Interview mit Carolin Kebekus: „Früher war ich die, die dauernd nur Asis spielt.“

    Über den „Deutschen Comedypreis“, „PussyTerror TV“ und die Anfänge ihrer Karriere – von Glenn Riedmeier

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    Carolin Kebekus ist mehrfache Preisträgerin des „Deutschen Comedypreises“

    Wer sich für Comedy begeistern kann, kommt an einer Frau aktuell nicht vorbei: Carolin Kebekus ist die Durchstarterin der letzten Jahre und für viele die derzeit lustigste Frau im deutschen Fernsehen. Vor wenigen Tagen hat die Kölnerin zum zweiten Mal den „Deutschen Comedypreis“ moderiert und erhielt zum dritten Mal in Folge den Preis als „Beste Komikerin“. Seit Frühjahr 2015 präsentiert sie einmal im Monat ihre eigene Comedyshow „PussyTerror TV“ im WDR Fernsehen, benannt nach ihrem ersten Bühnenprogramm. wunschliste.de-Redakteur Glenn Riedmeier sprach im ausführlichen Interview mit Carolin Kebekus über die Preisverleihung, „PussyTerror TV“ und die Anfänge ihrer Karriere. Außerdem verrät die Künstlerin, was für sie der Abschied von Stefan Raab bedeutet und wie sie die aktuelle Comedy-Landschaft in Deutschland bewertet.

    wunschliste.de: Liebe Frau Kebekus, Sie haben vor wenigen Tagen zum zweiten Mal den Deutschen Comedypreis moderiert. Was waren für Sie die herausragenden Momente und wie zufrieden sind Sie insgesamt mit dem Verlauf des Abends gewesen?

    Carolin Kebekus: Ich glaube, zu 100 Prozent bin ich nie zufrieden, weil ich sehr selbstkritisch bin und mich ärgere, wenn ich mich verspreche oder etwas nicht so klappt wie geplant. Zum Beispiel war für das Opening ein großes Pyro-Feuerwerk aufgebaut, das einfach nicht losging. Aber insgesamt war es ein toller Abend. Meine Highlights waren die Auftritte von Abdelkarim , Max Giermann als Klaus Kinski, die sehr lustige Laudatio von Annette Frier und natürlich das Finale mit Stefan Raab, der eine richtig coole Show abgezogen hat.

    Mal ganz abgesehen von Ihren eigenen Auftritten und Musikeinlagen, mit denen Sie erneut den Saal begeistert haben! Dennoch rollen bezüglich des Comedypreises einige Medienkritiker mit den Augen und bemängeln, dass in jedem Jahr im Prinzip die gleichen Künstler ausgezeichnet werden und sich die Branche die Preise gegenseitig überreicht. Können Sie diese Kritik nachvollziehen und wie bewerten Sie die aktuelle Comedy-Landschaft in Deutschland?

    CK: Bei einer Preisverleihung melden sich Kritiker fast immer zu Wort und garantiert gibt es bezogen auf den Comedypreis noch Optimierungsmöglichkeiten … Ich bin in den letzten Monaten des Öfteren in kleineren Shows aufgetreten und freue mich besonders darüber, dass es inzwischen viele junge, weibliche Talente gibt, die Comedy machen. Als ich angefangen habe, war das eine absolute Rarität und mittlerweile treten in jeder Show mindestens eine und oft auch zwei Frauen auf. Das hat sich wirklich geändert und ich finde es super, dass sich die Mädels nicht mehr verstecken und mit viel Selbstbewusstsein auftreten. In diesem Jahr hat mit Enissa Amani ja eine Frau den Newcomer-Preis bekommen und ich bin mir sicher, dass da in den nächsten Jahren noch viele mehr nachkommen werden.

    Carolin Kebekus mit ihrem ersten Soloprogramm „Pussy Terror“

    Sie machen sich gerne für weibliche Kollegen stark und schon im vergangenen Jahr war es Ihnen bei Ihrer Comedypreis-Dankesrede ein Bedürfnis, eine Liste an Comediennes vorzulesen, die noch nicht den Bekanntheitsgrad genießen wie Sie. Leider hat RTL ausgerechnet diesen Teil aus der Fernsehausstrahlung geschnitten. Sie haben jetzt die Möglichkeit ungefiltert Werbung zu machen. Welche weiblichen Talente im Comedybereich gefallen Ihnen aktuell besonders gut?

