„Star Wars: Obi-Wan Kenobi“: Überzeugender Auftakt zur Miniserie um den gealterten Jedi-Meister – Review

    Ewan McGregor bei Disney+ wieder im Einsatz gegen neue und alte Gegner

    Marcus Kirzynowski
    Rezension von Marcus Kirzynowski – 27.05.2022, 14:52 Uhr

    „Star Wars: Obi-Wan Kenobi“ mit Ewan McGregor – Bild: Disney+
    „Star Wars: Obi-Wan Kenobi“ mit Ewan McGregor

    Er ist eine der legendärsten Figuren des „Star Wars“-Universums: der Jedi-Ritter Obi-Wan Kenobi. Im ersten Kinofilm „Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung“ spielte Weltstar Alec Guinness den gealterten Helden vergangener Tage, der sein Exil verlässt, um gemeinsam mit Luke Skywalker die entführte Prinzessin Leia zu befreien. In der Prequel-Trilogie schlüpfte dann Ewan McGregor in die Rolle des jüngeren Kenobi. 17 Jahre später hat er nun diese Rolle für eine neue Miniserie wieder aufgenommen, die auch gleich nach ihm benannt wurde und die auf Disney+ veröffentlicht wird.

    In sechs Teilen soll erzählt werden, was der Jedi in den Jahren zwischen Episode III und IV erlebte, nachdem er seinen Schüler Anakin Skywalker an die dunkle Seite der Macht verloren hatte und auf dem Wüstenplaneten Tatooine ins Exil gegangen war. Und genau hier liegt zunächst das Problem, haben wir doch eigentlich in Episode IV erfahren, dass er dort unter dem Tarnnamen Ben Kenobi ein zurückgezogenes und ruhiges Leben geführt hatte, bis ihn der Hilferuf der Rebellenprinzessin erreichte. Was soll in diesen Jahren also passiert sein, das eine weitere Serie füllen kann? Zumal eine Actionserie, die sich nicht darauf beschränken kann, einen Mann beim Meditieren in der Wüste zu zeigen.

    Aber gut, erzählerische Logik spielt im immer weiter ausufernden „Star Wars“-Universum eh schon seit längerem nur noch eine untergeordnete Rolle, geht es doch den Rechteinhabern viel mehr darum, immer neue Geschichten mit den bekannten Figuren aufzulegen. Und dazu werden eben mit Vorliebe die noch verbliebenen zeitlichen Lücken in der Chronologie vor und zwischen den bisherigen Kinofilmen geschlossen. Nach der Jugend von Han Solo und der Geschichte von Boba Fett nun also die verlorenen Jahre des Obi-Wan Kenobi.

    Der alte Mann und das Reittier: Zu Beginn lebt Kenobi (Ewan McGregor) (fast) allein in der Wüste. Lucasfilm Ltd./​Disney+

    Die sehen zunächst tatsächlich so ähnlich aus, wie man sie sich immer vorgestellt hatte: mit einem langweiligen Job und einsamen Abenden in einer spärlich eingerichteten Höhle in der Wüste. Aus der Ferne beobachtet er den inzwischen zehnjährigen Luke, den Onkel und Tante aufgenommen haben und den er vor dem Imperium schützen will. Gefahr droht, als dessen Inquisitoren auf Tatooine auftauchen, um einen anderen Jedi zu suchen, der sich dort aufhalten soll. Der bittet schließlich Kenobi um Hilfe, doch der lehnt ab: Er sei nicht mehr der Mann, der er vor zehn Jahren war, und könne ihm nicht helfen. Das Gleiche sagt er seinem alten Kameraden Senator Bail Organa (Jimmy Smits) von Alderaan, als dessen Adoptivtochter Leia (Lukes Zwillingsschwester) entführt wird. Aber natürlich wird der frühere Jedi-Meister seine Meinung ändern: Bereits am Ende der Auftaktepisode verlässt er den Wüstenplaneten, um die junge Prinzessin zu suchen.

