Aus für „Promis unter Palmen“: Neuer Sat.1-Chef beendet Skandalshow

    „Wir versuchen aus Fehlern zu lernen.“

    Glenn Riedmeier
    Glenn Riedmeier – 04.06.2021, 13:39 Uhr

    „Promis unter Palmen“ – Bild: Sat.1
    „Promis unter Palmen“

    Sat.1 geriet in den vergangenen Wochen und Monaten mehrfach in die Kritik aufgrund unterschiedlichster Formate. Nachdem Matthias Distel unfassbare Zustände bei „Plötzlich arm, plötzlich reich“ öffentlich machte, dauerte es einige Tage, bis der Sender die Entscheidung fällte, das Format einzustellen (fernsehserien.de berichtete). Und nun folgt der nächste deutliche Schritt des kürzlich zum neuen Sat.1-Chef ernannten Daniel Rosemann: Nach den Skandalen in den letzten beiden Staffeln trennt sich der Bällchensender von „Promis unter Palmen“. Es wird keine weiteren Folgen mehr geben.

    Über Twitter teilt der Sender mit:

    SAT.1 verändert sich. Das haben wir angekündigt, das tun wir. Deshalb haben wir beschlossen: Es wird keine weitere Staffel von „Promis unter Palmen“ geben. Wir sind überzeugt: Gutes Reality-TV ist hervorragende Fernsehunterhaltung. Aber „Promis unter Palmen“ passt nicht mehr zu uns. Veränderung braucht Zeit. Wir versuchen aus Fehlern zu lernen. Wir versprechen: Hier bleiben wir nicht stehen, sondern lassen unseren Worten weitere Taten folgen. Wir arbeiten im Moment an vielen neuen Ideen und Sendungen, die uns begeistern, und teilen sie mit euch, sobald wir das können. Wir haben ein großes Herz für richtig gute TV-Unterhaltung. Wir freuen uns auf ein neues SAT.1.

    Man könnte zu der Entscheidung sagen: „Besser spät als nie.“ Schade ist es um die skandalträchtige Sendung ohnehin nicht. In Bezug auf „Promis unter Palmen“ ist es das traurige Ende eines vollkommen aus dem Ruder gelaufenen Verständnisses von TV-Unterhaltung. Eigentlich hätte das Format bereits nach dem Mobbingskandal um Claudia Obert in der ersten Staffel nicht weiter fortgesetzt werden dürfen (fernsehserien.de berichtete). Zum damaligen Zeitpunkt verhielt sich Sat.1 unter der Führung des damaligen Senderchefs Kaspar Pflüger jedoch wie ein bockiges Kind, wies jede Schuld von sich und rechtfertigte sich damit, dass alles nur „Unterhaltung“ sei. Angesichts des Quotenerfolgs der ersten Staffel dachte der Sender gar nicht erst darüber nach, das Format zu entschärfen, stattdessen kündigte man ohne Rücksicht auf Image-Verluste vollmundig an, dass die zweite Staffel „noch härter und noch lauter“ werden würde.

    Bereits mit der ersten Folge der zweiten Staffel sorgte Sat.1 erneut für einen Skandal, diesmal wegen homophober Äußerungen von Kandidat Marcus Prinz von Anhalt (fernsehserien.de berichtete). Nachdem der Sender den Zorn der Zuschauer auf sich zog, wurden Konsequenzen gezogen: Folge 1 wurde aus der Mediathek und dem Streamingdienst Joyn entfernt. Auch sämtliche geplanten Wiederholungen wurden gestrichen. Die zweite Folge wurde aus Angst vor noch mehr Ärger kurzfristig umgeschnitten. Problematische Szenen wurden entfernt. Als schließlich der mitwirkende Schauspieler Willi Herren unerwartet verstarb, entschied sich Sat.1, die weiteren sechs vorproduzierten Folgen „aus Pietätsgründen“ nicht mehr auszustrahlen (fernsehserien.de berichtete).

