Elena (Peri Baumeister, l.) sitzt in der Talkshow „talk & themen“ neben Dunja Hayali (M.) und stellt ihr Buch vor. Dabei gerät sie in eine hitzige Diskussion mit Boris Graubner (Roland Silbernagl, r.). Kurz darauf erhält sie zahlreiche Hasskommentare.
Psychische Gewalt ist ein ernstzunehmendes Phänomen der modernen digitalen Kommunikation. Im Kampf um die Deutungshoheit sind massive Beleidigungen und Einschüchterungen ein beliebtes Mittel, Andersdenkende systematisch zum Schweigen zu bringen. Doch wollen wir in einer Welt leben, in der eine aggressive und unsachlich argumentierende Minderheit eine Mehrheitsmeinung simuliert und somit den Ton angibt? Wie es sich anfühlt, mit anonymen Hassreden und Drohungen mundtot gemacht zu werden, veranschaulicht der neue TV-Film „Eine bessere Welt“, der bereits im vergangenen Sommer beim Filmfest München vorgestellt wurde und erstmals am Montag, den 23. März um 20:15 Uhr im ZDF zu sehen ist. Eine begleitende Doku zum Film folgt im Anschluss. Beide Beiträge können schon ab Samstag, den 14. März auf ZDF.de gestreamt werden.
Das 90-minütige Thriller-Drama handelt von der Wissenschaftlerin Elena Stanat (Peri Baumeister), die sich mit ihrem Buch „Eine bessere Welt“ für eine ökologische Zukunft starkmacht. Ein polarisierender Talkshow-Auftritt, bei dem die engagierte Idealistin ihre Ideen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht, entwickelt sich jedoch für sie und ihre ganze Familie zu einem Albtraum. Waren es nach der Fernsehsendung zunächst „nur“ zahlreiche Hasskommentare, die Elena über sich ergehen lassen musste und zur Anzeige brachte, scheint sich der virtuelle Shitstorm zunehmend auf ihren realen Alltag auszuwirken.
Kurz nachdem Elena mit ihrem Mann Deniz (Serkan Kaya) und den beiden Kindern Sami (Elias Efe) und Ada (Soraya Marie Efe) in ein neues Haus eingezogen ist, folgt ein beängstigendes Ereignis nach dem anderen: Die Hühner der Familie sterben auf mysteriöse Weise, ein unheimlicher Mann inspiziert das Grundstück und eines Nachts brennt das Restaurant, in dem Deniz arbeitet. Doch hängen wirklich alle diese bedrohlichen Vorfälle mit den Hater-Nachrichten aus dem Netz zusammen, wie Elena glaubt? Deniz beginnt schon bald, an der Wahrnehmung seiner Frau zu zweifeln.
Das Drehbuch zum Film „Eine bessere Welt“, der von der Zeitsprung Pictures GmbH realisiert wurde, schrieben Nadine Gottmann und Sebastian Hilger („Liebe verjährt nicht“), der auch die Regie übernahm und seine Perspektive auf die heutige digitale Kommunikation wie folgt schildert: Im Netz herrscht ein unsichtbarer Krieg, seit Jahren schon. Es geht um Meinungshoheit und die Darstellung davon, in der Mehrheit zu sein. Menschen werden beschimpft und gezielt bedroht. Und jede Person, die daraufhin den Mund hält oder das Netz verlässt, ist ein gewonnener Hügel, ein eroberter Landstrich. Denn aus der Hoheit im Netz folgt politischer Druck und der verändert dann Realitäten auch im echten Leben.
Die beiden Filmemacher Gottmann und Hilger, die seit 2020 den Podcast „Are the kids asleep?“ publizieren, verwirklichten bereits die Science-Fiction-Serie „Das Signal“ (fernsehserien.de berichtete), die ursprünglich unter dem Arbeitstitel „Hello“ angekündigt wurde (fernsehserien.de berichtete).
