I Love Lucy

    Eine Hommage an Lucille Ball, Vorreiterin moderner Sitcoms – von Ralf Döbele

    Ralf Döbele
    Ralf Döbele – 06.08.2011, 09:03 Uhr

    I Love LucyCBS
    „Ricky, warum bin ich nicht in der Show?!“ Praktisch jedes amerikanische Kind kennt diese Frage, die Lucy Ricardo mit hartnäckiger Regelmäßigkeit ihrem Mann Ricky stellte. „I Love Lucy“ ist Legende, die Serie, mit der das Sitcom-Format im Fernsehen 1951 überhaupt erst begann. Sechs Jahre lang stritten und versöhnten sich Lucille Ball und Desi Arnaz als Hauptdarsteller und Produzenten hinter den Kulissen. An ihrer Seite waren stets Vivian Vance und William Frawley zu sehen, die das Ehepaar Mertz und besten Freunde der Ricardos verkörperten. Fast unglaublich: eine quirlige Rothaarige und ein Kubaner als Traumpaar der Vereinigten Staaten? Und das in einer Erfolgsserie, die sechs Jahre lang gefüllt war mit atemberaubendem Slapstick, übergreifenden Handlungsbögen und Innovationen am laufenden Band. „I Love Lucy“ ist Legende – und in Deutschland praktisch unbekannt. Lucy und Ricky haben es in all den Jahren hierzulande nie ins Fernsehen geschafft, während in den USA seit 50 Jahren tägliche Wiederholungen an der Tagesordnung sind. Grund genug, den Ricardos und Mertzes einen ausführlichen Besuch abzustatten und um an ein Format zu erinnern, ohne das es andere tolle Serien dieses Genres nie gegeben hätte. Prosit, „I Love Lucy“!

    Lucille und Desi – Traumpaar mit Anlaufschwierigkeiten

    Fernsehen war noch ein experimentelles Medium, als sich Lucille Ball und Desi Arnaz 1940 kennen lernten. Sie war bereits regelmäßig in Hollywoodfilmen zu sehen, wenn auch nicht in allzu großen Rollen. Arnaz wiederum versuchte, sich als Sohn einer armen, kubanischen Immigrantenfamilie ebenfalls im Showbusiness durchzuschlagen. Zwischen den beiden sprühten die Funken – und es flogen auch gleich die Fetzen. Ihre Ehe überlebte dabei 1944 sogar eine fast schon vollendete Scheidung. 1948 erhielt Lucille schließlich die erste Hauptrolle in einer Serie – wenn auch im Radio. In „My Favorite Husband“ brachte sie als Ehefrau Liz ihren Mann George Cooper (Richard Denning) stets in waghalsige Situationen, aus denen beide gar nicht so leicht wieder heraus kamen. Die Serie wurde schließlich zum Blueprint für den späteren Erfolg von „I Love Lucy“.

    1951 sollte Lucille Ball ihren Radio-Hit für CBS ins Fernsehen bringen. Ball bestand allerdings auf Desi als Partner. Er sollte in der Serie ihren Ehemann spielen und außerdem als Produzent die Zügel in der Hand halten. Beide gründeten daraufhin die Produktionsfirma Desilu, die später in den 60er Jahren für Klassiker wie „Raumschiff Enterprise“ und „Kobra, übernehmen Sie“ verantwortlich zeichnen würde. Doch bis dahin war es noch weit. Zunächst galt es, „I Love Lucy“ für Sender und Publikum interessant zu gestalten – zumal ein erster Pilotfilm nicht wirklich gut ankam. So war es auch schwer, einen Werbekunden für die neue Sitcom zu finden, bis der Tabakriese Philip Morris als Sponsor an Bord kam.

    Serien-Revolution vor Live-Publikum

    Lucille Ball und Desi Arnaz – das Traumpaar der 50er JahreCBS
    Lucille, Desi und ihr Chefautor Jess Oppenheimer wussten genau, was sie von einer eigenen Serie wollten, auch wenn dies bedeutete, etablierte Hollywood-Regeln zu brechen. 1951 wurden die meisten Comedys noch als „Single Camera“-Formate gedreht, also praktisch genau wie Filme. Das Gelächter wurde später hinzu gemischt. Doch Lucilles größtes Talent lag in ihrem Gespür für Timing und vor allem im Slapstick. Sie brauchte die Energie eines Publikums um Höchstleistungen bieten zu können. So entstand die Idee, man könne „I Love Lucy“ ja auch vor einem Live-Publikum aufzeichnen, gleichzeitig mit drei 35 Millimeter-Kameras, chronologisch und praktisch ohne Wiederholungen von Szenen. Zwei Studios mussten komplett umgebaut werden, um ein Publikum aufnehmen zu können. Um der Serie zusätzlich einen hochwertigen Look zu verleihen, wurde Karl Freund engagiert, ein mit dem Oscar ausgezeichneter Kameramann, der bereits 1927 für Fritz Lang „Metropolis“in legendären Bildern einfing. Die Innovation hat sich ausgezahlt: Noch heute werden Sitcoms mit dem Drei-Kamera-System vor Live-Publikum aufgezeichnet. Und nach einem Ausflug ins Video-Land, wird spätestens seit „Verrückt nach Dir“ und „Friends“ auch wieder hochwertiges Filmmaterial eingesetzt.

    weiter

    weitere Meldungen