Impressionen rund um das AKW Tschernobyl während und nach der Nuklearkatastrophe vom 26. April 1986
Bild: rbb/IMAGO/ITAR-TASS/dyrdee media/SNA/Windfall Films/Collage by TV Wunschliste
Am 26. April 1986 jährt sich die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl zum 40. Mal. Infolge einer Kombination aus Konstruktionsmängeln und Bedienfehlern explodierte Block 4 des Kernkraftwerks nahe der ukrainischen Stadt Prypjat am besagten Datum um 1:23 Uhr Ortszeit mitten im Kalten Krieg. Auf die radioaktive Wolke, die sich daraufhin nach Westen ausbreitete und die damit einhergehenden Konsequenzen, war niemand vorbereitet. Bis heute gilt das Unglück, das mit der ausgezeichneten Miniserie „Chernobyl“ (2019) von HBO und Sky sehr eindrucksvoll in Szene gesetzt wurde, als der schwerwiegendste Unfall in der Geschichte der Atomenergie. Schätzungen von Fachexperten gehen von einer fünf- bis sechsstelligen Zahl an Todesopfern aus. Um an die historische Katastrophe zu erinnern und auf die nach wie vor aktuellen Gefahren der Kernenergie aufmerksam zu machen, zeigt das deutsche Fernsehen in den kommenden Wochen mehrere themenbezogene Sendungen, darunter auch einzelne Premieren.
Bereits am Dienstag, den 7. April ist im ZDF um 20:15 Uhr die neu zusammengestellte Dokumentation „Tschernobyl – Die Katastrophe“ zu sehen, in der Überlebende und Experten über die Explosion des Atomkraftwerks vor vier Jahrzehnten berichten. Der 45-minütige Film von Ariane Riecker, Dirk Schneider, Martin Jabs und Andreas Fauser spannt einen Bogen vom Bau des AKWs über die Katastrophennacht und der Vertuschung ihrer Ursachen durch die Sowjetunion bis hin zu den gravierenden Folgen, die bis in die Gegenwart reichen. Dabei wird auch auf die Rolle der heutigen Kraftwerk-Ruine eingegangen, die im Krieg gegen die Ukraine inzwischen selbst zu einer potenziellen Waffe geworden ist. Die gleichnamige vierteilige ZDFinfo-Reihe von 2023, auf dessen Grundlage diese neue Doku produziert wurde, wird in der Nacht vom 22. auf den 23. April um 0:50 Uhr ebenfalls im ZDF gezeigt.
Grafik, die den Standort der durch die Wucht der Explosion aus Reaktor 4 ausgestoßenen Trümmer auf dem Dach der Tschernobyl-Einheit 3 nach der Katastrophe zeigt. Ukrinform/Windfall Films
Am Montag, den 13. April um 23:05 Uhr widmet sich auch Das Erste der Unglücksnacht. Filmemacher und Regisseur Volker Heise, der bereits „Gladbeck: Das Geiseldrama“ (Netflix), „Schockwellen“ und „Berlin 1945“ (beide ARD) realisierte, zeichnet in seinem neuen 90-minütigen Dokumentarfilm „Tschernobyl 86: Der Super-GAU“ die sich überschlagenden Ereignisse unmittelbar ab dem Moment der Explosion nach. Nach Angaben der ARD soll die Nuklearkatastrophe erstmals „zu 100 Prozent mit Archivmaterial aus dem Schreckensjahr 1986, direkt und nur mit Original-Kommentar“ rekonstruiert werden. Im Fokus stehen hierbei die damaligen überforderten politischen Akteure und Experten sowie die Ängste der betroffenen Menschen, aber auch die Entschlossenheit derjenigen Helden, die sich seinerzeit in Lebensgefahr begaben, um die Schäden zu begrenzen. Der Film ist eine Produktion von rbb, NDR, SWR, BR, MDR, Radio Bremen, WDR und der Film Five GmbH im Auftrag der ARD.
Mit der federführend in Großbritannien produzierten Doku-Reihe „Tschernobyl – Der Insiderbericht“ zeigt auch der Kultursender arte am Dienstag, den 14. April um 20:15 Uhr ein neues themenbezogenes Format in deutscher Erstausstrahlung. In den drei jeweils 52-minütigen von Windfall Films realisierten Folgen „Inferno“, „Strahlung“ und „Schuld“, die am Stück gezeigt werden, schildern Augenzeugen aus unterschiedlichen Perspektiven, wie sie die Katastrophe erlebt haben. Zu Wort kommt unter anderem der damals involvierte Ingenieur Nikolai Steinberg, der jahrelange Forschungen betrieb, um die wahren Ursachen für das Unglück zu ergründen.
