„Quiz für Dich“: Jörg Pilawa ist jetzt „powered by emotion“ – Review

    Neue Sat.1-Quizshow erfindet Rad nicht neu, ist aber unterhaltsam

    Glenn Riedmeier
    Rezension von Glenn Riedmeier – 09.03.2022, 22:58 Uhr

    Jörg Pilawa mit den Teams der ersten Runde – Bild: Sat.1/Julia Feldhagen
    Jörg Pilawa mit den Teams der ersten Runde

    Jörg Pilawa wurde es nach 20 Jahren bei der ARD zu langweilig und ist deshalb auf eigenen Wunsch zu Sat.1 gewechselt. Er ging zurück ins Privatfernsehen, um sich dort neuen Herausforderungen zu stellen. Und als erste Aufgabe bei seinem neuen (alten) Arbeitgeber präsentiert er… ein Quiz! Genauer gesagt feiert der selbsternannte Quizonkel sein Comeback beim Bällchensender mit dem neuen „Quiz für Dich“. Trotz einer originellen Prämisse bietet das Format viel Vertrautes – was jedoch keinen Nachteil darstellt.

    Bevor es so richtig losgeht, wird die Rückkehr von Pilawa zu Sat.1 gebührend selbstreferenziell zelebriert – mit einem Ausschnitt aus der allerersten Ausgabe von „Die Quiz Show“, mit der der Moderator am 4. Juli 2000 auf Sendung ging. Ich bin zurück, freu mich drauf!, begrüßt Pilawa anschließend zurück im Jahr 2022 die Sat.1-Zuschauer und erläutert den besonderen Kniff von „Quiz für Dich“: In der Sendung wird nicht wie sonst üblich für die eigene Tasche der Kandidaten oder einen wohltätigen Zweck gespielt. Stattdessen quizzen Promis um eine Geldsumme für einen Menschen, der von seinem Glück noch gar nichts ahnt. Es sollen Personen belohnt werden, die an einer schweren Krankheit leiden und mit einem schweren Schicksal leben müssen, sowie Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren und sich selbst wenig gönnen. In der Premierenausgabe handelt es sich zunächst um Heidi, die Spenden organisiert und sich unter anderem auch für die Flutopfer im Ahrtal engagiert.

    Nachdem Heidi von den eingeweihten Angehörigen in einem Einspielfilm vorgestellt wird und die Formalitäten geklärt sind, verläuft die Show nach einem altbekannten Muster: Zwei prominent besetzte Duos spielen gegeneinander. In der ersten Runde treten die Comedians Pierre M. Krause und Ralf Schmitz gegen die Moderatorinnen Linda Zervakis und Jeannine Michaelsen an. Für die Teams gilt es, eine erhebliche Anzahl an Aufgaben richtig zu lösen, um möglichst viele Punkte zu sammeln, die anschließend in Geld umgewandelt werden. Wer zufällig reinzappt, könnte auch meinen, bei „Wer weiß denn sowas?“ gelandet zu sein. Die Anordnung der Promi-Pulte links und rechts ist nahezu identisch, während Pilawa in der Mitte seine Fragen stellt.

    Jörg Pilawa mit Linda Zervakis und Jeannine Michaelsen Sat.1/​Julia Feldhagen

    Was der Show jedoch zugutekommt, sind die abwechslungsreich gestalteten Runden. Denn es wird nicht wie in manch anderem Quiz einfach nur eine Multiple-Choice-Frage nach der anderen gestellt. Diese gibt es zwar auch, sie wechseln sich allerdings mit bunt gemischten Aufgaben ab – mal gibt es ein Bilderrätsel, mal ein Anagramm (das „Buchstaben Battle“ lässt grüßen), mal muss ein Liedtext vervollständigt werden, dann sollen wiederum die „The Masked Singer“-Gewinner ihren jeweiligen Kostümen richtig zugeordnet werden. Hinzu kommen offene mathematische Aufgaben und Fragen zur Rechtschreibung. Ähnlich wie beim „Quizduell“ gibt es zudem ein Zeitlimit zur Beantwortung der Fragen. Dennoch lässt die Show genügend Platz für Kabbeleien zwischen den Promis und Pilawa, der sich auch mal gemütlich auf seinem Sitz zurücklehnt und den Freiraum genießt, der ihm in der ARD nicht immer gegeben war. Es weht gar ein Hauch der Stimmung aus „Wer stiehlt mir die Show?“ durchs Studio.

