„Matchball“, „Dr. Ken“, „Das Modegericht“ – versprochen und vergessen?

    Nachgehakt bei den Ankündigungen der Mediengruppe RTL

    Lukas Respondek
    Lukas Respondek – 23.06.2019, 11:00 Uhr

    Was wurde aus den Ankündigungen der RTL-Sender? – Bild: MG RTL D/Knümann/Respondek
    Was wurde aus den Ankündigungen der RTL-Sender?

    Die Screenforce Days stehen vor der Tür: Die großen Fernsehsender stellen ihre Programmhighlights der kommenden Saison vor und kündigen zahlreiche neue Show- und Serienformate an. Auch wenn der Großteil der Ankündigungen tatsächlich umgesetzt und ausgestrahlt wird, haben es vereinzelte Projekte nach teils jahrelanger Stille bisher nicht auf die Bildschirme geschafft. Wie es um diese Formate steht, hat fernsehserien.de bei den Sendern erfragt. Gestern machten die Sender der ProSiebenSat.1-Gruppe hier den Anfang, nun folgen die Antworten der Mediengruppe RTL.

    RTL

    Der Kölner Sender RTL kündigte 2017 die Ausstrahlung neuer Real-Life-Formate für die Daytime an, darunter „Verkauf’s zu Haus“, das es immerhin zu einem einwöchigen Testlauf schaffte. Das Format „Die Sparkönigin“, in dem Hausfrauen in einen Wettbewerb treten und ihre Familie mit wenigen Mitteln verwöhnen, schaffte es dagegen nie auf die Bildschirme. Auch das Fashionformat „Das Modegericht“ bleibt dem Fernsehpublikum verwehrt. Ein RTL-Sprecher begründet die Planänderung wie folgt: „In der Tat ist es so, dass wir in der Mediengruppe ständig viele Formate entwickeln. Da kommt es mitunter, wenn auch selten vor, dass wir Formate ankündigen, die am Ende doch nicht realisiert werden aus den verschiedensten Gründen.“

    Einen besonderen Grund zum Produktionsabbruch hat das Castingformat „Sing mit mir!“ vorzuweisen: Weil die Rechte an der von Endemol Shine produzierten Show „The Masked Singer“ eigentlich an RTL gehen sollten, ProSieben aber im Bieterwettstreit ein höheres Gebot abgab und die Sendung nun zeigen wird, herrscht dicke Luft zwichen RTL und Endemol Shine. Eine Konsequenz: RTL hat das ebenfalls von Endemol Shine produzierte Format „Sing mit mir!“ abgeblasen (fernsehserien.de berichtete).

    RTLplus

    Im vergangenen Jahr verkündete der Spartensender RTLplus die Wiederholung einiger Serienklassiker wie „Sinan Toprak ist der Unbestechliche“ und „Die Sitte“. Eine einzige Ausstrahlung steht allerdings auch ein Jahr später aus: Die 13-teilige Familienserie „Matchball“ mit Schlagerstar Howard Carpendale als alternder Tennisprofi hat den Sprung ins großflächig von Gerichtsshows dominierte RTLplus-Programm noch nicht geschafft. „Wir suchen noch nach einem Sendeplatz“, erklärt eine Sendersprecherin gegenüber fernsehserien.de. Auf ein „Hello Again“ müssen Fans also weiter warten.

    Im Übrigen plant der Sender nach wie vor nicht mit einer Fortsetzung der Gameshow-Neuauflagen. Zwar sind „Glücksrad“, „Ruck Zuck“ und Co. weiterhin mit Wiederholungen im Nachtprogramm vertreten, doch eine weitere Produktion der kultigen Spielshows sei momentan nicht geplant.

    Nitro, n-tv und RTL II

    Auch Nitro kündigte eine Serie an, auf deren Ausstrahlung seit längerem gewartet wird: In der ABC-Sitcom „Dr. Ken“ hat ein Allgemeinmediziner (Ken Jeong) mit allerlei Problemen in seinem Privat- wie im Berufsleben zu tun. Doch wer bei Nitro sehen möchte, wie sich Dr. Ken zwei Staffeln lang mit seiner Ehe und dem US-amerikanischen Gesundheitssystem befasst, muss weiter Geduld zeigen: Die Ausstrahlung sei zwar weiterhin geplant, doch man habe noch keinen Sendetermin, heißt es seitens des Senders.

    Von zwei Reportagereihen des Nachrichtensenders n-tv war ebenfalls immer noch nichts zu hören: Weder „Familiendynastien“ noch „Mega Places“ standen seit ihrer Ankündigung im vergangenen Jahr auf dem Programm des Senders. Ob weiterhin mit den Produktionen gerechnet werden kann, ist nicht bekannt. Die Reihe „Wie macht man eigentlich … ?“ wurde dagegen bereits unter dem Titel „So macht man das!“ ausgestrahlt.

    Ein besonders kurioses Formatkonzept stammt aus der Programmpräsentation zur Saison 2016/17 bei RTL II: In „Das große Brabbeln“ sollten Babys per Voiceover lustige Worte in den Mund gelegt werden. Obwohl Kleinkinder üblicherweise als Quotenbringer gelten, konnte die Sendung dann wohl doch nicht überzeugen: Der Sender entschied sich „aus programmplanerischen Gründen“ gegen eine Ausstrahlung.

    Zum Stand der Ankündigungen der ProSiebenSat.1-Gruppe

    Über den Autor

    Lukas Respondek

    Lukas Respondek, etwa knapp zehn Jahre zu spät im Jahr 1997 geboren, hatte zu Hause schon früh das Sagen über die Reihenfolge der Senderliste. Als Fan von kurzweiligen Sendungen wie „Ruck Zuck“ oder dem „Glücksrad“ hat der stolze Gewinner einer „Live nach Neun“-Badeente die Hochphase der Gameshows in den 90ern leider verpasst. Doch das hält ihn nicht davon ab, sich ausgiebig mit Showperlen aus den Archiven der Fernsehsender zu befassen. Wenn Lukas sich gerade nicht mit den „Sechs Siebeng’scheiten“ oder den Animes seiner Kindheit befasst, wird er sehr wahrscheinlich nach der nächsten Kuriosität des Showgenres Ausschau halten, um daraus aus dem Zusammenhang gerissene Zusammenschnitte zu basteln. Neben dem „ZDF-Fernsehgarten“ mussten bereits Jan Hahns „Glücksrad“ und Peter Rapps „Brieflos Show“ dran glauben. Nachdem Lukas schon in der Schule jede erdenkliche Möglichkeit nutzte, Werbespots zu analysieren oder die Sorgen der AstroTV-Anrufer zu untersuchen, führte für den gebürtigen Kölner kein Weg am Studium der Medienwissenschaften vorbei. Nebenbei ist er seit 2014 Teil der Redaktion von fernsehserien.de und versucht hier, sowohl längst verschollene als auch noch gar nicht angelaufene Sendungen im Auge zu behalten.

    Lieblingsserien: Detektiv Conan, Brooklyn Nine-Nine, The Wrong Mans – Falsche Zeit, falscher Ort

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