Die 10 besten Coming-of-Age-Serien

Zum Start der dritten Staffel von „Euphoria“: Highlights über Schule, Uni und Erwachsenwerden

Marcus Kirzynowski
Marcus Kirzynowski – 13.04.2026, 12:00 Uhr

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Zendaya als Rue Bennett in Staffel 3 von „Euphoria“ – Bild: HBO
Zendaya als Rue Bennett in Staffel 3 von „Euphoria“

Am 13. April startet endlich die dritte Staffel der HBO-Erfolgsserie „Euphoria“, auch bei uns auf HBO Max, Sky und WOW. Die ersten beiden trafen mit ihrer tabulosen Darstellung des Lebens von High-School-Schülern und vor allem -Schülerinnen einen Nerv. Wieder einmal erwies sich, dass Serien über das Erwachsenwerden nicht nur für die eigentliche Zielgruppe interessant sein können. Schließlich gibt es kaum Themen, die so universell sind: (erste) Liebe, Freundschaft, die sich ändernde Beziehung zu den Eltern, sich unverstanden fühlen und die Suche nach dem eigenen Platz im Leben. Jung waren wir ja alle mal. Zehn – manchmal eher unbekannte oder unterschätzte – Coming-of-Age-Serien, die es wert sind, (wieder)entdeckt zu werden.

Platz 10: „Berlin, Berlin“ (2002⁠–⁠2005)

In den Nullerjahren hatte das Erste einen sehr guten Lauf, was deutsche Vorabendserien angeht. Direkter Vorgänger der Multikulti-Comedy „Türkisch für Anfänger“ war „Berlin, Berlin“. Im Mittelpunkt steht die Abiturientin Lolle, die ihrem Freund aus der süddeutschen Provinz nach Berlin folgt. Nur hat der dummerweise gerade mit ihr Schluss gemacht. In der Hauptstadt zieht Lolle bei ihrem älteren Cousin Sven (Jan Sosniok) ein, in den sie sich verliebt, findet neue Freundinnen und Freunde, versucht sich in verschiedenen Jobs vom Vietnam-Imbiss bis zum Comicladen. Dabei verliert sie trotz aller Hindernisse, ihren Traum nie aus den Augen, Comiczeichnerin zu werden. Kurze Animationsszenen kommentieren ihre Missgeschicke. Ein bisschen auf der „Lola rennt“-Welle aufsetzend gelang der ARD eine witzige und rasante Großstadtcomedy, die vier Staffeln lang nie langweilig wurde, die rothaarige Felicitas Woll wurde zur Ikone. Ein nachgeschobener Film ging 2020 während der Pandemie allerdings zu Recht unter.

Platz 9: „Heartbreak High“ (1994⁠–⁠1999)

Eine australische Jugendserie war Mitte der 1990er Jahre etwas ganz Neues im ZDF-Nachmittagsprogramm. Zudem hatte der Vater der Hauptfigur Nick die deutsche Synchronstimme von Woody Allen. Also blieb ich einige Wochen dabei, verlor die Serie dann aber doch relativ schnell aus den Augen. Erst nachdem ich die erste Staffel des Reboots 2022 auf Netflix gesehen hatte, wollte ich nochmal in die Originalserie reinschauen – und bingte mehr als 100 Episoden (von insgesamt 210) innerhalb weniger Wochen. Denn neben sympathischen, teils durchaus vielschichtigen Figuren bietet die Serie über die Oberschüler der Heartley High School in Sidney immer wieder auch Auseinandersetzungen mit harten Themen – ob ein Lehrer wegen seiner Homosexualität gemobbt wird oder ein anderer als Kind seinen Ureinwohner-Eltern entrissen wurde. Anfangs auf Mädchenschwarm Nick (Alex Dimitriades) und seine Familie konzentriert, wechseln die Hauptfiguren später munter, in späteren Staffeln gibt es komplett neue Klassen. Das Reboot, das außer dem Titel nicht viele Gemeinsamkeiten hat, präsentiert ein deutlich diverseres Ensemble, in dem fast alle queer sind und/​oder Migrationshintergrund haben. Obwohl die 90er-Serie heute manchmal etwas cheesy wirkt, überzeugt sie insgesamt mehr.