    Recht geschickt verknüpfen die Autoren Stuart Beattie und Hossein Amini aus den Filmen bekannte Figuren wie Lukes Onkel Owen (Joel Edgerton) und die Organas mit neuen Charakteren. Unter letzteren sticht vor allem die Inquisitorin Reva Sevander (Moses Ingram) hervor, eine ebenso taffe wie eigenwillige Frau, die offenbar ein Problem mit Autoritäten hat und die Dinge lieber auf ihre Weise regelt. Ingram spielt diese neue Antagonistin mit herrlicher Bad-Ass-Attitüde und markigen One-Linern. Eher typischen Star-Wars-Mustern verhaftet bleiben hingegen ihre eindimensional bösen Kollegen, darunter der von Rupert Friend („Homeland“) gespielte Großinquisitor.

    Inquisitorin mit großem Mundwerk: Reva Sevander alias die Dritte Schwester (Moses Ingram) Lucasfilm Ltd./​Disney+

    Die größte inhaltliche Überraschung ist die wichtige Rolle, die die zehnjährige Leia bekommt. Vivien Lyra Blair spielt die kleine Prinzessin pffifig und sympathisch, wobei die künftige Rebellenführerin schon als Kind genauso stur ist wie ihre Mutter Padme (Natalie Portman), wie Kenobi einmal anmerkt. Allerdings entsteht hier schon wieder ein neues Logikproblem, denn davon, dass Leia bereits als Kind ein Abenteuer mit Kenobi erlebte, war in Episode IV zwischen den Beiden keine Rede. Aber vielleicht kommt am Ende der Miniserie auch einfach wieder der Jedi-Gedächtnislöschtrick zum Einsatz.

    Die Darstellung McGregors bleibt in den ersten beiden Episoden noch etwas steif, profitiert aber davon, dass der Schauspieler vom Alter her inzwischen besser in die Rolle des weisen Jedi-Meisters hineingewachsen ist (in den Prequel-Filmen fehlte ihm einfach Alec Guinness’ Gravitas). Zudem verleiht das Trauma, das er in Episode III erleben musste und das ihn immer noch quält, der Figur mehr Tiefe. Ansonsten bleibt sich „Star Wars“ erstaunlich treu: Statt perfekt polierter Technik wie in „Star Trek“ sehen wir wieder ein „Used Universe“ mit schäbigen Städten auf Tatooine und einem Großstadtplaneten, der mit seinen dunklen Gassen und bedrückender Atmosphäre eher an „Blade Runner“ erinnert.

    Blade-Runner-Atmosphäre: Auf der Suche nach Leia landet Kenobi auf einem düsteren Großstadtplaneten. Lucasfilm Ltd./​Disney+

    Handwerklich ist das alles in perfekter Kinoqualität wie vom Franchise gewohnt: Settings, Hintergründe, Spezialeffekte und Musik (von Natalie Holt, das Titelthema von John Williams) lassen nichts zu wünschen übrig. CGI-Bilder und echte Kulissen fügen sich wesentlich organischer ineinander als noch zu Zeiten der Prequel-Filme. Anders als bei der ersten Staffel von „The Mandalorian“ mit ihrer nur quälend langsam voranschreitenden Handlung legen die Auftaktfolgen ein ordentliches Erzähltempo vor, ohne die Charakterzeichnung der wichtigen Figuren zu vernachlässigen. Abgesehen von einer der langsamsten Verfolgungsjagden der TV-Geschichte (ein Dutzend erwachsene Söldner schaffen es nicht, ein zehnjähriges Mädchen zu fangen) überzeugen auch die Actionszenen.

    Etwas wesentlich Neues fügt die von Kathleen Kennedy verantwortete und von Deborah Chow inszenierte Miniserie dem „Star Wars“-Mythos zumindest in den ersten Folgen noch nicht hinzu. Sie geht aber bislang respektvoll mit dem großen Erbe um und erzählt einfach eine unterhaltsame Geschichte im bekannten Umfeld. Bleibt zu hoffen, dass sie sich auch nicht in zu vielen Widersprüchen verheddert, wenn es zur angekündigten Begegnung zwischen Kenobi und seinem ehemaligen Schüler Anakin alias Darth Vader (Hayden Christensen, nimmt seine Rolle ebenfalls wieder auf) kommt. Solange das nicht passiert, dürfte „Obi-Wan Kenobi“ die bisher beste TV-Serie des Franchise werden.

