Tirol unter Palmen
Folge 193 (50 Min.)
Dorfansicht rund um den „Andreas Thaler Platz“, Denkmal zu Ehren des Stadtgründers von „Treze Tílias“ Andreas Thaler.Bild: ORF/Eduardo Duwe1933 überqueren knapp 100 „Pioniere“ aus Österreich den Atlantik, um ein Stück Tirol in den brasilianischen Urwald zu verpflanzen. Anführer der Expedition ist Andreas Thaler, ein ehemaliger Landwirtschaftsminister mit einer skurrilen Vision: eine alpenländische Kolonie für bis zu 30.000 Österreicher im Süden Brasiliens: „Dreizehnlinden“, auf Portugiesisch „Treze Tílias“. Heute leben knapp 9.000 Menschen in Dreizehnlinden, rund 60 Prozent haben noch österreichische Wurzeln. Menschen & Mächte dokumentiert ein von „echten“ Bewohnerinnen und Bewohnern betriebenes „Alpen-Disneyland“ in Südamerika, ein einzigartiges Mini-Universum, in dem österreichische und brasilianische Kultur verschmolzen sind. (Text: ORF)Deutsche TV-Premiere Di. 25.08.2026 3sat Original-TV-Premiere Mi. 18.10.2023 ORF 2 Österreichische Erstausstrahlung ursprünglich angekündigt für den 11.10.2023Die Akte Noricum – Österreichs geheime Waffengeschäfte
Folge 195Mitte der 1980er-Jahre wird Österreich von einem der größten Politskandale der 2. Republik erschüttert. Zwei Aufdecker-Journalisten entdecken im damaligen Jugoslawien, dass eine Tochterfirma der verstaatlichten Voestalpine geheime Waffen-Geschäfte mit dem Iran abwickelt. Schnell wird klar, dass die Kanonenexporte der Firma Noricum gegen das Kriegsmaterialgesetz verstoßen und wegen der österreichischen Neutralität streng verboten sind. Als die Sache auffliegt und prominente Manager sowie ehemalige Regierungsmitglieder auf der Anklagebank landen, will die Politik nichts gewusst haben.In Wahrheit betrachteten Kreisky, Sinowatz & Co.Waffenexporte sehr wohl als Instrument, um der österreichischen Nahostpolitik Nachdruck zu verleihen. Die Waffenhändler der Voest waren wiederrum willig, quasi im Auftrag der Republik Gesetze zu brechen, um die marode Voest mit ihren zehntausenden Arbeitsplätzen zu retten. Doch nun – Jahrzehnte danach – brechen damalige Entscheidungsträger ihr Schweigen. Sie schildern in der neuen Menschen & Mächte – Doku „Die Akte Noricum“, warum die Politik an der Vertuschung mitgewirkt hat. (Text: ORF) Original-TV-Premiere Mi. 06.12.2023 ORF 2 Alexander Van der Bellen – Vom Flüchtlingskind zum Präsidenten
Folge 196Als Sohn einer estnisch-russischen Flüchtlingsfamilie wird Van der Bellen 1944 in Wien geboren. Der Vormarsch der Roten Armee auf die Stadt zwingt die Familie im Frühjahr 1945 dazu, weiter in den Westen des Landes zu gehen. Sie landen schließlich im Tiroler Kaunertal, wo „Sascha“ Van der Bellen seine ersten Kindheitsjahre verbringt. Bei Dreharbeiten im Kaunertal erzählt der Altbürgermeister Josef Raich von der überlieferten, positiv gestimmten Aufregung im Tal, als sich Van der Bellens Vater, ein „Weltkaufmann“ aus Estland, dort mit seiner Familie niedergelassen hatte. Die Schul- und Studienzeit verbringt Alexander Van der Bellen in Innsbruck.Im Gymnasium wird er Schulsprecher, erinnert sich der damalige Schulkollege Tilmann Märk. „Das könnte man gewissermaßen als erste politische Tätigkeit sehen“, ergänzt er. Als promovierter Volkswirt schlägt der spätere Politiker jedoch zunächst eine Karriere in der Wissenschaft ein und tritt in „Club 2“-Sendungen als Wirtschaftsexperte erstmals medial in Erscheinung. Sein vormaliger Doktorand Peter Pilz holt ihn 1993 in die Politik: „Ich habe das Gefühl gehabt, dass ihm auf der Uni schon ein bisschen fad war, aber es war trotzdem nicht einfach, ihn zu überzeugen.“ Van der Bellen wird Nationalratsabgeordneter der Grünen, 1997 übernimmt er für elf Jahre den Parteivorsitz. 