Der Atomingenieur Nikolai Steinberg im Eingangsbereich seines ehemaligen Wohnblocks in der heutigen Geisterstadt Prypjat. ZDF/LOOKSfilm/Evgeniy Vorontsov
Des Weiteren werden mehrere themenspezifische Einzeldokus und Doku-Serien aus früheren Jahren wiederholt, ebenso wie das deutsch-belarussische Drama „1986“, in dem die „verbotene Zone“ von Tschernobyl eine zentrale Rolle spielt. Erneute lineare Ausstrahlungen der mit zwei Golden Globes prämierten Katastrophenverfilmung „Chernobyl“ bei Sky Atlantic (Pay-TV) wurden ebenfalls angekündigt.
Nachfolgend eine Übersicht über die angekündigten TV-Ausstrahlungen der (vom oben erwähnten Sonderfall Sky Atlantic abgesehen) reichweitenstärksten Sender zum Thema:
UPDATE (19.03.2026): Die Liste wurde hiermit auf einen aktuellen Stand gebracht und um weitere Termine ergänzt.
Alle Daten & Zeiten nach Sendetag (5:00 Uhr – 4:59 Uhr) (ohne Gewähr auf Vollständigkeit)
Das Erste:
• 13. April, 23:05 Uhr: „Tschernobyl 86: Der Super-GAU“ – Die Dokumentation von Volker Heise schildert ausschließlich unter Verwendung von Archivmaterial, wie die Menschen seinerzeit versuchten, die Herausforderungen der Nuklearkatastrophe zu meistern. (TV-PREMIERE)
ZDF:
• 7. April, 20:15 Uhr: „Tschernobyl – Die Katastrophe“ – Neu zusammengestellte Einzeldokumentation, in der Expertinnen und Experten der sowjetischen und ukrainischen Atomgeschichte den Aufbau und das jähe Ende der atomaren Utopie schildern (Wdh. 8. April, 1:45 Uhr) (TV-PREMIERE)
• 22. April, 0:50 Uhr: „Tschernobyl – Die Katastrophe“ – Alle vier Teile der 2023 erstmals gezeigten ZDFinfo-Reihe, in der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen Einblicke in den Aufstieg und Niedergang von Tschernobyl geben
• 28. März, 17:25 Uhr: „ARTE Reportage“, u. a. mit „Ukraine: Tschernobyl im Krieg“
• 14. April, 20:15 Uhr: „Tschernobyl – Der Insiderbericht“ – Basierend auf dem heutigen Erkenntnisstand und anhand von Augenzeugenberichten rekonstruiert die dreiteilige britische Dokumentation die historische Katastrophe aus unterschiedlichen Perspektiven und analysiert ihre Folgen. (Wdh. 27. April, 8:55 Uhr) (DEUTSCHE TV-PREMIERE, online first ab 7. April bei arte.tv)
MDR:
• 26. April, 22:25 Uhr: „Tschernobyl 86: Der Super-GAU“ (siehe Das Erste, 13. April)
NDR:
• 28. April, 0:00 Uhr: „Tschernobyl 86: Der Super-GAU“ (siehe Das Erste, 13. April)
BR:
• 22. April, 0:30 Uhr: „1986“ – Lothar Herzogs Filmdrama aus dem Jahr 2019 erzählt von der Studentin Elena (Daria Mureeva), die infolge illegaler Geschäfte ihres Vaters (Vitaliy Kotovitskiy) mehrfach in die gesperrte Zone von Tschernobyl reisen muss.
• 6. Mai, 23:30 Uhr: „Tschernobyl 86: Der Super-GAU“ (siehe Das Erste, 13. April)
SWR:
• 23. April, 23:35 Uhr: „Tschernobyl 86: Der Super-GAU“ (siehe Das Erste, 13. April)
rbb:
• 22. April, 22:35 Uhr: „Tschernobyl 86: Der Super-GAU“ (siehe Das Erste, 13. April)
• 18. April, 14:15 Uhr: „Unser Land in den 80ern“: 7. „Alles Lüge – 1986“ – Die Episode der Geschichts-Dokumentationsreihe porträtiert das Jahr 1986, das von sich ständig verändernden der über die Presse kommunizierten Fakten geprägt war, unter anderem in Bezug auf den verstrahlten Regen aus Tschernobyl. (Wdh. 19. April, 8:30 Uhr; 20. April, 2:15 Uhr und 23. April, 2:15 Uhr)
• 24. April, 0:30 Uhr: „Inside Saporischschja – Ein Atomkraftwerk im Krieg“ – Dokumentation, die sowohl die Besetzung der Atomruine von Tschernobyl als auch die des Atomkraftwerks Saporischschja durch russische Truppen während des Kriegs gegen die Ukraine in den Blick nimmt
• 24. April, 1:20 Uhr: „Die Schlacht von Tschernobyl“ – Die Dokumentation von Thomas Johnson zeichnet die Ereignisse der Katastrophe in Zeugenberichten und Archivaufnahmen nach.