Von den Beteiligten, die vor der Kamera standen, äußerten sich auch einige selbst gegenüber dem ZDF zur Botschaft des Films, so auch die Hauptdarstellerin Peri Baumeister („Russendisko“, „Der letzte Bulle“), die unter anderem anmerkt: Die Psyche macht keinen Unterschied zwischen digitaler oder analoger Gewalt. Das nehmen Betroffene so wahr und ist wissenschaftlich belegt. Das ist aber noch nicht genug in der Gesellschaft angekommen und wird immer noch heruntergespielt. Kayla Shyx, die im Film eine Studentin mit Shitstorm-Erfahrungen spielt, befürchtet zudem: Am Ende riskieren wir, eine Generation heranzuziehen, die mit Unsicherheiten aufwächst, Angst hat, sichtbar zu sein – und gleichzeitig den Druck verspürt, sich im Netz zeigen und positionieren zu müssen.
Studentin Lara (Kayla Shyx, l.) berichtet Dozentin Elena (Peri Baumeister, r.) von ihren Shitstorm-Erfahrungen und den Folgen für ihr Leben. ZDF/Willi Weber
Die anschließende 30-minütige ZDF-Dokumentation „Hass im Netz: Eine bessere Welt“ um 21:45 Uhr zeigt, wie digitale Gewalt unser Leben mit oft drastischen psychischen Folgen verändern kann. Dabei wird die Problematik nicht nur auf individueller Ebene am Beispiel einzelner betroffener Personen beleuchtet, sondern auch als gesamtgesellschaftliche Herausforderung in den Blick genommen: Wie wirksam gehen Staat und Gesellschaft wirklich gegen digitale Gewalt vor? Warum verlaufen so viele Anzeigen im Sande? Was bedeutet es für zukünftige Generationen, in einer Welt mit alltäglichen Cybermobbingattacken aufzuwachsen? Diese und ähnliche Fragen stehen im Mittelpunkt des Beitrags.
Die Dokumentation „Hass im Netz: Eine bessere Welt“ wurde von den Filmemacherinnen Julia Lösch und Rebecca Kirkland entwickelt und mit der Produktionsfirma Bewegte Zeiten umgesetzt. Die redaktionelle Verantwortung beim ZDF liegt bei Nicolai Piechota.
Erst einmal Respekt an Florian Gessner, der hier argumentativ versucht Wogen zu glätten. Und natürlich sind viele genervt, von dieser krassen einseitigen politischen Strömung bei ARD und ZDF. Aber was soll's?! Ich z.B. nutze Talks bei ServusTV und lese viele News einfach international.
Das smarte an unserer Zeit ist doch letztendlich, dass man irgendwo in Europa leben kann und eine unglaublich große Bandbreite an Medien nutzen kann. Das ist übrigens global nicht selbstverständlich.
Ja, die große Vielfalt und Bandbreite an Medien hat durchaus ihre Vorteile, aber eben auch eine Kehrseite: Die Medienlandschaft zersplittert immer mehr und somit wird auch die Mediennutzung immer individueller, sodass jeder anhand der ausgewählten Leitmedien seine ganz eigene Sicht auf die Realität entwickelt. Für den Meinungspluralismus ist das zwar gut. Aber diese zunehmende Fragmentierung birgt auch die Gefahr, dass so etwas wie eine gemeinsame Basis, der sogenannte "Common Sense", immer mehr verlorengeht und es beim Austausch über strittige Themen dann an Empathie und gegenseitigem Verständnis füreinander mangelt.
Was den Film "Eine bessere Welt" betrifft, verstehe ich die Intention so, dass er im Prinzip einen positiven Beitrag zur Debattenkultur leisten möchte. (Online-)Diskussionen über Themen von gesellschaftlicher Relevanz sollten wieder sachlicher, ausgewogener und ergebnisoffener geführt werden, ohne dass sich einzelne Personen – sofern diese auch selbst zu einem solchen sachlichen Austausch bereit sind – ausgegrenzt, eingeschüchtert oder diffamiert fühlen. Gegen ein solches Ziel gibt es aus meiner Sicht nichts einzuwenden.