2016 kandidiert Alexander Van der Bellen für das Amt des Bundespräsidenten. Die dramatische Stichwahl mit Wahlwiederholung gegen den freiheitlichen Kandidaten Norbert Hofer führt zu einer noch nie dagewesenen Polarisierung im Land, die auch international für Aufsehen sorgt. Als Bundespräsident bemüht sich Van der Bellen zunächst um Versöhnung. Sein Verhältnis mit der FPÖ bleibt jedoch angespannt. „Ich finde, dass er mit der Art und Weise, wie er Politik gemacht hat, nicht ganz überparteilich war“, so Norbert Hofer im Interview. In Van der Bellens Amtszeit fallen der Ibiza-Skandal, die Abwahl von Sebastian Kurz als Bundeskanzler, die Ernennung einer Beamtenregierung mit Brigitte Bierlein als erste Frau im Kanzleramt sowie die Corona-Pandemie und Chats-Affären. Landkarte des politischen Handelns ist in diesen Zeiten die österreichische Bundesverfassung, der Van der Bellen Eleganz attestiert. Äußerungen wie „So sind wir nicht“ oder „Was ist denn jetzt schon wieder passiert?“ gehören zum ironischen Unterton des Präsidenten. In der „Menschen & Mächte“-Dokumentation kommen neben dem Staatsoberhaupt selbst viele Wegbegleiterinnen und -begleiter zu Wort, darunter der ehemalige Bundespräsident Heinz Fischer, Bundeskanzler a.D. Wolfgang Schüssel, Bundeskanzlerin a.D. Brigitte Bierlein, Salzburgs langjährige Festspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadler oder die Klimaaktivistin Lena Schilling. Auch ausländische Staatsoberhäupter wie die slowenische Präsidentin Nataša Pirc Musar und der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprechen über ihren österreichischen Amtskollegen und das, was sie in Europa vereint. (Text: ORF) Original-TV-Premiere Do. 18.01.2024 ORF 2 Der Patronenkönig – Das unheimliche Leben des Fritz Mandl
Folge 197Wien 1935: Fritz Mandl ist damals ein Mann, der „in jeder Hauptstadt der Welt bekannt und gefürchtet“ war. So steht es in der Autobiografie der berühmten Hollywood-Schauspielerin Hedy Lamarr. Sie war Mandls zweite Ehefrau und hat die dunkle Aura ihres Ex-Gatten nach der Scheidung kräftig aufgebauscht. Im Kern lag die Filmdiva aber richtig. Der europäische „Patronenkönig“ der 1930er Jahre kannte bei den Geschäften des Munitionskonzerns Hirtenberger keine Skrupel. Fritz Mandl bewundert den italienischen Diktator Mussolini und unterstützt den österreichischen Heimwehr-Faschismus, der 1933 in die Dollfuß-Diktatur führt.Mitunter verblüfft Mandl jedoch Freund und Feind. Indem er 1936 im Spanischen Bürgerkrieg die republikanischen Gegner der Franco-Faschisten beliefert. Mandl war – wie Historiker belegen – ein gerissener Opportunist und Grenzgänger, der im Dunstkreis von Polit-Abenteurern und der High Society viele in seinen Bann ziehen konnte. Hedy Kiesler-Mandl wird ihrem Mann aber die größte Schmach seines Lebens zufügen. Fritz Mandl hatte ihr nach ihrer Rolle im Erotikfilm „Ekstase“, der damals wegen seiner Nacktszenen für einen Skandal sorgte, die Schauspielerei verboten. Deswegen brennt Kiesler nach Hollywood durch, wo sie unter dem Künstlernamen Hedy Lamarr zur „Marilyn Monroe der Weltkriegsjahre“ wird. 1938 muss Mandl wegen seiner jüdischen Wurzeln und seiner Rolle als Heimwehr-Geldgeber vor den Nationalsozialisten fliehen. Mandl ist abgebrüht genug, um den Nazis bei der „Arisierung“ seines Konzerns eine bescheidene Entschädigung abzutrotzen. Was außer ihm bei Enteignungen durch das NS-Regime praktisch niemand geschafft hat. In Südamerika baut Mandl ein neues Firmenimperium auf. Doch er landet nach einer Geheimdienstverschwörung zu Unrecht als NS-Spion im Gefängnis. Trotzdem muss der Austro-Argentinier hart kämpfen, bis er sein von den Nazis geraubtes Vermögen 1957 zurückerhält. Von neuen schönen Frauen umgeben kommt der Jetset-Manager mit dem Hirtenberger-Konzern wieder ins Geschäft – bis dubiose Munitionsexporte mit der österreichischen Neutralität