Helmut Krauss ist tot

    Schauspieler und Synchronsprecher starb im Alter von 78 Jahren

    Glenn Riedmeier
    Glenn Riedmeier – 29.08.2019, 17:07 Uhr

    Helmut Krauss – Bild: KiKA/Bildredaktion
    Helmut Krauss

    Traurige Nachricht: Eine markante Stimme wird für immer schweigen. Der Schauspieler, Kabarettist und Synchronsprecher Helmut Krauss ist am Montag, 26. August, im Alter von 78 Jahren in Goslar verstorben. Viele Generationen an Kindern haben ihn als lustigen Nachbarn Hermann Paschulke in der ZDF-Sendung „Löwenzahn“ kennengelernt.

    Helmut Krauss wurde am 11. Juni 1941 in Augsburg geboren. Nach der Absolvierung einer Schauspielausbildung studierte er Pädagogik und spielte Theater, unter anderem am Forum-Theater, am Grips-Theater und am Hansa-Theater in Berlin und am Staatstheater in Hannover. Er engagierte sich in den 1970er Jahren als Rezitator auf Veranstaltungen der linken bzw. sozialistischen Bewegung in West-Berlin. Darüber hinaus war er als Kabarettist tätig und war einige Male in der TV-Sendung „Scheibenwischer“ von Dieter Hildebrandt zu sehen. Als Partner von Hannelore Kaub trat er auch im Kabarett Das Bügelbrett auf.

    Bundesweit bekannt wurde Helmut Krauss durch seine Darstellung des Zivilfahnders Django Fiebig in der Krimiserie „Direktion City“, die vom SFB nach dem Vorbild der britischen Serie „Task Force Police“ von 1976 bis 1982 produziert wurde. Die bekannteste Schauspielrolle von Helmut Krauss war jedoch sicherlich die des Nachbarn Hermann Paschulke, den er von 1981 bis 2019 in „Löwenzahn“ verkörperte. Gastauftritte absolvierte er unter anderem in den Serien „Berliner Weiße mit Schuß“, „Tatort“, „Lukas + Sohn“, „Der Hausgeist“, „Praxis Bülowbogen“ und „Pastewka“.

    2005 kehrte Helmut Krauss zurück auf die Theaterbühne und übernahm bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg im Stück „Winnetou und das Geheimnis der Felsenburg“ die Rolle des gemütlichen Gastwirts Don Geronimo. 2006 wurde Krauss von den Störtebeker-Festspielen auf Rügen als Ambrosio engagiert, 2008 war er dann mit „Der Name der Rose“ vom Theater des Ostens auf Tournee in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien.

    Krauss war nicht nur Schauspieler, sondern auch gefragter Synchronsprecher. Er lieh seine Stimme unter anderem Marlon Brando, John Goodman, Yaphet Kotto, Wilhelm von Homburg, Jean Reno, Samuel L. Jackson, Paul Winfield und Jon Voight. Häufig wurde er auch für Schurkenrollen in Disney-Zeichentrickfilmen engagiert. So sprach er den Greifer in „Basil, der große Mäusedetektiv“, Percival C. McLeach in „Bernard und Bianca im Känguruland“ und den Erzdiakon in „Der Glöckner von Notre Dame“. Darüber hinaus war er als deutsche Stimme des sprechenden Pferdes „Mr. Ed“, als Philip Banks in „Der Prinz von Bel-Air“ sowie als Carl Winslow in „Alle unter einem Dach“ zu hören. Viele haben Krauss auch noch als Erzähler-Stimme im Kult-Anime „Captain Future“ im Ohr. Von 2009 bis 2013 sprach er Maurice in der Animationsserie „Die Pinguine aus Madagascar“.

    Ab 2002 war Krauss mit Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich mit Live-Hörspielen der „Die drei ???“ auf Deutschlandtour, in denen er die Rolle des Erzählers übernahm. Darüber hinaus sprach Krauss in der Hörspielserie „Elea Eluanda“ Opi Kopi, in der Reihe „Die Elfen von Bernhard Hennen“ den Baumeister Guido und war außerdem in „Lady Bedfort“-Hörspielen zu hören. Ferner wurde Krauss auch für das Musikprojekt E Nomine engagiert, das ab Ende der 90er Jahre mehrere Techno-Hits mit deutschen Synchronsprechern veröffentlichte.

    Erwähnenswert ist der Film „Der Gründer“ von Eric Hordes aus dem Jahr 2009. Dabei handelt es sich um eine Satire über den ehemaligen Fernsehsender Kanal Telemedial. Krauss verkörperte die Hauptfigur Gerhard Hornbacher, eine Parodie auf den umstrittenen Medienunternehmer Thomas Hornauer. Krauss fungierte auch als Co-Produzent und Synchronregisseur. Für den Film „Goblin 2“ (2017) und die für das ARD-Angebot funk produzierte Dramedy „Patchwork Gangsta“ (2019) arbeitete Krauss erneut mit Eric Hordes zusammen.

    Die ZDF-“Löwenzahn“-Redaktion erinnert sich an Helmut Krauss als jemanden, der das Leben mitten in der stressigsten Arbeit zu genießen wusste. „Die Schauspielerei war ihm eine Herzensangelegenheit, insbesondere genoss er den inspirierenden Kontakt und Austausch mit seinen jüngeren Schauspielkolleginnen und -kollegen.“ Zuletzt stand Krauss im Juni 2019 für „Löwenzahn“ vor der Kamera. Als er das Set verließ, verabschiedete er sich vom Team mit den Worten: „Hier gehöre ich hin.“

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • (geb. 1979) am melden

      Och, mennoooo! 
      Am liebsten erinnere ich mich an die Folge mit dem Spaghettiwettstreit (wer macht die längste Spaghetti ^^) und am Ende sie die perfekte Lösung hatten^^
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      • (geb. 1978) am melden

        Die Nachricht hat mich ein paar Tränchen gekostet. Großartige Synchronstimme und der ewige Nachbar. ♥
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        • am via tvforen.demelden

          Sehr schade :(

          Er hatte so eine schöne und markante Stimme. Er war z.B. der Erzähler bei ''Captain Future'' mit einer sehr ruhigen, sanften Stimme. Er konnte aber auch anders, wenn man an ''Der Pate'' oder ''Rocky III'' denkt. Da sprach er Mr. T als Clubber Lang und, woran ich miich überhaupt nicht erinnerrn kann, auch Drago in ''Rocky IV''.







          Mit der Figur ''Paschulke'' in Löwenzahn konnte ich weniger anfangen.

          Er und seine Stimme werden mir sehr fehlen.

          TVMaster74
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            sehr traurig .. er hatte eine so grossartige Stimme (ich sag nur Corleone in Der Pate)
            Die Paschulkerolle hat ihm wohl sehr viel Spass gemacht, so erzählte er einmal in einer Talkrunde. Dabei hatte er viel mehr drauf-- R.I.P.
            • am via tvforen.demelden

              scheisse :-/ das macht mich echt traurig

              Ruhe in Frieden ...
              • am via tvforen.demelden

                Peter Lustigs langjähriger "Löwenzahn"-Nachbar und Synchronsprecher Helmut Krauss ist vor wenigen Tagen verstorben :-(
                https://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Krauss

                Ich schaue zur Zeit auf Amazon Prime wieder den Prinz von Bel-Air und höre Krauss täglich als Onkel Phil.

                Auf wiedersehen.
                Snake

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