Sandmännchen

    Sandmännchen

    Das westdeutsche Sandmännchen

    D 1959–1989
    Deutsche Erstausstrahlung: 01.12.1959 ARD
    Alternativtitel: Sandmann

    Der „Sandmann“ wurde 1959 – wenige Wochen nach dem Start seines Pendants im Osten Deutschlands – in der Bundesrepublik das erste Mal ausgestrahlt. Auf einer Wolke heranschwebend, verspricht es: „Nun liebe Kinder gebt fein acht, ich hab euch etwas mitgebracht.“ Allabendlich gab es eine kleine Geschichte. (Text: 3sat)

    Sandmännchen auf DVD

    Sandmännchen – Community

    hexle am 11.10.2016 01:55: Wir diskutierten heute auch über Sandmännchen. Nun bin ich ja der Meinung, wir hatten selbst im Westen zwei Sandmännchen. Das im Ersten (ARD), also das bekannte auf der Wolke, und eines im Dritten (bei mir SWR, hieß das damals noch S3 glaube ich). Das im Dritten war mehr zottelig und hatte zum andere Kleingeschichten. Nur über das im Dritten ist so gut wie nichts zu finden. War das nur ein anderer Vorspann des bekannten oder tatsächlich was anderes? Wer weiß was dazu?
    Ancy am 30.04.2016 22:29: Zwischendurch gab es auch noch ein Sandmännchen, dass sich per Zeichentricksandkörnchen zusammensetzte. An meinem Bett klebten früher zwei Sandmännchenaufkleber. Auch wehre ich mich gegen die Ossi-Wessistreitmentalität hier. Bis zur Wende brachte man den Begriff Ossi mit den Ostfriesen in Verbindung. Auch wenn es nicht ganz hierher gehört. Es ist einiges über den so genannten Einigungsvertrag hinaus nicht gut verlaufen. Freuen wir uns darüber, dass wir wenigstens hier in dieser Welt noch ein Stück Kindheit und Nostalgie finden. Dieses Besser, schlechter-Gestreite ist mit den Worten einer Kollegin " Kinderkacke". Meinung vertreten ok, aber nicht beleidigend.
    Ancy am 30.04.2016 22:07: Liebe Leute, ich finde es schade, dass sich hier so darüber gestritten wird, welches Sandmännchen nun das Beste sei. Als das Westfernsehen kein Sandmännchen mehr sendete, stand für uns Kinder vor allem eines im Vordergrund; Wir waren traurig, dass überhaupt kein Sandmännchen mehr gesendet würde. & Wütend auf die Leute vom Fernsehen da oben, das waren wir. Als nach der Wende dann wieder Sandmännchen anlief, saßen wir mit der geschlossen Familie vorm Fernseher und freuten uns darüber, das die vom "Osten" sich durchgesetzt hatten. Mit 8 Jahren eigentlich viel zu alt dafür, freute ich mich besonders für meinen jüngsten Bruder, der nun wieder Sandmännchen sehen konnte.
    Ilka (geb. 1980) am 11.12.2015 07:50: Hallo, das Westsandmännchen war nicht schlecht, nur kam und kommt das Ostsandmännchen immer zur selben Zeit! Was uns Wessis nicht gelungen ist! Was aber für ein abendliches Ritual, wie ich finde, wichtig gewesen wäre! Bin ein Wessi und froh, dass wir das Ostsandmännchen jeden Abend zur selben Zeit schauen können! :)
    Nostalgiefohlen (geb. 1974) am 30.10.2015 13:27: Man hätte beide Sandmännchen behalten sollen und die Ausstrahlung regional bezogen senden können, dann hätte es diese Diskussion nie geben müssen. Jeder hängt an dem Sandmann, mit dem er aufgewachsen ist, bei mir waren es sogar gleich 2 Sandmänner (NDR und WDR) und beide gibt es nicht mehr - sehr bedauerlich! :-(

    Dies und das

    Aus dem Fernsehlexikon von Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier (Stand 2005):

    Fünfminütige Sendung, in der Kindern kurz vor dem Zubettgehen noch einmal kurze Bildergeschichten gezeigt werden, die ihnen eine freundliche Puppe mitbringt: das Sandmännchen.