kollidieren. „Der Patronenkönig – Das unheimliche Leben des Fritz Mandl“ ist ein Film über einen Grenzgänger, der ein einzigartig schillerndes Leben geführt hat. Mit exklusiven Interviews und Familienfotos, einer bislang unveröffentlichten Tonband-Aufnahme von Fritz Mandl sowie historischen Spielszenen wird die Laufbahn des Munitionsfabrikanten nachgezeichnet. Gedreht wurde die mit Mitteln der Verwertungsgesellschaft Rundfunk (VGR) geförderte ORF-Dokumentation in Österreich und Argentinien. Bis heute ist Buenos Aires der Wohnort von Fritz Mandls ältester Tochter Maria „Puppe“ Mandl. Sie und andere schildern eindrucksvoll und ungeschminkt, dass Mandl zwei Gesichter hatte. Der Familienpatriarch mit insgesamt fünf Ehefrauen konnte liebenswürdig sein und Menschen in seinen Bann ziehen. Er konnte aber auch herrisch agieren und seine Absichten eiskalt umsetzen. Die Lebenswege von Fritz Mandl und Hedy Lamarr blieben jahrzehntelang auf seltsame Weise verkettet. Mandl sah in Lamarr wohl ewig die Traumfrau, die ihm aber seine Grenzen aufgezeigt hatte. Sie stellte ihn als faschistischen Finsterling hin, von dem sie sich emanzipieren musste, um ein Weltstar werden zu können. Dennoch: Mandl war, wie die Historikerin Ursula Prutsch schreibt, weit mehr als die unheimliche Nebenfigur im Vorleben der Filmdiva. Die erste TV-Doku über Fritz Mandl erzählt von einem Überlebenskünstler, der sich wie kein anderer durch stürmische Zeiten geturnt hat. Und heute – 100 Jahre nachdem Fritz Mandl im Alter von 24 Jahren der Generaldirektor der Hirtenberger Patronenfabrik wurde? Der einstige Paradekonzern ist schon lange Geschichte. 1981 hat Mandls Witwe das Unternehmen an die damalige Voestalpine verkauft, die mit der neuen Tochterfirma in den Noricum-Skandal schlitterte. Erhalten geblieben ist hingegen Mandls Jagdvilla „Fegenberg“ in Schwarzau im Gebirge in Niederösterreich. Sie befindet sich jedoch nicht mehr im Besitz der Familie Mandl und war Schauplatz für diverse Spielszenen der „Menschen & Mächte“-Produktion. (Text: ORF) Original-TV-Premiere Mi. 24.04.2024 ORF 2 Windeln, Wünsche, Wirklichkeit: 100 Jahre Muttertag
Folge 198Vier Kinder hatte eine Frau Anfang des 20. Jahrhunderts durchschnittlich in Österreich. Heute sind es weniger als eineinhalb Kinder. An Stelle der Großfamilie also die Kleinfamilie: oft mit Einzelkind, oft alleinerziehend. Immer wieder wurde versucht, mehr Frauen und Männer dazu zu bringen, Eltern zu werden. Aber ob Mutterkreuz oder Kindergeld – es blieb erfolglos. Menschen & Mächte analysiert Ursachen und Folgen des demographischen Wandels und erzählt von einem Jahrhundert des Muttertags zwischen Mutterglück und Mutterleid, Kinderlachen und Kinderweinen, Emanzipation und Tradition. Eine emotionale Zeitreise rund ums Kinder-Kriegen und Kinder-Aufziehen. Rührselige Muttertags-Schlager wie Heintjes „Mama“ fehlen darin genauso wenig wie die Bitternis in „Mother’s Little Helper“ von den Rolling Stones. (Text: ORF)Original-TV-Premiere Do. 09.05.2024 ORF 2 Radio – Macht – Geschichte
Folge 199Am 1. Oktober 1924 ging die erste österreichische Radio-Sendung „on air“ – der Beginn einer andauernden Erfolgsgeschichte auf analogen Ätherwellen und digitalen Datenströmen. Heute, 100 Jahre später, sind die ORF-Radios selbstverständliche akustische Begleiter durch den Tag – vom Radiowecker über das Autoradio bis zum Podcast am Smartphone. Robert Gokls „Menschen & Mächte“-Dokumentation „Radio – Macht – Geschichte“ macht im Rahmen des multimedialen ORF-Schwerpunkts „100 Jahre Radio“ am Mittwoch, dem 16. Oktober 2024, um 22:30 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON Hörfunk-Geschichte sichtbar und analysiert die Bedeutung des Radios für die österreichische Zeitgeschichte.Am Freitag, dem 18. Oktober, begibt sich „100 Jahre Radio – Die Show“ um 20:15 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON auf eine mitreißende Zeitreise durch zehn Jahrzehnte Radiogeschichte. Paul Lendvai: „Ohne die Bedeutung des Radios zu kennen, kann man die Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts nicht verstehen!