Joyn Primetime überraschend und kurzfristig eingestellt

    Senderende für Heimat zahlreicher US-Serien ohne Vorankündigung

    Bernd Krannich
    Bernd Krannich – 02.12.2022, 15:23 Uhr

    Joyn Primetime: So überraschend wie der Start war auch das Ende – Bild: Joyn
    Joyn Primetime: So überraschend wie der Start war auch das Ende

    Diese Nachricht kommt sehr überraschend: Der Free-TV-Sender Joyn Primetime der Plattform Joyn wurde mit sofortiger Wirkung eingestellt.

    Nachtrag: Auf Nachfrage von fernsehserien.de hat eine Sprecherin von Joyn Deutschland die Einstellung von „Joyn Primetime inklusive Mediathek“ auf Joyn auf „lizenzrechtlichen Gründe“ zurückgeführt.

    Darüber Informiert eine Einblendung auf dem bisherigen Sendeplatz von Joyn Primetime auf der Joyn-Plattform, die auch verschiedene andere Sender von Sat.1 und ProSieben über Das Erste und ZDF bis zu arte weiterverbreitet werden – auf dem Platz, auf dem in diesem Angebot an Live-Sendern bisher Joyn Primetime zu Hause war, findet sich nun folgender Hinweis:

    Liebe Primetime Freunde,
    wir müssen euch leider mitteilen, dass wir unseren Sendebetreib mit sofortiger Wirkung einstellen.
    Wir bedanken uns herzlich für die letzten drei Jahre Treue zu unserem Sender.
    Euer Primetime Team

    Bereits gestern Abend hatte es Berichte über eine Funktionsstörung bei Joyn Primetime gegeben: Der Stream blieb schwarz, bis auf einen Hinweis auf eine technische Störung.

    Das war Joyn Primetime

    Bisher hatte Joyn Primetime täglich zwischen 20:00 Uhr und 1:00 Uhr Programm geboten, zumeist bestehend aus US-Serien, die nicht erfolgreich genug für eine Verbreitung auf einem der linearen Sender der ProSiebenSat.1-Gruppe waren sowie solchen Serien, bei denen die Programmgestalter der Sendergruppe von Anfang an einen mangelnden Erfolg befürchteten.

    Darunter waren immer wieder auch Deutschlandpremieren von kurzlebigen US-Serien sowie die Fortführung von langlebigen Formaten, die im Free-TV nicht (mehr) ausreichende Einschaltquoten einfuhren und die teils zuvor auch schon im Pay-TV gelaufen waren („The Americans“, „Homeland“). Weiterhin liefen hier zuletzt vermehrt in den USA eingekaufte Serien, die sich jenseits des Atlantiks stärker an das afro-amerikanische Publikum gerichtet haben („Bob ❤ Abishola“, „All American“). Für Dezember waren bei Joyn Primetime unter anderem die Premiere der Anwaltsserie „Proven Innocent“ sowie eine neue Staffel von „Nancy Drew“ angekündigt gewesen.

    Das verdeutlicht auch, dass das Ende des Senders sehr überraschend gekommen sein muss: Noch gestern war das Programm für den Dezember konkretisiert worden und am Montag hatte das Social-Media-Team von Joyn auf den für den 17. Dezember geplanten Start von „Nancy Drew“ verwiesen.

    Die Ausstrahlung von Formaten auf Joyn Primetime – für den die ProSiebenSat.1-Gruppe eine Sendelizenz beantragt und erhalten hatte – erfüllte in der Regel auch lizenzvertragliche Voraussetzung für eine spätere Bereitstellung der Inhalte on Demand.

    Wiedergeburt möglich?

    Während das Ende von Joyn Primetime in der jetzigen Form überrascht, hat Joyn bereits angekündigt, dass man in Zukunft verstärkt auf sogenannte ganztägige FAST-Channels setzen will. Wie auch Joyn Primetime sind diese kostenlos zugänglich und durch Werbung finanziert (FAST = „Free ad-supported streaming television“) und spulen als lineare Sender ihr Programm ab (sind also nicht „on Demand“). Dabei sind diese Sender in der Regel „monothematisch“ und laufen rund um die Uhr.

    In der iOS-Version der Joyn-App gibt es bereits erste solche FAST-Kanäle, etwa zu „K 11 – Kommissare im Einsatz“, „Steel Buddies“ oder „Slavik“.

    Das Geschäftsmodell der FAST-Channels nutzt dabei die Tatsache, dass „Sender“ heutzutage dank Streaming nicht auf die – technisch nur in begrenzter Anzahl vorliegenden – Frequenzen angewiesen sind und dass eben weniger Menschen noch klassisches Fernsehen schauen. Bei FAST werden meist Archivinhalte versendet, die man früher beim nächtlichen Zappen gefunden hätte und hängen geblieben wäre oder die eine gleichbleibende Kulisse bieten, wie sie auch Wiederholungsstrecken im Nachmittagsprogramm liefern.

