Der "Sandmann" wurde 1959 - wenige Wochen nach dem Start seines Pendants im Osten Deutschlands - in der Bundesrepublik das erste Mal ausgestrahlt. Auf einer Wolke heranschwebend, verspricht es: "Nun liebe Kinder gebt fein acht, ich hab euch etwas mitgebracht." Allabendlich gab es eine kleine Geschichte.
(3sat)
Aus dem Fernsehlexikon: Fünfminütige Sendung, in der Kindern kurz vor dem Zubettgehen noch einmal kurze Bildergeschichten gezeigt werden, die ihnen eine freundliche Puppe mitbringt: das Sandmännchen. Die erste Figur war eine Handpuppe von Johanna Schüppel, die nach einer Idee von Ilse Obrig entwickelt worden war. Inspiriert hatte Obrig der Abendgruß im DFF, der damals noch ohne Sandmann auskam und seinerseits auf die DDR-Radiosendung "Abendlied" zurückging, die wiederum von Obrig erfunden worden war. Als im DFF bekannt wurde, dass im SFB an einer Sandmannfigur gearbeitet wurde, setzten die Mitarbeiter alles daran, schneller zu sein als die Westkollegen. Tatsächlich kamen sie ihnen mit Unser Sandmännchen gut eine Woche zuvor. Der Westsandmann tauchte erstmals am 1. Dezember 1959 auf - allerdings nicht, weil man langsamer arbeitete, sondern weil die Sendung ohnehin erst für die Vorweihnachtszeit vorgesehen war. Das bekannteste Sandmännchen der Bundesrepublik wurde 1962 von Herbert K. Schulz entwickelt. Es war ein Greis mit Kinnbart, der auf einer Wolke lebte und die Filme mit den Worten ankündigte: "Nun, liebe Kinder, gebt fein acht, ich hab euch etwas mitgebracht." Auch die Verabschiedung war immer gleich: "Auf Wiederseh'n. Und schlaft recht schön." Das dazugehörige von Kindern gesungene Lied stammt von Kurt Drabek (Musik) und Helga Mauersberger (Text): "Kommt ein Wölkchen a-han-ge-he-flogen, schwebt herbei ganz sacht, und der Mond am Himmel droben hält derweil schon Wacht. Abend will es wieder werden, alles ge-heet zur Ruh, und die Kinder auf der Erden machen bald die Äu-häuglein zu. Doch zuvor von fern und nah ruft's: Das Sandmännchen ist daaa." Richtig glücklich scheint man im Westen mit den diversen Sandmännern, die von den verschiedenen Rundfunkanstalten ins Spiel gebracht wurden, nicht gewesen zu sein. 1966 versuchte der WDR den Ostsandmann zu kaufen und entwickelte, als das DDR-Fernsehen trotz der verlockenden Devisen ablehnte, einen "Sandmann International": eine tanzende und singende Samson-ähnliche Figur, in der eine kleine Frau steckte. Anfang der 80er-Jahre entstanden eine ganze Reihe neuer Sandmannfiguren. Eine der frühen und beliebtesten Serien, die das Sandmännchen mitbrachte, war "Hilde, Teddy, Puppi", gespielt von der Augsburger Puppenkiste gemeinsam mit der ersten deutschen Fernsehansagerin Hilde Nocker. Die Puppenkiste lieferte viele hundert weitere Folgen verschiedener Serien. Darüber hinaus gab es etliche weitere lang laufende Reihen, beispielsweise "Die Wawuschels": Die grünhaarige Sippe mit Vater, Mutter, Opa, Onkel und den Kindern Wischel und Wuschel ernährt sich von Tannenzapfenmarmelade und lebt in einem dunklen Berg, den sie mit ihren Haaren beleuchtet, in Eintracht mit ihrem Hausdrachen und in Zwietracht mit dem grimmigen Mamoffel und den Zazischels. "Piggeldy und Frederick" war eine Legetrickserie mit einem kleinen und einem großen Schwein, in der das kleine (Piggeldy) seinen großen Bruder Frederick zu allen möglichen Alltagssituationen ausfragt und Frederick alles mit abnehmender Geduld beantwortet (der Off-Sprecher schloss jede Folge mit den Worten: "Und Piggeldy ging mit Frederick nach Hause"). Außerdem gab es "Cowboy Jim", "Trixi Löwenstark", "Käpt'n Smoky", "Der kleine Pirat" und "Der Tierbabysitter". Das Sandmännchen lief im regionalen Vorabendprogramm gegen 19.00 Uhr. Es erreichte nie die Beliebtheit seines ostdeutschen Vetters und wurde noch vor der Wende unauffällig eingestellt, weil Kinder für das kommerziell orientierte Vorabendprogramm der ARD als Zielgruppe uninteressant waren. Ohnehin hatten verschiedene ARD-Sender das Sandmännchen schon seit längerer Zeit nur noch in ihrem Dritten Programm gezeigt.