“ Als das Radio zu senden beginnt, ist der Erste Weltkrieg erst sechs Jahre her. Wie die Massenmedien danach löst auch das Radio große Hoffnungen und utopische Erwartungen aus. Albert Einstein 1930: „Was speziell den Rundfunk anlangt, so hat er eine einzigartige Funktion zu erfüllen im Sinne der Völkerversöhnung.“ Historiker Rainer Hubert: „Das Radio hat den Wahrnehmungsbereich der Menschen drastisch erweitert.“ Karin Moser, Rundfunkhistorikerin: „Man hoffte, dass es nie wieder möglich sein würde, die Menschen in einen Krieg zu hetzen wie 1914. Über das Radio könnten alle miteinander in Verbindung und über die Grenzen hinweg befreundet sein.“ Karl Kraus spottete: „Der Welt ist großes Heil erflossen, der Hausmeister an den Kosmos angeschlossen.“ Für Karl Kraus wie viele andere waren diese Radio-Utopien überzogen. Bereits zehn Jahre später platzen die Träume. 1934 stürmen Nationalisten die RAVAG-Studios in Wien, das erste Mal, dass ein Rundfunkgebäude bei einem Putsch gestürmt wird. In den nächsten Jahrzehnten instrumentalisieren totalitäre Diktaturen das Radio als ideales Mittel der Massenbeeinflussung. Paul Lendvai: „Die Lügenfabrikation von Diktaturen war damals die gleiche wie heute. Nur die Technik war anders. Diktaturen haben immer Angst vor der Wahrheit.“ Nach 1945 brachte der Kalte Krieg neue Bedeutung für das Radio. Paul Lendvai: „Es war eine Phase in der Weltpolitik, wo von allen Seiten die Rundfunksendungen als Instrumente der Macht und als Zerstörer der Macht gewirkt haben.“ Gleichzeitig beginnt in Österreich das Fernsehen, „der Bildfunk“, viele Funktionen des Hörfunks zu übernehmen. Das Radio erfindet sich neu, seit der Rundfunkreform 1967 sendet der ORF die Struktur-Programme Ö1, Ö3, Ö Regional. Rainer Hubert: „Es war ein Modernisierungsschub fürs Radio. Und ohne den wäre das heutige Radio nicht mehr denkbar.“ In den 1990er Jahren fällt das ORF-Monopol, die ersten Privat-Radios beginnen zu senden. Bald darauf folgt auf Liberalisierung Digitalisierung: Das analoge Antennen-Radio bekommt Konkurrenz, auch aus dem Internet: durch tausende Internet-Radios, Streaming- Plattformen, Podcasts. Karin Moser: „Das Radio ist im Heute angekommen. Man kann nachhören, das konnte man früher nicht. Man ist nicht mehr zeitlich gebunden.“ Paul Lendvai: „Man hat auch schon vor Jahren das Ende der Bücher vorausgesagt … und es ist nie gekommen. Ich glaube, wir werden noch lange Jahre Radio hören!“ (Text: ORF) Original-TV-Premiere Mi. 16.10.2024 ORF 2 Geheimsache Lucona – Die dunkle Macht des Udo Proksch
Folge 20023. Jänner 1977: Das Frachtschiff „Lucona“ wird im Indischen Ozean von einer Explosion zerrissen. Sechs Personen sterben, die Fracht – eine angebliche Uranerz-Aufbereitungsanlage – sinkt auf den Meeresgrund. Doch das vermeintliche Unglück entpuppt sich als gigantischer Betrug. Udo Proksch, der Societylöwe und Gründer des „Club 45“, hat das mit Industrieschrott beladene Schiff versenken lassen, um die Versicherungssumme zu kassieren. Proksch landet als sechsfacher Mörder lebenslang in Haft. Seine Verbindungen in höchste Kreise erschüttern die SPÖ-geführten Regierungen der 1980er Jahre.Warum haben ihn führende Minister und einflussreiche Beamte jahrelang vor dem Gefängnis bewahrt? Auch mysteriöse Todesfälle sorgen bis heute für Spekulationen. Hat Proksch als Technologieschmuggler und Waffenhändler mit Geheimdienst-Kontakten in die DDR und den Nahen Osten schmutzige Geschäfte der Verstaatlichten Industrie vorbereitet? Die neue „Menschen & Mächte“-Doku „Geheimsache Lucona – Die dunkle Macht des Udo Proksch“ lüftet die letzten Geheimnisse rund um den berühmt-berüchtigten „Lucona“-Strippenzieher. Ein Film von Georg Ransmayr und Gregor Stuhlpfarrer (Text: ORF) Original-TV-Premiere So. 29.12.2024 ORF 2 Wolfgang Schüssel
