37 Grad Folge 1232: 100 Jahre Leben: Was wirklich zählt
Folge 1232
100 Jahre Leben: Was wirklich zählt
Folge 1232 (30 Min.)
Der Fotograf Karsten Thormaehlen (l.) hat Friedel (r.) für seine Ausstellung über 100-Jährige fotografiert.
Bild: ZDF und Yves Schurzmann
Was zählt nach 100 Jahren Leben? Zwei Menschen erzählen von Liebe und Mut, Humor und Freundschaft – und von der Haltung, die sie bis ins hohe Alter trägt. „37°“ begleitet Helmut Luft (100) und Friedel Zimmermann (105). Sie erzählen ihre Geschichten von Flucht, Liebe, Verlust und Neuanfang und zeigen, wie Haltung, Humor und Neugier helfen, auch im hohen Alter verbunden und lebendig zu bleiben. Immer mehr Menschen erreichen heute ein Alter von 100 Jahren und darüber. Doch was bedeutet es wirklich, ein ganzes Jahrhundert zu leben? Welche Erfahrungen prägen, welche Haltung hilft dabei, Krisen, Verluste und Umbrüche zu überstehen? „100 Jahre Leben: Was wirklich zählt“ geht diesen Fragen nach – nah, persönlich und überraschend lebensfroh.
Im Mittelpunkt stehen zwei Menschen, die schwere Zeiten überstanden, geliebt, gearbeitet und immer wieder neu angefangen haben. Ihre Erinnerungen sind persönlich – und zugleich Zeitgeschichte. Sie geben Antworten auf eine Frage, die viele bewegt: Wie gelingt ein langes Leben – und was ist am Ende wirklich wichtig? Friedel Zimmermann ist 105. Ihren Mann sieht sie nach dem Krieg nie wieder.
Sie zieht ihre zwei Söhne alleine groß, erlebt Flucht, Hunger und Unsicherheit. Später erfüllt sie sich einen Traum: Sie geht an Bord eines Segelschiffs, arbeitet dort, reist um die Welt, kommt bis nach Alaska.
Neugier und Freiheitsdrang haben sie ihr Leben lang begleitet. Seit zwei Jahren lebt sie nun im Seniorenheim. Der feste Tagesrhythmus, die Abhängigkeit von Hilfe fallen ihr nicht leicht. Und doch versucht sie, Würde und Eigenständigkeit zu bewahren: „Man kann sich ja auch angewöhnen, im Leben immer unglücklich zu sein.
Oder die lächelnde Seite zu wählen. Ich hab’ die lächelnde Seite gewählt. Ich glaube, die ist besser.“ Helmut Luft ist 100 Jahre alt, Psychoanalytiker, Autor und leidenschaftlicher Golfer. Seine „vier L“, Laufen, Lachen, Lernen und Lieben, gehören für ihn zu einem erfüllten Leben. Seine Sicht aufs Alter ist überraschend positiv: „Leute, werdet alt. Die zweite Hälfte des Lebens ist die weit bessere!“ Als junger Mann erlebte er den Krieg und verlor Freunde.
Seine Lehre daraus: Selbst denken, Mensch bleiben, Haltung entwickeln. Der Film ordnet das hohe Alter nicht als Ausnahmezustand ein, sondern als eigenständige Lebensphase mit Entwicklung, Reife und neuen Perspektiven. Die Hundertjährigen sprechen offen über Einsamkeit, Verlust und Grenzen, aber auch über Humor, Freundschaft und Lebensfreude. „100 Jahre Leben: Was wirklich zählt“ ist ein Film über Haltung. Über die Kraft, sich dem Leben immer wieder zuzuwenden. Und über Menschen, die uns daran erinnern, dass es nie nur auf die Zahl der Jahre ankommt – sondern darauf, wie man sie lebt. (Text: ZDF)