Produzent Dick WolfNBC
    Diese Herangehensweise stieß schnell auf das Interesse mehrerer Networks. Zunächst bestellte FOX 13 Episoden, zog sich dann aber wieder von dem Projekt zurück. Als nächstes war CBS an der Reihe, der Sender bestellte den Piloten zu „Law & Order“, das Drehbuch stammte von Dick Wolf persönlich, bestellt wurde die Serie dann aber doch nicht. 1989 sah schließlich NBC-Präsident Brandon Tartikoff die Pilotfolge, fand gefallen an dem innovativen Format und bestellte die erste Staffel. Andere NBC-Verantwortliche zeigten sich jedoch irritiert. Der Pilot war in den damals grauen Straßen von New York gedreht worden, nicht in einem Hollywood-Studio, das körnige 16 Millimeter-Format sollte den Realismus unterstreichen. Ohne Establishing Shots, die einen Wechsel der Örtlichkeit anzeigen, schritt die Story in schnellen Schritten voran und wurde lediglich durch Einblendungen der Straßennahmen zusammengehalten, unterlegt mit einem undefinierbaren, metallisch klingenden Geräusch („Chung! Chung!“) Die Hauptfiguren hatten kaum Persönlichkeit, hielten sich selbst zu Gunsten des Falls und der angesprochenen gesellschaftsrelevanten Fragen zurück. Diese Besonderheiten, die den meisten NBC-Bossen Sorge bereiteten, wurden schließlich zu den Markenzeichen des gesamten „Law & Order“-Franchises.

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