Folge 201Zum 80. Geburtstag von Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel Wolfgang Schüssel wurde kurz nach der Befreiung Österreichs am 7. Juni 1945 in Wien geboren, studierte Rechtswissenschaften und begann seine politische Laufbahn früh in der ÖVP. Nach seiner Zeit im Wirtschaftsbund und im Nationalrat prägte Wolfgang Schüssel die Jahrzehnte um die Jahrtausendwende. 1989 wurde er unter Franz Vranitzky Wirtschaftsminister, war dann ab 1995 Außenminister und Vizekanzler. Bei der Nationalratswahl 1999 lag die ÖVP unter seiner Führung erstmals hinter der FPÖ auf den dritten Platz. Die Koalitionsverhandlungen aber endeten mit einer blau-schwarzen Koalition unter Wolfgang Schüssel als Bundeskanzler.Die Folge: heftige Kritik von Teilen der österreichischen Bevölkerung und internationale Sanktionen aufgrund der Beteiligung der FPÖ an der Regierung. Unter dem Motto „Weniger Staat, mehr privat“ setzte die Regierung ein umfassendes Reformprogramm um, nach 30 Jahren mit Regierungen unter sozialdemokratischer Führung. Kritisiert wurde dabei vor allem der Verkauf von Staatsbetrieben und Staatsimmobilien und der Ankauf der Euro-Fighter. Die sogenannte ‚BUWOG-Affäre‘ führte 2025 zur Verurteilung von Schüssels Finanzminister Karl Heinz-Grasser. 2007 zog Schüssel sich von der Regierungsbank in das Parlament zurück, wo er bis 2011 mitwirkte. Heute lebt Wolfgang Schüssel mit seiner Familie in Wien. (Text: ORF) Original-TV-Premiere Mo. 09.06.2025 ORF 2 Stadt der Spione – Wien im Kalten Krieg
Folge 2021949 – mitten in der Besatzungszeit Österreichs: Der Kinoklassiker „Der Dritte Mann“ verpasst Wien den Ruf, eine internationale Agenten-Drehscheibe zu sein. Die Realität steht der Fiktion damals um nichts nach. Im Gegenteil: Österreichs Hauptstadt entwickelt sich im „Kalten Krieg“ zwischen Ost und West zu einer schillernden Spionagemetropole. Wo sich Agenten und Agentinnen beschatten, bekriegen oder bisweilen ausruhen. Frei nach dem Prinzip: Geld, Liebe und Verrat an der blauen Donau. Die Republik wird bis in höchste Kreise unterwandert. Die Supermächte wollen wissen, wie sich das neutrale Österreich zwischen den Militärblöcken verhält. Umso mehr als später auch die Internationale Atomenergiebehörde, die OPEC und die UNO, in der Bundeshauptstadt ihre Zelte aufschlagen.Die neue „Menschen und Mächte“-Doku „Stadt der Spione“ liefert eine umfassende Aufarbeitung der Spionagetätigkeit im Nachkriegsösterreich. Die Gestalter Georg Ransmayr und Gregor Stuhlpfarrer sind bei ihren Recherchen in Deutschland, Ungarn und Spanien tief in die Welt der Geheimdienste eingedrungen. Spione, Agenten und Terrorfahnder sowie exklusiv der ehemalige Innenminister Karl Blecha packen aus und schildern, was sich in Wien am Höhepunkt des Kalten Krieges abgespielt hat. Darunter ein österreichischer Spitzenpolizist, der als Doppelspion für Ost und West gearbeitet hat. Ein Film von Georg Ransmayr und Gregor Stuhlpfarrer (Text: ORF) Original-TV-Premiere Mi. 18.06.2025 ORF 2 Der große Weinskandal
