„Charmed“: Holly Marie Combs mahnt zum Frieden zwischen Original und Reboot

    Darstellerin ordnet ihre Reboot-Kritik ein

    Bernd Krannich – 16.10.2020, 15:00 Uhr

    Holly Marie Combs als Leah im Fernsehfilm „Love’s Complicated“

    In dieser Woche war online ein alter Konflikt zwischen dem Cast von „Charmed – Zauberhafte Hexen“ und dem Reboot „Charmed“ wieder aufgebrochen. In ihrer jüngsten Mitteilung mahnte Ur-Darstellerin Holly Marie Combs nun zu einem Waffenstillstand zwischen den Darstellerinnen – denn eigentlich gehe es um den Umgang der Firmen mit Schauspielern.

    Der Anfang

    Als die Neuauflage von „Charmed“ bestellt worden war, sorgte das für Unmut vor allem von Combs, und zwar aus zwei Gründen. Einerseits wurde in der neuen Serienbeschreibung hervorgehoben, dass die neue Serie „feministisch“ sei (eine der Hauptfiguren arbeitete in der ersten Staffel dann auch an einem „Lehrstuhl für Frauenforschung“ eines Colleges) – Combs empfand das als lächerliche Ansage, war doch auch das Original schon unbestreitbar durch und durch feministisch (fernsehserien.de berichtete). Schwerer wog für Combs aber der Umgang der Firmen und Rechtehalter mit den Produzenten der Originalserie – zu denen auch die Hauptdarstellerinnen aufgestiegen waren: Sie waren nicht am Reboot beteiligt.

    In den USA ist es durchaus üblich – und in vielen Fällen auch vertraglich festgelegt -, dass Produzenten einer Serie (zumindest finanziell) an Reboots und Spin-Offs beteiligt werden, da sie beim Aufbau der augenscheinlich erfolgreichen Marke Anteil hatten. Und nicht selten springen in Reboots auch Rollen für die alten Darsteller ab. Nicht so beim Reboot von „Charmed“, was den Ärger von Combs erregte, bei dem auch der Vorwurf des Ageism mitschwingt – also dass in der Unterhaltungsindustrie nur junge Gesichter zählen und vor allem Darstellerinnen ab einem bestimmten Alter kaum noch Jobs finden können.

    Diese Vorabkritik schwelte dann weiter und übertrug sich auch auf die dann entstehende neue Serie, deren Darstellerinnen es natürlich nicht gut fanden, dass ihre Chance, mit „ihrer“ Arbeit „ihre“ Serie zum Erfolg zu machen, von den Alt-Stars immer wieder mit Bemerkungen torpediert wurden.

    Ein Übriges taten Alt-Fans, die die Alt-Darsteller bei Twitter immer wieder zu Kommentaren über das Reboot anstachelten.

    Die jüngste Runde

    Das ist auch der Hintergrund der jüngsten Runde im Twitter-Scharmützel. In den USA war „Charmed – Zauberhafte Schwestern“ aus dem Angebot von Netflix verschwunden, die Neuauflage „Charmed“ blieb aber. Letztendlich vermutlich keine absichtliche Aktion gegen die „Zauberhaften Schwestern“, sondern einfach eine Sache von unterschiedlichen Lizenzen.

    Auf eine Fanfrage konnte sich Combs in einem Instagram-Post aber eine spitzfindige Schelte nicht verkneifen: wenn man nach [’Charmed’ bei Netflix sucht], wollen sie wohl, dass man das neue ‚Charmed‘ findet und nicht die alten Leute. Dem Kommentar pflichtete auch Rose McGowan bei: Sucks.

    Das wiederum erregte den Ärger der neuen Maggie-Darstellerin Sarah Jeffery. Sie reagierte auf Twitter, dass sie das Video gesehen habe und zunächst nichts habe sagen wollen, weil es (gemeint sind vermutlich Schlagabtausche in den sozialen Netzwerken) letztendlich ein „Rufen in die Leere“ sei. Da es wohl in ihr rumorte, konnte sie dann aber doch nicht still bleiben: ( … ) Ich will soviel sagen, dass ich es traurig und ehrlich gesagt auch armselig finde, wenn sich erwachsene Frauen derart verhalten. Und nachfolgend: Ich hoffe, dass sie andere Wege finden, glücklich zu werden, die nicht beinhalten, auch andere [Women of Color] niederzumachen. Ich würde mich schämen, wenn ich mich so verhalten würde.

    Den Vorwurf, sich durch das Niedermachen anderer Personen und Women of Color profilieren zu wollen, wollte Combs wiederum nicht auf sich sitzen lassen. Das ist ziemlicher Bulshit. Und eine ganze Menge davon. Offensichtlich. Leute, die solche schwerwiegenden Anschuldigungen trotz zahlreicher Gegenbeispiele gegen den Charakter einer Person erheben, das ist einfach falsch. Um mit einem Aufruf zu persönlichem Wachstum für Jeffrey zu enden.