    CK: Da gibt es wirklich sehr viele. Lena Liebkind zum Beispiel, die den „NightWash“-Talent-Award gewonnen hat, oder Tamika Campbell aus New York, die eine Mega-Energie versprüht und über die ich mich kaputtlachen kann ohne Ende! Dann gibt es beispielsweise Maike Greine oder Tahnee Schaffarczyk, die ich ebenfalls sehr lustig finde, und noch viele mehr.

    Das Jahr 2015 ist zwar noch nicht vorbei – eine Preisverleihung gibt allerdings immer Anlass, etwas auf die vergangenen Monate zurückzublicken. Wie bewerten Sie das Jahr bezogen auf Comedy-Tauglichkeit? Welche Themen sind für Sie besonders herausgestochen?

    CK: Es sind in diesem Jahr viele krasse Sachen passiert, wie natürlich die Flüchtlingskrise. Das ist ein heißes Eisen, aber auch darüber wird natürlich in Comedy und Kabarett gesprochen. Themen wie der aktuelle Fifa-Skandal geben da eine einfachere Vorlage für Witze, wahrscheinlich genügend für die nächsten zwei Jahre!

    Sie haben in diesem Jahr bei ihren Moderationen erneut messerscharfe Kritik geübt an Gesellschaft und Fernsehen, unter anderem auch an RTL und der Sendung „Adam sucht Eva – Gestrandet im Paradies“. Für den Fall, dass dieser Teil rausgeschnitten wird, können Sie noch einmal zusammenfassen, was Sie daran gestört hat?

    CK: Och, das ist doch eigentlich eine ganze normale Datingshow, oder? [lacht] Nein, im Ernst: Für mich ist es einfach ein Armutszeugnis, die Leute darin komplett nackt zu zeigen. Nachdem der Ekelfaktor bei „Bauer sucht Frau“ und „Schwiegertochter gesucht“ nicht mehr zu toppen war, fährt man jetzt diese Schiene. Dazu fällt einem eigentlich nichts mehr ein und es wundert mich nicht, dass sich immer mehr Menschen bei so einem Programm vom Fernsehen abwenden.

    Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Carolin Kebekus den Abschied von Stefan Raab beurteilt und welche Erinnerungen sie mit den Anfängen ihrer Karriere verbindet.

    30.10.2015, 15:00 Uhr – Glenn Riedmeier/fernsehserien.de

    Über den Autor

    Glenn Riedmeier
    Glenn Riedmeier ist Jahrgang '85 und gehört zu der Generation, die in ihrer Kindheit am Wochenende früh aufgestanden ist, um stundenlang die Cartoonblöcke der Privatsender zu gucken. "Bim Bam Bino", "Vampy" und der "Li-La-Launebär" waren ständige Begleiter zwischen den "Schlümpfen", "Familie Feuerstein" und "Bugs Bunny". Die Leidenschaft für animierte Serien ist bis heute erhalten geblieben, zusätzlich begeistert er sich für Gameshows wie z.B. "Ruck Zuck" oder "Kaum zu glauben!". Auch für Realityshows wie den Klassiker "Big Brother" hat er eine Ader, doch am meisten schlägt sein Herz für Comedyformate wie "Die Harald Schmidt Show" und "PussyTerror TV", hält diesbezüglich aber auch die Augen in Österreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten offen. Im Serienbereich begeistern ihn Sitcomklassiker wie "Eine schrecklich nette Familie" und "Roseanne", aber auch schräge Mysteryserien wie "Twin Peaks" und "Orphan Black". Seit Anfang 2013 ist er bei fernsehserien.de vorrangig für den nationalen Bereich zuständig und schreibt News und TV-Kritiken, führt Interviews und veröffentlicht Specials.

    Lieblingsserien: Twin Peaks, Roseanne, Gargoyles – Auf den Schwingen der Gerechtigkeit

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