Folge 203Es ist ein Skandal, der im Sommer 1985 die Schlagzeilen bestimmt, ein Wirtschaftskrimi, mit „Giftmischern“, Verfolgungsjagden, Vertuschungen, rätselhaften Informanten und politischen Verflechtungen: Der Glykolweinskandal. Dutzende Weinbauern und -händler aus Österreich panschen viele Millionen Liter ihrer süßen Weine mit Frostschutzmittel. Der Fall treibt Medien und Konsumenten in Österreich und Deutschland bis zur Hysterie, bringt eine ganze Branche in Verruf. Er zerstört Existenzen, treibt Menschen in den Selbstmord. Doch langfristig führt er zu einem erstaunlichen Wandel. Die weltweit in Verruf geratenen österreichischen Weine gehören heute zu den qualitativ hochwertigsten der Welt. Der Film zeichnet die Ereignisse aus Sicht von Ermittlern, Tätern, Betroffenen und Geschädigten nach. Er zeigt Hintergründe auf, die zur systematischen Panscherei und zu jahrelangen illegalen Machenschaften führten und beschreibt, welche Auswirkungen der Skandal bis heute hat. (Text: ORF)Original-TV-Premiere Do. 24.07.2025 ORF 2 Armee unter Druck: Österreich und sein Bundesheer
Folge 204Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine geht in Europa die Kriegsangst um. Wie kann die Souveränität von Staaten noch gesichert werden? Vielerorts wird aufgerüstet, vor allem seit US-Präsident Trump gedroht hat, die NATO-Partner in Europa alleine zu lassen. Auch Österreich steht plötzlich vor einer existentiellen Herausforderung. Seit dem Staatsvertrag hat man sich auf die Neutralität verlassen – ein Beitritt zur Nato wurde abgelehnt. Eine neue Menschen & Mächte – Doku von Georg Ransmayr analysiert, wie es seit 1955 um die österreichische Verteidigungsfähigkeit bestellt war – und was der neue Kalte Krieg für uns bedeutet.Bis heute ist das Bundesheer in den Augen der Bevölkerung eine Truppe zur Bewältigung von Naturkatastrophen und Flüchtlingskrisen, nicht aber für Kampfeinsätze. Im Verband mit UNO und EU hat das Bundesheer bislang nur bei Friedensmissionen im Ausland Flagge gezeigt. Kommt es gar zu einem heiklen Einsatz in der Ukraine? So unbequem es zum 70. Geburtstag des Bundesheeres sein mag: wegen der neuen Bedrohungslage muss Österreich seine Landesverteidigung neu ausrichten. Ein Film von Georg Ransmayr (Text: ORF) Original-TV-Premiere Mi. 29.10.2025 ORF 2 Alter Hass, neuer Wahn – Antisemitismus nach 1945
Folge 2051945 ist Österreich wieder frei, fast alle österreichischen Juden aber entweder ermordet oder vertrieben. In einem Land fast ohne Juden ist auch nach 1945 der Antisemitismus ein zentrales und wirkungsmächtiges Vorurteil in der österreichischen Nachkriegsgeschichte, auch im Umgang mit der NS-Vergangenheit und deren langsamer und dürftiger Aufarbeitung vom „Herrn Karl“ über die Kreisky-Wiesenthal-Affäre sowie der Zäsur im Zuge der Waldheim-Affäre bis hin zu Vranitzkys Schuldbekenntnis im Jahr 1991. Gleichzeitig entstehen „moderne“ Formen des Hasses auf Juden, in denen sich die Hassreden von Alt- und Neo-Nazis in der Hasskultur des Internets wiederfinden, mit vermeintlich „importiertem“ Antisemitismus mischen und mit durch Corona neu befeuerten antisemitischen Verschwörungs-Erzählungen.Erschreckende Aktualität erhält das Thema „Antisemitismus“ durch die heftigen Diskussionen rund um den Angriff der Hamas auf Israel im Oktober 2023 und den folgenden Krieg Israels gegen die Hamas im Gaza-Streifen. Menschen&Mächte analysiert die gravierenden Folgen antisemitischer Ressentiments in der österreichischen Bevölkerung und die Möglichkeiten, in Zukunft mit gezielten Maßnahmen in Bildung und Gesetzgebung besser damit umgehen zu lernen. (Text: ORF) Original-TV-Premiere So. 09.11.2025 ORF 2 Im Schatten der RAF. Linker Terror in Österreich