    Dieser Text basiert auf der Sichtung der ersten beiden Episoden der Miniserie „Star Wars: Obi-Wan Kenobi“.

    Meine Wertung: 4/​5

    Die beiden Auftaktfolgen der Miniserie stehen bereits auf Disney+ zur Verfügung. Die weiteren vier Episoden folgen jeweils mittwochs.

    Über den Autor

    Marcus Kirzynowski ist Düsseldorfer Journalist und Serienfreund; wuchs mit „Ein Colt für alle Fälle“, „Dallas“ und „L.A. Law“ auf; Traumarbeitgeber: Fisher & Sons, County General Notaufnahme; die Jobs auf dem Battlestar Galactica und im West Wing wären ihm hingegen zu stressig; Wunschwohnort: Cicely, Alaska. Schreibt über amerikanische und europäische TV-Serien sowie andere Kultur- und Medienthemen, u.a. für fernsehserien.de und sein eigenes Online-Magazin Fortsetzung.tv​a>.

    Lieblingsserien: Six Feet Under, Emergency Room, The West Wing

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • am

      Der einzig wahre Obi-Wan ist Alec Guiness...
      • am

        Asche auf mein Haupt, denn bei soviel freudiger überschwänglicher Kritik mag man gar nichts
        negatives ausführen und bitte seid Milde zu mir, da ich mich eigentlich zu einem Star Wars Fan
        zähle, aber nicht alles gut heißen muß.
        Mal abgesehen von Ewan McGregor, hervorragender Schauspieler, ist dies eine sehr unnötige Mini Serie. Das ganze ist einfach sehr langatmig und langweilig.....bisher ( 2 Folgen ) . Selbst bei den angeblichen Action Sequenzen kam kaum Spannung auf. Dann wurde vom Autor der TV Kritik auch noch eine Blade Runner Atmosphäre attestiert.....Autsch, muß ich als Blade Runner Fan als Beleidigung empfinden. Dazu kommt der Autor auch noch auf einen Vergleich mit "The Mandalorian" zu sprechen, quälend langsam im Aufbau, liegt aber nun mal daran, dass "The Mandalorian" sich auf mehrere Staffeln stützt und nicht wie "Kenobi" eine Mini Serie ist und hoffentlich bleibt.
        Vielleicht liegt es auch nur an allen dem, das diesmal nicht Kevin Feige sich um das große Ganze bemüht hat, sondern es diesmal Deborah Chow überlassen hat, aus dieser Mini Serie etwas zu machen.
        • (geb. 1994) am

          Fand die beiden top.
          Lea und Ben( Obi Wan) können sich schon kenn immerhin bietet sie ihm um Hilfe! 


          Interssant ist, dass erst jetzt erfahren, dass Vader
          • (geb. 1961) am

            Wann wird Star Wars-Obi-Wan Kenobi für den verkauf freigegeben
            • am

              erstmal gar nicht - kann man nur bei Disney gucken ...
          • am

            kleiner Kommentar zur Kritik: Gar nichts ist quälend langsam bei "The Mandalorian"! Auch die erste Serie aus der Star-Wars-Reihe ist pures Vergnügen von der ersten bis zur letzten Sekunde!
            • am

              Die ersten beiden Episoden bringen schon vieles, was echte Star Wars-Fans erwarten. Man wird sofort abgeholt durch eine kleine Zusammenfassung am Anfang der ersten Folge und schon ist man wieder im Star Wars-Feeling. Die ersten beiden Folgen sind erfrischend, nicht Langweilig und zeigen gleich, wohin es geht. Nicht nur um die Wache über Luke, vielmehr um die kleine Leia die schon Ewan McGregor den Rang abläuft und so quirlick und erfrischend daher kommt, dass man sie einfach lieben muss. In der Serie stecken schon jetzt soviele Möglichkeiten drin, dass ich wette, das es nicht bei einer Staffel bleibt (was auch McGregor) schon etwas angeteasert hat. Ich bin jedenfalls geflasht von der ersten Folge und man hat da, schon alles Richtig gemacht!


              Auf die obrige, etwas Mimimi_ketrik gebe ich nichts, man muss sich nur seine Lieblingsserien anschauen, dass sagt leider schon alles. Jeder echte SW-Fan wird begeistert sein.

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