Chase – Review

    von Michael Brandes

    Rezension von Michael Brandes – 29.10.2010

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    Cole Hauser, Jesse Metcalfe, Amaury Nolasco, Kelli Giddish und Rose Rollins (von links)
    Cole Hauser, Jesse Metcalfe, Amaury Nolasco, Kelli Giddish und Rose Rollins (von links)

    „Chase“ ist ein typisches Produkt der Bruckheimer-Maschinerie. Solide inszenierte Action in Hochglanzoptik trifft auf narrative Unzulänglichkeiten. Frische Ansätze oder originelle Einfälle waren von vornherein nicht zu erwarten. Der Produzent und seine Serienschöpferin Jennifer Johnson, die sich im Laufe der Jahre zur ausführenden Produzenten von „Cold Case – Kein Opfer ist je vergessen“ hochgearbeitet hatte, setzen auf vertraute Standards. Doch das Publikum hat sich allmählich sattgesehen. In der vergangenen Saison floppten bereits Bruckheimers Serienstarts „Miami Medical“ und „The Forgotten – Die Wahrheit stirbt nie“, während zugleich „C.S.I. – Den Tätern auf der Spur“ mit einem massiven Zuschauerrückgang zu kämpfen hatte. Nun sieht es auch für die beiden Serien-Neuzugänge nicht gut aus.

    Dem Anwaltsdrama „The Whole Truth“ droht bereits nach vier Folgen mit weniger als fünf Millionen Zuschauern die Absetzung. In der Serie treten eine Staatsanwältin und ein Rechtsanwalt, die früher einmal privat miteinander verbunden waren, jede Woche vor Gericht gegeneinander an. Am Ende wird nicht nur aufgelöst, wer den Fall der Woche gewinnt. Bruckheimers notorischer Erklärzwang macht es auch notwendig, in Szene zu setzen, was sich tatsächlich abgespielt hat, wer von den beiden Juristen also auf der Seite der „Wahrheit“ stand – ein aus der gefloppten Anwaltsserie „Justice: Nicht schuldig!“ entliehenes Prinzip, mit dem Bruckheimer sich selbst kopiert. Nicht viel besser läuft es hinsichtlich der US-Einschaltquoten für „Chase“, das sich mit jeweils circa fünf Millionen Zuschauern deutlich den parallel ausgestrahlten Serien „Castle“ (ABC) und „Hawaii Five-0“ (CBS) geschlagen geben muss, die beide jeweils über zehn Millionen Zuschauer vorweisen können. Hinzu kommt, dass die Bruckheimer-Serien bei den jüngeren Zuschauern im Alter von 18 bis 49 Jahren grundsätzlich eine eher untergeordnete Rolle spielen.

    Das „Chase“-Team: Kelli Giddish, Rose Rollins, Jesse Metcalfe, Amaury Nolasco, Cole Hauser (von links)
    Das „Chase“-Team: Kelli Giddish, Rose Rollins, Jesse Metcalfe, Amaury Nolasco, Cole Hauser (von links)

    Ungeachtet dessen hat NBC gerade die erste Staffel von 13 auf insgesamt 22 Folgen aufgestockt. Die etwas überraschende Episoden-Order hängt damit zusammen, dass NBC am Montagabend ohnehin nicht erfolgsverwöhnt ist. Das vor „Chase“ ausgestrahlte „Chuck“ mit seinem zahlenmäßig geringen, aber treuen Stammpublikum sowie die enttäuschend gestartete Blockbuster-Serie „The Event“ haben kaum mehr Zuschauer. NBC begründet die Entscheidung pro „Chase“ mit dem Glauben, die Serie habe noch das Potential zu wachsen. Zudem sei es gelungen, mit Kelli Giddish einen neuen TV-Star einzuführen. Was allerdings noch abzuwarten bleibt, denn im vergangenen Jahr war ein erster Versuch der Produktionsfirma Warner, die 30-jährige Schauspielerin prominent auf dem Bildschirm zu etablieren, misslungen. Sie bekam die Hauptrolle im Mystery-Drama „Past Life“ (FOX), das aber schon nach drei Episoden abgesetzt wurde.

    Nun dient Kelli Giddish in der Rolle einer attraktive Blondine, die sich furchtlos in jeden Faustkampf mit dem anderen Geschlecht wirft, als Blickfang, auf den die gesamte Serie zugeschnitten wird. Annie Frosts Antrieb ist dabei ihre persönliche Vergangenheit: Ihr Vater ist offenbar seit langem selbst auf der Flucht. Er hat sie nach dem Tod ihrer Mutter im Stich gelassen. Also jagt sie nun jene Flüchtlinge, die sie greifen kann. Eine Art Rache-Fantasie als Kompensation für eine tragische Kindheit. Aber reicht es, um Empathie aufzubauen? Eine so perfekte Heldin muss den Normalo vor dem Bildschirm mit all seinen Unzulänglichkeiten doch eigentlich eher deprimieren – oder zumindest unheimlich auf ihn wirken. Bruckheimer ist sich der Unnahbarkeit seiner Protagonistin, für die er vor allem Bewunderung erzeugen will, aber durchaus bewusst und bedient sich eines allzu simplen Tricks in Form eines kleinen Epilogs. Da begibt sich das Team unter die ganz normalen Menschen, tanzt in einem Club zu Countryklängen und feiert die erfolgreiche Jagd. Boots’ Botschaft: Am Ende des Tages, wenn der Job erledigt ist, bin auch ich nur eine von Euch! Doch schnell ist der Spaß wieder vorbei. Ihr Handy klingelt – der nächste Einsatz ruft.

    Meine Wertung: 2/5

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