Die 5 besten und die 5 verrücktesten Performances von Nicolas Cage

Zum Start von „Spider-Noir“ blicken wir auf einen der skurrilsten Hollywood-Akteure

Christopher Diekhaus
Christopher Diekhaus – 23.05.2026, 17:00 Uhr (erstmals veröffentlicht am 19.05.2026)

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Nicolas Cage mutiert in „Mandy“ zum rücksichtslosen Racheengel – Bild: Koch Films
Nicolas Cage mutiert in „Mandy“ zum rücksichtslosen Racheengel

Bei Hollywoods Exzentrikern ist er ganz vorne mit dabei: Seit seinen Karriereanfängen in den frühen 1980er-Jahren erstaunt und amüsiert der in die berühmte Coppola-Familie hineingeborene Nicolas Cage das Publikum mit inbrünstigen Darbietungen. Sein Schauspielstil (Selbstbezeichnung: Nouveau Shamanic) ist ähnlich exaltiert wie sein Leben, das mit fünf Ehen, skurrilen Sammelleidenschaften, kostspieligen Immobilien und reichlich Steuerschulden selbst einem Film entsprungen scheint. Eigentlich nur folgerichtig, dass dieser Vollblutmime in der Actionkomödie „Massive Talent“ eine fiktionalisierte Version seiner selbst verkörpern durfte. Zum Start der Superheldenproduktion „Spider-Noir“, dem ersten Serienengagement des bekennenden Comic-Fans, am 27. Mai bei Prime Video präsentieren wir euch unsere 5 besten Cage-Performances und nehmen uns zudem seine 5 verrücktesten Auftritte vor. „Schlecht“ ist in seinem Fall schließlich nicht die richtige Kategorie. Zahlreiche Filme, in denen er mitwirkte, mögen unterirdisch sein. Fast immer agiert der gebürtige Kalifornier aber mit vollem Einsatz, bemüht, seinen Figuren interessante Eigenarten zu verleihen.

Beste Performances:

Platz 5: „Joe – Die Rache ist sein“ (2013)

Hierzulande kam das unabhängig produzierte, im Südstaatenhinterland spielende Krimidrama von David Gordon Green, wie so viele Cage-Arbeiten der letzten 15 Jahre, bloß ins Heimkino – und flog deshalb unter dem Radar. Bedauerlich, da der Schauspieler in der zunächst ruhig entwickelten Geschichte um einen Ex-Häftling, der zum Vertrauten eines unter seinem Vater leidenden Teenagers wird, die ganze Bandbreite seines Könnens demonstriert. Inmitten eines Ensembles, das sich auch aus vielen Laien zusammensetzt, überzeugt Nicolas Cage mit einer Mischung aus Understatement und untergründigem Brodeln. Gewaltexplosionen gibt es durchaus. Mit einem stupiden Reißer, wie er sie des Öfteren gedreht hat, haben wir es hier trotz des plakativen deutschen Untertitels jedoch nicht zu tun!

Platz 4: „Adaption – Der Orchideen-Dieb“ (2002)

Keine Frage, der Mix aus Selbstfindungsgeschichte und Hollywood-Nabelschau um einen Drehbuchautor, der eine Schaffenskrise für eine wahnwitzige kreative Reise nutzt, fasziniert vor allem dank der originellen Ideen von Skriptlieferant Charlie Kaufman und Regisseur Spike Jonze. Würdigen muss man allerdings auch das Spiel von Nicolas Cage, der das im Mittelpunkt stehende grundverschiedene Zwillingspärchen so verkörpert, dass nie Zweifel bestehen, welchen der Brüder wir gerade vor uns haben. Verdientermaßen erhielt er für die Doppelrolle eine Oscar-Nominierung. Einen Academy Award mit nach Hause nehmen konnte Cages Kollege Chris Cooper, der in „Adaption – Der Orchideen-Dieb“ eine Nebenrolle bekleidet.

Platz 3: „Leaving Las Vegas – Liebe bis in den Tod“ (1996)

Einen seiner unbestreitbar besten Auftritte absolvierte Nicolas Cage in Mike Figgis’ desillusionierendem Psychodrama „Leaving Las Vegas – Liebe bis in den Tod“, das von einem alkoholkranken Drehbuchautor erzählt, der sich im Glücksspielmekka zu Tode saufen will. In dieser Rolle schlägt er zwar immer wieder über die Stränge, schreit und grimassiert wie wild. Gleichzeitig beherrscht Cage aber auch die ruhigen Töne, die den Zuschauer zutiefst berühren. Vor allem die Momente mit der Prostituierten Sera (Elisabeth Shue), der Partnerin des Protagonisten in den letzten Tagen seines Lebens, geraten immer wieder herzzerreißend, ohne ins Kitschige abzudriften. Der Lohn für die Kraftanstrengung des Hauptdarstellers: ein Academy Award!

Platz 2: „Bringing Out the Dead – Nächte der Erinnerung“ (1999)

Für Nicolas Cage ist Martin Scorseses Porträt eines ausbrannten Rettungssanitäters im albtraumhaften New Yorker Großstadtdschungel einer der besten Filme, den er je gedreht hat. Seinerzeit fand der düstere Stoff beim Kinopublikum allerdings nur wenig Anklang, weshalb auch Cages Leistung selten richtig gewürdigt wurde. Eigentlich bekannt für ausladende Gesten und expressive Gesichtsausdrücke, serviert uns der US-Schauspieler hier eine vielschichtige, teilweise in sich gekehrte Interpretation der Hauptfigur, deren Schmerz oft allein durch einen gequälten Blick greifbar wird.

Platz 1: „Pig“ (2021)

Dass Nicolas Cage es auch erstaunlich ruhig und zurückgenommen angehen kann, demonstriert Michael Sarnoskis Kinodebüt vielleicht am eindrücklichsten. Als ehemaliger Sternekoch, der sich zusammen mit seinem geliebten Trüffelschwein in die Wälder Oregons zurückgezogen hat, gibt der Oscar-Preisträger eine wahrlich kauzige Figur. Erfreulicherweise verfallen Film und Hauptdarsteller nach der Entführung des Haustieres jedoch nicht in den üblichen Cage-dreht-völlig-frei-Modus, sondern treten einen fast meditativen Mix aus Rachedrama und Charakterstudie los. Gerade weil der Mann im Zentrum des Geschehens das leise, melancholische Porträt eines von Trauer erfüllten Außenseiters zeichnet, wühlt „Pig“ emotional weitaus mehr auf als die meisten Arbeiten in Cages über 40-jähriger Leinwandlaufbahn.

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