[UPDATE] Fiction-Offensive in der ARD Mediathek: Von „Babylon“ bis „Bäckström“

    Die ARD setzt in allen Programmfarben auf „Online First“

    Bernd Krannich – 01.09.2020, 16:54 Uhr

    „Online First!“: Die ARD setzt im Herbst und Winter 2020 bei ihren fiktionalen Formaten vermehrt auf die Premiere in der ARD Mediathek, bevor diese dann im Ersten, den Dritten Programmen und auf One gezeigt werden. Dabei ist eines der Ziele, die gesamte Programmvielfalt abzudecken, von Comedy über Drama bis zum Lieblingsgenre der Deutschen, dem Krimi.

    Update: Der 1. Oktober 2020 als Startdatum für „Da is’ ja nix“ wurde nachgetragen.

    Jörg Schönenborn, ARD-Koordinator Fiktion, kommentiert: So viel und so vielfältig war Serie in der ARD noch nie. Mit ‚Oktoberfest 1900‘ und vielen weiteren Serien in den kommenden Monaten bespielen wir erstmals durchgängig zuerst die ARD Mediathek und dann unsere linearen Ausspielwege im Ersten, in den Dritten Programmen und auf ONE. Ich freue mich über die Qualität und die Bandbreite der fiktionalen Angebote, mit denen wir die Attraktivität der ARD Mediathek nachhaltig stärken und zeigen wollen, dass wir es im non-linearen Wettbewerb ernst meinen: Wir denken nicht länger zuerst in linearen Sendeplätzen, sondern konsequent zuerst in Inhalten und Projekten – ein Paradigmenwechsel für die ARD.

    Zu den Highlights, die so den Gebührenzahlern angeboten werden, zählen unter anderem „Oktoberfest 1900“, die Free-TV-Premiere der dritten Staffel von „Babylon Berlin“ (komplett am 11. Oktober), die Neuauflage von „Pan Tau“ und später die dritte Staffel von „Charité“ (noch kein festes Datum).

    Als Serienpremieren in der Mediathek der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland wurden unter anderem angekündigt (in Veröffentlichungsreihenfolge):

    Oktoberfest 1900

    Am 8. September wird die Miniserie „Oktoberfest 1900“ mit allen sechs Teilen in der ARD Mediathek verfügbar gemacht.

    Curt Prank (Mišel Matičević), ein Großbrauer aus Franken, setzt sich in den Kopf, im Jahr 1900 auf das Oktoberfest zu expandieren. Das wird bislang von den Münchener Brauereien eifersüchtig gehütet – einerseits ist es eine gewaltige Einnahmequelle, andererseits haben sie die Macht dazu. Doch mittels Bestechung und Erpressung ergaunert sich Prank schließlich fünf aneinanderliegende Wirts-Parzellen auf dem Oktoberfest und plant einen „Großangriff“ auf die Platzhirschen – die sich das nicht gefallen lassen … 

    Der letzte Wille

    Die sechs Folgen der Comedyserie „Der letzte Wille“ kommen ab dem 25. September in die ARD Mediathek.

    Nicht nur das Gebäude der Altersresidenz Villa September hat seine besten Tage bereits hinter sich. Auch die Bewohner sind in die Jahre gekommen. Wie viele ältere Menschen haben sie dank ihrer Lebenserfahrung zu vielen Themen eine starke und festgefa gut fundierte Meinung. Als die philanthropische Besitzerin Dagmar Winkelmann stirbt, zieht allerdings ein herbstlich kalter Wind auf: Denn die Erbin Ella will das Gebäude verkaufen, das für sie wegen der unterfinanzierten Altersresidenz unattraktiv ist. Allerdings kann sie erst zum Verkauf schreiten, wenn keiner der Senioren mehr dort wohnt. Die ungeduldige Ella schreitet sogleich zur Tat, die Bewohner zu vertreiben … 

    Pan Tau

    14 Episoden von „Pan Tau“ werden am 27. September in der Mediathek veröffentlicht.

    Matt Edwards porträtiert in der Neuauflage des Kinder- und Jugendklassikers den eleganten, schweigsamen und unsichtbaren Pan Tau, der seine außerirdischen Zauberkräfte immer dann einsetzt, wenn ein Kind der Westpark-Schule Hilfe braucht. Ob in der Schule oder zu Hause bei der Familie: Pan Tau ist jederzeit zur Stelle und bringt mit einem Lächeln und fantastischer Magie jeden zum Staunen und Lachen und stärkt das Selbstvertrauen der Schüler, die dann über sich hinauswachsen können und zuvor „unüberwindbare“ Probleme selber meistern.