Folge 206Innenminister AD Karl Blecha beim Interview für die Dokumentation „Im Schatten der RAF. Linker Terror in Österreich“.Bild: ORF/Martin GerhartlIm November 1977 wird einer der reichsten Männer des Landes entführt – der Industrielle Walter Palmers, Chef des gleichnamigen Textilunternehmens mit einem Privatvermögen von mehreren 100 Millionen Schilling. Ausgeführt wird das Verbrechen von deutschen Top-Terroristinnen, unter Mithilfe von österreichischen Studenten, bereit zum bewaffneten Kampf und dem Ziel eines politischen Systemwechsels. Nach 100 Stunden Geiselhaft und nachdem über 30 Millionen Schilling Lösegeld bezahlt werden, kommt Walter Palmers frei. Fast 50 Jahre später befasst sich die neue Menschen&Mächte-Dokumentation „Im Schatten der RAF. Linker Terror in Österreich“ mit den politischen Hintergründen der Entführung und beleuchtet das Klima in der Radikalen Linken in den Jahren nach 1968. Dafür tritt Gabriele Rollnik, damals Mitglied der linksradikalen „Bewegung 2. Juni“ ebenso vor die Kamera wie Ex-Innenminister Karl Blecha (SPÖ) oder die Schriftstellerin Marlene Streeruwitz. Ein Film von Gregor Stuhlpfarrer (Text: ORF)Original-TV-Premiere Mi. 03.12.2025 ORF 2 Österreichische TV-Premiere ursprünglich angekündigt für den 26.11.2025Anklage Massenmord: Die Nürnberger Prozesse
Folge 207Srebrenica, Ruanda, Syrien – immer wieder Kriegsverbrechen, Massenmord, sogar Völkermord. Die Überlebenden fordern Gerechtigkeit, die Täter werden nur selten verurteilt. Vor 80 Jahren geschah es zum ersten Mal, im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher des Zweiten Weltkriegs. Unter ihnen zwei Österreicher, Arthur Seyß-Inquart und Ernst Kaltenbrunner. Auch der wichtigste Zeuge der Anklage war ein Österreicher: Generalmajor der Wehrmacht Erwin Lahousen. Einer der Zeitzeugen des Nürnberger Prozesses war Siegfried Ramler, Kind aus einer Wiener jüdischen Familie, 1938 Flüchtling in einem Kindertransport nach London, nach Kriegsende Dolmetscher beim Nürnberger Prozess.Zum ersten Mal erzählte er im ORF über seine Erinnerungen an ein Tribunal, das Justizgeschichte geschrieben hat und juristische Normen für künftige Kriegsverbrecherprozesse setzte. Ohne Nürnberg keine Erklärung der Menschenrechte, keine Gründung der UNO, kein Srebrenica- oder Ruanda-Tribunal. Und kein ständiger internationaler Strafgerichtshof in Den Haag, der seit 2002 die Prinzipien des Nürnberger Prozesses fortführt. (Text: ORF) Original-TV-Premiere Mi. 03.12.2025 ORF 2 Deutsche TV-Premiere ursprünglich angekündigt für den 27.11.2025Wien bei Nacht: Das neue Leben nach 1945
Folge 208Malarina, Philipp Hochmair, Humungus (Profi-Wrestler).Bild: ORFDie Dokumentation „Wien bei Nacht: Das neue Leben“ erkundet die neuen Möglichkeiten, die die Nacht nach Ende des Zweiten Weltkriegs eine Stadt wie Wien brachte. Im Wien bei Nacht nach 1945 tauchen neue „Player“ und Figuren auf. Wien als „Schießplatz“ des aufziehenden Kalten Kriegs spielt hier ebenso eine Rolle wie neue Milieus, die jetzt die Nacht prägen. Schauspieler Philipp Hochmair und die Kabarettistin Malarina begeben sich auf eine Zeitreise zurück in das Wien bei Nacht der ersten Aufbaujahre. Sie steigen ins Kanalnetz von Wien auf den Spuren des „Dritten Mannes“ ebenso ein wie in die Szene der Catcher, die ebenfalls zum prägenden Moment in der neuen Unterhaltungssuche waren.Auch den legendären „Strohkoffer“ suchen bei unter der Loos Bar und treffen auf Räume, die später nicht der Kunst, sondern der freien Liebe gedient haben. Auf ihrem Weg von den 1940er bis in die 1960er treffen beide auch spätere Szenenfiguren, wie die Künstlerin Valie Expo, die beide mitnimmt in das Wien der 1960er. Was in den 1960ern aufgeregt hat, das würde heute wohl wieder für Aufsehen sorgen, ist sich Malarina sicher. Philipp Hochmair wiederum sieht den Jazz als die große Befreiung vom Erbe der Nazi-Zeit. In den frühen Morgenstunden endet diese Erkundung Wiens, die eine Entdeckungsreise fern aller Klischees ist und neue Überraschungen bringt. Mit Philipp Hochmair, Malarina, Valie Export, Berthold Molden u.v.m. (Text: ORF) Original-TV-Premiere So. 08.02.2026 ORF 2 Die Kinos der Frauen: Vergessene Heldinnen der Lichtspielhäuser