    In einer Instagram-Story wurde McGowan laut TVLine deutlich schnippischer und aggressiver – McGowan gehört zu den Opfer von Harvey Weinstein und setzt sich seit langem öffentlich für grundlegende Veränderungen und Aufklärung ein.

    Letztendlich schoss sie daher gegen Jeffreys, dass sie einerseits Wichtigeres zu tun habe als sich mit anderen, ihr eigentlich auch unbekannten Schuspielern auseinanderzusetzen, sie andererseits aufrichtig froh für jede Woman of Color sei, die einen Job habe, aber eben generell gegen das industrielle System sei, unter dem aus ihrer eigenen, langen Vorarbeit aus rein finanziellen Gründen und ohne Seele und ohne Innovation ein Spin-Off gemacht werde: Reboots werden immer im Schatten stehen, das Original immer in der Sonne. Ich wünsche dir (aufrichtig) alles Gute.

    Combs salomonischer Spruch?

    In drei neuen Twitter-Posts ruft Combs nun zum Ende der persönlichen Animositäten auf und macht nochmal ihre Position – vor allem ihre Vorwürfe an die Industrie – deutlich.

    Meine Charmed-Freunde … Ich möchte euch alle bitten, aufzuhören. Um die Wahrheit zu sagen – und irgendwann wird sie ausführlicher erzählt werden – liegen unsere Probleme auf einem Firmen-Level. Und wir haben die dazugehörigen Unterlagen (um das auszuführen). Genauso wie sie vom neuen Cast verlangt haben, Leute zu sein, die sie nicht sind, wurden uns wahnsinnig unfaire Ultimaten gestellt.

    Und lasst mich das an die Ladys aus dem Reboot sagen: Haltet zusammen. Verhandelt (neue Verträge) als Gruppe. Und seid euch bewusst, das die Meinungsverschiedenheit zwischen uns [und euch darum, einfach ausgetauscht und weggeworfen worden zu sein] etwas ist, auf das sie zählen und zu ihrem Vorteil nutzen. Uneinigkeit. Das ist alles. Mein Segen für alle.

    Wenig später wurde Combs nochmals konkreter: Und ein letztes Mal, ich werde nie etwas gegen eine einzelne Person sagen, weil sie einen Job annimmt, um ihren Lebensunterhalt und den für ihre Familie zu verdienen. Es geht gegen die Industrie, die uns nur als Nummern sieht, ob die nun von einem # oder einem $ gefolgt wird. Denn von Anfang bis Ende, das ist alles, was wir (für die Industrie) sind, waren und sein werden. Cool.

    (Die Anspielung auf das „#“ dürfte Situationen meinen, in denen Schauspieler in einer Rolle ausgetauscht werden, also etwa wie bei „Last Man Standing“ „Kristin Baxter #1“, „Kristin Baxter #2“.)

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • (geb. 1976) am melden

      Also ich habe nach drei Episoden der ersten Staffel der neuen Serie abgeschaltet.
      als bekennender Zuschauer der ersten Serie waren einfach viel zu viele Abweichungen und Differenzen vorhanden. Auch dieser aktuelle Wahn in jede Serie zwingend eine Lesbe oder einen Schwulen einzubauen ist total überzogen.
      Das neue Charmed wirkte einfach wie ein Versuch eine gute Story in neuer Zeit darzustellen, doch das passt einfach alles nicht zusammen.
        hier antworten
      • (geb. 1995) am melden

        Muss ehrlich sagen dass Charmed Zauberhafte Hexen ab Staffel 4 nicht mehr sehenswert war. Die Staffel 5 - 8 waren nur mehr ein Aufguss und man merkt dass keine wirkliche Zusammenarbeit mehr da war, vor allem viele wichtige Faktoren waren nicht mehr da. Für mich sind Staffel 1 - 4 wunderbar und hat starke Charaktere und auch Storys sowie ein tolles Serien Finale mit Staffel 4. Das neue Charmed ist ein Zeichen unserer Zeit. Immer mehr Serien machen keine guten Storys mehr sondern setzen auf Marken und dem Cast. Wirklich gute Serienkost ist schwer zu finden und leider vergeht vieles. Vielleicht wird es besser aber aktuell bin ich da sehr wählerisch was neue Serien angeht.
          hier antworten
        • (geb. 1991) am melden

          Dieser ganze Streit hinter der Kamera ist besser als was sowohl die alte als auch die neue Serie gemacht haben.
            hier antworten

          weitere Meldungen