    Parlament

    Die zehn Folgen der französisch-belgisch-deutschen Koproduktion „Parlament“ kommen ab dem 29. September in die Mediathek.

    Das EU-Parlament in Brüssel: Hier wird das Schicksal von 500 Millionen EU-Bürgern entschieden, doch kaum einer kennt die Verantwortlichen und kaum einer durchschaut die Strukturen. So geht es auch dem jungen Franzosen Samy Kantor (Xavier Lacaille), der seinen ersten Arbeitstag als Praktikant in Brüssel direkt nach der Brexit-Abstimmung beginnt. Obwohl er an der Uni viel über Europa gelernt hat, ist er auf seinen neuen Posten in keiner Weise vorbereitet: Für die deutsche Abgeordnete Ingeborg (gespielt von Christiane Paul) soll er einen Gesetzesentwurf aus dem Umweltbereich entwerfen – und überall sieht er sich von Haifischen umgeben … 

    Ethno

    Vier jeweils knapp 35-minütige Folgen der Comedyserie „Ethno“ kommen ab 18. Oktober in die Mediathek.

    Black Lives Matter – diese politische Botschaft ist aus den USA ins öffentliche Bewusstsein auch hierzulande gekommen, nachdem im Land of the Free immer mehr Fälle von unnötiger und tödlicher Polizeigewalt vermeldet wurden. Auch in Deutschland haben BPoCs (Black and People of Colour) allerdings mit zusätzlichen Problemen durch den willkürlichen Umgang von Behörden und einem unterschwelligem (und manchmal auch rassistisch direkten) Misstrauen in der Gesellschaft ihnen gegenüber zu kämpfen. In einer Comedyserie setzt sich das Ensemble um die Stand-up-Gruppe RebellComedy damit auseinander.

    Ben (Benaissa Lamroubal), Sohn marokkanischer Einwanderer, hat sein Studium abgebrochen und hält sich mit schlechtbezahlten Mini-Jobs über Wasser, unter anderem in einem Callcenter. Als das BAföG-Amt seine Schulden eintreiben will, die er für sein abgebrochenes Studium angehäuft hat, gerät er unter Druck. Schnell muss Geld her, denn Bens Vater darf auf keinen Fall erfahren, dass sein Sohn gar nicht mehr studiert. Über Umwege landet Ben eher zufällig bei einem Comedy-Wettbewerb, bei dem ein Preisgeld winkt. Von da an sucht Ben sein Glück im Showgeschäft.

    Da is’ ja nix

    Die Gauner-Komödie und Heimatserie „Da is’ ja nix“ kommt „im Oktober 2020“ in die Mediathek. Update: Mittlerweile hat die ARD den „1. Oktober 2020“ als Veröffentlichungsdatum bestätigt.

    Das glamouröse Hochstaplerpaar Daniela Hinrichs (Johanna Christine Gehlen) und Matthias Groller (Sebastian Bezzel) flieht aus Bayern vor dem Zorn geprellter Investoren. Sie landen in der Heimat von Daniela, im Dorf Österbrarup, eine Art Bermuda-Dreieck des Nordens – ohne Handyempfang, Sehenswürdigkeiten und ohne wirtschaftliche Aussichten. Kurzfristig geben sie sich als Tourismusexperten aus – während Daniela schnellstmöglichst wieder weg will, geht Matthias in Hochstaplermanier voll in dem neuen Gaunerstück auf. Allein: Daniela will in ihrer Heimat – auch wegen dort noch lebender Familie – nicht als Verbrecherin in Erinnerung bleiben. Und so geht man schließlich ernsthaft das Ziel an, mit einem Wellness-Angebot Touristen anziehen zu wollen.

