Die beste Show der Welt – von und mit Joko & Klaas – Review

    Erfrischende Mini-Show-Revue mit Schwächen – von Glenn Riedmeier

    Rezension von Glenn Riedmeier – 01.05.2016, 00:41 Uhr

    Joko Winterscheidt stellt ein Liebespaar in der Pärchen-Gameshow „Yes or No Show“ auf eine vermeintliche Beziehungsprobe.
    Joko Winterscheidt stellt ein Liebespaar in der Pärchen-Gameshow „Yes or No Show“ auf eine vermeintliche Beziehungsprobe.

    Spätestens seit dem Rückzug von Stefan Raab aus dem TV-Geschäft gelten Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf als inoffizielle Nachfolger und Hoffnungsträger. Neben ihrer wöchentlichen Sendung „Circus HalliGalli“ durfte sich das Entertainer-Duo bereits mit mehreren Shows am Samstagabend austoben: Mit „17 Meter“, „Die Rechnung geht auf uns!“, „Joko gegen Klaas – Das Duell um die Welt“ und zuletzt „Mein bester Feind“ haben sie ähnlich wie Raab originelle XXL-Showkonzepte an den Start gebracht.

    Generell glaubt das Duo, dass auch heute noch Samstagabendshows funktionieren können. „Natürlich hat die TV Landschaft sich verändert, auch die Nutzungsgewohnheiten. Aber wenn man glaubt, eine gute Idee zu haben, diese dann gut umsetzt, erreicht man immer noch viele Zuschauer“, meinte Heufer-Umlauf kürzlich in einem Interview. „Es kann ja auch Helene Fischer im ZDF sein: Die große Show an sich geht noch. Peter Frankenfeld ist früher noch rausgegangen und hat 25 Minuten geredet. Das funktioniert heute nicht mehr.“

    Am 30. April 2016 ging der neueste Streich von Joko und Klaas auf Sendung, der den unbescheidenen Titel „Die beste Show der Welt“ trägt. Florida TV GmbH produziert die Sendung in Zusammenarbeit mit der bildundtonfabrik im Auftrag von ProSieben. Dahinter verbirgt sich nicht nur eine einzige Show, stattdessen vereint die Sendung sage und schreibe acht verschiedene Mini-Shows. Joko und Klaas betätigen sich als Marktforscher und wollen sich aktiv auf die Suche nach der besten Show der Welt machen. Sie testen jeweils vier unterschiedliche Showkonzepte variierender Länge mit dem Ziel, die Zutaten zu finden, aus denen die wahren Quotenhits entstehen, die Publikum und Kritiker gleichermaßen begeistern.

    Joko und Klaas duellieren sich also wieder einmal, doch diesmal anders als in früheren Sendungen. Im Wechsel führen die beiden durch acht Showformate und buhlen um die Gunst der Zuschauer. Durch ad-hoc-“Quotenmessung“ gibt das Studiopublikum per Fernbedienung seine Stimme ab und entscheidet über Quotenhit oder Megaflop. Die Zuschauer übernehmen als Richter eine Funktion, die üblicherweise Programmchefs vorbehalten ist und bekommen Show-Piloten zu Gesicht, die im Normalfall in der Schublade bleiben. Am unteren Bildschirmrand ist eine „Einschaltquoten“-Grafik eingeblendet – die soll in Echtzeit die Reaktion und die Begeisterung des Publikums vor Ort widerspiegeln. Wandert der Pfeil in den roten Bereich, ist die vorgestellte Show absetzungsgefährdet. Am Ende der Sendung wird schließlich eines der Formate zur „besten Show der Welt“ gekürt. Als Gesamtmoderatorin des „größten Showkampfs zwischen Joko und Klaas“ fungiert Jeannine Michaelsen.

    Joko Winterscheidt präsentiert als erstes die „Yes or No Show“, eine etwas andere Pärchen-Show. Die Kulisse ist stark an Fernsehsendungen der 1970er Jahre angelehnt, während Joko den überdrehten Gameshow-Moderator mit altmodischem Stabmikrofon gibt. Er bittet ein Liebespaar aus dem Publikum auf die Bühne und stellt es auf eine vermeintliche Beziehungsprobe: Das Paar beantwortet im Wechsel Fragen mit einem einfachen „Ja“ oder „Nein“. Was die Kandidatin allerdings nicht weiß: Sie und ihr Partner wurden nicht zufällig von Joko ausgewählt und sie spielen auch nicht um einen Geldgewinn. In Wirklichkeit ist der männliche Kandidat eingeweiht und will seiner Freundin einen Heiratsantrag machen. So mündet die angebliche Spielshow in eine Überraschungsshow mit anschließender TV-Heirat – „Traumhochzeit“ lässt grüßen und Joko fungiert als Aushilfs-Kai-Pflaume. Unter diesen Umständen ist die erste Mini-Show schwer zu beurteilen, da nicht wirklich klar wird, ob es sich bei dieser Ausgabe der „Yes or No Show“ um eine normale oder um eine Sonderausgabe des potentiellen Formats gehandelt haben soll.

