„Eine bessere Welt“ gegen den „Hass im Netz“: Neuer Psychothriller mit Begleitdoku

„Das Signal“-Regisseur Hilger warnt vor den gesellschaftlichen Folgen digitaler Gewalt

Florian Gessner
Florian Gessner – 09.02.2026, 12:19 Uhr

Elena (Peri Baumeister, l.) sitzt in der Talkshow „talk & themen“ neben Dunja Hayali (M.) und stellt ihr Buch vor. Dabei gerät sie in eine hitzige Diskussion mit Boris Graubner (Roland Silbernagl, r.). Kurz darauf erhält sie zahlreiche Hasskommentare. – Bild: ZDF/Julia Feldhagen/Willi Weber
Elena (Peri Baumeister, l.) sitzt in der Talkshow „talk & themen“ neben Dunja Hayali (M.) und stellt ihr Buch vor. Dabei gerät sie in eine hitzige Diskussion mit Boris Graubner (Roland Silbernagl, r.). Kurz darauf erhält sie zahlreiche Hasskommentare.

Psychische Gewalt ist ein ernstzunehmendes Phänomen der modernen digitalen Kommunikation. Im Kampf um die Deutungshoheit sind massive Beleidigungen und Einschüchterungen ein beliebtes Mittel, Andersdenkende systematisch zum Schweigen zu bringen. Doch wollen wir in einer Welt leben, in der eine aggressive und unsachlich argumentierende Minderheit eine Mehrheitsmeinung simuliert und somit den Ton angibt? Wie es sich anfühlt, mit anonymen Hassreden und Drohungen mundtot gemacht zu werden, veranschaulicht der neue TV-Film „Eine bessere Welt“, der bereits im vergangenen Sommer beim Filmfest München vorgestellt wurde und erstmals am Montag, den 23. März um 20:15 Uhr im ZDF zu sehen ist. Eine begleitende Doku zum Film folgt im Anschluss. Beide Beiträge können schon ab Samstag, den 14. März auf ZDF.de gestreamt werden.

Das 90-minütige Thriller-Drama handelt von der Wissenschaftlerin Elena Stanat (Peri Baumeister), die sich mit ihrem Buch „Eine bessere Welt“ für eine ökologische Zukunft starkmacht. Ein polarisierender Talkshow-Auftritt, bei dem die engagierte Idealistin ihre Ideen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht, entwickelt sich jedoch für sie und ihre ganze Familie zu einem Albtraum. Waren es nach der Fernsehsendung zunächst „nur“ zahlreiche Hasskommentare, die Elena über sich ergehen lassen musste und zur Anzeige brachte, scheint sich der virtuelle Shitstorm zunehmend auf ihren realen Alltag auszuwirken.

Kurz nachdem Elena mit ihrem Mann Deniz (Serkan Kaya) und den beiden Kindern Sami (Elias Efe) und Ada (Soraya Marie Efe) in ein neues Haus eingezogen ist, folgt ein beängstigendes Ereignis nach dem anderen: Die Hühner der Familie sterben auf mysteriöse Weise, ein unheimlicher Mann inspiziert das Grundstück und eines Nachts brennt das Restaurant, in dem Deniz arbeitet. Doch hängen wirklich alle diese bedrohlichen Vorfälle mit den Hater-Nachrichten aus dem Netz zusammen, wie Elena glaubt? Deniz beginnt schon bald, an der Wahrnehmung seiner Frau zu zweifeln.

Das Drehbuch zum Film „Eine bessere Welt“, der von der Zeitsprung Pictures GmbH realisiert wurde, schrieben Nadine Gottmann und Sebastian Hilger („Liebe verjährt nicht“), der auch die Regie übernahm und seine Perspektive auf die heutige digitale Kommunikation wie folgt schildert: Im Netz herrscht ein unsichtbarer Krieg, seit Jahren schon. Es geht um Meinungshoheit und die Darstellung davon, in der Mehrheit zu sein. Menschen werden beschimpft und gezielt bedroht. Und jede Person, die daraufhin den Mund hält oder das Netz verlässt, ist ein gewonnener Hügel, ein eroberter Landstrich. Denn aus der Hoheit im Netz folgt politischer Druck und der verändert dann Realitäten auch im echten Leben.

Die beiden Filmemacher Gottmann und Hilger, die seit 2020 den Podcast „Are the kids asleep?“ publizieren, verwirklichten bereits die Science-Fiction-Serie „Das Signal“ (fernsehserien.de berichtete) und sind auch an der von Netflix angekündigten Mysteryserie „Hello“ maßgeblich beteiligt (fernsehserien.de berichtete).

Redaktionell beim ZDF ist Alexandra Staib für „Eine bessere Welt“ verantwortlich. Neben den bereits erwähnten Darsteller:innen sind Carl Benzschawel („Enkel für Anfänger“), Kayla Shyx („Like a Loser“), Seumas Sargent („Die Saat – Tödliche Macht“), „ZDF-Morgenmagazin“- und „heute journal“-Moderatorin Dunja Hayali und Roland Silbernagl („Spuren des Bösen“) in tragenden Rollen zu sehen.

Von den Beteiligten, die vor der Kamera standen, äußerten sich auch einige selbst gegenüber dem ZDF zur Botschaft des Films, so auch die Hauptdarstellerin Peri Baumeister („Russendisko“, „Der letzte Bulle“), die unter anderem anmerkt: Die Psyche macht keinen Unterschied zwischen digitaler oder analoger Gewalt. Das nehmen Betroffene so wahr und ist wissenschaftlich belegt. Das ist aber noch nicht genug in der Gesellschaft angekommen und wird immer noch heruntergespielt. Kayla Shyx, die im Film eine Studentin mit Shitstorm-Erfahrungen spielt, befürchtet zudem: Am Ende riskieren wir, eine Generation heranzuziehen, die mit Unsicherheiten aufwächst, Angst hat, sichtbar zu sein – und gleichzeitig den Druck verspürt, sich im Netz zeigen und positionieren zu müssen.

Studentin Lara (Kayla Shyx, l.) berichtet Dozentin Elena (Peri Baumeister, r.) von ihren Shitstorm-Erfahrungen und den Folgen für ihr Leben. ZDF/​Willi Weber

Die anschließende 30-minütige ZDF-Dokumentation „Hass im Netz: Eine bessere Welt“ um 21:45 Uhr zeigt, wie digitale Gewalt unser Leben mit oft drastischen psychischen Folgen verändern kann. Dabei wird die Problematik nicht nur auf individueller Ebene am Beispiel einzelner betroffener Personen beleuchtet, sondern auch als gesamtgesellschaftliche Herausforderung in den Blick genommen: Wie wirksam gehen Staat und Gesellschaft wirklich gegen digitale Gewalt vor? Warum verlaufen so viele Anzeigen im Sande? Was bedeutet es für zukünftige Generationen, in einer Welt mit alltäglichen Cybermobbingattacken aufzuwachsen? Diese und ähnliche Fragen stehen im Mittelpunkt des Beitrags.

Die Dokumentation „Hass im Netz: Eine bessere Welt“ wurde von den Filmemacherinnen Julia Lösch und Rebecca Kirkland entwickelt und mit der Produktionsfirma Bewegte Zeiten umgesetzt. Die redaktionelle Verantwortung beim ZDF liegt bei Nicolai Piechota.

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