    Während RTL und ProSieben einen klaren Weg hin zu mehr Seriosität und Relevanz verkündet haben, schien Sat.1 in die entgegengesetzte Richtung zu gehen und in Sachen Trash-TV selbst RTL Zwei unterbieten zu wollen. Doch nun scheint unter der neuen Führung von Daniel Rosemann, der fortan Senderschef von ProSieben und Sat.1 ist, endlich eine späte Einsicht eingekehrt zu sein. An seinem sommerlichen Reality-TV-Event „Promi Big Brother“ will der Sender allerdings festhalten, wie der Sender auf Twitter bestätigte. Dies passt zur Ankündigung, dass „gutes Reality-TV“ durchaus „hervorragende Fernsehunterhaltung“ sei. Es ist eben alles eine Frage der Umsetzung.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • am

      Mit dieser Art, TV zu produzieren, ist zwar die Rechnung dieser Sendergruppen aufgegangen, neue Zuschauer dazu zu gewinnen. Allerdings ist man auch 'ne Menge Zuschauer losgeworden, die diese Sendergruppen nach einiger Zeit komplett abgeschrieben haben, weil andere Programminhalte verdrängt wurden: Häufige Änderung von Sendeterminen, spontane An- und Absetzung von Serien...
      • (geb. 1976) am

        Ich glaube nicht für 10 Cent, dass man je das echte Wesen von "Promis" in einer dieser bekloppten Sendungen gesehen hat.
        • am

          Fernsehzuschauer. Das Detail das pbb weiterhin gezeigt wird steht im Bericht oben. Also würde es erwähnt. Ja und ich stehe dazu das ich es gern geschaut habe. Was andere über mich dann denken ist mir schnuppe. Ich fand es immer sehr interessant jwenn Promis sich dann von der echten Seite gezeigt haben. Nicht alle aber sehr viele. Wer es nicht mag brauch es nicht schauen. Wichtig ist aber das diese Leute genau über solche Sendungen bescheid wissen. Dafür das sie es nicht schauen. 😜
          • am

            Endlich. Alles wird weichgespült. Nur mehr nette, politisch korrekte, niemanden angreifende, beleidigende etc seichte kuschel Unterhaltungs Sendungen.

            Wobei, Disney gibt es ja schon :-(.
            Nur nicht(s) zeigen, was sich, doch einige Teile der Bevölkerung denken oder sehen wollen.

            Klar, Müll (Trash) und andere Formate (va von RTL2&Co) haben nicht den Bildungsauftrag erfüllt. Allerdings bildet Sat1, RTL2 und Konsorten halt auch eine andere Welt/Realität ab; oft als Unterschichten Fernsehen bezeichnet. Das mag man verachten oder als verachtenswert ansehen. Nichts desto trotz, warum nicht? Meinungsvielfalt! Auch das andere Spektrum sollte abgebildet werden. Nicht nur die schöne heile Welt.

            Ob man allerdings künstlich erzeugte Krawallmachersendungen fördern oder noch Öl ins Feuer gießen sollte, nur damit die Quoten stimmen, ist natürlich zu hinterfragen bzw kritikwürdg.
            • (geb. 1976) am

              Aha. Mal davon abgesehen, dass es "Unterschichten-Fernsehen" heißt, zeigte das nie die Realität ab. Wer das immer noch nicht verstanden hat, dem ist nicht mehr zu helfen. Es wurde eine Welt kreiert, die Redakteure für "Unterschicht" hielten. Diese wurde dann dem Rest zum Fraß vorgeworfen. Das hat nichts mit "Weichspülung" zu tun sondern ganz simpel mit human oder inhuman.
          • am

            endlich Mal eine gute Entscheidung von Sat1.
            • am

              Gut so
              • am

                Solche Sender sollte man abschalten, wegen Volksverblödung.
                • am via tvforen.de

                  Ich galube nicht, dass das irgendwer gesehen hat...
                  • am

                    So etwas gibt es tatsächlich ? Wer sind die Zuschauer ?
                    • am

                      Kleines aber pikantes Detail wurde nicht erwähnt: Sat1 zeigt Promi BB weiterhin also ändert sich rein gar nichts außer dass man sich von zwei Formaten trennt deren öffentliches Ansehen ramponiert wurde. 


                      Sat1 meint es nicht ernst, sie werden weiterhin trashige Realityshows produzieren nur dann die Eskalationsstufe runterschrauben...

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