    Klaas Heufer-Umlauf schlüpft anschließend in die Rolle des fiktiven „Großillusionisten“ David Flame und lässt in „The David Flame Show“ seine Assistentin Palina Rojinski mehrere Meter in die Lüfte schweben. Doch damit nicht genug: Der Nachwuchs-Magier hebt in der Parodie auf Formate wie „The next Uri Geller“ am Ende auch selbst ab und verblüfft schließlich mit einer Entfesselung im Holzsarg. Klaas stellt sein „magisches“ Talent unter Beweis, doch letztendlich handelt sich hierbei um eine klassische Zaubershow ohne besonderen Kniff.

    Klaas Heufer-Umlauf lässt als Großillusionist David Flame seine Assistentin Palina Rojinski meterhoch in die Lüfte schweben.
    Klaas Heufer-Umlauf lässt als Großillusionist David Flame seine Assistentin Palina Rojinski meterhoch in die Lüfte schweben.

    In „Dürften wir?“ holt sich Joko ein weiteres Pärchen aus dem Publikum aufs Sofa. Es wird zu „Außenreporter“ Matthias Schweighöfer geschaltet, der sich vor deren Wohnung befindet. Gegen steigende Geldangebote darf das Paar entscheiden, ob Schweighöfer vor aller Öffentlichkeit deren Wohnung zeigen bzw. verunstalten darf, inklusive Besuch von Schafen. Ein Spielkonzept, das allein auf Voyeurismus und Schadenfreude basiert und wie eine Rubrik aus „Circus HalliGalli“ wirkt.

    Danach ist Klaas wieder an der Reihe: „Der beste Preis der Welt“ kann als sadistische Mini-Variante von „Schlag den Raab“ bezeichnet werden: Klaas tritt gegen eine Zuschauerin in drei kurzen Geschicklichkeitsspielen an und Jeannine Michaelsen bekommt als Moderatorin endlich etwas zu tun. Auch hier ist die Wahl der Kandidatin nicht reiner Zufall: Denn als Gewinn winkt ein Wiedersehen mit ihrem Bruder den sie seit fünf Jahren nicht gesehen hat. Sollte sie allerdings verlieren, bekommt sie ihn (angeblich) nicht zu Gesicht und lediglich einen Trostpreis. Eine der besseren Showideen, bei der auf Grund der Ungewissheit bezüglich der Auflösung tatsächlich Spannung aufkommt.

    In „Bijo to Baka“ nehmen Joko und Klaas schrille Fernsehshows aus Japan aufs Korn. Joko fungiert neben einem Japaner als Co-Moderator der knallbunten Mini-Show, während Klaas im albernen Kostüm gegen echte japanische Spielshow-Profis antritt. Die rund zehn Minuten dieser Show gehören zum Beklopptesten, das es in den letzten Jahren im deutschen TV zu sehen gab – und dennoch bewahrt sie das nicht vor der Absetzung durch das Urteil des Publikums.

    „Höhenangst – Die Show“ ist eine kleine Mogelpackung, die auch eine Spielrunde in „Joko gegen Klaas“ sein könnte. Klaas schickt seinen an Höhenangst leidenden Kollegen Joko auf ein Gerüst in mehreren Metern Höhe. Dort soll er einen Hindernisparcours absolvieren und Päckchen einsammeln. Darin befinden sich Geldpreise für einen Zuschauerkandidaten. Ein eher verzichtbarer Programmpunkt.

    Hinter „Game of Drones“ verbirgt sich ein Wettrennen zwischen vier Drohnen-Piloten. Zuschauer dürfen auf die Piloten setzen – die vier Höchstbietenden können ihren Geld-Einsatz vervielfachen. Per Fernbedienung steuern die Piloten ihre Drohnen durch einen Hindernisparcours. Eine originelle Action-Showidee, die es so tatsächlich noch nicht im deutschen Fernsehen gab.