    Die erste Figur war eine Handpuppe von Johanna Schüppel, die nach einer Idee von Ilse Obrig entwickelt worden war. Inspiriert hatte Obrig der Abendgruß im DFF, der damals noch ohne Sandmann auskam und seinerseits auf die DDR-Radiosendung „Abendlied“ zurückging, die wiederum von Obrig erfunden worden war. Als im DFF bekannt wurde, dass im SFB an einer Sandmannfigur gearbeitet wurde, setzten die Mitarbeiter alles daran, schneller zu sein als die Westkollegen. Tatsächlich kamen sie ihnen mit Unser Sandmännchen gut eine Woche zuvor. Der Westsandmann tauchte erstmals am 1. Dezember 1959 auf – allerdings nicht, weil man langsamer arbeitete, sondern weil die Sendung ohnehin erst für die Vorweihnachtszeit vorgesehen war.

    Das bekannteste Sandmännchen der Bundesrepublik wurde 1962 von Herbert K. Schulz entwickelt. Es war ein Greis mit Kinnbart, der auf einer Wolke lebte und die Filme mit den Worten ankündigte: „Nun, liebe Kinder, gebt fein acht, ich hab euch etwas mitgebracht.“ Auch die Verabschiedung war immer gleich: „Auf Wiederseh’n. Und schlaft recht schön.“ Das dazugehörige von Kindern gesungene Lied stammt von Kurt Drabek (Musik) und Helga Mauersberger (Text): „Kommt ein Wölkchen a-han-ge-he-flogen, schwebt herbei ganz sacht, und der Mond am Himmel droben hält derweil schon Wacht. Abend will es wieder werden, alles ge-heet zur Ruh, und die Kinder auf der Erden machen bald die Äu-häuglein zu. Doch zuvor von fern und nah ruft’s: Das Sandmännchen ist daaa.“

    Richtig glücklich scheint man im Westen mit den diversen Sandmännern, die von den verschiedenen Rundfunkanstalten ins Spiel gebracht wurden, nicht gewesen zu sein. 1966 versuchte der WDR den Ostsandmann zu kaufen und entwickelte, als das DDR-Fernsehen trotz der verlockenden Devisen ablehnte, einen „Sandmann International“: eine tanzende und singende Samson-ähnliche Figur, in der eine kleine Frau steckte. Anfang der 80er-Jahre entstanden eine ganze Reihe neuer Sandmannfiguren.

    Eine der frühen und beliebtesten Serien, die das Sandmännchen mitbrachte, war „Hilde, Teddy, Puppi“, gespielt von der Augsburger Puppenkiste gemeinsam mit der ersten deutschen Fernsehansagerin Hilde Nocker. Die Puppenkiste lieferte viele hundert weitere Folgen verschiedener Serien. Darüber hinaus gab es etliche weitere lang laufende Reihen, beispielsweise „Die Wawuschels“: Die grünhaarige Sippe mit Vater, Mutter, Opa, Onkel und den Kindern Wischel und Wuschel ernährt sich von Tannenzapfenmarmelade und lebt in einem dunklen Berg, den sie mit ihren Haaren beleuchtet, in Eintracht mit ihrem Hausdrachen und in Zwietracht mit dem grimmigen Mamoffel und den Zazischels. „Piggeldy und Frederick“ war eine Legetrickserie mit einem kleinen und einem großen Schwein, in der das kleine (Piggeldy) seinen großen Bruder Frederick zu allen möglichen Alltagssituationen ausfragt und Frederick alles mit abnehmender Geduld beantwortet (der Off-Sprecher schloss jede Folge mit den Worten: „Und Piggeldy ging mit Frederick nach Hause“). Außerdem gab es „Cowboy Jim“, „Trixi Löwenstark“, „Käpt’n Smoky“, „Der kleine Pirat“ und „Der Tierbabysitter“.

    Das Sandmännchen lief im regionalen Vorabendprogramm gegen 19.00 Uhr. Es erreichte nie die Beliebtheit seines ostdeutschen Vetters und wurde noch vor der Wende unauffällig eingestellt, weil Kinder für das kommerziell orientierte Vorabendprogramm der ARD als Zielgruppe uninteressant waren. Ohnehin hatten verschiedene ARD-Sender das Sandmännchen schon seit längerer Zeit nur noch in ihrem Dritten Programm gezeigt.

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