NBCUniversal-Streaming: „Anti-Netflix“ sichert sich erste Projekte

    Neuauflage von „Queer As Folk“ und „Brave New World“

    Bernd Krannich
    Bernd Krannich – 16.08.2019, 16:30 Uhr

    NBCUniversal-Streaming: "Anti-Netflix" sichert sich erste Projekte – Neuauflage von "Queer As Folk" und "Brave New World" – Bild: Comcast

    Im April 2020 will auch der amerikanische Medienkonzern NBCUniversal mit einem Streaming-Dienst antreten – wie schon bei vielen anderen Mitbewerbern muss das neue Projekt allerdings einstweilen ohne Namen auskommen.

    Vorgeschichte

    NBCUniversal ist seit Ende 2009 mehrheitlich im Besitz des Kabelnetzbetreibers Comcast, das mit zunehmend geringeren Einnahmen rechnen muss, da viele US-Bürger die verhältnismäßig teuren Kabelanschlüsse zugunsten Streaming aufgeben („cord cutting“).

    Für die Kunden von Comcast soll der neue Streamingdienst kostenlos sein und dafür – als eine Art „Anti-Netflix“ – mit Werbeeinnahmen finanziert werden. Dazu will der Dienst vor allem auf Inhalte aus den Programmen der NBCU-Sender zurückgreifen – dazu gehören das Network NBC, Nachrichtensender CNBC und die Kabelsender SYFY, USA Network, Bravo und E! – sowie das Archiv des Produktionsstudios Universal TV beziehungsweise des Filmstudios Universal Pictures.

    Generell ist die Zielsetzung, nicht großartig in exklusive Projekte zu investieren – trotzdem wurden schon einige neue Projekte bekannt.

    Als Kernstück hat man sich in den USA die Rechte an „The Office“ gesichert, das sich in den USA auch sechs Jahre nach dem Ende noch großer Beliebtheit erfreut und das einst von Universal TV hergestellt wurde.

    Nicht-Comcast-Kunden sollen sich gegen Abogebühr in den neuen Dienst einkaufen können.

    Vier exklusive Projekte

    Daneben sind aktuell vier neue Projekte in Arbeit. Einerseits die dritte Staffel von „Mr. Griffin – Kein Bock auf Schule“ (OT „A.P. Bio“), die nach der Absetzung bei NBC nun beim Streaming-Dienst eine Heimat finden wird (fernsehserien.de berichtete). Daneben hat man sich beim USA Network bedient und wird die eigentlich für diesen Kabelsender hergestellte Miniserie „Brave New World“ nun als Premiere haben.

    Vom ebenfalls zum NBCU-Konzern gehörenden Kabelsender Bravo hat man sich die Idee einer Neuauflage von „Queer As Folk“ gesichert. Aktuell entwickelt Autor Stephen Dunn in Zusammenarbeit mit dem Schöpfer des britischen Originals, Russell T. Davies, eine neue Version (fernsehserien.de berichtete). Zur Handlung ist mittlerweile bekannt, dass im Zentrum drei lebenslustige, junge, homosexuelle Partytiger stehen sollen, die die Club-Kultur voll auskosten – bis ein Todesfall sie aus der Bahn wirft und sie in Kontakt mit anderen Schwulen und deren Lebenswelt bringt.

    Die erste eigene Neubestellung für den Dienst ist nun laut Deadline ein Serienpilot zu „One Of Us Is Lying“, der Adaption eines gleichnamigen Young-Adult-Mystery-Thrillers. NBC Universal hatte sich die Rechte an dem 2017 erschienenen Roman von Karen M. McManus erkämpft und ließ den Stoff zunächst bei E! entwickeln. Die Handlung wird als „Breakfast Club – Der Frühstücksclub“ trifft auf „Pretty Little Liars“ beschreiben: Fünf einander unbekannte Jugendliche treten gemeinsames Nachsitzen an – am Ende leben nur noch vier von ihnen. Da jeder etwas zu verbergen hat, erscheint auch jeder der Überlebenden als Verdächtiger.

    Hintergründe

    Bei NBC Universal und Mutterfirma Comcast ist man erst recht spät auf die Idee verfallen, einen eigenen Streaming-Dienst haben zu wollen – längere Zeit hatte man mit einem verstärkten Einstieg bei Hulu geliebäugelt, doch mittlerweile sind die Weichen Richtung eines eigenen Angebots gestellt. Dringend nötig, denn die Hoffnung für die Zukunft des Werbemarktes liegt – wie auch in Deutschland bei Joyn – darin, dass man in Zukunft genau weiß, in welche Konsumerkategorie ein Zuschauer vor dem Bildschirm gehört und daher passgenaue Werbung präsentieren kann. Die hat der Theorie zufolge eine höhere Werbewirkung und man kann für diese Vermittlungsleistung mehr Geld verlangen, als für TV-Spots, die bisher eher nach dem Gießkannenprinzip ausgeliefert werden.

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