37 Grad

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    • Mutig, cool und unverschleiert – Frauen gründen eine liberale Moschee

      Folge 953 (30 Min.)
      Seyran Ates ist Gründerin, der ersten liberalen Moschee, der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin. In der Moschee beten und predigen Frauen und Männer gleichberechtigt. – Bild: ZDF und Michael Sohn.
      Seyran Ates ist Gründerin, der ersten liberalen Moschee, der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin. In der Moschee beten und predigen Frauen und Männer gleichberechtigt. – Bild: ZDF und Michael Sohn.

      Marlene Löhr und Seyran Ates sind Musliminnen. Sie träumen von einer Moschee, in der Männer und Frauen gemeinsam beten können und in der ein liberaler Islam gelebt wird. Mit der Gründung der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee geht 2017 ihr Traum in Erfüllung. Doch die Realität holt die beiden Frauen schnell ein: Morddrohungen und Personenschutz durch das LKA gehören bald zu ihrem Alltag. Wie hoch ist der Preis, den sie für ihren Traum zahlen? „Der halbe Himmel gehört uns Frauen!“ Das zumindest sagt Marlene Löhr, die vor drei Jahren zum Islam konvertierte und irgendwann feststellen musste, dass tradierte Wertvorstellungen eines konservativen Islam-Verständnisses nicht zu ihrem Leben passen. Sie ist überzeugt: Gleichberechtigung und Islam – das geht zusammen. Heute ist sie die Pressesprecherin der ersten liberalen Moschee in Berlin, in der Männer und Frauen nebeneinander beten und in der Frauen die Predigten leiten. Sie sei schon lange eine Suchende gewesen, so beschreibt sie sich selbst. Zunächst christlich, erfährt sie über ihren damaligen marokkanischen Mann, von dem sie mittlerweile getrennt ist, vom Islam. Sie liest den Koran und konvertiert. Doch die Besuche in den gängigen Moscheen sind für die 33-Jährige oft frustrierend. Frauen würden dort meist behandelt wie Menschen zweiter Klasse, sagt sie. Dann entdeckt Marlene in der Presse Berichte über die Ibn-Rushd-Goethe Moschee, eine liberale Gemeinde, die von der prominenten Menschenrechtsaktivistin und Anwältin Seyran Ates eröffnet werden soll. Die Kamera ist dabei, als die Frauen sich zum ersten Mal begegnen und begleitet die beiden ein ganzes Jahr lang auf ihrem beschwerlichen Weg, eine Moschee zu etablieren, die so ganz anders sein will als alle anderen. Denn hier dürfen auch gleichgeschlechtliche und religionsübergreifende Ehen geschlossen werden, Frauen können auch unverschleiert beten. Manche der Besucher finden das „cool“, für die allermeisten muslimischen Organisationen in Deutschland aber ist es ein Affront. Sie reagieren mit heftiger Kritik. Anfeindungen und Morddrohungen gehören mittlerweile zum Alltag von Marlene und Seyran. Auch innerhalb der Gemeinde kommt es zu Problemen. Ein Imam ist bis heute nicht gefunden, denn solch ein liberales Islam-Verständnis ist für alle Beteiligten gefährlich. Seyran Ates lebt seit Längerem unter Polizeischutz, und auch Marlene ahnt, dass ihre Tage in Freiheit gezählt sind. Die Moschee-Gründerin Seyran Ates wird rund um die Uhr von mehreren Personenschützern bewacht. Doch es gehe ihr um die innere Freiheit, nicht die äußere, betont sie kämpferisch. Nicht alle Gemeindemitglieder sind so mutig. Einige der einstigen Mitstreiter sind inzwischen abgesprungen. Nicht selten sind diese Austritte aus der Gemeinde auch mit persönlichen Enttäuschungen für die beiden Frauen verbunden. Trotzdem oder gerade deshalb wollen beide weitermachen. „Ich merke, dass wir hier etwas ganz Einzigartiges, Großes machen. Es ist historisch, und dafür bin ich auch bereit, die Gefahr auf mich zu nehmen“, sagt Marlene, die sich für ein Kopftuchverbot von Lehrerinnen starkmacht, keine Freizeit außerhalb der Moschee mehr hat und nicht selten bis in die Nacht an ihrem Traumprojekt arbeitet. Das Ziel der beiden Frauen sind weitere Moscheen in ganz Europa. Nach einem Jahr hartem Kampf ist klar: In Wien wird die nächste liberale Moschee entstehen. Die „37°“-Sendung steht am Sendetag ab 8:00 Uhr in der ZDFmediathek zur Verfügung. (Text: ZDF)

      Deutsche Erstausstrahlung: Di 13.11.2018 ZDF
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    Reviews und Kommentare zu dieser Folge

    • (geb. 1945) am melden

      13.11.2018 / 22.15 Uhr – 22.45 Uhr / 37°
      Mutig, cool und unverschleiert – Frauen gründen eine liberale Moschee.
      Ein interessanter Beitrag, ein mutiges und notwendiges Vorgehen von Seyran Ates und Marlene Löhr. Danke für die Sendung. Und: Meine Hochachtung diesen beiden Frauen. Eines jedoch will, muss ich anmerken. Es geht um die Musik am Ende des Beitrages. Wer nur hat das Lied „Bella ciao“ ausgewählt? Jeder, der in der DDR die Schule besucht hat, kennt das Lied der italienischen Partisanen, kennt den Text. „Eines Morgens in aller Frühe trafen wir auf unsern Feind. Und wenn ich sterbe – oh ihr Genossen …“ Dieses Lied ist ein Kampflied. Für Untermalung des freudigen Geschehens in der Moschee kann, darf es keinesfalls benutzt werden. Bitte in Zukunft sorgfältiger mit der Musikauswahl verfahren!
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      Crew

      Streams und Mediatheken

      ZDFmediathek UT de

      Sendetermine

       Mi 20.11.2019
      12:01–12:30
      12:01–3sat
       Di 27.11.2018
      00:44–01:13
      00:44–3sat
       Di 13.11.2018
      22:15–22:45
      22:15–ZDF NEU

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