FerienSerien: „Red Oaks“

    Charmant-witzige Nostalgie-Comedy über das Erwachsenwerden in den 1980ern

    Marcus Kirzynowski
    Marcus Kirzynowski – 10.08.2016, 18:00 Uhr

    „Red Oaks“: David (Craig Roberts) durchlebt einen verwirrenden Sommer im Country Club – Bild: Amazon Studios
    „Red Oaks“: David (Craig Roberts) durchlebt einen verwirrenden Sommer im Country Club

    Dieser Artikel ist Teil unserer Artikel-Reihe FerienSerien.

    „Red Oaks“ ist eine jener kleinen, etwas unauffälligen Eigenproduktionen der Amazon Studios, die im Video-on-Demand-Angebot des Onlinehändlers neben dem Kritikerliebling „Transparent“ unter dem Radar vieler Serienfreunde geblieben ist. Zu Unrecht, handelt es sich bei der bislang zehnteiligen Comedy doch um eine höchst charmante Coming-of-Age-Geschichte über den Abiturienten David, der sich sein College-Startkapital im Jahr 1985 mit einem Ferienjob als Tennislehrer in einem gehobenen Country Club aufbessert.

    Worum geht es in „Red Oaks“?
    David (Craig Roberts) ist ein unauffälliger Durchschnittstyp, zwar intelligent, aber nur mäßig ambitioniert, nicht allzu attraktiv, aber trotzdem mit der hübschen Karen (Gage Golightly) zusammen. Von seinen Eltern hat er sich noch nicht richtig abgenabelt, wohnt immer noch zu Hause bei Vater Sam (Richard Kind), der will, dass sein Sohn in seine Fußstapfen als Buchhalter tritt, und der esoterisch angehauchten Mutter Judy (Jennifer Grey). Im Red Oaks Country Club in New Jersey jobbt er als Aushilfs-Tennislehrer für die wohlhabenden, meist reiferen Mitglieder. Unter diesen wie unter den Kollegen finden sich zahlreiche mehr oder weniger skurrile Charaktere, die dafür sorgen, dass David immer wieder fast automatisch in peinliche Situationen hineinschlittert. Doch in diesem Sommer wird sich für ihn im Laufe einer Staffel auch vieles ändern, wird er gezwungen, seine privaten wie beruflichen Pläne zu überdenken.

    So bringt ihn die Bekanntschaft mit Skye (Alexandra Socha), der unkonventionellen, künstlerisch veranlagten Tochter des Clubpräsidenten, dazu, sich zu fragen, ob die Gymnastiklehrerin Karen wirklich noch die richtige Freundin für ihn ist. Auch seine Eltern haben eine Beziehungskrise, was Davids melancholische Grundstimmung noch verstärkt. Erwachsenwerden heißt eben auch Abschied nehmen von alten Gewissheiten, akzeptieren, dass das Leben ständig Veränderungen mit sich bringt.

    Hintergründe
    Der Waliser Craig Roberts wurde einem internationalen Publikum 2010 durch seine Rolle in dem Indiefilm „Submarine“ bekannt. Danach war er in Blockbuster-Komödien wie „22 Jump Street“, aber etwa auch in der letzten Staffel der britischen Jugendserie „Skins“ zu sehen. Ein Besetzungscoup der besonderen Art ist den Produzenten mit seiner Serienmutter Jennifer Grey gelungen: Die war 1987, also fast genau zu der Zeit, in der „Red Oaks“ spielt, Patrick Swayzes „Baby“ in der Kultkomödie „Dirty Dancing“.

    Als ausführende Produzenten dienen die auch als Kinoregisseure bekannten Steven Soderbergh (die „Ocean’s…“-Filme, „The Knick“) und David Gordon Green („Ananas Express“, „Eastbound & Down“). Letzterer hat auch mehrere Episoden selbst inszeniert, darunter die Pilotfolge. Ein weiterer Regisseur ist Hal Hartley, der in den 1990ern mit Indiefilmen wie „Amateur“ für Aufsehen sorgte.

    Für wen ist „Red Oaks“ zu empfehlen?
    „Red Oaks“ ist sicherlich keine Comedyserie zum Schenkelklopfen. Stattdessen zeichnet sie sich durch eine gelungene Mischung aus charmant-witzigen Situationen und einer nostalgisch-melancholischen Grundstimmung aus. Dabei driften erstere durchaus auch mal in komplettes Chaos ab, etwa, wenn David zum Geldverdienen Sexvideos drehen soll oder eine Bar-Mizwa-Party völlig entgleitet. Am lustigsten ist aber eine etwas aus der Reihe fallende „Körpertausch“-Episode, in der David in die Haut seines Vaters schlüpft und umgekehrt.

    Die nostalgische Atmosphäre wird durch das 1980er-Jahre-Setting und den entsprechenden Soundtrack unterstützt, wobei das Ganze aber dezent bleibt – allzu viele schlimme Föhnfrisuren sind nicht zu erwarten. Insbesondere, wer Filme oder Serien mit ähnlichem Setting mag, wie etwa Richard Linklaters „Dazed and Confused“, den „Breakfast Club“ oder die NBC-Kultserie „Voll daneben, voll im Leben“ (aka „Freaks and Geeks“), wird auch an „Red Oaks“ Gefallen finden. Generell aber auch jeder, der etwas leiseren Humor mag und sich noch einmal an jene Zeit im Leben erinnern möchte, in der alles möglich und der Sommer ewig zu dauern schien.

    Verfügbarkeit
    Die Serie ist bislang exklusiv bei Amazon Prime zu sehen. Die zweite Staffel wird am 11. November 2016 (zunächst in englischer Sprache) veröffentlicht (fernsehserien.de berichtete).

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

      weitere Meldungen