Was ich durchaus etwas kritisch sehe, ist der Umstand, dass hier mit dem Buch der Wissenschaftlerin auch das Thema Klimakrise aufgegriffen wird, das – wie man immer wieder feststellt – starke emotionale Reaktionen auslöst. Dadurch ist es zwar glaubhaft, dass die Protagonistin im Film mit ihrem Buch polarisiert, aber es führt leider auch dazu, dass sich bestimmte Gruppen von dem Film nicht angesprochen fühlen. Ich selbst bin allerdings kein Klimawandelskeptiker.
BeklopptesTV am
Diese Kayla Shyx ["Feministin(n)*en*innen*auß(s)en"], die sich auch noch als Schauspielerin (?) bezeichnet, ist mit ihren haltlosen Anschuldigungen gegenüber Till Lindemann kein unbeschriebenes Blatt, sieht sich immer gerne als Opfer... und wird das auf ihre Art und Weise auch weiterhin ausschlachten. Und das ist meine Meinung und hat absolut nichts mit "Hass" oder "Hetze" zu tun.
Und auch Dunja Hayali braucht sich übrigens nicht über einen Shitstorm wundern. Wenn man (wie sie) in den Dialog mit den Bürgern auf die Straße geht, aber sich nicht wirklich für sie interessiert und diese auch nicht ernst nimmt?
– (geb. 1970) am
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Flapwazzle am
"Die beiden Filmemacher Gottmann und Hilger... verwirklichten bereits die Science-Fiction-Serie 'Das Signal' und sind auch an der von Netflix angekündigten Mysteryserie 'Hello' maßgeblich beteiligt."
Die verlinkten Beschreibungen von "Signal" und "Hello" klingen für mich identisch. Ist "Hello" ein Sequel zu "Signal" oder wie kann ich das für mich einordnen?
Vielen Dank für den Hinweis, den ich bereits intern zur Prüfung weitergegeben habe!
Obwohl die beiden Titel in der Datenbank eigenständig erfasst wurden, spricht in der Tat viel dafür, dass es sich um dieselbe Produktion handelt und "Hello" der (internationale) Arbeitstitel zu "Das Signal" war. Ich bitte jedoch darum, erst den Prüfprozess abzuwarten, bevor eine Anpassung der zitierten Textpassage erfolgen kann.
Flapwazzle am
Ich bin auch von einer identischen Produktion ausgegangen, mich hatte nur irritiert, dass Signal 4-teilig und Hello als 6-teilig angegeben wurde.
Ja, unter anderem dadurch war es auch für mich nicht sofort ersichtlich, dass es sich um dieselbe Serie handelt. ;-) Anscheinend hatte man ursprünglich eine sechsteilige Serie geplant, möglicherweise dann mit etwas kürzeren Folgen.
Die Textstelle im Artikel wurde nun angepasst und die Serie "Das Signal" (Arbeitstitel: "Hello") ist jetzt nur noch mit einem Eintrag in der Datenbank registriert.
Nochmals vielen Dank für das aufmerksame Lesen und für die Info!
BeklopptesTV am
Bei solchen Produktionen kann ich mir schon denken in welche einseitige, nicht neutrale Richtung das wieder gehen wird. Finanziert durch die Zwangs-Rundfunkgebühren... Vielen Dank!
Phantomias am
Getroffene Hunde bellen, gell?
BeklopptesTV am
Sind ja auch deine Rundfunkgebühren übrigens... und habe nicht das Gefühl "getroffen" zu sein... Der ÖRR hat in den letzten Jahren was neutrale Berichterstattung angeht das Ziel verfehlt, und viele Bürger bzw. Gebührenzahler sehen das denke ich auch so. Während in Berlin der große Stromausfall war, wurde in der Tagesschau über Themen im Ausland berichtet... nur mal so als Beispiel.