    Einziges Manko: Der Schwierigkeitsgrad der Fragen in der Vorrunde ist teilweise arg leicht und stellt für die Promis keine große Herausforderung dar – aber am Ende geht es schließlich darum, dass möglichst viel Geld zusammenkommt. Ausgeglichen wird dies jedoch mit einer bemerkenswert anspruchsvollen Finalaufgabe: Das Gewinner-Team muss sich innerhalb von nur 20 Sekunden 24 Bilder auf einem großen Bildschirm einprägen. Anschließend gibt Pilawa nacheinander Hinweise auf das jeweils gesuchte Bild. Das Team muss einerseits die richtige Antwort wissen, sich andererseits jedoch auch erinnern können, auf welchem der 24 Felder sich das dazu passende Bild befindet.

    Sat.1/​Julia Feldhagen

    Nachdem die endgültige Gewinnsumme feststeht, kommt der eigentliche Clou der Sendung zur Geltung. Denn während der Aufzeichnung verbringt die nichtsahnende Heidi den Abend bei Freunden und wird mit versteckten Kameras gefilmt. Quizmaster Pilawa erscheint plötzlich auf dem Fernseher und überrascht die sichtlich ergriffene Heidi mit dem Geldsegen. Zweifelsohne ein zu Herzen gehender TV-Moment, der wunderbar zum früheren Sat.1-Claim „powered by emotion“ passt.

    Die ahnungslose Heidi wird von Jörg Pilawa überrascht. Sat.1/​Screenshot

    Nachdem die erste Runde fertig gespielt wurde, wiederholt sich das Prozedere noch einmal mit zwei neuen Promi-Teams. Ralf Moeller und Henning Baum sowie Katharina Witt und Henry Maske spielen für Lena, die an einer schweren Muskelkrankheit leidet und zudem ein Krebsleiden hat. Im Prinzip besteht eine zweistündige Folge der neuen Sendung also aus einer Doppelfolge, in der der gesamte Ablauf zwei Mal hintereinander durchgespielt wird.

    Noch reizvoller wäre „Quiz für Dich“ sicherlich, wenn die Show und der entsprechende Überraschungsmoment tatsächlich live wären. Dies sei laut Pilawa jedoch aus produktionstechnischen Gründen nicht möglich. Allgemein hat Sat.1 mit der Sendung das Rad definitiv nicht neu erfunden, doch die Zutaten stimmen: Abwechslungs- und temporeiches Gameplay, spielfreudige Promis und ein routinierter, aber dennoch nicht festgefahrener Pilawa sorgen dafür, dass Quizfreunde an dem Neuzugang, dessen Idee aus dem Hause John de Mol stammt, durchaus ihre Freude haben dürften.

    Sat.1 zeigt „Quiz für Dich“ immer mittwochs um 20:15 Uhr.

    Über den Autor

    Glenn Riedmeier ist Jahrgang ’85 und gehört zu der Generation, die in ihrer Kindheit am Wochenende früh aufgestanden ist, um stundenlang die Cartoonblöcke der Privatsender zu gucken. „Bim Bam Bino“, „Vampy“ und der „Li-La-Launebär“ waren ständige Begleiter zwischen den „Schlümpfen“, „Familie Feuerstein“ und „Bugs Bunny“. Die Leidenschaft für animierte Serien ist bis heute erhalten geblieben, zusätzlich begeistert er sich für Gameshows wie z.B. „Ruck Zuck“ oder „Kaum zu glauben!“. Auch für Realityshows wie den Klassiker „Big Brother“ hat er eine Ader, doch am meisten schlägt sein Herz für Comedyformate wie „Die Harald Schmidt Show“ und „PussyTerror TV“, hält diesbezüglich aber auch die Augen in Österreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten offen. Im Serienbereich begeistern ihn Sitcomklassiker wie „Eine schrecklich nette Familie“ und „Roseanne“, aber auch schräge Mysteryserien wie „Twin Peaks“ und „Orphan Black“. Seit Anfang 2013 ist er bei fernsehserien.de vorrangig für den nationalen Bereich zuständig und schreibt News und TV-Kritiken, führt Interviews und veröffentlicht Specials.

    Lieblingsserien: Twin Peaks, Roseanne, Gargoyles – Auf den Schwingen der Gerechtigkeit

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • am via tvforen.de

      Gesehen... obwohl, das ist zuviel der Ehre...
      Wir haben dieses "Quiz für Dich" angefangen und nach etwa 20 Minuten abgebrochen.
      Das war nix...

      Und dafür stampft der das Quizduell ein...

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