Im Alter von 84 Jahren ist der deutsche Synchronsprecher und Schauspieler Joachim Kerzel am 20. Juli in Berlin verstorben. Das meldet unter anderem der NDR. In seiner langen Karriere hat er weit mehr als 1000 Sprechrollen übernommen. Bekannte Darsteller, denen er seine wandelbare Stimme lieh, umfassen unter anderem Jack Nicholson, Dustin Hoffman, Anthony Hopkins und Robert Wagner. Unter anderem …
Joachim Kerzel wurde 1941 im heutigen Zabrze (damals Hindenburg) in Oberschlesien geboren. Nach der Flucht seiner Familie kam er nach Augsburg. Dort absolvierte er eine Ausbildung, leistete danach seinen Grundwehrdienst als Funker bei der Bundesmarine ab und besuchte schließlich in Hannover die staatlichen Hochschulen für Musik und Theater. Ab Mitte der 1960er stand er regelmäßig auf der Bühne, ab den 1970ern kam er immer wieder zu Fernsehrollen. Seine größten Erfolge feierte Kerzel aber ab den 1980er-Jahren als Synchronsprecher.
Frühzeitig hatte Joachim Kerzel als Sprecher im Studio gestanden und für Kurzfilme Voice-Over gesprochen: Ich habe kurze Filme besprochen, so zehn Minuten lange. Und wenn ich mich mich da in der letzten Minute versprochen hatte, musste ich den ganzen Film nochmal aufnehmen. Das war eine harte Schule, aber es hat geholfen.
Auch nur die wichtigsten Sprechrollen von Kerzel aufzuzählen, würde jeden Rahmen sprengen. Daneben fungierte er auch lange Jahre als Voice-Over-Stimme bei Filmtrailern und war in seiner Hochzeit für mehr als die Hälfte der Trailer verantwortlich. Viele Zuschauer werden ihre eigene „Lieblingsrolle“ von ihm haben.
Als Stimme von Robert Wagner war er unter anderem bei „Hart aber herzlich“ als Jonathan Hart sowie bei „Navy CIS“ als Tonys Vater Anthony DiNozzo Sr zu hören. Persönlich hielt Kerzel große Stücke auf Anthony Hopkins, dem er zuletzt in den Serienrollen bei „Westworld“ und „Those About to Die“ die Stimme geliehen hatte. Ab 1991 sprach Kerzel regelmäßig Rollen von Jack Nicholson, wobei seine Arbeit am Film „About Schmidt“ (2002) den Deutschen Preis für Synchron erhielt.
Der Verband Deutscher Sprecher:innen würdigt den Verstorbenen: Ob als Synchronsprecher, Theater- oder Filmschauspieler, Hörspiel- und Hörbuchinterpret – Joachim Kerzel hat mit seiner einzigartigen, wandelbaren Stimme Generationen von Zuschauer:innen und Hörer:innen geprägt. Und aus einem großen Teil der Kinotrailer war er gar nicht wegzudenken.
Es ist zum an die Wand scheißen! Versteht mich bitte nicht falsch! Wir alle müssen gehen, so hat es die Natur vorgesehen. Aber es nervt nur noch. Insbesondere, wenn man wie ich mit Hörspielen und Synchronfassungen aufgewachsen ist. Und wenn, ich mir anschaue und anhöre, was derzeit mit KI so alles "verbrochen" wird.
Bekomme ich Angst! Synchronsprechen, ist eine Kunst. Ein Handwerk. Und so sollte es behandelt werden. Und ich denke, ich bin nicht der Einzige, der das so sieht.
Ruhen Sie in Frieden Herr Kerzel! Sie werden uns schrecklich fehlen.
Alte schneegans am
Ja, nicht nur im nahen Bekanntenkreis mahnen die Weggänge die Vergänglichkeit des Lebens an. Die jahrzehntelangen Begleiter in Musik und Film altern mit uns und erinnern deutlich an die Endlichkeit. Eine wunderbare Stimme ist verstummt.
Tom_Cat am
Einer der besten 👍
ProMovieKino am
RIP 🕯️🤍😢 und wieder eine Synchronlegende weg. Hab vor kurzem Outer Limits angefangen zu gucken und er hat das geniale Intro gesprochen. Wenn ich seine Stimme höre, verbinde ich sie immer direkt mit Jack Nicholson. Anthony Hopkins & Dustin Hofman natürlich auch. Jean Reno auch genial in Léon – Der Profi.
Er war auch die deutsche Stimme von Robert de Niro in "Es war einmal in Amerika". Und das obwohl vorher und nachher Christian Brückner eigentlich dessen sehr guter Stammsprecher war. Es war mein erster Film, bei dem ich Robert de Niro bewusst erlebt habe, und er hat dort, finde ich, seine Sache verdammt gut gemacht. Ch. B. in der Neufassung gefällt mir gar nicht.
Eine Stimme, die ich auch seit meiner Kindheit kenne, ist gegangen. Hörbücher und Hörspiele, sowie Filme bleiben uns erhalten. Peter Flechtner hatte es ja als einer der ersten gepostet.
wolle64 schrieb: ------------------------------------------------------- > Er war auch die deutsche Stimme von Robert de Niro > in "Es war einmal in Amerika". > Und das obwohl vorher und nachher Christian > Brückner eigentlich dessen sehr guter > Stammsprecher war.
Brückner hatte immer mal wieder Synchronpausen und Auslandsaufenthalte eingelegt, in denen er dann nicht zur Verfügung stand.
wolle64 schrieb: ------------------------------------------------------- > Er war auch die deutsche Stimme von Robert de Niro > in "Es war einmal in Amerika". > Und das obwohl vorher und nachher Christian > Brückner eigentlich dessen sehr guter > Stammsprecher war. > Es war mein erster Film, bei dem ich Robert de > Niro bewusst erlebt habe, und er hat dort, finde > ich, seine Sache verdammt gut gemacht. Ch. B. in > der Neufassung gefällt mir gar nicht.
Speziell bei diesem Film geht es mir genauso. Aber ich glaube, das ist einfach Konditionierung. Man will den Film so hören, wie man ihn in Erinnerung hat. Deshalb kann ich mir auch immer noch Filme und Serien auf Deutsch angucken, die ich als Kind oder Jungedlicher gesehen habe, obwohl ich Synchronfassungen seit Anfang der 90er eigentlich meide.
Joachim Kerzel fand Anthony Hopkins in einigen Filmen interessanterweise so gut, dass er ihn am liebsten gar nicht synchronisiert hätte.
Seine Stimme war wunderbar. Er sprach auch den Text für den Intro von Babylon 5. Eine Legende hat uns verlassen. Ruhen Sie in Frieden, Joachim Kerzel.🌹
FilmOnkel am
Und wieder wird eine große Stimme der Synchronkunst verstummen, mit der man quasi groß geworden ist. Als jemand, der in der Lage ist auch Filme im Originalton zu schauen, so ist es doch viel angenehmer eine gute Synchronstimme in seiner Muttersprache zu hören, vor allem wenn die Stimmen auch das transportieren was die Stimmung des Films erfordert, denn da sind heutige jüngere Synchronsprecher teilweise Meilen weit von entfernt. Von KI möchte ich hier erst gar nicht reden.
Ich bekunde der Familie und den Angehörigen von Joachim Kerzel mein herzliches Beileid.