    Den Abschluss bildet Klaas’ letztes Showkonzept „Kein Herz für Tiere“. Jorge González, Palina Rojinski und Rolf Scheider werden als prominente Teilnehmer begrüßt und auf die Probe gestellt: Sie dürfen jeweils 60 Sekunden lang keine Emotionen zeigen, während ihnen Klaas süße Tierbabys vor die Nase hält. Nett, aber auch das ist mehr eine Spielrunde als ein richtiges Showkonzept.

    Zusammenfassend lässt sich sagen: „Die beste Show der Welt“ ist eine spannende Spielwiese, die dank der zahlreichen Anspielungen auf diverse Formate und Funktionsweisen in der TV-Branche vor allem medieninteressierte Menschen begeistern sollte. Ob allerdings auch der herkömmliche Fernsehkonsument und Zapper viel mit der Sendung anfangen kann, darf schon eher bezweifelt werden. Dass die vorgestellten Mini-Shows von unterschiedlicher Qualität mit wechselhaftem Unterhaltungswert sind, liegt in der Natur der Sache und ist Teil des Konzepts. Leider konnten sich die Verantwortlichen nicht so richtig entscheiden, ob sie interessante Showideen oder doch eher Parodien davon präsentieren wollten. Anders als ursprünglich angekündigt, geht es in dem Format vorwiegend nämlich nicht darum, ernsthafte Showkonzepte auszuprobieren. Es wurde vielmehr ein neuer Rahmen für die ironischen Neckereien zwischen den beiden Moderatoren geschaffen. So mancher Zuschauer hätte sich vielleicht über eine richtige, moderne Varietyshow mehr gefreut – wie es beispielsweise Ant & Dec in ihrer Erfolgssendung „Saturday Night Takeaway“ in Großbritannien machen.

    Gelegentlich beschleichen einen auch Zweifel an der Authentizität des Dargebotenen – ob etwa die angeblich unbedarften Kandidaten tatsächlich nicht vorher Bescheid wissen. Der regelmäßige Disput zwischen den beiden Kontrahenten Joko und Klaas wirkt ebenfalls einstudiert. Davon abgesehen hatte die eigentliche Moderatorin des Abends, Jeannine Michaelsen, auffallend wenig zu tun. Die größte Schwäche ist allerdings, dass man es offenbar nicht geschafft hat, acht richtige Showkonzepte zu kreieren. Die Sendezeit wird mit angeblichen Showideen gefüllt, die in Wirklichkeit simple Spielrunden sind. Klarer Fall von Überlänge – hier wäre weniger mehr, und ein Verzicht auf die eine oder andere „Show“ sinnvoll gewesen. Dennoch: Es ist auf jeden Fall löblich, dass sich ProSieben getraut hat, dieses wirklich erfrischende Format der Mini-Shows auf Sendung zu schicken. Eine wohltuende Abwechslung zum drögen Einheitsbrei, der sich in den letzten Jahren im Bereich der Samstagabendunterhaltung der meisten Sender eingestellt hat. ProSieben hat die Sendung als einmaliges Event bestellt, eine Fortführung wäre mit einigen Optimiereungen äußerst wünschenswert.

    © Alle Bilder: obs/ProSieben Television GmbH/Willi Weber

    Über den Autor

    Glenn Riedmeier

    Glenn Riedmeier ist Jahrgang ’85 und gehört zu der Generation, die in ihrer Kindheit am Wochenende früh aufgestanden ist, um stundenlang die Cartoonblöcke der Privatsender zu gucken. „Bim Bam Bino“, „Vampy“ und der „Li-La-Launebär“ waren ständige Begleiter zwischen den „Schlümpfen“, „Familie Feuerstein“ und „Bugs Bunny“. Die Leidenschaft für animierte Serien ist bis heute erhalten geblieben, zusätzlich begeistert er sich für Gameshows wie z.B. „Ruck Zuck“ oder „Kaum zu glauben!“. Auch für Realityshows wie den Klassiker „Big Brother“ hat er eine Ader, doch am meisten schlägt sein Herz für Comedyformate wie „Die Harald Schmidt Show“ und „PussyTerror TV“, hält diesbezüglich aber auch die Augen in Österreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten offen. Im Serienbereich begeistern ihn Sitcomklassiker wie „Eine schrecklich nette Familie“ und „Roseanne“, aber auch schräge Mysteryserien wie „Twin Peaks“ und „Orphan Black“. Seit Anfang 2013 ist er bei fernsehserien.de vorrangig für den nationalen Bereich zuständig und schreibt News und TV-Kritiken, führt Interviews und veröffentlicht Specials.

    Lieblingsserien: Twin Peaks, Roseanne, Gargoyles – Auf den Schwingen der Gerechtigkeit

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