• 25. April, 0:00 Uhr: „Tschernobyl – Die Katastrophe“ – Alle vier Teile von 2023 (siehe ZDF, 22. April) (Wdh. 26. April, 14:00 Uhr und 28. April, 2:15 Uhr)
ZDFinfo:
• 17. März, 8:55 Uhr: „Uran und Mensch – Ein gespaltenes Verhältnis“ – Zweiteilige Dokumentation über die Möglichkeiten und Risiken von Uran und die Rolle der Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima, die den Traum von einer Lösung für alle Energieprobleme beendeten (Wdh. 20. März, 17:15 Uhr)
• 17. März, 11:10 Uhr: „Nachrichten aus Fukushima – Chronik einer Katastrophe“ – Dokumentarfilm, der eine minutiöse und schonungslose Chronik der beispiellosen Atomkatastrophe von Fukushima zeigt, die weitaus schlimmer zu werden drohte als Tschernobyl
• 20. März, 12:40 Uhr: „Iran und die Bombe“ – Zweiteilige Dokumentation von Klaus Wollscheid, welche die historische Genese des iranischen Atomprogramms nachzeichnet (Wdh. 25. März, 4:10 Uhr)
• 20. März, 14:10 Uhr: „Tschernobyl – Die Katastrophe“ – Alle vier Teile von 2023 (siehe ZDF, 22. April) (Wdh. 10. April, 21:00 Uhr)
• 25. März, 1:10 Uhr: „Das Atomzeitalter – Höllenfeuer und Hoffnung“ – Alle drei Teile der Doku-Reihe, die sich auf eine Spurensuche nach den Ursprüngen eines strahlenden Zeitalters begibt (Wdh. 10. April, 18:45 Uhr)
• 26. März, 6:25 Uhr: „Strahlendes Erbe – Atommüll sucht Endlager“ – Wissenschafts-Dokumentation über die Bemühungen, geeignete Endlager-Standorte für radioaktiven Atommüll zu finden (Wdh. 10. April, 0:00 Uhr)
• 10. April, 15:30 Uhr: „Die sieben geheimen Atompläne der DDR“ – Diese Dokumentation von Matthias Hoferichter unternimmt eine Zeitreise in die Ära des Wettrüstens und zu den Anfängen der Atomenergie in der DDR. (Wdh. 29. April, 0:00 Uhr)
• 26. März, 21:10 Uhr: „Der Sarkophag – Die neue Schutzhülle für Tschernobyl“ – Die Dokumentation gewährt einen Blick hinter die Kulissen der Konstruktion des Beton-Schutzmantels, der seit dem Unglück das Atomkraftwerk in Tschernobyl umhüllt. (Wdh. 2:20 Uhr und 28. März, 6:00 Uhr)
• 15. April, 20:15 Uhr: „Geheimakte Tschernobyl“ – Britische zweiteilige Doku, die anhand der Akten des KGB die Vertuschungen rund um das Unglück enthüllt (Wdh. 1:30 Uhr)
ntv:
• 14. März, 17:10 Uhr: „Fatale Fehlkonstruktionen“: 2. „Kernkraftwerke“ – Diese Folge der Doku-Reihe zeigt am Beispiel der Katastrophen von Windscale, Three Mile Island und Tschernobyl, wie schnell ein für den Fortschritt gedachtes Werkzeug zur zerstörerischen Kraft werden kann.
• 8. April, 21:05 Uhr: „Mysteriöse Phänomene – Rätsel von oben“: Folge 12 – u. a. mit einem mysteriösen radioaktiven Hotspot, der in der Nähe von Tschernobyl entdeckt wird (Wdh. 11. April, 16:10 Uhr)
Sky Atlantic (Pay-TV):
• 19. März bis 21. März, jeweils täglich am Nachmittag sowie am 26. April, jeweils ab 14:35 Uhr und 22:10 Uhr mit allen fünf Folgen am Stück: „Chernobyl“ – US-britische Eventserie von Drehbuchautor Craig Mazin und Regisseur Johan Renck, welche die dramatischen Ereignisse rund um die Nuklearkatastrophe weitgehend auf Basis realer Gegebenheiten beleuchtet und dabei den Fokus auf den Wissenschaftler Waleri Legassow und den Politiker Boris Schtscherbina richtet