Sind die Kirschen erstmal reif, muss es schnell gehen. Zur Ernte rückt im fränkischen Junkersdorf die Großfamilie an – die empfindlichen Früchte werden von Hand gepflückt. Verkauft wird am Hof oder seit Neuestem direkt vom Straßenstand: „Kirschen to go.“ Der Kirschenanbau ist nichts für schwache Nerven, Horst März weiß: Ein Frost im Frühjahr und schnell ist die Ernte dahin. 500 Bäume stehen bei ihm in Junkersdorf, im nördlichen Teil der Haßberge. Einen Teil davon hat schon sein Vater gepflanzt.
Zur Erntezeit nimmt sich Horst März Urlaub, trotzdem braucht es fast die halbe Verwandtschaft, um alle Kirschen rechtzeitig zu pflücken. Geerntet wird meist in der Früh oder am Abend, die Früchte vertragen die Hitze nicht. Für all seine Pflücker hält Horst handgeflochtene Weidenkörbe bereit. Seiner Ansicht nach noch immer die beste Erntehilfe. Früher hat der Kirschenbauer die Früchte direkt am Hof verkauft, sein Sohn Steffen macht es anders. Direkt an der viel befahrenen B279, die mitten durch den Ort führt, hat Steffen März sein Verkaufshäuschen aufgestellt.
Anfangs war er skeptisch, doch der Verkauf mit Selbstbedienung läuft gut. Trotz schlauer Verkaufsideen, viel Geld verdienen die Familien mit ihren Kirschen nicht. Früchte,
die sie nicht selbst verkaufen, müssen im Handel in Aussehen und Größe strengen Vorschriften genügen. Auf dem Obstgroßmarkt in Pretzfeld wird die Qualität mithilfe von Schablonen geprüft. Früchte unter 22 mm Durchmesser kommen gar nicht erst in den Supermarkt.
Johannes Haas, Obstbauer und Brenner in der Fränkischen Schweiz, geht einen anderen Weg. Seine Kirschen baut er ausschließlich fürs Brennen an. Hierfür wählt er besonders aromatische, alte Sorten, wie etwa die tiefschwarze Dolleseppler-Süßkirsche. Zur Ernte werden die Bäume wie bei der Olivenernte kräftig geschüttelt und die heruntergefallenen Früchte aufgelesen. An einem Vormittag kommen so schnell drei Tonnen Kirschen für die Edelbrennerei zusammen.
In Kleinmünster in den Haßbergen hatte sich über dreißig Jahre lang niemand mehr um die alten Obstbäume gekümmert. Christina Fallenbacher und ihr Mann Christoph haben nach und nach die verwaisten Obstwiesen gekauft. Sie pflegen die Kirschbäume und verzichten auf Spritzmittel. Christina, die viele Jahre ein eigenes Restaurant geführt hat, kocht aus den Früchten Saft, Marmelade oder Chutney und sie legt die Kirschen sogar mit Salz ein. Das Lieblingsgericht der Familie ist der frisch gebackene Kirschenplotz direkt aus dem eigenen Backhäuschen. (Text: BR)