Platz 8: „Atypical“ (2017⁠–⁠2021)

Der 18-jährige Sam (Keir Gilchrist) ist ein ganz normaler Teenager – allerdings mit einer Autismus-Spektrum-Störung. So läuft er immer mit riesigen Kopfhörern durch seine Schule, um sich schnell gegen zu viel Lärm abschotten zu können, und liebt Pinguine über alles. Im Laufe von vier Staffeln lernt er, immer neue Grenzen zu überwinden, während seine Eltern und Freunde ihm zur Seite stehen. Gilchrist fiel schon als leicht verschrobener jüngerer Bruder von Brie Larson in „Taras Welten“ auf, bei Netflix bekam er dann die zentrale Rolle. Aber auch Sams Eltern (Jennifer Jason Leigh, Michael Rapaport) und ältere Schwester (Jack Haven) bekommen ihre eigenen Handlungsstränge. Letztere, eine talentierte Läuferin, entdeckt schließlich ihre Liebe zu einer Freundin. Trotz aller Probleme eine Feel-Good-Serie.

Platz 7: „College Fieber“ (1987⁠–⁠1993)

Ursprünglich ein Spin-Off der „Bill Cosby Show“, war die im Original „A Different World“ betitelte NBC-Sitcom anfangs ganz Lisa Bonet als Denise Huxtable auf den Leib geschrieben, die New York verlässt, um am fiktiven Hillman College zu studieren. An der traditionell afro-amerikanischen Hochschule teilt sie sich ein Zimmer mit der schon älteren und geschiedenen Jaleesa (Dawnn Lewis) und der Italo-Amerikanerin Maggie (Marisa Tomei). Obwohl die Chemie zwischen den drei Darstellerinnen phantastisch war, verließen Bonet und Tomei die Serie bereits nach einer Staffel. Nun rücken die arrogante reiche Whitley (Jasmine Guy) und der Aufschneider Dwayne (Kadeem Hardison) in den Mittelpunkt, die nach vielen Umwegen zueinander finden. Im Laufe der 144 Episoden in sechs Staffeln dekliniert die Serie zudem – für eine Sitcom ungewöhnlich ernsthaft – sämtliche harten Themen durch, die sich an einem College ergeben: von Date Raping über ungewollte Teenieschwangerschaften bis zum Umgang mit HIV-Positiven – und natürlich immer wieder Rassismus in seinen subtilen und unsubtilen Formen. Die Serie, von der Netflix ein Reboot plant, ist gut gealtert und da Bill Cosby hier nur als Produzent fungierte, während hauptsächlich Frauen als Autorinnen aktiv waren, kann man sie im Gegensatz zur Mutterserie noch gut ansehen.

Platz 6: „Druck“ (2018⁠–⁠2022)

Als deutsche Adaption der norwegischen Webserie „Skam“ startete die ZDF-Produktion für das junge Angebot funk auf YouTube. In mehrmals pro Woche veröffentlichten kurzen Clips konnten die Fans das Leben einer Clique an einem Berliner Gymnasium verfolgen, bevor dann freitags die komplette Episode online ging. In jeder Staffel steht eine andere, meist weibliche Figur im Mittelpunkt, darunter faszinierende Frauenfiguren wie die feministische Mia, die sich dann doch ausgerechnet in den scheinbar größten Macho verliebt. Nach vier Staffeln machen die FreundInnen Abitur und eine neue Clique übernimmt in vier weiteren Staffeln. „Druck“ ist nicht so krass wie „Skins“ oder „Euphoria“, spart aber kein wichtiges Thema von Religion über psychische Krankheiten bis zu sämtlichen Facetten des LGBTQI+-Spektrums aus, das Teenager beschäftigt. Dabei bleiben die Figuren immer lebensecht und sympathisch. Einige der jungen DarstellerInnen wurden zu Stars, von Milena Tscharntke und Lea Zoë Voss bis zu Eren M. Güvercin, der die Hauptrolle in HBO Max’ „Banksters“ bekam.

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