    In den USA ist FAST bereits eine wichtiges Geschäftsmodell. Vorreiter sind hier Anbieter wie Pluto TV oder auch Roku.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • am

      Proven Innocent wollte ich auch just in der Mediathek schauen und Nancy Drew war für mich zuletzt das Highlight. Krasse Sache das. "Lizenzrechtliche Gründe" hätten sie eigentlich schon etwas früher wissen müssen.
      • am

        Schade, nun kann ich nicht mehr The Code und All American weiterschauen in der Primetime Mediathek. Auserdem hatte ich mich schon auf Nancy Drew und Proven Innocent gefreut. Daraus wird nun wohl nix.
        • am

          "...und dass eben weniger Menschen noch klassisches Fernsehen schauen."
          Das ist doch das Problem. Früher wurde einem was vorgeschlagen und wenn etwas gefiehl, dann hatte man am nächsten Tag etwas worüber man mit Klassenkamaraden oder Kollegen quatschen konnte. Es war wie Nachtisch.
          Und heute? Streamingdienste schießen wie Pilze aus dem Boden, setzen uns nicht selten das gleiche vor, was man im Free-TV teils am gleichen Tag sehen kann, verwurstet Filme zu Serien oder reanimiert Serien, die im besten Fall von Zweifelhafter Qualität sind.
          Und der "Zuschauer" döst vor sich hin. Kein Highlight. Kein Erlebnis. Traurig.
          Ich habe nichtmal mitbekommen, das Joyn Die Sparte Primetime hat. Ich schuae Klassisces Fernsehen. Wenn auch im erweiterten Basicpaket. Das bietet mir ein klein wenig mehr und Strukturiert eine Vorfreude auf etwas, was noch kommt. Das macht freude.
          • am

            Da Joyn Österreich nicht einmal ignoriert und hier nicht zu empfangen ist, erhöht jede Reduktion von Joyn-Inhalten die Chance, diese künftig über andere Anbieter in Österreich bereitgestellt zu bekommen. Die Entwicklung ist daher zu begrüßen!
            • am

              Strategie ist hier nicht zu erkennen!
              • (geb. 1970) am

                Gut das ich auf die " scheiß " Streamingdienst nicht angewiesen bin !
                Alle meine Filme oder Serien habe ich auf VHS oder DVD !
                Mein privater Stramingdienst geht erst kaputt wenn ich Tod bin. -)
                • am

                  Ich habe selbst noch viele Raritäten auf VHS und einige tausend Discs im Regal stehen. Dennoch gibt es vieles exklusiv im Stream worauf ich auch nicht verzichten möchte. Warum sollte ich auch auf etwas verzichten, es steht mir ja alles zur Verfügung. Wenn das jemand anders handhabt, gibt es sicherlich Gründe - wer sagt schon, dass es gute Gründe sein müssen.
                  Aus eigener Erfahrung lass dir gesagt sein, dass dich nicht alle Kassetten überleben werden (Bandsalat, Qualitätsverlust). Nachteile haben nicht nur neue Medien.
                • (geb. 1970) am

                  ich weiß zwar nicht welche Marken du an VHS-Kassetten hast aber ich habe nur Marken wie TDK, Sony, Maxcell die sind 90 % meiner Sammlung und die aberen 10 % sind Agfa,BASF oder auch NoName. Aber bis jetzt hatte ich noch die Bandsalat wie man das von Musikkassetten kennt.
                  Meine 1 VHS ist von BASF und darauf ist " Der weisse Hai " drauf, den ich in dem Jahr auf ARD per Timer aufgenommen habe da wir damals in Jugoslawien waren und in dem Jahr wurde Boris Becker 1.mal Wimbleton Sieger. Und das war 1985 !
                  Heute 2022 Kassette läuft 1 a und Bild und Ton ist TOP
                  Noch Fragen ? -)
              • (geb. 1981) am

                Gestern noch überglücklich, dass endlich die dritte Staffel Nancy Drew kommt, heute zu Tode betrübt... Sehr schade
                • (geb. 1978) am

                  Die US-Serien auf Joyn Primetime und der dazugehörigen Mediathek waren - abgesehen vom kostenlosen Live-TV-Angebot - das einzige Highlight dieser Plattform, die nach dem Ausstieg von Discovery ihrem baldigen Ende entgegensehen dürfte. Der nun erfolgte Schritt ist allein schon deshalb unverständlich, weil gerade diverse Anbieter, allen voran Amazon (FreeVee), mit ähnlichen Angeboten auf dem Markt drängen. Das Ende kommt jedoch auch nicht völlig überraschend, da das Serienangebot in den vergangenen Monaten bereits deutlich ausgedünnt wurde und eine Neuaufnahme von langlebigen Formaten gar nicht mehr stattfand. Trotzdem bin ich froh, dass man auf diese Weise Qualitätsserien wie Homeland, Madam Secretary oder The Americans eine Chance gegeben hat. Die Verantwortlichen dürfen sich dennoch nicht wundern, wenn durch solche Maßnahmen immer mehr Serienfans zu alternativen (ggf. auch illegalen) Streaming-Diensten abwandern.
                  • am

                    Joyn Primetime war aber meines Wissens nach nicht oder wenn überhaupt nur kaum durch Werbung finanziert also ganz im Gegensatz zu Freevee... Und der Sender hatte ja kaum Kosten verursacht - Sendebetrieb von 20-1 Uhr ausschließlich online über Joyn als Stream. Der Sender hat nur die Kosten verursacht die auch ein normaler Pro7 Livestream verursachen würde (wenn auch viel billiger da man nur 5 Stunden sendet) und ein Computer der das Programm automatisch abspielt. Also billiger gehts nicht. 


                    Und wäre Joyn Primetime von Axel Springer würde als Einstellungsbegründung "Zu teuer" kommen :D
                  • am

                    Und das weißt du alles woher bitte? 🎅
                  • am

                    Hast du jemals Werbung bei Primetime gesehen? Und ein 5 Stündiger Onlinestream mit Archivinhalten ist gewiss nicht teuer.
                  • (geb. 1978) am

                    Ich habe den Live-Stream kaum genutzt, konnte da aber in der Tat nur wenig Werbung feststellen. In der Primetime-Mediathek war der Werbeanteil dagegen deutlich höher. Ich schätze sogar, dass er den von Freevee und anderen Anbietern übertroffen hat. Insofern würde ich nicht behaupten, dass der Sender nicht werbefinanziert war, wenn man das Gesamtpaket "Live-Stream + Mediathek" betrachtet.

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