Folge 209Käthe Kratz.Bild: ORF„Das Kino der Frauen“ porträtiert aus Anlass des Weltfrauentages jene Frauen, die nach dem 2. WK das Kino unter die Bevölkerung gebracht haben und damit auch das Tor zu einem neuen Lebensgefühl aufgemacht haben. Dass die Kinos nach 1945 von Frauen betrieben wurde, ist in der kollektiven Geschichte Österreichs verloren gegangen. Die Dokumentation präsentiert auch die Geschichte von der Vertreibung weiblicher Kino-Macherinnen – und die Fortführung genau jener Institutionen, wieder durch Frauen. Biografien wie jene der Käthe Kratz erzählen auch vom Durchsetzungskampf von Frauen in der Männerbranche von Film und Fernsehspiel. (Text: ORF)Original-TV-Premiere Mi. 11.03.2026 ORF 2 Als alles neu war: Österreich, Italien und das Meer
Folge 210Archivbild: Adriaurlaub am Strand.Bild: ORF/Metafilm GmbHIn den 1970ern gab es neue Erfahrungen für alle, die aus Österreich erstmals an die Strände der oberen Adria reiste. Man lernte den Geschmack einer Pizza kennen und den Effekt von Olivenöl. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung war die Reise ans Meer zur großen Sehnsucht für den Sommer geworden. Und bald erklärte man die italienische obere Adria zu seiner neuen Heimat. Vergessen und übersehen wurde dabei gerne, dass ein Urlaub in Italien alles andere als eine Selbstverständlichkeit war: Dort, wo man jetzt am Strand lag, hatten Ende des Ersten Weltkriegs blutige Schlachten zwischen Österreich und Italien stattgefunden.Und auch nach 1945 standen die Zeichen eigentlich nicht auf einer Annäherung zwischen Rom und Wien. Die Frage der Autonomie Südtirols entzweite die beiden Länder in den 1960ern massiv. Erst mit dem Zweiten Autonomie Paket im Streit um Südtirol war der Weg frei für ein neues Verhältnis zwischen Italienern und Österreich. Und während die Österreicher mehr Geld zum Reisen hatten, wollten die Italiener, angetrieben durch Devisen aus dem Norden, ihre kleinen Strandort groß erweitern. Herausgekommen ist ein Urlaubsmodell, das mittlerweile zwischen Generationen weitergegeben wurde. Die Zone zwischen Grado und Jesolo ist mittlerweile deutlich mehr als der einst beschworene „Hausmeisterstrand“. Die Schauspielerin Julia Cencig hat sich diese Gegend mit ihren Kindern spät erobert. Obwohl ihre Familie eine lange Geschichte des österreich-italienischen Verhältnisses erzählt. Von der Zeit des Faschismus über den Zweiten Weltkrieg hinweg. Über Ausweisung und Wiederannäherung. (Text: ORF) Deutsche Streaming-Premiere Do. 07.05.2026 ORF ON Original-TV-Premiere Do. 07.05.2026 ORF 2 Die Bomben des Franz Fuchs. Rechter Terror in Österreich
Folge 211Reenactment – Die Briefbombenanschläge des Attentäters Franz Fuchs (Georg Elias Hengl) erschütterten Österreich in den 1990er-Jahren.Bild: ORFMit der ersten Briefbombenserie im Dezember 1993 beginnt eine nie dagewesene Jagd der Polizei auf ein Phantom. Gesucht wird ein Bombenleger, der die Bevölkerung in Atem hält. Die Sprengsätze gehen großteils an Prominente aus Politik und Gesellschaft, die sich für Flüchtlinge einsetzen. Der bekannteste unter ihnen ist Wiens Bürgermeister Helmut Zilk. Die Polizei tappt jahrelang im Dunkeln, vier Menschen sterben, 15 werden zum Teil schwer verletzt. Erst im Oktober 1997 kann das „Bombenhirn“ Franz Fuchs in der Südsteiermark verhaftet werden – bis heute halten sich Spekulationen über etwaige Mittäter des verkappten, rassistisch-motivierten Sonderlings.Fuchs hatte in Österreich der 80er- und 90er-Jahre radikalisiert, der Krieg im ehemaligen Jugoslawien ab 1991 ließ seinen Hass auf Flüchtlinge weiter anwachsen. Die neue „Menschen&Mächte“-Dokumentation kontextualisiert den Rechten Terror des Franz Fuchs und lässt die wichtigsten Schlüsselpersonen zu Wort kommen. So lassen sich letzte Geheimnisse lüften, etwa dass Fuchs die Briefbomben- Sonderkommission in Wien observierte. (Text: ORF) Original-TV-Premiere Mi. 08.07.2026 ORF 2