    How to Tatort

    Die Mockumentary „How to Tatort“ umfasst sechs knapp zehnminütige Episoden und wird am 20. November in der Mediathek veröffentlicht – ein Ausstrahlung im TV ist nicht geplant.

    Jasna Fritzi Bauer, Luise Wolfram und Dar Salim sind das neue Team des „Tatort“ aus Bremen. „How to Tatort“ blickt „dokumentarisch“ hinter die Kulissen von Casting und dem Weg zu den Dreharbeiten. Bei dem Format handelt es sich allerdings um eine Mockumentary, also eine Comedyserie – sie entsteht im Umfeld des 2020 begangenen 50. Jubiläums des erfolgreichen Krimiformats.

    Zwei Minuten – Der Test

    Die Serie „Zwei Minuten – Der Test“ umfasst sechs kurze Folgen von je maximal 10 Minuten. Sie soll „im November 2020“ in die ARD Mediathek kommen.

    „Schwangerschaft“ – ein einzelnes Wort, viele Vorstellungen, Hoffnungen, Träume und Befürchtungen. Die Miniserie „Zwei Minuten – Der Test“ bezieht ihren Titel von den zwei Minuten, die ein handelsüblicher Schwangerschaftstest benötigt, um ein Ergebnis zu zeigen. In sechs Geschichten aus Leipzig erzählt die Serie von den unterschiedlichsten Voraussetzungen für die Einordnung, wie man über eine mögliche Schwangerschaft denkt – von Hoffnung auf neue Chancen bis zu Befürchtungen über die Auswirkungen einer Schwangerschaft. Verbunden werden die Geschichten durch den Rahmen – eine Straße mit Apotheke, Späti und einer Frauenarztpraxis.

    Twin

    Die norwegische Serie „Twin“ entstand in Zusammenarbeit mit ARD Degeto und soll voraussichtlich „im Dezember“ in die Mediathek kommen.

    Erik (Kristofer Hivju) und Adam (ebenfalls Hivju) sind eineiige Zwillinge – aber komplett verschieden und entfremdet. Erik lebt sein Leben als mittelloser Surfer auf den Lofoten, Adam ist ein hart arbeitender Familienmensch mit erfolgreicher Karriere als Hotelier. Beim ersten Wiedersehen der beiden nach 15 Jahren kommt es zu einem Zusammenstoß zwischen Adams Frau Ingrid und Erik – doch Adam kommt letztendlich ums Leben, und Ingrid trägt die Schuld. Um Adams Familie zu schützen, nimmt Slacker Erik den Platz seines Bruders ein. Aber mit dem passenden Aussehen alleine ist es lange noch nicht getan.

    Kommissar Bäckström

    Der schwedische Krimi „Kommissar Bäckström“ kommt voraussichtlich „im Dezember“ mit seinen sechs Episoden à 45 Minuten in die ARD Mediathek. Die Fernsehausstrahlung wird wohl in drei Teilen in Spielfilmlänge erfolgen.

    Der leicht misanthropisch veranlagte Chefinspektor Evert Bäckström (Kjell Bergqvist) ist stolz auf seine hohe Erfolgsquote – was er die junge Kommissarin Annika Carlsson (Agnes Lindström Bolmgren) und die neue Staatsanwältin Hanna Hwass (Livia Millhagen) auch spüren lässt. Als Edvin (Elvis Stegmar), ein zehnjähriger Junge aus seiner Nachbarschaft, auf der unbewohnten Insel Ofärdsön einen menschlichen Schädel mit Einschusslöchern entdeckt, ist Bäckströms Gespür für Verbrechen und Ungereimtheiten gefordert. Laut DNA-Analyse stammt der Schädel von Jaidee Kunchai (Sandra Yi Sencindiver), die bereits 2004 bei dem Tsunami in Thailand zu Tode gekommen sein soll. Ohne es zu ahnen, gerät Bäckström bei seinen Ermittlungen ins Visier der russischen Mafia … 

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