1. Teil 1
45 Min.Das amerikanische Selbstbild der 1960er Jahre ist geprägt von Wohlstand und Freiheit. Das Land steht hinter dem sogenannten „liberalen Konsens“, einer kollektiven Zukunftsvision, die eine gewisse Regulation der kapitalistischen Marktwirtschaft sowie ein staatliches Sozialhilfesystem beinhaltet. 1963 löst die Ermordung John F. Kennedys eine Schockwelle aus und wirkt wie ein Warnschuss: Die ruhigen Zeiten in den USA sind vorbei. Die Konservativen – Nostalgiker des Wilden Westens und einer Welt ohne Staat und Steuern, die den liberalen Konsens als sozialistische Diktatur erachten – werden damals noch als Spinner am rechten Rand der republikanischen Partei abgetan.Aber sie nutzen das Chaos um die Aufhebung der Rassentrennung und den inneren Widerstand vieler Weißer, um sich populistisch anzubiedern. 1964 kann sich der konservative Senator Barry Goldwater in den Vorwahlen für die republikanische Präsidentschaftskandidatur durchsetzen. Auch wenn er die Präsidentschaftswahl schließlich verliert, verleiht seine Kandidatur der konservativen Bewegung erheblichen Auftrieb. Vor dem Hintergrund des Vietnamkriegs erleben die USA eine gesellschaftliche Krise. Die Gewalt der Unruhen in einem hauptsächlich von Afroamerikanern bewohnten Brennpunktviertel in Los Angeles erschüttert das ganze Land. Die Jugend rebelliert gegen die älteren Generationen. Schwule und Lesben treten für ihre Rechte ein. Feministinnen fordern die etablierte Ordnung heraus. 1968 ist Präsident Johnson so unbeliebt, dass er nicht wieder kandidiert. Das Jahr steht im Zeichen blutiger Aufstände; Martin Luther King und Robert Kennedy fallen Attentaten zum Opfer. (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere Di. 08.09.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Di. 06.10.2026 arte 2. Teil 2
45 Min.1968: Mit dem Wahlkampfthema „Recht und Ordnung“ sichert sich der Zentrist Richard Nixon die Nominierung als republikanischer Kandidat für die Präsidentschaftswahl und schlägt damit seinen konservativen Herausforderer Ronald Reagan. Nixon hat außerordentliches politisches Geschick. Seine Kampagne richtet sich an die „stille Mehrheit“ des amerikanischen Volkes, die genug hat von Rassenunruhen und Friedensdemonstrationen. Und der Erfolg gibt ihm recht: Die „stille Mehrheit“ verhilft ihm zum Wahlsieg. Der neue Präsident greift hart durch. 1970 eröffnet die Nationalgarde das Feuer auf Studierende der Universität Kent State – vier von ihnen sterben.In Manhattan greifen Arbeiter der Baustelle des World Trade Centers studentische Anti-Vietnam-Demonstranten an. Und zum ersten Mal stellt sich die evangelikale Rechte offen hinter einen amerikanischen Präsidenten. Aber diese Radikalisierung der amerikanischen Gesellschaft kommt nicht der konservativen Bewegung zugute, sondern einzig und allein dem amtierenden Präsidenten. Für Reagan bleibt Nixon – obwohl er ausgesprochen rechte Ideen vertritt – ein unverbesserlicher Liberaler. Nixon steht weiterhin für den Wohlfahrtsstaat ein, bekämpft Armut und institutionalisiert die Umweltpolitik. Gleichzeitig ist überall in der Gesellschaft eine Radikalisierung spürbar. 1973 mobilisieren sich Millionen Hausfrauen gegen die Gleichstellung von Mann und Frau. Im selben Jahr stürzt die erste Ölkrise Amerika in eine tiefe Rezession, der die Regierung machtlos gegenübersteht. Das Kapitel Nixon endet kläglich mit dem Watergate-Skandal. Ronald Reagan ist überzeugt, dass jetzt die Stunde der konservativen Revolution gekommen ist. (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere Di. 08.09.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Di. 06.10.2026 arte 3. Teil 3
45 Min.1974 stecken die USA in einer tiefen Krise: Der verlustreiche Abzug aus Vietnam und eine ungebremste Inflation erschüttern das Land. Präsident Gerald Ford, der nach Richard Nixons Rücktritt ins Amt kam, gilt als unpopulär und wenig charismatisch. Ronald Reagan ist überzeugt, ihn 1976 mühelos als republikanischer Präsidentschaftskandidat abzulösen. Doch zunächst steht New York vor dem Bankrott – nicht zuletzt wegen seines großzügigen Sozialsystems. Ford verweigert der Stadt finanzielle Hilfe, woraufhin massiv gespart wird: Feuerwehrleute, Polizisten, Lehrer und Beamte werden entlassen.Die Stadt verfällt, der „liberale Konsens“ der Nachkriegszeit ist endgültig gescheitert – ein Erfolg für die Konservativen. Auf dem republikanischen Parteitag 1976 unterliegt Reagan Ford nur knapp. Doch Ford verliert die Wahl gegen den Demokraten Jimmy Carter, der ein wirtschaftlich und sozial zerrüttetes Land übernimmt. Reagan und die Konservativen formieren sich zum Widerstand: Sie bekämpfen die Frauenrechtsbewegung und das „Equal Rights Amendment“ (ERA), instrumentalisieren die Waffenlobby und hetzen gegen Sozialhilfeempfänger. In Kalifornien lösen sie eine Steuerrevolte aus und gewinnen die evangelikale Rechte als Verbündete. 1980 wird Carter durch die Geiselkrise im Iran geschwächt. Reagan nutzt den Slogan „Let’s Make America Great Again“ und schafft damit die Grundlage für die MAGA-Bewegung. Diesmal siegt er – nicht weil sein Diskurs weniger radikal wäre als 20 Jahre zuvor, sondern weil die USA jetzt dafür bereit sind. (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere Di. 08.09.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Di. 06.10.2026 arte
